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Lago del Narèt (2310 m)

Steilheit, versuesst durch Ausblicke

Auffahrten

Von AP – In Bignasco am nördlichen Ende des Valle Maggia fließen zwei Bäche zusammen, die Maggia und die Bavona. Auf der Brücke über die Bavona beginnen wir die Auffahrt zum Lago del Narèt. Dabei folgen wir aber nicht dem Lauf der Bavona nach Nordwesten, sondern fahren praktisch die gesamte Auffahrt an der Maggia entlang, und zwar nach Nordosten ins Val Lavizzara hinein.
Über die ersten 10 km der Auffahrt gibt es nicht viel zu erzählen. Das Val Lavizzara unterscheidet sich nicht wirklich von anderen, spärlich besiedelten Alpentälern. Die Kulisse ist prächtig bei schönem Wetter und düster, wenn Nebelschwaden die Bergflanken hinuntertränen. Wir pedalieren also gemütlich vor uns hin, wobei die Steigung nur am Anfang hinter Bignasco mal ein wenig anzieht. Zwei Dörfer passieren wir auch, Broglio und Prato Sornico.
Hinter dem dritten Dorf, Peccia, was auf etwa 830 m Höhe liegt, ändert sich die Szenerie. Über recht steile Serpentinen, die zum Teil eng übereinandergeschachtelt sind, fahren wir hinauf in den oberen Bereich des Val Lavizzara. Die Berghänge, bewachsen noch zum größten Teil mit Laubbäumen, rücken dort ganz eng an die Straße heran. Zwischen Kilometer 12 und 13 streckt sich die Straße wieder, und die Steigung geht zurück. Immer wieder kommen wir an winzigen Dörfern vorbei. Nach ungefähr 16 km erwartet uns ein malerischer Streckenabschnitt, zur Rechten presst sich dort die Straße an die Felsen und zur Linken rauscht die Maggia vorbei. Sobald sich die Schlucht erweitert, sehen wir Fusio vor uns, den letzten Ort der Auffahrt und gleichzeitig ein hübsches Beispiel für ein ursprüngliches Tessiner Bergdorf, das vermutlich interessanter zum Anschauen als zum Bewohnen ist, wie sich unschwer am Altersdurchschnitt der Einwohner solcher Dörfer ablesen läßt.
Hinter Fusio sehen wir über uns schon die Mauer des Lago Sambuco, zu dem wir über das zweite Steilstück der Auffahrt hochklettern. Der Weg führt dabei über einen mit Lärchen bestandenen Hang. Unterwegs durchfahren wir auch zwei kurze, grob durch den Fels getriebene Tunnel. Nach 19,5 km Fahrt breitet sich der See, gelegen auf etwa 1470 m Höhe, vor uns aus.
Merkwürdigerweise ändert das Tal hier seinen Namen und heißt nun Val Sambuco. Für drei Kilometer fahren wir am Nordostufer des Sees entlang. Die Straße ist nun schmal und hat auch das eine oder andere Schlagloch. Eine dieser Straßen eben, die uns ans Ende der Welt bringen. Die Ausblicke auf die Berge und die in den See stürzenden Wasserfälle sind nicht von schlechten Eltern.
Am Ende des Sees arbeiten wir uns über ein paar Serpentinen weiter nach oben. Der große Hammer schlägt zwischen Kilometer 24 und 25 nieder: il muro droht, ein 800 m langes, fast geradeaus führendes Supersteilstück mit einer Spitzensteigung von 19 %. Tja, irgendwie muß sich diese Auffahrt ja auch ihre fünf Härtepunkte verdienen. Il muro führt uns in einen Talkessel hinein, den man in den Pyrenäen wohl als cirque oder circo bezeichnen würde, je nachdem, ob man sich auf französischer oder spanischer Seite befindet. Durch den Talkessel führt das letzte Flachstück der Strecke, unterbrochen von einer kleinen Bodenwelle. Dort in der Nähe steht die Almhütte Grasso di Dentro.
Vor Kilometer 27 steigt hinter einem Brückchen über die Maggia die Straße wieder an. Dieser letzte Abschnitt der Auffahrt ist äußerst mühsam zu fahren. Die Steigung ist unregelmäßig und springt zwischen 7 und 17 % hin und her. Zudem stecken uns nun schon über 1300 Höhenmeter in den Knochen; viele Auffahrten sind dann schön längst abgehakt. Der Weg holt sich dort seine Schönheitspunkte ab, denn diese letzten Kilometer sind fantastisch. Steile Serpentinen an einem mit Lärchen bestandenen Felshang, weite Blicke hinunter zum Lago Sambuco und zu den umstehenden Bergen, das Ganze bei absoluter Stille.
Hinter Kilometer 29 ist die Bergwand bezwungen. Höhere Vegetation gibt es dort nicht mehr. Die Steigung nimmt sich ein klein wenig zurück, liegt aber immer noch bei um die 10 %. Wir sehen vor uns einen Wasserfall, oder vielmehr, einen etwas dick geratenen Wasserstrahl. Das ist wieder die Maggia, die aus dem ersten von drei Seen heraussprudelt, die dem Lago del Narèt vorgelagert sind. Die ersten beiden Seen heißen einfach laghetti. Den zweiten See verlassen wir über eine Serpentine, die steil aus dem Topf, in dem sich der See natürlich gebildet hat, hinausführt. Atemberaubend dann der Weg über einen Felsgrat, der uns zum dritten See, dem Lago Scuro, bringt. Links und rechts von uns breitet sich die Welt aus und wir sind weit oben über ihr.
Oberhalb des Lago Scuro fällt der Weg kurz ab (wie weh tut dieser Höhenmeterverlust) und steigt ein letztes Mal über zwei Serpentinen zur Mauer des Lago del Narèt an. Die um den See liegenden Bergspitzen sind nur zwei- oder dreihundert Meter höher als dieser selbst, ein Bericht über das Panorama muss ausbleiben, da bei Besuch unseres Autors die Wolken ganz tief über dem Lago hingen.
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02:15:00 | 31.08.2009
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