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Pässe La Palma

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Regionsbeschreibung

Von ganzoben

Allgemeines

La Palma ist die westlichste und grünste der Kanarischen Inseln. Und sie bietet wohl die größten Herausforderungen für begeisterte Bergfahrer, obwohl Gran Canaria und Teneriffa auch ihre steigungsmäßigen Tücken haben. Weiterer Vorteil von La Palma: Die Insel ist nicht überlaufen, denn es gibt kaum Strände und das Wetter kann auch mal wechselhaft sein. Ein Erfahrungsbericht mit Tourenvorschlägen vom April 2010.

Tourenstandort

Bester Standort auf La Palma ist der Westen der Insel, nicht nur weil es dort sonniger und wärmer ist, sondern weil sich von hier aus die besten Touren anbieten: Richtung Süden, Richtung Norden, kleinere Abstecher an die Küste oder auf die Berge und als Höhepunkt auch die lange Tour auf den 2426 Meter hohen Roque des los Muchachos. Idealerweise quartiert man sich in Los Llanos de Aridane ein, wo es kleine Hotels, aber auch sehr schöne Bungalow und Appartement-Anlagen gibt (heißer Tipp: La Palma Jardin), in denen man sich zwar selbst versorgen muss, dafür aber nach der Tour auch mal in den Pool springen oder in der Sauna relaxen kann. Wichtig auch: In Los Llanos in der Fußgängerzone unweit der Kirche gibt es ein Radgeschäft. Allerdings ist die (deutsche) Besitzerin auf Mountainbiker ausgerichtet. Denn Rennradler sind angesichts der zum Teil heftigen Steigungen auf La Palma rar. Deshalb kann man auch keine Rennräder mieten. Also das eigene mitnehmen, was ohnehin am besten „passt“. An Radlernahrung mangelt es übrigens auf La Palma nicht. Bananen gibt es in Hülle und Fülle. Und die schmecken super.

Touren

Nun zu meinen Tour-Vorschlägen jeweils mit Ausgangspunkt Los Llanos. Die Straßen sind in der Regel gut, der Verkehr meist mäßig, die Autofahrer rücksichtsvoll.

Die kürzeren, wenn ihr Euch nur am späten Nachmittag oder frühen Abend (nach dem Wander- oder Badetag mit der Familie) aufs Rad schwingen wollt:

1. Los Llanos – Barranco de las Angustias – Los Llanos, ca. 12 Kilometer und 500 Höhenmeter:

Von Los Llanos aus hinunter und wieder hoch aus der Caldera und dem Flussbett des Taburiente. Dieser riesige zum Westen hin und nördlich von Los Llanos hin offene Krater prägt die gesamte Insel. Schon auf dieser kurzen Tour (ca. 12 km, 500 Hm) zeigt sich, wie die Palmeros Straßen bauen, wenn dort keine Busse oder Lkws fahren müssen: einfach gerade und damit steil den Berg hoch. Um vom Zentrum in Los Llanos zum Rand der Caldera zu kommen (einfach der Beschilderung Caldera folgen), muss eine ca. 1,5 Kilometer, im ersten Abschnitt schlechte Straße hochgekurbelt werden. Steigungsprozente: durchgängig 15 bis 17 Prozent. Oben biegt man rechts ab, fast direkt in die kleine Straße in den Caldera-Grund. Sie schlängelt sich mit tollen Blicken auf den mehr als 2000 Meter hohen Rand des Kraters ca. vier Kilometer bis nach unten. Wieder hoch geht es mit Steigungsprozenten bis zu maximal 12 Prozent.

