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Čakor (1849 m)

Weiterfahrt hinter dem Pass: wie auf einem Balkon

Auffahrten

Von Renko – Der Beginn der Ostauffahrt auf den Čakor liegt in der Stadt Peć wo auch die zweite Pass-Straße vom Kosovo nach Montenegro, jene über den Kula, ihren Ausgang hat. In der Stadt herrscht ein ähnlicher Rummel wie in anderen Städten im Kosovo, sie ist aber etwas kleiner als zum Beispiel Prizren oder vor allen Dingen Pristina. Der Bazar ist einen Besuch wert (er wurde 1999 zerstört, ist heute aber vollständig restauriert).
Von der Fußgängerzone im Zentrum von Peć fährt man weiter in Richtung Westen. Das Einbahnsystem lenkt den Verkehr kurz nach rechts, dann wieder nach links. Auf der linken Straßenseite passiert man die restaurierte katholische Kirche von Peć.

Die Straße gewinnt nur sehr sanft an Höhe. Links und rechts stehen Restaurants, dann ändert sich die Umgebung plötzlich: die Stadt ist zu Ende, ein Wachposten der NATO steht an der Straße. Links befindet sich der Eingang zum Serbisch-Orthodoxen Pećka Patrijaršija. Die Hauptstraße führt gerade aus weiter, eine Mauer trennt sie von der Patrijaršija.

Dann beginnt eines der Highlights des Kosovo: die Rugova-Schlucht. Die Straße schlängelt durch das tief eingeschnittene Tal. Dort wo das Tal zu eng ist, hat man die Straße in den Berg geschlagen: mal mit kurzen Tunneln, mal mit Überhängen. Kehren folgen, der Höhengewinn bleibt im Alpenvergleich moderat.
Weiter oben breitet sich das Tal etwas aus. Familien aus Peć machen Picknick am Fluss, auch gibt es einzelne Restaurants. Wie sonst im Kosovo findet man auch hier Erinnerungen an Menschen, die ihr Leben im Kosovo-Konflikt verloren haben.

Nach ca. 24 km geht die Asphaltierung zu Ende. Eine geschotterte Piste führt geradeaus weiter. Die 2011 nicht ausgeschilderte Route zum Čakor führt nach links weiter, das Tal wird wieder enger. Nun ist die Weiterfahrt nicht mehr rennradtauglich; die Straße ist zudem zum Teil durch Vegetation zugewachsen und dadurch recht eng. Nur die gleiche Stützmauer auf der linken Hangseite wie weiter unten erinnert an eine frühere Bedeutung der Straße.

Nach etwa 2,5 km erreicht man die im Internet viel fotografierten Sperrblöcke, die eine Weiterfahrt per Auto unmöglich machen. Obwohl der Pass noch in weiter Ferne liegt, befindet sich bereits hier die internationale Grenze zwischen dem Kosovo und Montenegro. Zur großen Überraschung ist aber die Straße hinter dem letzten Betonblock neu asphaltiert.

Nun geht die Fahrt weiter im Sattel. Die Straße führt zuerst ein Stück geradeaus, ehe eine Serie von Serpentinen beginnt; die Steigung hier bei 10 %. Nach weiteren 7 Kilometern durch eine malerische, an die Alpen erinnernde Hochgebirgslandschaft ist die Passhöhe endlich erreicht.

Auf dem Pass war 2011 nur ein Straßenunterhaltsgebäude. Ein Denkmal erinnert an Gefallene im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Im Ersten war Montenegro ein unabhängiger Staat, im Zweiten Teil des Königreichs Jugoslawien. Ein weiteres Denkmal erinnert an die in der allgemeinen Beschreibung erwähnte Einweihung der Passstraße im Jahr 1925.

Hinter dem Pass ändert sich die Landschaft: Anstatt beklemmender Enge hat man eine Art Amphitheater mit grenzenlosen Ausblicken nach Westen. Zuerst führt die Straße flach, verliert dann später an Höhe. Auch hier ist sie kürzlich asphaltiert worden.

Im Dorf Murino geht die Abfahrt zu Ende. Am Rande des Dorfs ist eine orthodoxe Kirche im Bau. Links führt die Hauptstraße nach Plav mit schönem See. Die Straße geht dann weiter zu einem Dorf namens Gusinje, dann quert sie die Grenze nach Albanien, der Übergang ist erst seit kurzem wieder passierbar. Die lange, extrem anspruchsvolle Fortsetzung durch wildestes Gebiet nach Skodra bzw. Podgorica wurde von einem holländischen Tourenfahrer mit den Wörtern „wie in Pakistan“ beschrieben.
Rechts führt die Straße weiter ins Herz von Montenegro.

Diese Passstraße steht nach Auffassung des Autors eindeutig auf gleicher Höhe mit den Klassikern der Alpen. Viele Kilometer und Höhenmeter, ganz unterschiedliche, ursprüngliche Landschaften, und ein rudimentärer Ausbau. Hinzu kommt der illegale Grenzübertritt, der Kirchenbau und serbisch-nationalistische Graffiti in Murino, der niedergebrannte und in kürzester Zeit wiederaufgebaute Peć mit orientalischem Flair, das Rugova-Tal mit kosovar-albanischen Volkstraditionen und letztlich auch viel Kriegswiderstand, und allem voran die geschlossene, mittelalterliche Welt des Patriarchats von Peć. Der Gegensatz zwischen der harmlos und verletzlich wirkenden Kirche mit ihren einmaligen, unbeschreiblich schönen und imposanten Jahrhunderte alten Fresken, und dem Ausmass der politischen Explosivität als serbische Insel inmitten des albanisch dominierten Kosovo, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie wird vermutlich für viele Jahrzehnte von der NATO überwacht werden, denn ein Angriff auf die Kirche wie beim Dević Kloster im Drenica-Tal 2004 könnte verheerende Folgen haben.


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05:30:00 | 17.08.2011
Renko
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