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Pässe Lago di Garda (Gardasee)

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Regionsbeschreibung

Von AP

1. Warum Gardasee?

Quaeldich.de ist ja bekanntlich eine Internetseite für Bergaufradler. Warum wird hier eine Regionenbeschreibung für einen See angeboten? Hat man etwa Tretbootfahrer und Hobbyfischer als Zielgruppe für eine Neuausrichtung der Seite ausgemacht?
Natürlich nicht. Der Lago di Garda liegt zwar nicht vollständig in den Alpen, ist aber schon lange bekannt als eins der Traumziele in der Mountainbike-Szene. Asphaltierte Anstiege gibt es dort auch zuhauf, so dass Rennradler ebenfalls auf ihre Kosten kommen. Dazu kommt noch, dass manche Geographen bei der Aufteilung der Alpen durchaus eine Unterregion „Gardasee“ spezifizieren, um die Bergwelt um den See herum in ein Schema zu fassen. So zum Beispiel hier. Gründe genug also für quaeldich.de, ein paar Details über diese Gegend zu veröffentlichen.

2. Allgemeine Informationen:

Die Lage des Gardasees dürfte hinreichend bekannt sein, er liegt im Nordosten von Italien im Dreieck Rovereto – Verona – Brescia. Drei italienische Provinzen (Lombardei, Trentino und Venetien) teilen ihn unter sich auf. Mit einer Fläche von 370 Quadratkilometern ist er nicht nur der größte der oberitalienischen Seen (ja, wir nennen sie so, obwohl auch die Schweiz Anteil an zweien hat), sondern auch der Italiens. Im Gegensatz zu den anderen oberitalienischen Seen hat er nur im Nordteil die typische Fjordform (als Beispiel dafür seien der Comer See und der Luganer See genannt), wohingegen sich der Südteil breit in die Poebene ergießt.
Das Sarcatal zwischen Tione di Trento und Sarche trennt die Region Gardasee von der Brentagruppe; ab Sarche verläuft die Grenze zum Massiv des Monte Paganella in etwa an der strada statale 45b entlang bis Trento. Im Osten wird die Region vom Etschtal, im Süden von der Poebene und im Westen bis zum Idrosee von den Valli Giudicarie begrenzt; ab dem Idrosee ist die Abgrenzung zu den Ausläufern der Adamellogruppe östlich des Iseosees ein wenig unklar und verläuft mehr oder weniger Luftlinie bis Brescia. Die höchsten Berge der Region sind der Monte Cadria (2254 m Höhe) im Nordwesten, der Cornetto (2179 m Höhe) im Nordosten und die Cima Valdritta (2218 m Höhe), die höchste Spitze des Monte Baldo, im Osten des Sees.
Wie fast alle der anderen Seen – mit Ausnahme des Lago d’Idro – hat er seinen ursprünglichen lateinischen Namen (Lagus Benacus) verloren; diese Bezeichnung keltischen Ursprung, die wohl etwas mit Halbinseln zu tun hat, ist nur noch in einigen Ortsnamen (Torri del Benaco) enthalten. Der heutige Name Lago di Garda ist germanischen Ursprungs (Warda bedeutet in etwa Wacht oder Wache) und entstammt der Epoche der langobardischen Besetzung Norditaliens ab dem 6. Jahrhundert nach Christus.
Der Gardasee liegt noch einmal ein wenig tiefer und weiter südlich als zum Beispiel der Lago Maggiore oder der Lago di Como, was dazu führt, dass das Klima sehr mild und semi-mediterran ist. Nördlicher als am Gardasee wachsen auf diesem Planeten keine Olivenbäume und am Südwestufer des Sees um Gardone Riviera herum ist es so warm wie nirgendwo sonst in Italien nördlich des Apennin. Wobei nichtsdestotrotz auch am Seeufer die Temperatur in kalten Winternächten unter 0 Grad fallen kann, was dann dazu führt, dass manche Gemeinden im Frühjahr ihre abgestorbenen Palmenbestände neu aufstocken müssen. In alten Aufzeichnungen kann man nachlesen, dass der See zum letzten Mal im Winter 1708-1709 komplett zugefroren und zum letzten Mal im Winter 1984-1985 teilweise von Eis bedeckt war.
Die tiefste Stelle des Sees liegt bei 365 m unter der Wasseroberfläche, was bei einem Oberflächenniveau von 65 m Höhe bedeutet, dass dieser Ort deutlich unter Normalnull läge, wenn der Graben nicht mit Wasser gefüllt wäre. Merkwürdigerweise gibt es keinen Fluß – wie zum Bespiel der Ticino beim Lago Maggiore oder die Adda beim Lago di Como – der in den See hinein- und herausfließt. Im Norden mündet die Sarca bei Torbole in den See, im Süden tritt der Mincio östlich von Peschiera wieder aus ihm hinaus, und das war es.
Eine kurze Zusammenfassung des Gardasees wäre unvollständig ohne Erwähnung der sehr beständigen Winde, die den See zu einem Surferparadies machen. Gerade im Nordteil bläst die Ora fast jeden Tag von Süden her, was die Segler freut und die Radler, die sich dem See von Norden her an Arco vorbei nähern, zum Wahnsinn treibt.
Ein kein sehr schönes Ereignis aus der Geschichte des Sees soll nicht verschwiegen werden, im Oktober 1943 rief Benito Mussolini in Gargnano die Republik von Salò aus. Aber der See kann natürlich nichts dafür, dass er zum letzten Rückzugsgebiet der Faschisten in Italien wurde.
Noch ein letztes Wort zur landschaftlichen Schönheit des Gardasees: UMWERFEND. Wer zum ersten Mal von Rovereto her über den Passo San Giovanni kommt und das Panorama mit dieser unvergleichlichen Mischung aus schroffer Alpenkulisse und weichen, von Olivenbäumen, Zypressen und italienischer Architektur geprägten mediterranen Zügen in sich aufsaugt, muß schon ganz schön abgehärtet sein, um davon nicht berührt zu werden.