2. Los Llanos – Tazacorte – Puerto de Tazacorte – Mirador del Time – Los Llanos, ca. 30 Kilometer und 1000 Höhenmeter, höchster Punkt 594 Meter:

Ein längerer Ausflug mit ca. 30 Kilometern, dafür aber schon 1000 Höhenmeter, ist die Tour von Los Llanos über Tazacorte, Puerto de Tazacorte am Meer, von dort hoch zum Mirador del Time auf 594 m Höhe und wieder zurück durch die Caldera hinauf nach Los Llanos. Auf der Abfahrt hinunter Richtung Meer kann Tempo gemacht werden. Durch Tazacorte hindurch geht es zum Puerto, dort ca. einen Kilometer am Meer entlang bis zu einem Kreisel, wo ein Schild Richtung Los Llanos weist, allerdings auf der Straße durch den Caldera-Grund. Sie zieht sich mit gemäßigter Steigung gut drei Kilometer das Tal hinauf.
Dann trifft man auf die C 832, die Hauptstraße zwischen Los Llanos und dem Norden der Insel. Hier biegt Ihr links ab und kurbelt in unzähligen Kurven, Windungen, Brücken und Felsdurchbrüchen die steile nördliche Wand der Caldera nach oben. Mehr als zehn Prozent steigt die Straße auf den nächsten rund sechs Kilometern nicht an. Nach den ersten Kehren wird es grüner, die Straße zieht sich durch mehrere Bananenplantagen. Der Ausblick in die Caldera und dann Richtung Meer ist immer wieder beeindruckend. Nach der letzten Kehre führt die Straße an der nördlichen Seite der Caldera stetig nach oben. Dann ist der Mirador del Time, der Aussichtspunkt mit einem eher hässlichen Café erreicht. Die Abfahrt bis auf den Caldera-Grund ist das reinste Vergnügen. Dann folgen die Kehren hoch nach Los Llanos. Bis in den Ort steigt die Straße stetig mit vier bis fünf Prozent an, bevor möglicherweise noch das letzte Steilstück zur Unterkunft wartet.

3. Los Llanos – El Paso – La Cumbrecita – El Paso – Los Llanos, ca. 40 Kilometer und 800 Höhenmeter, höchster Punkt 1287 Meter:

Ebenfalls für den späteren Nachmittag bietet sich die Tour hoch zur Cumbrecita auf knapp 1300 m Höhe an. Dazu verlasst Ihr Los Llanos Richtung El Paso - entweder auf der stärker befahrenen Hauptsstraße TF 812 mit Steigungsprozenten von maximal sechs Prozent oder auf der parallel verlaufenen Nebenstraße mit wenig Verkehr, die dafür permanent steil ist mit Rampen von bis zu 20 Prozent. An einer Stelle wird die enge Durchfahrt durch eine Ampel geregelt. Wer dort hält, kann gleich schieben. Also schauen und Rot ignorieren.
In El Paso kommt man dann wieder auf die flachere Hauptstraße. Hinter einem Kreisel wird es fast eben, dann taucht links das Naturschutz-Zentrum mit dem Abzweig zum Nationalpark auf. Hier biegt auch ihr links ab Richtung Cumbrecita. Zunächst geht es flach weiter, nach dem Abzweig zur Kapelle Pino de la Virgen - hier geradeaus - steigt die Straße allmählich an. Durch den Kiefern- und Pinienwald geht es in diversen Kurven und Kehren bei maximal acht Prozent hoch zum Aussichtspunkt Cumbrecita. Einen Parkplatz, eine kleine Tafel, mehr gibt es dort oben nicht. Kein Kiosk, kein Café, dafür bei schönem Wetter tolle Einblicke in die Caldera. Die Fahrt zurück nach Los Llanos ist ein Klacks, und zum Schluss wartet nicht einmal eine steile Rampe. Die Unterkunft kann auf jeden Fall von oben angefahren werden.

Nachfolgend die beiden längeren Touren, für einen halben und auch einen ganzen Tag.

4. Tour um die Südspitze von La Palma: Los Llanos – El Paso – Refugio El Pilar – San José/Brena Baja – Mazo – Tigalate – Montes de Luna – Los Canarios/Fuencaliente – Fajana – El Charco – Jedey – San Nicolas – Los Llanos, ca. 80 Kilometer und. 1200 Höhenmeter, höchster Punkt 1450 Meter:

