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Blockhaus (2100 m) Passo Lanciano

Die Majella zum Greifen nah.

Auffahrten

Von christoph – Der eigentliche Anstieg beginnt sanft an der Abzweigung nach Reginaldo von der strada statale 81 auf ca. 140 m Höhe (bis dorthin hat man sich mit ca. 450 Hm über die Vorhügel eingerollt) und führt auf kleiner Straße sehr kurvig über Terranova nach Roccamontepiano (450 m) durch Getreide-, Mais-, Wein- und Obstgärten. Hier gibt es das letzte Lebensmittelgeschäft vor dem Passo Lanciano.
Die nun folgende Passstraße ist überwiegend gut ausgebaut und erreicht über weite Kurven in 13 km den 1310 m hohen Passo Lanciano. Die Steigung ist völlig gleichbleibend bei geschätzt 6–7 %. Der Autoverkehr war sehr gering. Erst etwa 2 km vor dem Passo Lanciano, einer typisch italienischen Skistation, hat man etwas Schatten. Am Passo Lanciano mündet eine aus dem Pescaratal über Lettomanopello aufsteigende Straße.
Nur kurz kann man im Schatten fahren, ab etwa 1500 m Höhe fehlt der Baumbestand völlig. Die Straße wurde für den Giro d’Italia 2009 bestens präpariert und steigt weiter sehr gleichmäßig in weiten Kurven zu den militärischen Antennenanlagen auf 1800 m Höhe und bis zum Etappenziel des Giro d’Italia an. Die Gesteinsbrocken, der fehlende Baumbestand und die klimatischen Bedingungen erinnern unwillkürlich an den Mont Ventoux.
Ab dort verengt sich die Straße auf eine Spur und ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Der Belag wird deutlich rauher, es gibt einige teilweise tiefe Löcher im Asphalt. Die letzten ca. 300 Hm verlaufen auf oder kurz hinter dem Bergrücken, wobei man dem heftigen Wind schutzlos ausgeliefert ist. Der weht hier so heftig, daß nur noch niedere Latschenbüsche wachsen können. Die Straße endet an einer Wendeplatte, ab hier gibt es noch einen etwa 500 m langen, leicht ansteigenden Betonweg, der an einer Kapelle mit Aussichtspunkt auf 2100 m (GPS-Messung) Höhe endet. Ab hier geht ein Trail über den 2790 m hohen Monte Amaro in südlicher Richtung durch den gesamten Nationalpark Majella.

Wir haben die Fahrt bei 35 Grad Celsius in schwüler Hitze begonnen, hatten ab einer Höhe von 1000 m Nieselregen, erreichten den Gipfel unter Durchzug sturmgepeitschter Nebelschwaden und fanden die Straße bei der Abfahrt nur mit Mühe wegen des Nebels. Das Thermometer fiel innerhalb von wenigen Stunden von 35 Grad Celsius auf 12 Grad im Tal. Der Regen war so heftig, dass innerhalb von Minuten die Straßen geflutet waren.

Bitte beachten:
In der offiziellen Karte des Touring Club Italiano (Kümmerly + Frey) ist eine Straße aufgeführt, die aus dem Pescaratal über Roccamorice zum Blockhaus führt und auf ca. 1700 m Höhe auf die oben beschriebene Straße mündet. Diese Einmündung liegt nahe dem Hotel Mamma Rosa und kann leicht übersehen werden. Ein Straßenschild ist nicht vorhanden. Dieses Sträßlein ist nach Auskunft von Einheimischen die härteste Aufstiegsvariante.

Die Bilder zeigen den Berg am frühen Morgen vom Stützpunkt aus, auf halber Höhe den Passo Lanciano, die Straße kurz vor dem Etappenziel des Giro d’Italia 2009, die letzten Meter auf der einspurigen Piste und am Endpunkt meinen Kumpel Walter (Helm ab) und mich.

