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Reise und Pässe

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Pyrenaeen-Planung fuer Profis

  • artie_1970, 05.01.2019, 11:28 Uhr
    Servus zusammen und Frohes Neues!

    "The same procedure as every year": Dieses Jahr soll es in gewohntem Modus in die Pyrenaeen gehen. Das heisst 3 bis 4 Wochen, 15 bis 20 Etappen in 2er- bis 3er-Bloecken, dazwischen Ruhetage. Minimalgepaeck von 5 kg am Reiserenner. Anreise mit dem Mietwagen, Abgabe dort, also einfache Strecke mit ordentlichem Aufpreis, zurueck dito. Soweit die uns bekannten Rahmenbedingungen, nur das Ziel ist fuer Miss Sophie und James komplett neu.

    Stammleser, die meine meist zu langen Beitraege kennen, wissen, dass ich Wert auf Tourendramaturgie lege: Bei Reisen dieser Laenge muss eine tragfaehige Idee her, die die Tour zu einer runden Sache macht (nicht notwendigerweise zu einer Rundtour), damit die Motivation bis zum Schluss erhalten bleibt. Ueber die Feiertage habe ich mal ein paar Rohentwuerfe zusammengeklickt:

    1. Der Grundidee des https://en.wikipedia.org/wiki/Raid_Pyr%C3%A9n%C3%A9en (vom Atlantik zum Mittelmeer auf franzoesischer Seite moeglichst dicht an der Grenze entlang) habe ich das Pendant vorgeschaltet, also vom Mittelmeer zum Atlantik auf spanischer/andorranischer Seite moeglichst dicht an der Grenze entlang. Das gibt 970 km und 16000 Hm zum Einrollen und 810 km und 19000 Hm zum Ausrollen. Eine veritable Pyrenaeen-Umrundung, sozusagen "Raid Pyreneen Espagnol" plus "Raid Pyreneen Francais" ausschliesslich aus Paessen, in Summe 1780 km und 35000 Hm.

    2. Auf quaeldich.de und salite.ch (einen Pyrenaeen-Denzel gibt es ja leider nicht) habe ich die hohen, hoehenmeterreichen, langen, schoenen, harten, schweren und steilen Anstiege gesucht und gefunden und so gut es ging zu einer Tour vom Atlantik zum Mittelmeer verbunden. Dabei werden diverse Male der Hauptkamm gequert, die Laender gewechselt und Sackgassen tief ins Gebirge hinein erkundet, um nur ja keine statistische oder landschaftliche Attraktion zu verpassen. 1590 km, 38000 Hm fuer die einfache Fahrt West-Ost, also keine Rundtour.

    Miss Sophie und James haben nun gehoert und gelesen, dass die beiden Pyrenaeen-Seiten sehr unterschiedlich sind: Frankreich mit hohen Paessen an der steilen Kante (eher alpin), Spanien mit langen Taelern an der schiefen Ebene (eher idylisch, manche sagen: viel schoener). Wir kennen und schaetzen die Alpen.

    Besteht die "Gefahr", dass Tour 1 uns zu langweilig wird (nur wenige Male wird auf spanischer Seite die Hoehe des Riedbergpasses, 1420 m, ueberschritten, die Baumgrenze liegt mutmasslich hoeher als in Nordschottland, so dass man sich vorkommt wie im Bayerischen Wald)?

    Besteht die "Gefahr", dass Tour 2 uns zu langweilig wird (wie die Alpen, bloss nicht so hoch und ohne Weiss, waeren wir mal besser ins Wallis gefahren)?

    Besteht die "Gefahr", dass Tour 2 durch den staendigen Seitenwechsel den Kontrast zwischen franzoesischen und spanischen Pyrenaeen verwaessert?

    Besteht die "Gefahr", dass Tour 1 zu viele Hoch- und Hoehepunkte verpasst, weil wegen der kompletten Umrundung des Gebirges keine Zeit fuer Sackgassen bleibt?

