Mittagberg (1420 m)

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Mittagberg (1420 m)

Alpen, Allgäu, Allgäuer Alpen, Bayern.
harter Serpentinenabschnitt
Eigentlich ein typischer Fall für Stichstraßen-stb72. Hat er dieses Goldstück etwa noch nicht entdeckt, weil der größte Teil dieser Alpstraße erst in den 1990er Jahren gnadenlos steil in den Hang modelliert wurde und somit noch auf den meisten topographischen Karten schlicht fehlt?
Der Mittagberg ist der östliche Endgipfel der bei Wanderern hochbeliebten Nagelfluhkette, die sich vom Vorarlberger Bregenzerwald (Hochhäderich bei Hittisau) bis tief ins bayrische Allgäu zieht, mit dem Hochgrat (1834 m) als höchster Erhebung. Geologisch gehört diese beeindruckende Kette noch nicht zu den Alpen, sondern ist aus alpinen Gletscherschuttmassen entstanden. Diese wurden durch den immensen Druck der Gletscher zu einer Gesteinsformation zusammengepresst, die stark an den berühmt-berüchtigten Waschbeton erinnern. Diese den eigentlichen Alpen vorgelagerte Kette bietet für den Wanderer in ihrer gesamten Länge nicht nur teils hochalpine Steige, sondern vor allem gigantische Panoramen sowohl ins Alpenvorland als auch gen Süden bis zum Alpenhauptkamm.
Leider hat der nicht wandernde Asphaltrecke nur an zwei Stellen Gelegenheit, diese Ausblicke zu genießen: auf dem Hochgrat (sofern nicht mit dem Mountainbike unterwegs allerdings nur uncool per Seilbahn) und eben am Mittagberg (zu dem von Immenstadt hinauf übrigens auch eine Sesselbahn führt, ebenfalls uncool). Hier endet die Kette abrupt hoch über dem Illertal. Gegenüber grüßt zum Greifen nah der Wächter des Allgäu. Das Illertal mit Immenstadt im Norden und Sonthofen im Osten liegen nahezu senkrecht 720 m tiefer unter dem Gipfel, und nach Süden öffnet sich der Blick in den Oberstdorfer Illertalkessel mit dem Allgäuer Alpenhauptkamm (für Quäler Stichwort Nebelhorn). Gen Norden und Nordosten am Grünten vorbei öffnet sich der Blick ins „Flachland“ illerabwärts Richtung Kempten, Ulm, München.
Für die dolce-vita-Fraktion: von Norden (Immenstadt) über Osten (Rettenberg, 500 Einwohner, zwei Brauereien, Fußpunkt der Auffahrt zur Grüntenhütte) nach Süden (Sonthofen) blickt man in 3–5 km Luftlinie auf nicht weniger als vier Braustätten. Deren Produkte kann man, ebenso wie die Ergebnisse der milchproduzierenden vierhufigen Fangruppen entlang der Stichstraße, auch in fünf Almhütten am Weg genießen.
Die Straße ist, bis auf einen 100 m-Abschnitt gleich im unteren Teil (Rutschhang), durchgehend asphaltiert und trotz ihrer enormen Steilheit mit erfreulich wenigen, dazu überwiegend harmlosen Querrillen garniert. Der Asphalt ist nicht erster Güte, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit (Rollsplitt, Kuhfladen) auch bei der Abfahrt rennradtauglich. Je nach Weidezeit muss man aber vor allem im oberen Abschnitt mit einigen geschlossenen Weidegattern rechnen.
Ein ganz großes Plus: die Straße ist auf ihrer gesamten Länge für den allgemeinen Auto- und Motorradverkehr gesperrt (Schranke!), so dass man es wirklich nur mit äußerst spärlichem Begleitverkehr rechnen muss. Im Winter dient sie allerdings als rasante Rodelbahn, dann ist eine Auffahrt für Recken nicht zu empfehlen.
Für die Beschreibung danken wir Flugrad Mail an Absender

