Sella di Leonessa (1900 m)

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Sella di Leonessa (1900 m)
Monte Terminillo

Apennin, Mittlerer Apennin, Latium.
Südanfahrt: Die letzten Serpentinen der Südseite.
Die Sella di Leonessa hat eine Ausnahmestellung unter den Übergängen der Apenninen: Sie ist der mit Abstand höchste asphaltierte Pass dieses Gebirges. Natürlich unter der Prämisse, daß die Straße vorbei am Monte Botte Donato in der Sila Grande, die sogar noch einen Tick höher als die Sella hinaufreicht, nicht als Pass gewertet wird. Der nächsthöhere asphaltierte Übergang, der Valico di Monte Cristo in der Region des Gran Sasso, liegt immerhin fast 200 m niedriger als die Sella. Und es gibt auch nur wenige Sackgassen in den Apenninen, die höher als die Sella hinausgehen. Wahrhaft also ein herausragender Anstieg, und einer der wenigen Orte der Apenninen, wo man mit dem Rennrad bis in die alpine Zone hinauf gelangt.
Man kennt die Sella di Leonessa eher unter dem Namen des nebenan aufragenden Berges, des 2217 m hohen Monte Terminillo. Beim Giro d’Italia ist die Sella bzw. das südlich der Sella gelegene Skigebiet um Campoforogna herum oft Etappenziel, ebenfalls unter dem Namen Terminillo. Komischerweise hat man eine so hohe Straße nicht nahe bei den höchsten Gipfeln der Apenninen gebaut, sondern in den ein wenig isolierten Monti Reatini, einem vergleichsweise kleinem Untergebirge des Mittleren Apennins, das fast vollständig in Latium liegt. In den Monti Reatini wird man gewaltige Hochflächen wie den Campo Imperatore schwerlich finden, aber gerade der Gipfelbereich des Monte Terminillo erinnert ein wenig an die schroffen Wände der Dolomiten. Es gibt noch einen zweiten Übergang neben der Sella di Leonessa, die Forca del Fuscello westlich davon. Beide kann man in einer ca. 80 km langen Runde miteinander verbinden.
Die Straße über die Sella di Leonessa verbindet die Provinzhauptstadt Rieti, angeblich das Zentrum Italiens, mit Leonessa, einem schmucken Bergdorf an den nördlichen Ausläufern der Monti Reatini. Im Winter gibt es dort ein wenig Skitourismus, da man auch am Nordhang des Monte Terminillo ein Skigebiet erschlossen hat. Allerdings ist das auf der Südseite größer und viel stärker besucht, weil es von Rom aus sehr schnell zu erreichen ist. Das zeigt sich auch am unterschiedlichen Zustand der Straßen auf der Nord- und Südseite des Passes. Während die Straße von Norden durch das Vallonina her eng und gerade im mittleren Teil ziemlich bombardiert ist, führt von Süden her eine breite, vorbildlich ausgebaute Straße bis nach Campoforogna und verengt sich erst im oberen Teil. Im Winter ist die Straße nur bis zu den oberen Apartmenthäusern hinter Campoforogna offen; die Passhöhe lässt sich normalerweise erst im Mai wieder befahren.
Der Weg von der Sella di Leonessa in die Kernzonen des Mittleren Apennins um die grandiosen Nationalparks herum (die Parks sind in der Beschreibung des Mittleren Apennin aufgeführt) ist recht weit. Man sollte bei einem Besuch der grünen Mitte Italiens die Sella aber deswegen nicht links liegen lassen. Beide Auffahrten haben ihren Reiz. Und die Gegend um die Passhöhe herum kann es wegen ihrer beeindruckenden Schönheit mit vielen hohen Alpenpässen aufnehmen.
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

Liste der Auffahrten

Südanfahrt von Rieti24,4 km1495 HmSchön: 4 SterneHart: 3 Sterne
Nordanfahrt von Leonessa16,5 km978 HmSchön: 5 SterneHart: 3 Sterne

