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Pässe Ardennen

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Regionsbeschreibung

Von kletterkünstler

Geographie


Die Ardennen bilden den westlichsten Teil des Rheinischen Schiefergebirges und erstrecken sich vorwiegend auf belgischem, z.T. aber auch auf französischem und luxemburgischen Staatsgebiet. Sie liegen im überwiegend französischsprachigen Wallonien (nahe der deutschen Grenze liegen einige deutschsprachige Gemeinden wie Eupen und Sankt Vith) und gehen nach Norden in das Pays d'Herve, im Osten ohne geologische Grenze in die Eifel, im Süden in den luxemburgischen Ösling und im Westen in deutlich flacheres Gelände östlich von Brüssel über. Nordwestlich schließt sich der leicht wellige Hespengau an.
Begrenzt werden sie im Osten von der deutschen Grenze und der Our als Grenzfluss, im Norden von der Vesdre, der Maas und der Sambre, im Süden von der Chiers, der Maas, Sormonne und Gland.

Das Hohe Venn kann sowohl den Ardennen als auch der Eifel zugerechnet werden. Dort befindet sich mit dem 694 m hohen Signal de Botrange die höchste Erhebung Belgiens. Die höchste nur den Ardennen zuzurechnende Erhebung ist die 652 m hohe Baraque de Fraiture zwischen La Roche-en-Ardenne und Vielsalm im Norden der belgischen Provinz Luxembourg.

Die Ardennen fallen von Osten nach Nordwesten hin ab. Die höchsten Erhebungen finden sich im Hohen Venn und bei Bastogne. Die zahlreichen, oft mäandrierenden Flüsse haben sich tief in das Gestein eingeschnitten. Weite Hochflächen werden somit von tiefen, engen Flusstälern zerschnitten, die meist stark bewaldet sind. Aber auch viele Hochflächen sind deutlich stärker bewaldet als solche in der Eifel, weshalb die Ardennen auch Ardenner Wald genannt werden. Die engen Flusstäler bieten oftmals kaum Platz für Bewirtschaftung und Besiedlung, aber auch die Hochflächen sind aufgrund des rauen Klimas nur dünn besiedelt.

Die größten und wichtigsten Flüsse der Ardennen sind Maas (Meuse), Ourthe, Amblève, Vesdre, Our, Sambre, Lesse und die Sauer in Luxemburg. Weitere sind z.B. die Salm, die Lienne, die Warchenne und die Aisne. Daneben gibt es natürlich noch zahlreiche weitere in den wasserreichen Ardennen. Natürlich werden die Wassermassen dieser Flüsse auch zur Energiegewinnung und Trinkwasserversorgung genutzt, indem sie aufgestaut werden. Die Vesdre wird z.B. in der Wesertalsperre bei Eupen aufgestaut, die Gileppe unweit davon in der Barrage de la Gileppe. Weitere größere Stauseen befinden sich mit dem Lac de Robertville und dem Stausee Bütgenbach in der Nähe von Malmedy im Hohen Venn. Auffällig ist, dass sich diese v.a. im Norden am Rande des Hohen Venns konzentrieren.

Klima und Vegetation


Die Ardennen zählen zum atlantischen Klimabereich und so ist das Wetter ähnlich dem in der Eifel, nur ist es noch etwas extremer. Als westlichster Teil des Rheinischen Schiefergebirges bekommen die Ardennen als erste das kalte und schlechte Wetter ab, für das die zahlreichen atlantischen Tiefdruckgebiete verantwortlich sind. Die Niederschlagsmengen sind hier entsprechend höher, was die großräumigen Hochmoore im Hohen Venn erklärt. Die nicht ganz so hochgelegenen Landstriche waren früher größtenteils mit Heide bedeckt. Davon ist heute durch Aufforstung nicht mehr allzu viel von übrig geblieben.
Infolge der klimatischen Bedingungen sind die Ardennen dünn besiedelt und stark bewaldet. Nach Westen hin, jenseits der Ourthe, nimmt der Waldbestand ab und der Ackerbau zu. Ansonsten wird vielfach Weidewirtschaft betrieben. In der Flusstälern siedelte sich in früheren Zeiten z.T. Industrie an, und zwar vor allem an der Maas und der Vesdre.

Radfahren in den Ardennen


Die Ardennen sind radsporttechnisch gesehen ein echtes Klassikerrevier. Liège–Bastogne–Liège, das auch als Doyenne bezeichnet wird, ist der älteste noch ausgetragene Radklassiker und sicher einer der schwersten. Auf einer Distanz von 260 km gilt es mehr als 5000 Hm zu überwinden. Dabei wird es eigentlich erst auf den letzten 100 km richtig schwer, auf denen 9 der insgesamt 12 Bergwertungen erklommen werden müssen. So beginnt mit der Côte de Wanne das Rennen erst so richtig. Es folgen in kurzer Aufeinanderfolge die Côte de Stockeu, Côte de la Haute-Levée, Côte du Rosier, Côte de la Vecquée bzw. seit 2010 der Col du Maquisard und der Mont Theux, Côte de la Redoute, Côte de Sprimont, Côte de la Roche aux Faucons und die Côte de Saint Nicolas. Zum Ziel im Lütticher Stadtteil Ans geht es dann auch noch mal hoch. Zwar ist dieser Anstieg nicht steil, aber er zieht sich ungemein.