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Von AP – Der im folgenden beschriebene Anstieg gilt als eine der härtesten Auffahrten, die man in Italien überhaupt mit dem Rennrad machen kann, wenn man einmal von extrem steilen Pisten ins Nirvana oder gnadenlosen Militärpässen absieht. Knapp 2000 Hm bei einem Steigungsprofil, das kaum ein Flachstück aufweist, sind ein Wort und erfordern nicht nur eine gewisse physische Kondition, sondern auch psychische Robustheit. Als Vergleich zu dieser Auffahrt taugen, wenn überhaupt, die langen Wege zum Colle dei Morti oder zum Colle del Nivolet oder auch zum Timmelsjoch, aber der Blockhaus ist wahrhaftig ein endlos langer Ritt und kann einen mürbe machen wie Kuchenstreusel.
Der Startpunkt ist selten hässlich. Im Hinterland von Pescara zweigt knapp außerhalb des nichtssagenden Dorfes Scafa auf Höhe eines dreckigen Industriekomplexes von der strada statale numero cinque eine Landstraße nach Lettomanopello ab. Erzählte man einem Ortsunkundigen, daß 30 km weiter oben ein gewaltiger Aussichtsbalkon über die Region Abruzzen wartet, würde der gewiss nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Es ist aber so.

Bis Lettomanopello führt die allmählich ansteigende Straße durch recht zersiedeltes, größtenteils landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Obwohl nur ca. 30 km Luftlinie von der Adria entfernt, wirkt die Gegend alles andere als charmant-mediterran. Lettomanopello ist ein ziemlich lang gezogener Ort, und so braucht es eine Weile, bis man ihn durchquert hat. In der Ortschaft verfahren kann man sich nicht, weil der Passo Lanciano an jeder Ecke ausgeschildert ist und es auch nicht an Hinweisen auf den Nationalpark Majella fehlt. Im oberen Teil des Orts ist die Steigung bissig, dort gibt es die steilsten Rampen der gesamten Strecke. Den Autor befielen Zweifel am Projekt Blockhaus-Besichtigung, denn zwanzig weitere Kilometer mit solchen Prozentzahlen wie in Lettomanopello wären nur ganz schwer zu treten gewesen. Zum Glück wird es hinter den letzten Häusern wieder etwas flacher.
Aber nicht für allzu lange. Die Straße zieht wieder an und führt in Schlenkern durch eine offene, mit niedriger Vegetation bestandene Landschaft, die schon zum Nationalpark gehört. Zur rechten Hand sieht man die Montagne del Morrone, den Durchbruch der Pescara, die den Bereich der Majella von den Ausläufern des Gran Sasso trennt, und das kahle Massiv des Sirente-Velino dahinter. Und in Fahrtrichtung wächst der Bergstock der Montagna della Majella immer höher. Genau dort ist das Ziel des Anstiegs.
Man passiert einen Picknickplatz, von einer Serpentine aus erahnt man das Mittelmeer in der Ferne, und dann ist es soweit: der härteste Abschnitt der gesamten Auffahrt beginnt. Mehr als dreitausend Meter einfach nur geradeaus mit 10 % Steigung und sengender Sonne. Dieses Stück ist vor allem mental schwer zu verarbeiten, da man noch nicht mal die Hälfte des Anstiegs hinter sich hat und meint, bei aller Anstrengung käme man einfach nicht vom Fleck. Größtenteils führt die Gerade durch einen verbrannten Wald. Zwischen den toten Stämmen wächst viel frisches Grün. Ein Waldbrand muss keine Katastrophe sein, die Natur erholt sich von alleine, wenn man sie nur lässt.
Am Ende der Gerade ist man im kühlen Bergwald angekommen. Es wird für ein paar Meter wieder flacher. Welch eine Erleichterung! Ein weiterer steiler Kilometer folgt, dann ist der Passo Lanciano erreicht. Dort biegt man auf die breite Hauptstraße ein, die von Osten heraufkommt.
Der Weg vom Passo Lanciano an ist derselbe, wie er von Christoph weiter oben beschrieben ist. Schade, dass Christoph soviel Pech mit dem Wetter hatte, denn der Abschnitt mit den weiten Kehren an dem offenen Berghang hinauf ist enorm aussichtsreich, und die Kammstraße hinter der riesigen Antennenanlage ist ein Traum! Von dort aus sieht man einfach alles, die gewaltige Majella, das Meer tief unten, den Corno Grande am Horizont undsoweiterundsofort. Eine solch abwechslungsreiche Rundumsicht wie von dem letzten Kilometer dieser Auffahrt ist schwer zu finden und lohnt wirklich alle Mühen. Man hört und liest kaum einmal von diesem grandiosen belvedere am Blockhaus, vermutlich weil sich allzu selten Leute dort hinauf verirren...aber wer einmal dort war, wird für immer an die Einzigartigkeit des Blockhaus denken.