Südanfahrt von Rieti  24,4 km / 1495 Hm Schön: 4 Sterne Hart: 3 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Südanfahrt von Rieti
Die Südanfahrt zur Sella ist eine der längsten Auffahrten, die es überhaupt in den Apenninen gibt. Dabei ist sie nicht allzu schwer, will heißen, es gibt während der gesamten Strecke keine wirklich brutalen Rampen. Dennoch sind knapp 1500 Hm am Stück natürlich ein Wort und nicht zu unterschätzen.
Der Startpunkt in Rieti ist ganz einfach zu finden. Man fährt auf der Ausfallstraße Via Salaria per l’Aquila nach Osten in Richtung L’Aquila und biegt nach links ein in die Via del Terminillo. Die Kreuzung ist nicht zu verfehlen, denn dort ist der Terminillo schon ausgeschildert. Wer sie trotzdem verpasst, sollte nach dem örtlichen Fußballstadion fragen, weil das an der Via del Terminillo liegt.
Die Kreuzung ist also schon der Beginn der Auffahrt. Von dort an geht es erst mal auf der piniengesäumten Via del Terminillo lange, lange, lange, lange schnurstracks geradeaus bei niedriger Steigung durch einen Vorort aus Rieti heraus. Hinter einer ersten sanften Kurve liegt der Ort Vazia, der in Lisciano übergeht. Lisciano liegt genau am Fuß der Monti Reatini, und nun legt die Steigung nach der Fünf-Kilometer-Einrollphase kräftig zu.
Das nächste Stück kann man als das erste Steilstück der Auffahrt bezeichnen. Die breit ausgebaute Straße führt stetig mit 8–9 % Steigung im Bergwald nach oben. Hin und wieder schaut man über den nördlichen Teil der Ebene von Rieti zu den Bergen am westlichen Horizont (die möglicherweise die Monti Sabini sind, in denen annodazumals die Römer mit brachialen Methoden auf Brautschau gingen). Serpentinen sind spärlich gesät, es geht über lange Strecken und weiche Kurven immer in die gleiche Richtung.
Ehe man es sich versieht, liegen schon über 10 km Fahrt hinter einem. Man nähert sich dem Pian di Rosce, einer kleinen Hochfläche mit Wiesen auf über 1100 m Höhe. Dort lässt die Steigung kurz nach, so dass man die Beine ausstrecken kann. Wer sein Pulver schon verschossen, sprich die Bidons schon leergesaugt hat, kann an einer Art Imbissbude Nachschub kaufen.
Hinter dem Pian di Rosce beginnt das zweite Steilstück der Auffahrt mit in etwa der gleichen Steigung wie der Abschnitt vor der Hochfläche. Es geht weiter im Wald voran, wobei die Strecke etwas kurviger wird und von den Straßenbauern auch an die eine oder andere Serpentine gedacht worden ist. Durch die Lücken im Wald sieht man Rieti in seiner vollen Pracht – es gibt prächtigere Dinge – tief unten in der Ebene. Auf etwa 1450 m Höhe liegt das Dorf Terminillo oberhalb der Straße. Dort hat man die Zone des Skitourismus erreicht, sprich man kommt ab dort immer mal wieder an Hotels und Apartmenthäusern vorbei. Das Skigedöns, wie der Major sagen würde, gipfelt in der Ortschaft Pian de’ Valli, die einem französischen Retortenort in den Alpen in nichts nachsteht. Im oberen Teil von Pian de’ Valli, der das oben erwähnte Campoforogna ist, erreicht man eine riesige Kreuzung, auf der genügend Platz ist, um zwei Giroetappen gleichzeitig ausklingen zu lassen. Mit dieser auf 1670 m Höhe gelegenen Kreuzung endet das zweite Steilstück, und es beginnt der letzte Abschnitt des Anstiegs zur Sella, der so ganz anders ist als die neunzehn bis dorthin absolvierten Kilometer.
An jener Kreuzung biegt man scharf nach links ab. Die Straße wird deutlich schmaler und führt ungefähr drei Kilometer lang relativ flach in das Herz der Monti Reatini hinein. Die Landschaft präsentiert sich vom Allerfeinsten, denn kleine offene Laubwälder wechseln sich ab mit exponierten Passagen. Es gibt weite Ausblicke und man kann die saftig-grünen Berge, an denen hier und da Schafe grasen, bewundern. Unterhalb eines Vorgipfels des Monte Terminillo liegen die letzten Skiapartmenthäuser (Rialto-Terminillo). Der felsige Hahnenkamm des Terminillo rückt ins Blickfeld, und rechts davon erahnt man die Kerbe der Sella di Leonessa.
Auf den letzten zweieinhalb Kilometern schwingt sich die Straße an einem offenen Hang hinauf. Dies ist das dritte Steilstück der Auffahrt, ebenfalls ungefähr so steil wie die zwei anderen weiter unten. Kein Baum und kein Strauch behindern den weiten Blick nach Süden und Osten. Man ist nun im alpinen Bereich angekommen und wünscht, dass der Weg noch ewig so weiterginge. Aber kaum ist man an dem Rifugio Angelo Sebastiani vorbei, rückt die Passhöhe immer näher.
Von der Passhöhe aus ist der Monte Terminillo zum Greifen nah. Wer wie der Autor an einem Sonntag im Früsommer dort oben ankommt, wird jede Menge anderer Radfahrer antreffen. Leider hat keiner daran gedacht, ein dem Ort angemessenes Passschild aufzustellen...
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

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Nordanfahrt von Leonessa  16,5 km / 978 Hm Schön: 5 Sterne Hart: 3 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Nordanfahrt von Leonessa
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