Für diese Tour sollte man etwa einen halben Tag einplanen. Auch bei dieser Runde um die Südspitze von La Palma verlasst Ihr Los Llanos wie bei Tour 3 in Richtung El Paso entweder auf der Hauptstraße TF 812 oder auf der steilen Nebenstrecke. Nachdem ihr El Paso hinter Euch gelassen habt, fahrt ihr wieder geradeaus über den Kreisel, dann aber weiter gerade an der Abzweigung zum Nationalpark vorbei. Die Straße steigt jetzt wieder leicht an.
Nach circa drei Kilometern geht es rechts ab (geradeaus ist für Radfahrer ohnehin wegen des Tunnels gesperrt) Richtung Refugio El Pilar. Die Straße führt zunächst relativ flach weiter, mit Beginn des Waldes nimmt die Steigung zu. Es sind aber bis zur höchsten Stelle kurz hinter der Refugio (ein großer Rast- und Freizeitplatz rechts an der Straße) nie mehr als sechs bis sieben Prozent. Auf dem Weg dorthin passiert die Straße braun-graue, unbewaldete Gebiete der erloschenen Vulkane. Der Blick reicht zum Teil schon bis zur Küste hinunter. Kurz hinter dem Refugio ist der höchste Punkt der Tour mit 1450 Metern Höhe erreicht.
Die Abfahrt hinunter nach San José ist aber nicht immer ein Vergnügen. Phasenweise ist die Straße nicht besonders gut. Außerdem hängen auf der Ostseite von La Palma oft dichte Wolken, aus denen es nicht selten nieselt oder leicht regnet. Nach ca. zehn Kilometern ist San José erreicht. Hier rechts halten auf der C 832 Richtung Mazo und Los Canarios/Fuencaliente an der Südspitze der Insel. Die Straße führt noch weit oberhalb der Küste Richtung Süden. Es ist flach, mitunter leichte Abfahrten und leichte Steigungen, ihr kommt auf der jetzt wieder sehr guten Straße zügig voran. Bis Fuencaliente sind es ca. 20 Kilometer. Immer wieder tolle Blicke hinunter aufs Meer und auch auf die vorhandenen meist von Plastikplanen bedeckten Bananen-Plantagen.
Wer Zeit und Lust hat, kann kurz vor Fuencaliente links abbiegen und über La Caletas bis runter an die Küste zum Leuchtturm (Faro de Fuencaliente) fahren und über Las Indias wieder zurück nach Fuencaliente gelangen. Aber Achtung: Das ist nicht nur ein Umweg von ca. 20 Kilometern, sondern es kommen etwa 500 Höhenmeter dazu.
Wer auf diesen Abstecher verzichtet, passiert Fuencaliente Richtung Fajana. Die Straße ist gut, oft bläst allerdings ein heftiger Wind. Die Landschaft ist rauer als an der Ostküste. Man fährt weiter mehrere hundert Meter oberhalb der Küste, die nur zeitweise zu sehen ist. In der Ferne sind allerdings schon die Caldera und Los Llanos zu erkennen. Größere Steigungen sind bis Los Llanos nicht mehr zu bewältigen - es sei denn, man biegt kurz hinter San Nicolas von der Hauptstraße auf die weniger befahrene Strecke über Todoque, La Laguna und Triana ab. Hier geht es auf einer sehr guten Straße durch ausgedehnte Lavafelder zunächst ca. 200 Höhenmeter abwärts Richtung Küste, die dann bis Los Llanos wieder hochgefahren werden müssen. Je nach Lust und Laune und Wetter (als ich gefahren bin, war es bedeckt und eher regnerisch) kann man diese Tour also auch auf 100 Kilometer und 1600 bis 1800 Höhenmeter ausdehnen.

5. Königstour zum Roque de los Muchachos: Los Llanos – Mirador del Time – Tijarafe – Tinazara – Briestas – Hoya Grande – Roque de los Muchachos – Hoya Grande – Briestas – Punta Gorda – Facundo – El Roque – Tinazara – Tijarafe – Mirador del Time – Los Llanos, 120 Kilometer und ca. 3000 Höhenmeter, höchster Punkt 2426 Meter:

