Boí-Taüll (2055 m)
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Boí-Taüll (2055 m)
Pyrenäen, Katalonien.
Ganz weit weg vom Rest der Welt liegt im Wilden Westen Kataloniens, genauer: in der kleinen Comarca Alta Ribagorça, das paradiesische Vall de Boí. In diesem Tal findet man Ruhe vor unserem globalen Zeitalter, unberührt anmutende Natur und einen der bedeutendsten Kunstschätze der Pyrenäen. Oder vielmehr eine ganze Menge von Kunstschätzen in Form von neun Kirchen, die über das Tal verteilt sind. Diese Gotteshäuser, von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt, wurden zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert erbaut. Aufgrund ihrer wehrhaften Türme und ihres reinen romanischen Stils, der an die alten Kirchenbauten der Lombardei erinnert, wird vermutet, dass man sich damals auf dem norditalienischen Arbeitsmarkt umschaute und die Erbauer von dort mit großzügigen Angeboten weglockte. Nicht nur das Äußere der Kirchen macht diese zu fantastischen Kunstwerken, sondern auch die farbenprächtigen Wandmalereien im Inneren der drei Kirchen der Dörfer Boí und Taüll tragen dazu ihren Teil bei. Schon vor langer Zeit wurden die Bilder von den Wänden entfernt und nach Barcelona geschafft, wo man sie heutzutage im Museum für romanische Kunst im Palau Nacional bewundern kann. Allerdings wurden an ihre Stelle Repliken gesetzt, so dass man sich vor Ort ebenfalls einen ganz guten Eindruck verschaffen kann. Mir persönlich gefallen die Malereien der Kirche Sant Joan in Boí am besten. Dort gibt es bunte Panther, Kamele und Fabeltiere, und mittendrin steht der seltsame Mann mit den scharfen Gesichtszügen, der sein Gewand lüpft und sein Gemächt zur Schau stellt. Aber der entscheidende Teil ist abgekratzt worden und überhaupt: Wer hat die augenzwinkernde Chuzpe besessen, eine solche Szene in einer Kirche abzubilden?
Es gibt im Tal und um das Tal herum, sprich auf diesem wunderbaren Fleckchen Erde, aber noch mehr zu entdecken, wie zum Beispiel der westliche Teil des Nationalparks Aigües Tortes mit seinen tausend Seen, Bächen und Kaskaden oder die Thermen von Caldes de Boí mit dem verwunschenen Park, in dem man im kühlen Schatten neben einem rauschenden Wasser einen heißen Tag verträumen kann.
Gut, wir wollen nicht träumen, sondern Radfahren. Das Tal hat auch ein Skigebiet, und das liegt über 2000m hoch, eine Seltenheit in den Pyrenäen. Der Weg dort hinauf ist nicht besonders anspruchsvoll verglichen mit anderen Pyrenäen-Skistationen wie Plateau de Beille, Lourdes-Hautacam oder dem Coll de Pal. Aber welche andere Auffahrt kann sich schon rühmen, mit gleich drei Weltkulturerben gespickt zu sein?
Für die Beschreibung danken wir AP 

Liste der Auffahrten
| Nordwestanfahrt von der L-500 | 14,3 km | 825 Hm | ![]() | ![]() |
Nordwestanfahrt von der L-500 14,3 km / 825 Hm

Ausgangspunkt der Nordwestanfahrt ist eine Abzweigung von der L-500 nördlich von Barruera (1230 m Höhe). Von Barruera her steigt die L-500 teilweise schon recht ordentlich an in Richtung Caldes de Boí, den Ausgangspunkt der Auffahrt zur Skistation legen wir aber der Einfachheit halber auf die Abzweigung in Richtung Boí/Taüll, etwa auf halbem Weg zwischen Barruera und Caldes de Boí. Da die Skistation auf einem Schild dort mit einer Entfernung von 17 km angegeben ist, vermute ich, daß sich da einer beim Messen in den Bergen verlaufen hat, denn tatsächlich beträgt die Entfernung nur wenig mehr als 14 km.Der erste Kilometer ist recht flach, aber direkt vor Boí zieht die Straße deutlich an und führt im zweistelligen Bereich durch den Ort hindurch, wobei die Kirche Sant Joan rechts unter uns zu sehen ist. Hinter Boí geht es mit 7% bis 8% Steigung über einige Serpentinen weiter nach Taüll. Die Landschaft mit ihren Wiesen, Bäumen und der umliegenden Bergwelt macht die Auffahrt zu einem Augenschmaus. Am Ortseingang von Taüll fahren wir an der bekanntesten Kirche des Tals, Sant Climent, vorbei. Man sollte hier ein bisschen vorsichtig sein, die Kirche ist gut besucht, links und rechts gibt es zwei Parkplätze, und wie das in Spanien nun mal so ist, wird ein wenig chaotisch mit den Autos hin- und herrangiert. Im Bogen umfahren wir den Ortskern von Taüll und erblicken zwischen den grauen Steinhäusern (nicht alle sind so alt, wie sie aussehen wollen) die dritte Kirche namens Santa Maria.
Etwa bei Kilometer 5,5 gelangen wir in ein Hochtal und alles ändert sich mit einem Schlag. Die Straße wird flacher und die Landschaft karg und alpin. Mitten in diesem Hochtal liegt recht verloren ein großer Hotelkomplex, der anscheinend hauptsächlich im Winter Gäste anlockt... zumindest wollen wir das mal für die Betreiber hoffen. Etwa bei Kilometer acht fahren wir auf einem steileren Stück an einem bewaldeten Berghang nach Süden, dann ist aber wirklich Ende mit höherer Vegetation. Hinter einem Kuhrost geht es kurz bergab, dann beginnt der Schlussanstieg. Langsam wird es wieder steiler, bis sich die Straße auf etwa 7% einpendelt und sich über vier Serpentinen hoch durch alpine Matten zur Skistation schwingt. Der höchste Punkt der Auffahrt ist dann nicht die Skistation selbst, sondern der rechts daneben gelegene Parkplatz, auf dem noch die Zielmarkierung eines Radrennens mit dem Logo eines großen spanischen Telefonanbieters zu sehen ist. Wahrscheinlich stammt die Malerei noch von der Volta a Catalunya 2002, als Aitor Garmendia dort ein Zeitfahren gewann, das direkt vor Sant Climent gestartet worden war.
Für die Beschreibung danken wir AP 










