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Pässe Bergamasker Alpen und Lago d'Iseo

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Regionsbeschreibung

Von AP

1. Allgemeine Informationen:

Über die Bergamasker Alpen liest man in letzter Zeit häufiger im Zusammenhang mit dem Radsport, weswegen quaeldich.de nicht zurückstehen und ebenfalls einige Dinge zu diesem Südalpengebiet sagen möchte.
Die Bergamasker Alpen geographisch einzugrenzen ist alles andere als schwer. Im Norden fallen sie ins Valtellina ab, wobei die Grenze weiter östlich über den Passo dell’Aprica und weiter das Valle di Corteno hinab verläuft, in Edolo nach Süden knickt und durch das Valcamonica bis zum Lago d’Iseo führt. Im Süden enden die Bergamasker Alpen natürlich an der Poebene, während im Westen am Ufer des Lago di Como Schluß ist. Man sollte die Bergamasker Alpen aber nicht mit den Alpi Orobie gleichsetzen, diese Bergkette ist nur der nördliche Teil des hier beschriebenen Gebiets, in dem der Pizzo Coca liegt, der mit 3052 m Höhe so weit nach oben ragt wie kein anderer Berg der Gegend.
Was macht die Bergamasker Alpen aus im Vergleich zu anderen Südalpenregionen? Das ist ein wenig schwer zu spezifizieren, denn man muss schon ein echter Kenner sein, um etwa anhand eines beliebigen Fotos, auf dem nicht gerade ein bekannter Berg zu sehen ist, sagen zu können, ob die Aufnahme in den Bergamasker Alpen oder etwa im Trentino gemacht wurde. Der Autor hat die Bergamasker Alpen als eine Region kennengelernt, die geprägt ist von langen, in Süd-Nord-Richtung führenden Tälern wie dem Valle Brembana oder dem Valle Seriana. In der Nähe der Poebene sind diese Täler dicht besiedelt und weisen auch teilweise eine hohe Industrialisierung auf, die mit einem nicht zu übersehendem Wohlstand einhergeht. Dort erinnert die Kulisse an höhere Mittelgebirge, wirkt aber im Vergleich zu den Vogesen oder Schwarzwald weicher und wärmer. Was nicht weiter verwunderlich ist, da das Klima fast mediterran ist. Im oberen Bereich der Täler und in den höher gelegenen Seitentälern ist es dann alpin, und dort liegt der eigentliche Reiz der Bergamasker Alpen verborgen. Tourismus oder Ausflügler von der Poebene her spielen unter der Woche keine große Rolle. Für Leute, die nicht immer eine große Anzahl von Zeitgenossen um sich haben müssen, ist das eine feine Sache, denn man kann ungestört seinen Aktivitäten, Wandern oder Radfahren oder Nichtstun oder Essen, nachgehen. Richtig gelesen, Essen. Fast schon selbstverständlich ist die gute Küche der Gegend, denn immerhin gehören die Bergamasker Alpen zur Lombardei, und die ist eine der kulinarisch herausragenden Regionen Italiens.
Nicht vergessen darf man die Namensgeberin des Gebiets, die Stadt Bergamo, ein schmuck anzuschauender Ort mit Ober- und Unterstadt. Ganz so viele bedeutende Kunstschätze wie in vergleichbaren norditalienischen Kleinstädten wie Vicenza, Parma oder Ravenna findet man dort aber nicht. Dafür ist Bergamo aus Radfahrersicht bekannt, weil es in der Vergangenheit immer mal wieder Zielort des Giro di Lombardia und Giro d’Italia war.
Das hochpreisige Bergamo ist außerdem Wohnort zahlreicher Radprofis, die hier ideale Bedingungen finden. Mildes Klima, flache Rollerstrecken und Pässe. Auch die Hobbyszene ist in Bergamo sehr aktiv, so dass man an Wochenenden auf der Anfahrt zum Passo di Valcava reichlich Gleichgesinnte findet.

Ein Hinweis zur Einordnung der Auffahrten: da wir den Lago d’Iseo als Teil der Bergamasker Alpen auffassen, haben wir dem Gebiet auch die Pässe zugeordnet, welche man vom Ostufer des Sees erreichen kann, obwohl diese Pässe eigentlich zum Adamello-Presanella-Gebirgszug gehören.