Für diese Tour solltet ihr einen ganzen Tag einplanen. Es ist eine Strecke, die mit solchen Höhenmetern an einem Stück nicht einmal in den Alpen zu finden ist. Die Straße steigt praktisch in einem Stück fast vom Grund der Caldera über gut 50 Kilometer von etwa 150 Metern über Meereshöhe auf 2426 Meter mit einer gehörigen Steigung auf den letzten Kilometern an. Wichtig auch: Für die lange Abfahrt vom Roque de los Muchachos auf kühle Temperaturen einstellen!
Das erste Stück führt über die bereits beschriebene Strecke C 832 von Los Llanos hinunter in die Caldera und wieder hoch zum Mirador del Time. Hinter dem Mirador führt die gute Straße weiter weit oberhalb der Küste immer leicht, mitunter auch stärke ansteigend durch Tijarafe Richtung Norden. Bananenplantagen gibt es hier kaum noch, dafür tiefe Schluchten (Barrancos), weshalb die Straße sehr kurvenreich ist. Ihr passiert El Pinillo, dann La Castellana und La Cascajo. Circa einen Kilometer nördlich hinter dem Aussichtpunkt (kleiner Parkplatz an der zur Küste gewandten Seite der Straße) und dem Barranco de Garome (Schilder an der Straße weisen auf die Barrancos hin) und unmittelbar hinter einen kleinen Einbuchtung der Straße besteht die Möglichkeit, auf der Hauptstraße geradeaus weiter zu fahren oder rechts auf die L 115 (?) (grünes Schild) abzubiegen: Kleine Straße in perfektem Zustand, die etwas weiter oberhalb ca. 12 Kilometer durch Felder und Wälder führt, bevor sie wieder auf die Hauptstraße trifft. Traumhaft, keine Autos und meist mäßige Steigung. Bei der Bar/Restaurant Las Briestas mündet die Straße wieder auf die Hauptstraße, hier die C 830.
Mittlerweile befindet ihr Euch auf rund 1200 Metern Höhe. Nach weiteren vier Kilometern bei Hoya Grande beginnt das härteste Stück der Tour: Der Abzweig zum Roque de los Muchachos. 12 harte Kilometer mit mehr als 1200 Höhenmetern auf bester Straße mit zeitweise 15 Prozent Steigung. Die Straße schlängelt sich durch schöne Kiefernwälder. Wenn ihr die ersten großen weißen Kugeln der Observatorien oben auf dem Gipfel seht, seid ihr freilich noch längst nicht oben.
Die Bäume verschwinden, man ist längst über den Wolken, die Landschaft wird karg und rau - ausgedörrte Lavafelder. Und immer mehr Observatorien werden sichtbar. An einem eher hässlichen Wohngebäude für die Wissenschaftler zweigt rechts die Straße zum Roque ab. Noch einmal warten knappe vier Kilometer mit knackiger Steigung. Dann endlich ist der kleine Parkplatz am Rand der Caldera erreicht: 2426 Meter und ein gigantischer Blick Richtung Norden über das Wolkenmeer und Richtung Süden in die Caldera. Achtung: Hier oben gibt es keine Bar und kein Restaurant. Dafür wartet eine traumhafte Abfahrt. Auf den ersten Kilometern scheint die Straße einfach im Wolkenmeer zu verschwinden. Super! An Las Briestas vorbei geht es diesmal auf der Hauptstraße wieder Richtung Los Llanos. Mit der Gewissheit, dass am Ende noch einmal ein Anstieg über knapp 500 Höhenmeter wartet...

Wer sich nicht bändigen kann, darf auch die Nordrunde bewältigen. Also vom Roque nicht wieder direkt zurück nach Los Llanos, sondern hinunter auf die Ostseite rund 36 Kilometer Abfahrt (auf allerdings schlechter Straße!) auf der C 830 Richtung Santa Cruz. Oberhalb der Inselhauptstadt geht es dann bei Las Nievas wieder gen Süden. Allerdings sehr hügelig bis San Pedro. Hier zweigt ihr rechts ab, um über die Refugio El Pilar wieder nach Los Llanos zu kommen. Diese Runde dürfte etwa 150 Kilometer lang sein, mit 3500 bis 4000 Höhenmetern. Wer diese Höhenmeter scheut, kann natürlich auch über Fuencaliente zurückfahren und damit eine komplette Inselrunde drehen. Das sind dann aber ca. 170 bis 180 harte Kilometer....

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