    So, und jetzt bitte ich die Pyrenaeen-Kenner um Kommentare. Mir geht es noch nicht um die Detailplanung (Pass A oder B, Sackgasse A ja oder nein), sondern um die Vogelperspektive/Tourendramaturgie.

    Sollte das ganze in Richtung 3-fach/2-fach/1-fach, Scheibe/Felge, Allroad-Bikes usw. abdriften, mische ich natuerlich auch gerne mit. (-:

    Danke vorab und ich freue mich auf die Diskussion.

    Tschoe!

    Axel
  • AP, 05.01.2019, 16:56 Uhr
    Tendenziell würde ich von einer Komplettumrundung abraten und mir vom baskischen Teil der Pyrenäen nur die französische Seite geben. Meine Einschätzung basiert aber nicht auf eigener Erfahrung, sondern auf dem, was ich für interessant halte.

    Die Unterschiede zwischen beiden Seiten bestehen eher darin, daß die Südseite mehr Sonne, aber nicht unbedingt weniger Niederschläge hat. Sprich es kann im Süden mal karger sein, muß aber nicht. Nur so als Beispiel, der Weg zur Skistation Tavascan könnte von der Vegetation her auch in der Ariege liegen.

    Desweiteren gibt es in der Tat Sackgassen, die man gesehen haben sollte. Ich denke da an Troumouse, Cap Long, Cabus oder Coll de Pal.

    Was auch viele Leute außer Acht lassen, ist daß die Pyrenäen in Katalonien ziemlich weit nach unten ausfasern und man dort alleine zwei Wochen herumgondeln kann.

    Mehr fällt mir erstmal nicht ein, ich bräuchte noch ein bißchen mehr Info....
  • artie_1970, 05.01.2019, 23:25 Uhr
    Servus Namensvetter,

    auf deine Beteiligung hatte ich gehofft, du hast in der Ecke ja viele Anstiege beschrieben. Danke.

    Ueber die spanische Seite der Atlantikpyrenaeen habe ich gelesen, dass die wie Wales oder England ausschaut. Aus meiner Sicht attraktiv und sicherlich ein netter Kontrast zu Tourmalet und Co. Die von dir genannten Sackgassen sind in der West-Ost-Variante alle eingeplant, wobei ich Cabus als Pass fahren wollte und Pal (falls nicht mit Randonneur machbar) notfalls schieben (laut Renko nur ein kurzes Stueck). Der ausgefranste katalanische Teil wird ganz im Sueden wohl wegfallen. Der Teil suedlich vom Nationalpark Cadi Moixero scheint aber ein Nest der attraktiven Anstiege zu sein und boete sich fuer einen Schlenker an.

    Meine Frage war sicherlich noch zu vage. Vielleicht kann ich es so formulieren: Ist die Suedseite so gruendlich anders/abwechslungsreich, dass ihre Komplettbefahrung fuer die fehlenden Sackgassen entschaedigt? Oder sollte ich nur West-Ost fahren und dafuer ein paar mehr Rosinen picken?

    Tschoe!

    Axel
  • AP, 06.01.2019, 11:09 Uhr auf artie_1970
    Mit der Frage nach den Atlantikpyrenäen erwischt du mich ein bißchen auf dem falschen Fuß, alldieweil ich weder Navarra noch den größten Teil des französischen Baskenlands kenne. Ich meine aber, daß die von die beschriebenen Landschaften auf der französischen Seite sind. Deswegen bleibe ich bei meinem Rat, eine Dreiviertelrunde plus Minirunde im französischen Baskenland zu drehen. Bzw., du könntest auch im Bereich von Larrau/Pierre St. Martin/Somport die Schaukel machen und dann in Aragon die Südseite beginnen (Sahun dürfte mit deinem outfit auch machbar sein)....

    Wenn du meinst, dieser Trip wäre das erste und letzte Mal in den Pyrenäen, würde ich eher Highlight-Sackgassen mitnehmen als eine Komplettumrundung machen.