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Von h20 – Der Ausgangort, das Dorf Roccamorice am Nordrand des Majela Massivs im gleichnamigen Nationalpark in den Abruzzen, ist kein geeigneter Urlaubsort, weshalb zu den 1500 Hm des reinen Anstieges zum Blockhaus noch einige, Majella typisch, steile Höhenmeter für eine Anfahrt dazukommen werden. Je kleiner eine Straße in dieser Region ist, desto mehr Höhenmeter und desto steiler wird sie sein, wobei Steigungen mit 15 % und darüber eigentlich immer erreicht werden. Von Palombaro im Osten der Majella waren es z.B. 45 km mit gut 1000 Hm und mehreren 16 %-Stücken.

Die Auffahrt von Roccamorice über die SP 22 liegt quasi parallel zur Nordwestauffahrt von Scafa über Lettomanopello über die SP 65, nur südlicher und lediglich getrennt durch ein tiefes Errosionstal. Der Anstieg über Roccamorice trifft den bereits von Christoph beschriebenen finalen Anstieg, den alle Varianten nehmen müssen, vom Passo Lanciano zum Blockhaus erst bei der Fonte Tettone (ca. 1700 m Höhe) nahe dem Hotel Mamma Rosa bei dem breiten und asphaltierten Skipisten-Zugang. Fährt man von Scafa über Roccamorice zum Blockhaus, so darf man der Auffahrt noch ca. 12 km und 500 Hm zuschlagen.

Gestartet wird am Auswandererdenkmal in Roccamorice auf der SP 22, dort ist das „Block HausSL” und die Fonte Tettone ausgeschildert. Ein Teilstück des Aufstiegs ist auch Teil des Majella-Radwegs Nr. 4 zur Eremo S. Spirito. Zunächst noch mäßig steigend geht es vorbei an den bereits Anfang Juli abgeernteten, goldenen Feldern in gleißender Hitze. Der relativ gerade und flachere Straßenverlauf endet hinter der Ortschaft Pagliari bei einem namenlosen Abzweig, der nur wegen seiner Quelle von Bedeutung ist; es ist die letzte für die nächsten gut 1000 steilen Höhenmeter. Hier sind nur noch die Einsiedelei und die Fonte Tettone ausgeschildert.

In weiten Schwüngen wird der steile, schattenlose, kahle Agrarhang Meter für Meter bezwungen, wobei sich die Steigung knapp unter 10 % einpendelt und selten deutlich darüber ansteigt; maximal 13 % habe ich gemessen. Außer Asphalt habe ich nur noch meine Schweißtropfen gesehen. Irgendwann zweigt die Straße zur Einsiedelei rechts ab und der Antennenwald des Zieles kommt in den Blick. Erst jenseits der 1500 m Höhe ändert sich der Charakter langsam und die Straße taucht für ein längeres Stück in ein Wäldchen ein und führt gerade, parallel zur Abbruchkante eines tiefen Errosionstales. Kaum aus dem Wald heraus taucht rechts die Fonte Tettone auf und die ersten Häuser der Skistation kündigen das letzte, gemeinsame Stück aller Aufstiegsvarianten an.

Als Abfahrt ist die Piste wegen ihres leidlichen Belages (2016) nicht gerade geeignet. Ich fand die Nordwestauffahrt von Scafa über Lettomanopello als Abfahrtsvariante genial: Eine lange Gerade mit Blick auf das Grand Sasso Massiv und den Pescara-Durchbruch, den die Majella vom Gran Sasso Massiv trennt! Dass man im Hochgebirge ist, sollte man nie vergessen. Kurzzeitige Wolken ließen die Temperaturen schnell über zehn Grad fallen.
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