3. Radfahren am Gardasee:

Die negativen Seiten vorneweg: genauso wie bei den anderen oberitalienischen Seen ist das Radfahren am See entlang wegen des starken Autoverkehrs grenzwertig. Und ein Riesenmanko für Rennradfahrer ist der Rückbau der alten Ponale-Straße, ganz im Interesse der Mountainbiker. Somit ist der spektakulärste Weg ins Val di Ledro westlich des Sees zum Teil nicht mehr asphaltiert.
Wir wollen aber darüber nicht jammern, es gibt genug andere Strecken. Höhepunkte der Region sind die Wege hoch zum Passo di Tremalzo, zum Monte Bondone und zum Monte Baldo. Freunde der überschweren Anstiege können sich am Passo del Telégrafo austoben. Für Leute, die es ruhiger angehen lassen wollen, bieten sich der Passo del Ballino vorbei am hübschen Lago di Tenno oder der Passo d'Ámpola in der Nähe des Lago di Ledro an. Und wer vom See aus nach Osten auf die andere Seite des Etschtals überwechselt, der hat die Möglichkeit, im Bereich der Pässe Coe, Sommo, Valbona, Campogrosso, Borcola und Pian delle Fugazze anspruchsvolle Rundkurse zu fahren. Diese letztgenannten Pässe gehören zwar nicht mehr zur eigentlichen Region des Gardasees, sind aber alle nur einen Katzensprung entfernt.
Ebenfalls nicht vergessen sollte man, daß der untere Teil des Gardasees nicht mehr im Hochgebirge liegt, sondern von einer eher hügeligen Landschaft umgeben ist. Aufgrund der recht südlichen Lage und des recht niedrigen Höhenniveaus sind dort schon zeitig im Frühjahr oder noch spät im Herbst Touren möglich, wenn sich höhere Pässe noch bzw. schon im Winterschlaf befinden. Alle 24 Pässe der Region ansehen