2. Lago d’Iseo:

Einen eigenen Absatz möchten wir dem gerade erwähnten Lago d’Iseo widmen. Dieser See, dessen Form ein wenig an eine sich windende Nacktschnecke erinnert, ist im Vergleich zu den großen Südalpen-Seen wie dem Lago Maggiore oder Lago di Garda eher unbekannt. Er ist auch ein ganzes Stück kleiner als diese, seine Oberfläche hat etwa 65 km² (immerhin mehr als der Lago di Lugano), und seine tiefste Stelle reicht 251 m hinab. Auch er hat seinen alten lateinischen Namen, Lacus Sebinus, verloren. Aber eine Sache verschafft ihm einen Sonderstatus unter den anderen Seen: in ihm liegt die größte italienische Seeinsel. Dieser Klotz, genannt Monte Isola, beherrscht mit seinen 550 m Höhe und seinen 9 km Umfang den ganzen See. Es ist schwer, einen Seewinkel zu finden, von dem man Monte Isola nicht sehen kann. Sie ist übrigens autofrei und gekrönt vom Santuario della Madonna della Ceriola.
Optisch gesehen fällt der See auch ab gegenüber dem dramatischen Nordteil des Gardasees und dem glamourösen Mittelteil des Comer Sees. Für sich genommen ist er dennoch ein schön anzusehendes Fleckchen Erde, wenn man mal von dem Industriegebiet um Pisogne und dem grauen Monsterzementwerk am Westufer absieht. Er macht einen eher heimeligen, gemütlichen und bodenständigen Eindruck. Man könnte jetzt wie der Autor dieser Beschreibung auf die Idee kommen, sich an seinem Ufer ein Quartier zu suchen und von dort aus per Rad die Bergamasker Alpen zu erkunden. Man wird dann eventuell in Iseo, einem lebendigen Städtchen mit guter touristischer Infrastruktur, landen. Dann muss man aber daran denken, dass von dort aus nur einige niedrigere Auffahrten in Schlagweite sind und es ein recht weiter Weg zu den Premiumanstiegen der Bergamasker Alpen ist. Aber Iseo hat den Vorteil, dass man von dort aus außer Radfahren noch viele andere Dinge unternehmen kann, wie zum Beispiel im See baden, um den Monte Isola herumwandern, in der Franciacorta, dem südlich von Iseo gelegenem Weinanbaugebiet, Schaumwein schlürfen oder mal eben nach Bergamo fahren. Suboptimal für den fokussierten Quetscher also, aber ideal für dolce vita mit der Familie.

3. Radfahren in den Bergamasker Alpen:

Zwei Pässe sind es, die passionierte Bergradler in die Bergamasker Alpen locken und nördlich der Alpen immer bekannter werden: der einsame Passo di San Marco mit seiner nicht enden wollenden Nordanfahrt und der herrliche Passo del Vivione mit seiner spektakulären Südostanfahrt. Neben diesen Glanzpunkten fallen andere Auffahrten ein wenig ab. Nichtsdestotrotz gibt es noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel die steile Ostanfahrt des Passo della Presolana, die spektakuläre Schlucht der Enna auf der Ostanfahrt des Culmine San Pietro oder der völlig vereinsamte Colle San Zeno. Auch für Radkletterer hält die Gegend ein Kleinod bereit, in der Nähe der Westanfahrt zum Passo della Presolana geht es auf einer engen, steilen Straße hoch zur Alpe Vaccaro; diese Auffahrt ist einer der schwersten Anstiege der Lombardei, mit dem Rennrad gerade noch machbar.
Eine besondere Erwähnung verdient das Ostufer des Lago di Como, dort wo sich die hier beschriebene Region mit der speziellen quaeldich.de-Region Laghi di Como e Lugano überschneidet; diese Ecke wird nicht oft von ortsfremden Radlern aufgesucht, aber es gibt dort u.a. den wunderbaren Passo di Valcava, eine besondere Empfehlung von Lukas Mail an Absender. Wer solchen Ratschlägen nicht vertraut, ist selbst Schuld! Alle 19 Pässe der Region ansehen