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Pässe Sočatal / Dolina Soče

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Regionsbeschreibung

Von AP

1. Die unwahrscheinliche Farbe

Unmöglich, daß man sie jemals vergisst, wenn man sie einmal gesehen hat: Die Farbe der Soča. Ein strahlendes Türkisblau, als hätte jemand zerstoßenen Edelstein unter das Wasser gemischt. Man ist gefesselt von der Farbe, ob man den Fluss nun vom Ufer oder von einer Brücke aus betrachtet. Am Allerschönsten wirkt die Farbe von hoch oben, wenn man zum Beispiel vom Kamm des Kolovrat hinunter schaut und sich tief unten dieses unwirkliche Blau durch das grüne Tal schlängelt.
Woher kommt die Farbe? Liegt es an der Temperatur des Wassers oder den Mineralien, die aus den Felsen gewaschen werden? Man kann es nicht erklären. Es ist eben ein Naturwunder.

2. Allgemeine Informationen

Die Soča entspringt auf der Südseite des Vršič und mündet nach knapp 140 km in der Nähe von Monfalcone ins Mittelmeer. Zwar fließt sie nur auf den letzten Kilometern ab Solkan, einem Vorort von Nova Gorica, durch Italien, aber dennoch ist ihr italienischer Name „Isonzo“ möglicherweise bekannter. Dazu unten mehr. Sie hat auch einen deutschen Namen (Sontig), der in Vergessenheit geraten ist. Macht nicht viel aus, „Soča“ klingt viel besser.
Der Fluß hat ein herrliches Tal durch die Julischen Alpen gegraben, das wir auf quaeldich.de vorstellen möchten. Sein südliches Ende liegt nicht weit weg von der oben erwähnten slowenisch-italienischen Grenze bei Nova Gorica (Gorizia). Am nördlichen Ende spaltet sich das Sočatal auf in das östliche Trentatal, durch das die Soča herabbraust, und das Tal der Koritnica, in dem die Straße zum Predel ihren Anfang hat.
Die Soča, und mit ihr natürlich das Tal, verläuft nicht in gerader Nord-Süd-Linie, vielmehr macht sie zwei kräftige Schlenker, einen zwischen Bovec und Kobarid, den anderen bei Most na Soči. Auf einer Karte betrachtet sieht das aus wie ein gewaltiges „S“. Dabei ist das Tal mal enger, so etwa im Bereich des oberen Schlenkers bzw. zwischen Most na Soči und dem Talausgang, mal weitet es sich wie um Bovec herum oder wie zwischen Kobarid und Tolmin. Da es auf der Südseite der Alpen liegt und zum Mittelmeer hin geöffnet ist, hat zumindest der Talboden ein sehr mildes Klima. Dieses milde Klima an der Soča äußert sich unter anderem darin, daß es südlich von Gorizia ein italienisches Weinanbaugebiet gibt, die DOC Friuli Isonzo. Im Tal selbst wachsen möglicherweise Rebstöcke, es gibt aber keine kommerzielle Weinproduktion.

Soviel zu den dürren Rahmendaten des Tals. Was aber ist so besonders an dem Tal im Vergleich zu den vielen anderen Tälern, welche die Alpen durchziehen?
Es ist, nach der Meinung des Autors, die ganz spezielle, fast träumerische Stimmung im Tal, wie an einem sonnigen Spätsommerabend, an dem das Licht honigfarben über dem Land liegt. Das mag am milden Klima liegen. Oder an den heimeligen Dörfern, in denen die Landwirtschaft nicht hochtechnisiert ist wie im Flachland. Oder an der störrisch-individuellen Art der slowenischen Bevölkerung. Oder an der herben Majestät der Julischen Alpen gerade im nördlichen Teil des Tals. Wahrscheinlich aber ist es die Kombination all dieser und noch anderer Faktoren. Und durch dieses Kleinod von Tal strömt die Soča mit ihrer unwahrscheinlichen Farbe dem Mittelmeer entgegen.
In dem Tal kann man so viele Dinge unternehmen, dass man gar nicht weiß, womit anfangen. Wandern, Kanu fahren, im Fluss baden, Gleitschirm fliegen, Radfahren, Klettern und so weiter. Wer dort keine Beschäftigung findet, dem ist nicht mehr zu helfen. Sogar die Freunde des Schwermetalls kommen auf ihre Kosten. Nein, man kann im Tal keinen Ferienkurs im Stahlwerk machen, vielmehr findet eine der größten Heavy-Metal-Veranstaltungen Europas schon seit Jahren in Tolmin statt: das Metal Camp. Wer an weiteren Informationen zum Tal interessiert ist, der kann hier ein wenig stöbern.

