Alpengiro 2009 / Vom Regen und „Zenzi“ in die Sonne

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Erlebnisbericht: Alpengiro 2009

Erlebnisbericht von Jan (weitere...) , Etappenbericht von ganzoben

Tag 2: Pennes - Madonna di Campiglio: Vom Regen und „Zenzi“ in die Sonne
135,2 km / 3177 Hm

Pennes (0,0 km) - Riobianco (3,8 km) - Rabenstein (7,9 km) - Astfeld (16,9 km) - Cornaiano (48,1 km) - Eppan (49,5 km) - Mendelpass (64,9 km) - Monte Penegal (69,1 km) - Mendelpass (73,2 km) - Villini dell'Alpe (74,9 km) - Ronzone (80,2 km) - Cavareno (82,3 km) - Romeno (84,4 km) - Sanzeno (90,5 km) - Banco (92,2 km) - Cagnò (98,5 km) - Bozzana (106,3 km) - Tozzaga (107,8 km) - Cassana (108,9 km) - Dimaro (118,0 km) - Folgarida (125,3 km) - Passo Campo Carlo Magno (132,8 km) - Madonna di Campiglio (135,2 km)

Beschreibung

IMG 0720.Wir haben den Abend und die Nacht überstanden - wegen des guten Essens und trotz der, ich sage mal, sehr engagierten Chefin im Penser Hof. Doch der Morgen ist eher trist: Der Blick aus dem Fenster könnte dazu verleiten, sich noch mal umzudrehen. Es schüttet, die Wolken hängen fast unten im Tal. Und auf uns warten Mendelpass und Passo Campo Carlo Magno. Schlappe 124 Kilometer, 2.935 Höhenmeter mit maximal 18 Prozent, wenn noch der Monte Penegal eingeschoben wird. Dann sind es auch noch acht Kilometer mehr. Jans eindringlicher Appell fruchtet. Schließlich sind wir nicht zum Spaß hier. Um halb acht sitzt das Team am Frühstückstisch. Und trotz intensiver Verhandlungen mit Frau Kemenater (oder Zensi) über die vorabendliche Rechnung - die niemand angesichts der Hieroglyphen auf ihren Zetteln nachvollziehen kann - sitzen alle um neun Uhr auf dem Rad. Und der Regen hat nachgelassen. Fast 60 Kilometer geht es bergab Richtung Bozen. Zwischendrin drängt sich ein Trupp von Mountainbikern in unsere Gruppe. Sie fahren viel zu dicht auf, überholen chaotisch und provozieren durch einen plötzlichen Stopp fast auch noch Stürze. Es geht gut - das Tempo ist zügig. In Bozen regnet es immer noch - aber es wird heller. Die Radwege sind super, dann ist es mit der lockeren Fahrerei vorbei. Aber auch endgültig mit dem Regen, obwohl die Wolken weiter tief hängen. Der Mendelpass ruft. Rund 16 Kilometer geht es nach oben. Rund 900 Höhenmeter.

Horst, unser Oldie, wird wieder mal ungeduldig und kurbelt vorneweg. Der Mann ist unglaublich schnell. Das Feld zieht sich auseinander. Der Himmel reißt zwischendrin auf, der Blick ins Etschtal freilich ist meist verstellt. Muss schön sein. Die Straße ist gut, die Steigung vergleichsweise moderat, in der Spitze sind es zehn Prozent. Kein Problem für den runden Tritt. Durch Eichen- und Kastanienwald geht es allmählich hoch, zwischendrin ist die Straße in den Fels gesprengt. Nach den letzten neun Kehren sind wir oben. 1.363 Meter. Auf der Passhöhe warten Pasta, Kuchen, Apfelsaftschorle und Kaffee. Manfred, Hardy, Roli und Rolf nehmen eine zusätzliche Herausforderung an: Rund vier Kilometer und knapp 400 Höhenmeter auf den 1.737 Meter hohen Monte Penegal. 12 Prozent sind es am Anfang, zwischendrin zieht sich die schmale Straße über diverse Rampen von bis zu 500 Metern Länge mit stolzen 18 Prozent. Gefühlt auf jeden Fall. Der Aussichtsturm oben wird auch noch erklommen. Der Blick zurück Richtung Bozen ist trist. Dichter Nebel. Dafür sind die Aussichten auf die andere Seite umso schöner: Wolken und Sonne!

Die Abfahrt Richtung Fondo liefert die Bestätigung: Regenjacke und Überschuhe werden endgültig überflüssig. Uns es rollt zeitweise mit Tempo 60/65 auf superguten Straßen durch das Trentino und das Val di Sole. Vorbei an Tausenden von Apfelbäumen und Millionen von Äpfeln. In Dimaro hat das Vergnügen abrupt ein Ende. Der Anstieg zum Passo Campo Carlo Magno wartet. Karl der Große war einst auch hier, um sich jenseits des Passes mit den Langobarden zu streiten. 1.250 Jahre später kommen wir - in friedlicher Mission. 15 Kilometer und 900 Höhenmeter sind zu überwinden. Und das gleich mit giftigen Prozenten und leider etwas zu viel Verkehr. Der Himmel ist mittlerweile strahlend blau, der Schweiß rinnt und die Trinkflaschen sind schnell geleert. Nach etlichen Kilometern wird die Steigung sanfter, das letzte Stück hoch zum Pass auf 1.682 Metern, der eher eine Ansiedlung von Hotels und Apartmenthäuser ist, zieht sich durch ein Waldstück. Oben ein fantastischer Ausblick auf die Brenta Dolomiten. Und die Aussicht nach nur zwei Kilometern Abfahrt Madonna erreicht zu haben. Das gute Hotel Miramonti liegt direkt neben dem Skistadion. Der Ort quillt über von fast ausschließlich italienischen Feriengästen, die zeigen, dass sie nicht die Ärmsten sind. In der Garage wird der Dreck der Regenfahrt von den Rädern gespült. Ein paar von uns entspannen sich in der Sauna. Horst bringt sein Rad auf Vordermann. Manfred wechselt einen Schlauch. Und Jan, der Chef, der uns vor der Tour eindringlich darauf hingewiesen hat, das Rad in technisch besten Zustand mitzubringen, muss schrauben. Wie in den nächsten Tagen fast immer. Und sich die entsprechenden Kommentare anhören. Sein Gefährt ist nicht gerade in Top-Verfassung. Der Mann nimmt’s mit Humor. Und schwarzen Fingern. Dass Madonna was auf sich hält zeigt sich auch beim Abendessen: Vornehm und gut. Aber Wein und Bier lässt man sich üppig bezahlen. Ein kleines Peroni-Bier (0,3 l) für schlappe fünf Euro. Dass Mario an der Bar noch eine Runde schmeißt ehrt ihn umso mehr.