    Cadi/Moixero ist in der Tat sehr hübsch, falls du da durchkommst, empfehle ich Coll de la Trava/Coll de Josa, wenig Verkehr und du fährst direkt am Pedraforca vorbei, dem meiner Meinung nach sehenswertesten Berg der Pyrenäen. Die allerschönste Strecke im Bereich Cadi/Moixero ist aber der Coll de Pal (wegen der grandiosen Aussichten), dicht gefolgt von der Alternativsüdseite zur Creueta von hinter Gombren.

    Gruß
  • artie_1970, 06.01.2019, 13:39 Uhr
    Servus,

    den Larrau/Pierre St-Martin habe ich fuer die einfache W-O-Variante vorgesehen, Sahun ebenfalls, Trava, Josa, Pal und Creueta sind alle auf dem Radar. Danke soweit fuer deine Einschaetzung!

    Axel
  • Flugrad, 07.01.2019, 00:11 Uhr auf artie_1970
    Hallo Axel,

    unsere Tour 2008 - siehe http://www.quaeldich.de/touren/tour-transpyrene-2008/
    kann ich nur weiterempfehlen. Würde ich jederzeit noch einmal so fahren. Der Track ist leider nicht komplett, dafür die Pässeliste inzwischen fast komplett im qd zu finden. Bei den Straßenverhältnissen hat sich im Westen die Lücke Sare-Col de Lizzarieta-Etxalar-Puerto de Otxondo im TP geschlossen. Der Artigascou (E 7) ist nach wie vor ein Abenteuer mit dem Rennrad, aber machbar - allerdings würde ich von der Passhöe den Weg zum Menté (nahezu eben und zumindest bei Trockenheit problemlos mit dem Renner befahrbar) nehmen und von dem abfahren Richtung Portet d'Aspet. Im Osten der Canigou: so, wie wir gefahren sind, geht es trotz Schotterstrecke auch heute noch ganz gut und sehr schön.
    Zu den Charakteristika: nichts hinzuzufügen, wobei auf der französische Teil des Baskenlandes walisischen Charakter aufweist. Generell: auf F-Seite unzählige schöne kleine Sträßchen, in E zumindest entlang des Hauptkammes eher schwierig.
    Vor allem im Osten gibt es dazu noch herrliche Pässe für Touralternativen zwischen Tarascon und Prades - siehe unsere zweite Pyrenäentour von 2015:
    http://www.quaeldich.de/touren/schwarzwald-pyrenaeen-tarragona-2015-wilde-mischung-mit-einigen-hindernissen/
    Auf spanischer Seite hätte ich zumindest einen Planentwurf zu bieten bis etwa den Grenzbereich zwischen Katalonien und Navarra. Kann ich Dir bei Bedarf emaillieren. Grundsätzlich siehe AP: Katalonien hat pyrenäenmäßig einiges zu bieten, weiter westlich eher eng.
    Port de Cabús: unbedingt von spanischer Seite aus anfahren. Geht per Rennrad, wenn man nicht allzu empfindlich ist., lohnt sich!
    Ein persönlicher Tipp: ich würde nur Pyrenäen West-Ost entlang des Hauptkammes fahren und mich anschließend auf die katalonischen Pyrenäen konzentrieren. Und mir dann die Bergwelt zwischen Lleida, dem Ebro und Tarragona gönnen. Die öden Strecken dazwischen lassen sich recht problemlos mit den Cercanías/Régionales der RENFE (spanische Bahn, Velomitnahme gratis) überbrücken.
    Zum spanischen Teil des Baskenlandes kann ich nichts beitragen.

    Gruß

    Ulrich
  • artie_1970, 08.01.2019, 21:36 Uhr auf Flugrad
    Servus Ulrich,

    eure beiden Touren hatte ich natuerlich schon gesichtet, um mir Anregungen zu holen. Der Artigascou klingt gut, falls wir die alternierende Variante waehlen. Den Cabus haben wir wie von dir empfohlen vor.

    Danke!

    Axel
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