Der andere große Klassiker ist der Flèche Wallonne, der weiter südwestlich rund um Huy an der Maas stattfindet. Der Start befindet sich seit einigen Jahren in Charleroi, von wo aus es zunächst einmal nur leicht wellig nach Huy zur ersten Passage der berühmt-berüchtigten Mur de Huy geht. Es folgen dann eine kleine und eine große Runde, auf denen 10 weitere Bergwertungen erklommen werden müssen. Die Mur de Huy gilt es insgesamt dreimal zu bezwingen, wobei sie beim dritten Mal nach fast 200 km als Schlussanstieg dient, der noch einmal um einiges härter ist als der Cauberg beim Amstel Gold Race im niederländischen Mergel- en Heuvelland. Weitere Anstiege sind z.B. die Côte de Thon, die Côte de Ahin und die Côte d’Ereffe.

Neben den beiden Klassikern macht auch die niederländische Ster Elektrotoer regelmäßig Halt in den Ardennen. Die Königsetappe führt jährlich von Verviers zur Barrage de la Gileppe.
Auch die Eneco-Tour kommt hier immer wieder vorbei, um den Gesamtsieger zu ermitteln.
Und auch die großen Landesrundfahrten gaben sich schon die Ehre. Die Tour de France startete u.a. in den Jahren 2004 und 2012 mit einem Prolog in Lüttich und passierte 2006 die Region auf dem Weg vom luxemburgischen Esch-sur-Alzette ins niederländische Valkenburg. Der Giro d’Italia startete im Jahre 2006 mit einem Prolog in der Industriestadt Seraing bei Lüttich und führte anschließend noch in drei Etappen durch die Ardennen. Im Jahre 2009 endete eine Etappe der Vuelta a España in Lüttich, die ihren Ausgang im niederländischen Venlo nahm.

Bei all diesen Radsporttradition gibt es natürlich auch eine große Zahl an Breitensport-Veranstaltungen, wie z.B. Tilff–Bastogne–Tilff, die Jedermannversion der Doyenne, den Flèche de Wallonie in Spa, Luik–Basteneuken–Luik, die Sean Kelly Classic, Les Géants des Ardennes, die La Chouffe Classic oder die Philippe Gilbert Classic.
Der Charakter ist dabei klar. Es geht rauf und runter. Die Höhenmeter summieren sich in den Ardennen schnell auf mehrere Tausend. Dabei sind die Anstiege aufgrund der engen, tiefen Täler oft sehr steil, die Straßenqualität ist oft sehr zweifelhaft. Ganz klar: Der Belgier geht gemeinhin sehr sparsam mit Asphalt um. Die bekanntesten Côtes sind sicher die Redoute und die Mur de Huy, aber auch die Stockeu in Stavelot. Daneben gibt es natürlich eine Fülle weiterer Anstiege, viele auch unbekannt und sehr ruhig gelegen. Das Straßennetz der Ardennen ist recht dicht, aber der Verkehr konzentriert sich oft auf wenige Hauptrouten, die man eher meiden sollte.

Kultur und Natur


Wer bei einem Aufenthalt in den Ardennen nicht nur radeln möchte, sondern auch etwas Kultur und Natur aus einer anderen Perspektive erleben möchte, der wird hier auch fündig.
La Roche-en-Ardenne ist die Perle der Ardennen. Das historische Städtchen an der Ourthe zählt um die 4000 Einwohner und ein vielfaches an Touristen, die v.a. an den Wochenenden die Gassen in Herrscharen bevölkern. Sieht man davon einmal ab, ist La Roche ein echtes Idyll. Die mächtige Burganlage, heute eine Ruine, dominiert das Stadtbild. Weitere Infos zu diesem wunderschönen Städtchen findet man hier.
Auch für Radsportler gibt es hier übrigens einige lohnenswerte Anstiege zum Austoben.

Weitere kulturelle Zentren der Ardennen sind Stavelot, Malmédy, Eupen, Verviers, Charleroi, Huy, Namur, Dinant, Durbuy, Bastogne, Rochefort und Marche-en-Famenne. Das wichtigste kulturelle und wirtschaftliche Zentrum aber ist Lüttich, das zusammen mit seinen zahlreichen Vororten und -städten 600.000 Einwohner zählt. Die Hauptstadt der Region Wallonien ist hingegen Namur mit seiner bekannten Zitadelle über der Stadt, wo bereits eine Etappe des Giro d’Italia endete. Hervorzuheben sind darüber hinaus Verviers, Charleroi und Huy. Über die angeblich kleinste Stadt der Welt, Durbuy, gibt es hier mehr zu lesen.

Auch Naturfreunde werden in den Ardennen glücklich. Besonders beliebt bei Wanderfreunden ist das Hohe Venn. Zurecht! Weitere Hochmoorflächen findet man weiter im Süden zwischen La Roche-en-Ardenne, Rochefort und St. Hubert. Gesteinsfreunde und alle, die sich gerne in Grotten aufhalten, finden ihr Glück in den bekannten Grotten von Remouchamps oder Han bei Rochefort. Bei Kanufahrern beliebt ist u.a. die Our an der deutsch-belgischen und deutsch-luxemburgischen Grenze. Mountainbiker hingegen halten sich sehr gerne in Houffalize auf, wo auch jährlich ein Weltcup stattfindet. Und wer für all diese Taten noch himmlischen Beistand sucht, der wird im Wallfahrtsort Banneux ganz im Norden der Ardennen oberhalb des Tals der Vesdre fündig.

Und wer jetzt noch nicht von diesem wunderbaren Mittelgebirge überzeugt ist, der lässt sich vielleicht hiervon überreden.

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