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Pässe Bliesgau

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Regionsbeschreibung

Von paelzman1. Allgemeine Beschreibung

Der Bliesgau ist eine Region im Süden des Saarlandes mit einer Größe von 36.152 ha. Im Süden und Westen grenzt der Bliesgau an das französische Lothringen. Auf deutscher Seite wird der Bliesgau umschlossen vom Westrich in östlicher Richtung und von einem bewaldeten Höhenzug um die Mittelstadt St. Ingbert im Norden.
Namensgebend ist der Fluss Blies, der aus nördlicher Richtung vom St. Wendeler Land kommend inmitten des Bliesgaus verläuft und bis zur Mündung in die Saar bei Sarreguemines einen Teil der deutsch-französischen Grenze bildet. Größte und einzige Stadt der Region ist Blieskastel mit knapp über 20.000 Einwohnern.

Die Topografie des Bliesgaus wird geprägt von Flusstälern mit Auenlandschaften (z.B. an der angesprochenen Blies oder auch an Mandel und Bickenalb) und sanften Hügelketten, die sich bis auf etwa 400 m Höhe erheben und diese Täler verbinden. Hierauf befinden sich neben Waldstücken viele Streuobstwiesen und bewirtschaftete Felder, die neben seltenen und vom Aussterben bedrohten Tieren (z.B. des Skabiosen-Scheckenfalters) auch außergewöhnlichen Pflanzen wie Orchideen Heimat bieten. Diese Orchideen finden sich vorrangig in einem Teil des Bliesgaus, der Parr genannt wird und sich zwischen den Flüssen Blies und Bickenalb befindet.

Nicht zuletzt aufgrund der Pflanzen- und Tiervielfalt wurde die Region Bliesgau auf Bestreben der darin liegenden Gemeinden im Jahr 2009 als UNESCO Biosphärenreservat anerkannt. Dabei wurden aus historischen und kulturellen Gründen auch einige umliegenden Orte wie z.B. die Mittelstadt St. Ingbert und Teile der Kreisstadt Homburg in der Biosphärenregion zusammengefasst, so dass wir bei der Beschreibung hier keine harte Trennlinie ziehen sollten.

Das Klima ist für das Saarland überdurchschnittlich mild, da die Region einen Teil der durch das Rhonetal einfallenden warmen Mittelmeerluft vom Burgund aus über Lothringen erfährt. Als Folge davon hat auch die Vegetation mediterrane Einflüsse, wovon weite Obstplantagen, Mandelbäume und zum Teil sogar Weinbau zeugen.

Geologisch betrachtet ist der Bliesgau Teil einer Schichtstufe, die sich im Westen hinter dem an dieser Stelle recht breiten Bliestal als Sickinger Höhe fortsetzt und im Osten hinter dem Saartal in die Spicherer Höhe übergeht. Diese Schichtstufe trifft im weiteren Verlauf hinter der französischen Stadt St. Avold auf eine weitere, die vom Saargau aus verläuft.

Zu erwähnen ist weiterhin, dass viele Orte des Bliesgaus großen Wert auf ihr Erscheinungsbild legen, was sich durch zahlreiche Teilnahmen am bekannten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ zeigt. Hierbei konnten schon beachtlich Erfolge z.B. durch Niedergailbach (Gold 2001), Habkirchen (Gold 1989), Medelsheim (Gold 1995) und Wolfersheim (Gold 2004) sowie einige weitere Orte erzielt werden.


2. Bedingungen für Radfahrer

Für den Radfahrer bieten sich im Bliesgau hervorragende Voraussetzungen, weshalb die Region als Trainingsrevier in der hiesigen „Szene“ geschätzt und auch häufig genutzt wird.
Besonders für den Formaufbau gibt es hier die Täler der bereits angesprochenen Flüsse, die sich zum kilometerorientierten Training nutzen lassen. Dazu verbinden diese Täler Hügel mit weitgehend eher sanften Steigungen, die selten über 7 % liegen und nie mehr als 150 Höhenmeter überwinden. Zum intensiven Bergtraining eignet sich die Region also nur, wenn man fleißig Hügel sammelt. Dabei bieten sich allerdings ganzjährig sehr schöne Ausblicke über die abwechslungsreiche Landschaft, die im Frühjahr und Sommer saftige Wiesen mit blühenden Obstplantagen, im Herbst die welken Blätter der Wälder, die aus dem Nebel der Täler auftauchen und im Winter ausgedehnte weiße Schneefelder darlegt. Einzig der Wind kann recht ungehindert durch die Täler blasen, was aber bei der Tourenplanung entsprechend berücksichtigt werden kann.