3. Die Schrecken des Krieges:

Wenn man dieses friedliche Tal durchfährt, dann mag man kaum glauben, dass es im ersten Weltkrieg der Schauplatz erbitterter Schlachten zwischen den Heeren Italiens und Österreichs war. Die anfängliche Frontlinie lief nicht entlang des Flusses, vielmehr war der Mittelteil des Tales um Kobarid (damals bekannter als Caporetto) in italienischer Hand, während ab Tolmin die Österreicher den Talgrund hielten und von den westlichen Höhen herab von den Italienern bombardiert wurden. Von Juni 1915 bis Oktober 1917 kämpfte man in zwölf blutigen Schlachten um jeden Meter. Die ersten elf der Schlachten wurden jeweils von den italienischen Generälen eröffnet, die ein ums andere Mal mit grotesker Menschenverachtung ihre Männer ins österreichische Feuer schickten. Es gelang ihnen, im Laufe der Zeit die Österreicher im Süden des Tales auf die östlichen Höhen des Plateaus der Bainsizza zurückzudrängen. Dann aber kam die zwölfte und bekannteste Isonzoschlacht, in der die Österreicher verstärkt durch deutsche Truppen die Italiener überrannten und zum Rückzug zwangen, der erst im Friaul am Piave gebremst werden konnte.
Die Kämpfe um die Soča herum fanden Eingang in die Literatur der Jahre zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg. Kostprobe gefällig?

„The wind rose in the night and at three o’clock in the morning with the rain coming in sheets there was a bombardment and the Croatians came over across the mountain meadows and through patches of woods and into the front line. They fought in the dark in the rain and a counter-attack of scared men from the second line drove them back. There was much shelling and many rockets in the rain and machine-gun and rifle fire all along the line. They did not come again and it was quieter and between the gusts of wind and rain we could hear the sound of a great bombardment far to the north.”
Zitat aus „A farewell to arms”, geschrieben von Ernest Hemingway und veröffentlicht im Jahr 1929.

So also schildert Ernest Hemingway das Grauen der Kämpfe auf dem Plateau der Bainsizza. Am ersten Weltkrieg nahm er als freiwilliger Krankenwagenfahrer auf italienischer Seite teil und wurde bei einem seiner ersten Einsätze schwer verwundet. Interessante Randnotiz: die Isonzoschlachten hat er nie gesehen. Als er im Jahre 1918 nach Italien ging, wurde im Sočatal schon nicht mehr gekämpft, vielmehr stand man sich an der Piave gegenüber, an der Hemingway dann auch von Granatsplittern erwischt wurde.
Wer mehr über diese graue Zeit erfahren möchte, der hat die Möglichkeit, sich vor Ort verschiedene Kriegsmuseen anzuschauen, zum Beispiel in Kobarid oder auf der Sveta Gora. Auch alte Stellungen sind noch zu finden, am Kolovrat, oberhalb der Planina Kuhinja oder anderswo.

4. Radfahren im Sočatal:

Nun, der Krieg ist zum Glück lange vorbei, und kehrt hoffentlich nie wieder. Zurück zum eigentlichen Thema von quaeldich.de. In einem Paradies für Frischluftaktivitäten aller Art wie dem Sočatal findet auch der Rennradler seinen Platz bzw. attraktive Strecken. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man das volle Ausmaß an Schönheit und Spektakularität der Wege des Sočatals nur dann ermessen kann, wenn man zu Fuß oder auf dem Mountainbike unterwegs ist. Nur so nämlich lassen sich all die Pisten bewältigen, welche zum Teil für Kriegsbelange angelegt wurden und ins Herz des Triglav-Nationalparks führen, und all die versteckten Almen besuchen, die sich über die Berghänge verteilen. In der Beschreibung der Stador-Alm und der oben erwähnten Kuhinja-Alm ist dazu schon einiges nachzulesen.
Was aber auf dem Rennrad möglich ist, lohnt auf jeden Fall die weite Reise ins Tal. An erster Stelle sei die Runde über den Vršič-Pass genannt, die auf quaeldich.de schon genauer beschrieben ist. Die zahlreichen Übergänge ins Friaul, die man dank der EU-Grenzregelungen unproblematisch passieren kann, lassen Touren zu, auf denen man slowenische mit italienischen Anstiegen kombinieren kann. Als Beispiel sei eine Runde von Bovec aus genannt, auf der man über den Predel, über die Sella Nevea und über die steile Sella Carnizza nach Uccea fährt und von dort aus über den niedrigen Sedlo Učja zurück ins Sočatal gelangt, um von Žaga aus die Soča entlang wieder nach Bovec zu radeln. Für die Marathon-Menschen unter den Radlern bietet sich eine lange Runde ins slowenische Landesinnere an, die etwa 200km lang ist und von Tolmin das Tal der Baca hinaufführt, um dann über den Bohinjsko sedlo und Pokljuka das Savetal zu erreichen und über den Vršič-Pass wieder ins Sočatal abzufahren. Daneben gibt es noch einige asphaltierte Straßen, die – wie oben angedeutet – zu Almen oder zu Wallfahrtskirchen hochreichen und von denen schon einige den Eingang ins QD-Passlexikon gefunden haben. Ohne Zweifel, das Sočatal ist mehr als einen Besuch wert.
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