Liste der Auffahrten

Nordanfahrt von Immenstadt4,6 km680 HmSchön: 5 SterneHart: 5 Sterne

Nordanfahrt von Immenstadt  4,6 km / 680 Hm Schön: 5 Sterne Hart: 5 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Nordanfahrt von Immenstadt
Wir starten am Bahnhof Immenstadt (735 m) und überqueren die Gleise östlich des Bahnhofes auf der Fußgängerbrücke. Dann geht es geradeaus die Treppen hinunter und weiter eben durch die Adolph-Probst-Straße ca. 300 m bis zum Friedhof. Hier zeugen massive Betonverbauungen und eine ebensolche Fußgängerbrücke am Ausgang des Steigbachtobel von einem riesigen Hangrutsch an der Ostflanke des Immenstädter Horns, der 2006 beinahe zu einer Katastrophe für Immenstadt geführt hätte, wie schon ein Bergsturz an gleicher Stelle im Jahr 1873.
Unsere Straße beginnt unmittelbar am Ende des Friedhofes, durch eine Schranke abgeriegelt und mit den Verkehrszeichen „Fußgänger und Rodler verboten“ gekennzeichnet, gleich zur Begrüßung mit 20 % Steigung. Diese Straße ist eine Neuanlage aus dem Jahr 2007, die auf dem ersten Kilometer das besagte Bergrutschgebiet durchquert und dementsprechend wellig ist (aber selten unter 20 % bleibt). Ein 100 m langer Abschnitt samt einer Hilfsbrücke ist nicht asphaltiert, aber gut befahrbar. Auf der Hilfsbrücke ist allerdings bei der Talfahrt Vorsicht geboten.
Nach knapp einem Kilometer erreicht man bei der oberen Schranke, die das Gefahrengebiet absichert, eine kleine hölzerne Kapelle. Diese wurde im Steigbachtobel um 1800 errichtet. Von links unten kommt übrigens eine zu normalen Zeiten dem Wanderer vorbehaltene nicht asphaltierte Notstraße, die entlang des Steigbaches als direttissima-Alternative nach oben geführt hätte.
Unmittelbar nach der Kapelle führt die Straße steil nach rechts aufwärts in Richtung Naturfreundehaus Immenstädter Horn – wir wählen jedoch den unscheinbaren Weg links (Holzwegweiser Hochried-Alm), der uns mit immerhin 50 flachen Metern bis zur Brücke über den Steigbach eine kleine Erholung verschafft. Unmittelbar hinter der Brücke geht es links wieder steil bergauf mit 16 bis 19 %.
Etwa 200 m weiter kommt die erste Serpentine (geradeaus auf dem Schotterweg geht es zur bewirtschafteten Hochriedalm). Nun beginnt bis zur Mittelstation der Mittagberg-Sesselbahn der härteste Abschnitt: diese Serpentinenstraße hat es absolut in sich, da sie kein konstantes Höhenprofil aufweist (schwankend zwischen 16 und 22 %) und teilweise rauer Asphalt zu befahren ist. Einziger Lichtblick ist der schattige Wald, durch den wir uns vor der Sonne geschützt quälen dürfen.
Nach gut 2 km lichtet sich der Wald, die Sesselbahn-Mittelstation taucht auf, und wir haben die ersten 370 Hm bewältigt. Ein Blick nach links zeigt uns das beeindruckende Zwischenergebnis. Nahezu senkrecht unter uns sind die Hochhäuser Immenstadts zu erkennen, und daneben die Wunden des imposanten Bergrutsches am gegenüberliegenden 1489 m hohen Immenstädter Horn.
Durch offenes Almweidengebiet geht es zunächst noch 500 m in bekannter Steilheit bergauf bis zu einem kleinen Absatz, der einen ersten Blick zur Iller und Richtung Sonthofen eröffnet. Ab hier gibt es immerhin kleinere Erholungsabschnitte, man bleibt aber bei klar zweistelligen Steigungsprozenten. An der Mittagalm vorbei erreichen wir auf dem einzigen gerade einmal 40 m langen Flachstück die bewirtschaftete Schwander-Alm.
Förmlich zur Strafe für das Flachstück folgt wieder eine 20 %-Rampe. Rechts begleitet uns die Sesselbahn, bis sie hinter einem lockeren Wäldchen verschwindet. Rätsel gibt kurz darauf ein Andreaskreuz an der Straße auf. Nein, hier gibt und gab es keine Zahnradbahn, die den Weg kreuzt. Wir fahren auf der Winterrodelbahn, und das Andreaskreuz teilt dem von oben kommenden Rodler mit, dass er hier die Skipiste überquert.
Nach einer Biegung geht es geradeaus weiter zur ebenfalls bewirtschafteten Oberbergalm. Wir als Quäler wählen jedoch den steilen Weg rechts entlang des Kammes, nun wieder mit 20 % bergan. Diese letzten 600 m haben es in sich, nicht nur wegen der nun konstanten Steilheit. Wir befinden uns nun am Südhang, auf dem die winterliche Schlittenbahn zum Ausapern neigt, deshalb wird der Asphalt winters kräftig mit Sägmehl bestreut, dessen Reste noch bis in den Sommer zu finden sind und für zusätzliche Schwierigkeiten sorgen können. Bald schon passieren wir eine rechts liegende Schleppliftstation, Zeichen, dass es nur noch ein paar Meter bis zur Mittagberg-Gipfelplattform sind, Die letzten Meter weisen allerdings nochmal stolze 23 % auf.
Für die Beschreibung danken wir Flugrad Mail an Absender

Highscores

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Platz   Fahrer     Zeit                    Datum            Aktion
Flugrad Mail an Absenderohne Zeit05.07.2010
Bergziegenmutant Mail an Absenderohne Zeit05.07.2010
Fleifi Mail an Absenderohne Zeit20.07.2010
christoph Mail an Absenderohne Zeit31.07.2010
stb72 Mail an Absenderohne Zeit07.10.2010
Jo il falcone Mail an Absenderohne Zeit05.06.2003