Das Verkehrsaufkommen ist überwiegend mäßig bis gering. Lediglich die B423 von Blieskastel nach Habkirchen durchs Mandelbachtal und die L105 durchs Bliestal sind stärker befahren. Zu letztgenanter gibt es aber in Form des Freizeitwegs Bliestal eine sehr interessante Alternative in Form einer 14 km langen asphaltierten Bahntrasse von Blieskastel nach Reinheim zur französischen Grenze. Dieser Weg wird dann auf französischer Seite noch etwa 6 km bis Folpersviller nahe Sarreguemines verlängert, und bietet bei sehr angenehmen 2 % Steigung idyllische Ausblicke über einen weiten Bogen der Blies. In Blieskastel wiederum lässt sich der Weg zwischen Feldern und Wiesen hindurch ebenfalls weitere 10 km bis Beeden bei Homburg verlängern, indem man der typischen grünen Beschilderung folgt. Ab Beeden wiederum besteht ein Anschluss an den Glan-Blies-Weg sowie weitere Möglichkeiten, autofrei und landschaftsintensiv auch die Gegend außerhalb des Bliesgaus zu erkunden.
Nicht zu vergessen sind im Bliesgau auch viele weitere rennradtaugliche Wirtschaftswege, die es zu erkunden gilt. Meistens lohnt es sich, der grünen Beschilderung eines Radfernwegs (z.B. des Saarland-Radwegs) zu folgen, um somit neue Varianten der Trainingsrunde zu erschließen, wie z.B. den Römerweg zwischen Biesingen und Heckendahlheim, der als Panoramaweg den typischen Charakter der Region aufzeigt.

Somit kann der geneigte Radfahrer sich hier also problemlos drei bis vier Stunden vergnügen, und auch für die tägliche Trainingstour stehen ausreichend abwechslungsreiche Varianten zur Verfügung. Wahlweise kann eine Tour auch verlängert werden nach Lothringen im Süden und Westen, und dabei der Leinpfad an der Saar bzw. dem Saarkanal einbezogen werden. Vom Tal der Bickenalb ist es auch nur ein kurzer Schlenker ins ebenfalls sehr attraktive Bitscherland rund um die französische Stadt Bitche.

Besonders herauszuheben ist noch die bereits erwähnte Parr, die von einer Verbundenheit zum katholischen Glauben geprägt ist. In der Tat findet sich hier keine Landstraße oder Ortsdurchfahrt, wo nicht gut erhaltene und oft bunt geschmückte Wegkreuze das Auge des aufmerksamen Radfahrers erfreuen. Dies gilt ähnlich aber auch für den Rest des Bliesgaus und z.B. auch für das benachbarte Lothringen, wo diese Tradition der Wegkreuze dankenswerterweise in gleicher Sorgfalt aufrecht erhalten wird.

Überregional bekannt ist die Region in der Radsportszene durch das jährlich stattfindende bedeutende Jugendrennen Trofeo Karlsberg, das schwerpunktmäßig im Bliesgau ausgetragen wird. Auch die Deutschland-Tour hat 2003 auf ihrer Schlussetappe nach Saarbrücken einen Bogen hierher gemacht. Und 2011 wird selbst die quaeldich.de Deutschland-Rundfahrt die Teilnehmer hierher führen.


3. Reisetips

Die Anreise in den Bliesgau per Kfz kann über zwei nahe Autobahnen erfolgen (A6 mit zwei Abfahrten in St. Ingbert und A8 mit Abfahrt Einöd), um aus nördlicher Richtung anzureisen. Aus südlicher Richtung bietet sich Sarreguemines an, das per B51 an Saarbrücken und über diverse Nationalstraßen an das französische Fernstraßennetz nach Strasbourg, Metz etc. angeschlossen ist. Auch die Erreichbarkeit per Bahn ist akzeptabel durch den Regionalbahnhof Blieskastel und die nahen größeren Bahnhöfe in St. Ingbert, Homburg und Sarreguemines. Theoretisch ist selbst eine Anreise per Flugzeug über den Flughafen Saarbrücken-Ensheim möglich.

Der Bliesgau ist touristisch sehr gut erschlossen und hat somit ein sehr breit gefächertes Alternativprogramm zum Radfahren zu bieten, was nicht zuletzt durch das Prädikat als Biosphärenregion aktiv vermarktet wird. So legt die Region neben dem Radfahren auch großen Wert auf das Wandern, was sich in vielen bestens beschilderten Wanderwegen und seit 2009 auch einem Premiumwanderweg zeigt. Selbst eine Variante des Jakobswegs durchzieht den Bliesgau von Speyer und Hornbach kommend in Richtung Saarbrücken. Die entsprechenden Markierungen finden sich beim Radfahren auf diversen Wirtschaftswegen.

Die interessantesten Sehenswürdigkeiten sind in erster Linie der Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim sowie die barocke Altstadt von Blieskastel, die im Sommer stets zu einem kurzen Verweilen in einem der Eiscafés einlädt. Für Liebhaber von Flora und Fauna bieten sich die bereits angesprochenen selten Tier- und Pflanzenarten, die es zu entdecken gilt.
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