Alpengiro 2009 / Gavia vs. Stelvio

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Erlebnisbericht: Alpengiro 2009

Erlebnisbericht von Jan (weitere...) , Etappenbericht von jad fair

Tag 5: Passo del Tonale - Morter: Gavia vs. Stelvio
118,1 km / 3222 Hm

Passo del Tonale (0,0 km) - Passo di Gavia (25,2 km) - Santa Caterina Valfurva (38,1 km) - Bormio (51,0 km) - Stilfser Joch (71,7 km) - Gomagoi (90,0 km) - Prad (96,5 km) - Laas (105,9 km) - Kortsch (111,0 km) - Silandro (112,2 km) - Goldrain (116,7 km) - Morter (118,1 km)

Beschreibung

IMG 1445.Um es kurz zu machen:
Zwei schöne Abfahrten mit zwei Gegenanstiegen meinte Jan am Vorabend dieser Tour. Dieser Aussage ist aber auch rein gar nichts mehr hinzuzufügen!

Aber erst Mal der Reihe nach...
Nach einer ruhigen Nacht am Tonalepass in ca. 1700m Höhe und einem gestärkten Frühstück ging es gleich morgens rein in die Abfahrt Richtung Ponte di Legno, hinauf zum sagenumwobenen Gavia-Pass, einem der schönsten Alpenpässe laut Meinung des Tour-Guides, Nun, diese gilt es zu überprüfen. Danach stand das Stilfser Joch (Passo dello Stelvio) auf dem heutigen Plan - endlich muss ich sagen, nachdem es bei der letztjährigen Drei-Länder-Tour von Quäldich im Juli 2008 wegen Schneefall und eisiger Kälte nicht befahren werden konnte - und seitdem mein morgendlicher Motivator – weil PC-Hintergrundbild – geworden ist. Doch dann gleich beim Frühstück die Schreckensmeldung: Stilfser Joch gesperrt wegen Steinschlages, „Na super dachte ich“, das wird doch nicht mein „Ewig-Nicht-Befahrbarer-Pass-bleiben-oder??“ Noch am Frühstückstisch wurden die Notebooks gezückt und erste Alternativrouten überlegt. Meine Stimmung wurde nicht besser.... Die Spätankömmlinge beim Frühstück wurden begrüßt mit den Worten: „hast du schon gehört, Steinschlag am Stilfser Joch...“etc. Doch dann kam die glückliche Wende (!) vor Beginn unserer heutigen Tour: Steinschlag ist geräumt, Stilfser Joch ist frei, man bin ich froh!!

Der Himmel war blau und versprach einen traumhaften Tag. Nach der Abfahrt vom Tonalepass dauerte es dauerte nicht lange und die ersten steileren Passagen des Gavia-Passes wurden spürbar. Insgesamt warteten 17 km auf uns bis zur Passhöhe. Die Dialoge wurden spärlicher und der Herzschlag umso lauter! Das Peloton teilte sich bald, die schnelleren Radler sah man gerade noch bis zur nächsten Serpentine. Apropos Serpentine: Es ist empfehlenswert die Serpentinen bergauf nicht zu scharf anzufahren, meint Roli, „sonst muss man innen zu sehr bremsen“. Glücklich ist der, der so etwas von sich behaupten kann!
Ich versuchte also das Tempo am Berg meinem Puls anzupassen („nachdem der elektronische Pulsgeber noch nicht erfunden wurde“) und freute mich über die Gesellschaft meines Zimmernachbarn Ulrich, der mich die zwei nächsten Gegenanstiege lang begleiteten sollte. Ja, gemeinsam ist es doch am schönsten! Die Fahrt ging zunächst durch herrlich schattige Passagen hinein in eine wirklich atemberaubende Bergkulisse. Einzelne Mountainbike Fahrer entlang des Weges wurden locker überholt (zumindest bis zur nächsten Serpentine!) und weiter oben wurde der Ausblick immer grandioser. Die 800m lange unbeleuchtete Tunnelpassage im oberen Teil des Passes wurde zügig gemeistert, hier ist es wirklich notwendig, ein funktionierendes Licht dabei zu haben.
Nach dem Tunnelstück kommt nach kurzer Zeit der wunderschöne Lago Nero auf knapp 2400m Höhe zu sehen und man weiss, lange kann es zum Gipfel nicht mehr sein.
Ich muss zugeben, einen schöneren Alpenpass bin ich bis dato nicht gefahren, wirklich einmalig die Bergwelt und die Einsamkeit. Oben angekommen warteten schon die anderen und gönnten sich die eine oder andere warme Mahlzeit. Nach kurzer Pause und dem obligatorischen Passfoto ging es hinab in die Abfahrt vorbei an dahinrollenden Autos, ist schon ein erhabenes Gefühl, mal einen Mercedes mit dem Radl zu überholen...
Bei strahlender Sonne In Santa Caterina machten wir eine längere Essenspause und füllten unsere leeren Mägen auf. Es folgte die weitere Abfahrt nach Bormio und dann endlich die 22km lange Auffahrt zum Stilfser Joch mit den sehenswerten 36 Kehren. Im Unterschied zum Gaviapass sind hier eindeutig mehr motorisierte Fahrer unterwegs. Durch mehrere teils dunkle Tunnels erreichen wir schnell an Höhe. Es folgen die ersten Serpentinen und in ca. 2200 m Höhe erreichten wir das Hochtal „Bocca del Braulio“, ein grünes, mooriges Tal mit der Abzweigung Richtung „Umbrailpass“. Anschließend folgt man einer endlosen, wenig motivierenden Gerade, die hinauf Richtung Stilfser Joch führt, dabei überwindet man aber noch ein paar Kehren. Oben auf 2757m Höhe angekommen ist man nicht allein, Würstchengrill an der Strasse, Souvenirläden überall, nur schnell weg hier!! Die Abfahrt Richtung Prad ist wirklich einzigartig und hier habe ich dann endlich mein „Aha-Erlebnis“, als ich dieses Bild vor Augen habe: (http://www.quaeldich.de/paesse/stilfser-joch/bilder/?BildID=7065), welches mich ein Jahr lang morgens am Bildschirm begrüßte!! Also hinein in die tolle Abfahrt mit wunderschönen Blicken in die Bergwelt des Ortler. Kurze Kaffee-Pause an der „Franz Josefshöhe“ (leider ohne Kaiserschmarrn) und weiter hinab nach Prad und entlang des Vinschgauradweges Richtung Morter, unserem heutigen Etappenziel. Dort angekommen, duschen, ausruhen und zügig Essen fassen! Den Nachtisch konnten wir draußen auf der Terrasse zu uns nehmen, eine ruhige Oase des Friedens spendete Wärme und Licht! Einzelne wagten noch den Sprung in den erholsamen Pool, andere zückten zu vorgerückter Stunde und nach ein paar Weizen noch das sagenumwobene „Pässe-Quartett“ (wann gibt es das zu kaufen??) und ich machte mich gegen später vom Acker. Noch oben im Hotelzimmer hörte ich die Rufe der Mitspieler „Höhe, Länge, Schönheit und Härte“, einzelne Kategorien des Pässe-Quartetts, die mich sicher in den Schlaf wiegten. Zuletzt muss ich feststellen: Gavia schlägt Stelvio nach 90 min in allen Breichen deutlich überlegen und mit 5:2! Gute Nacht!