Alpentour Wetzel 2003 / Schwenk zurück
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Erlebnisbericht: Alpentour Wetzel 2003
Erlebnisbericht von DragAttack (weitere...)
Tag 12: Briancon - Val d'Isere: Schwenk zurück
161 km / 3400 Hm / 21.08.2003
Beschreibung
Auch heute fällt der Start wieder später als geplant. Dafür tun die Beine wieder was sie sollen. Der Col de l'Echelle stellt kein echtes Hindernis dar. Mit minimaler Steigung folgt die Straße dem Vallee de la Claree, bis kurz vor Nevache der Abzweig zum Pass kommt. Von hier aus beträgt der Anstieg noch ca. 200 Hm, die ich auf knapp 3 km schnell überwinde. Die Scheitelstrecke wirkt eher wie ein tief eingeschnittenes Tal als wie ein Pass. Lediglich bei der Abfahrt ins Vallee Etroite kommt durch die Serpentinengruppe etwas Passgefühl auf.Schnell ist die Grenze nach Italien überquert - und wieder der europäische Genuss verlassener Grenzhäuschen - und Bardonecchia erreicht.
Fahrradhändler suchen, Bremsbacken wechseln, weiterfahren. Bis Susa geht's 40 km fast ausschließlich bergab und gegen Mittag erreiche ich das eigentliche gestrige Etappenziel. Nach kurzem Auffüllen der Essensvorräte incl. Mittagspause fahre ich weiter zum Col du Mont Cenis. Laut Karte sind es bis dort 30 km mit knapp 1600 Hm. Mit Steigungen um die 8% also unangemessen steil, beginnt der Anstieg und lässt, abgesehen von kurzen Flachstücken, bis zur französischen Grenze nach gut 17 km nicht nennenswert nach. Direkt hinter der Grenze wird die Straße eben und vermittelt das trügerische Gefühl, oben zu sein.
Gut einen Kilometer voraus wird jedoch eine Serpentinengruppe sichtbar. Der Anstieg ist weniger steil als er aussieht - und als der bisherige Abschnitt. Oben angekommen geht der Anstieg an der rechten Hangseite mit einigen letzten Kehren gleich weiter. Nach 23 km ist der wesentliche Anstieg geschafft. Die weitere Straße verläuft mit leicht variierender Höhe oberhalb des Stausees. An der letzten Kuppe vor der Abfahrt (wahrscheinlich war dieses vor Errichtung des Stausees der höchste Punkt der Strecke) steht endlich das Passschild. Der Abstieg nach Lanslevillard ist kurz, und auf feuchter Straße - insgesamt wirkt das Wetter recht unbeständig - unangenehm zu fahren. Ab hier befinde ich mich bis Martigny auf bekannter Strecke und mit kurzer Pause geht's weiter über Bonneval Sur Arc Richtung Col de l'Iseran.
Auf den 16 km bis Bonneval sind etwa 300 Hm zu überwinden - der größte Teil davon auf den ersten 4 km und meine Beine zeigen erste Ermüdungserscheinungen. Anschließend kurzes Gefälle, und ohne nennenswerte Steigung geht die Fahrt weiter bis Bonneval. Inzwischen ist es 19Uhr und meine Erfahrung am Col d'Agnel spricht gegen einen weiteren Anstieg.
Andererseits würde hier zu übernachten meinen Zeitplan vollständig vernichten, und Basel wäre bis Sonntag nicht mehr erreichbar.
Wenig später beginnt der eigentliche Anstieg und innerhalb von 13 km sind 950 Hm zu erklimmen. Von zwei längeren Flachpassagen abgesehen, beträgt die Steigung ständig über 8% und ich fange an, die Kilometertafeln rückwärts zu zählen. Auf halber Strecke erzwingen meine Beine eine Pause und nach zähen (landschaftlich wunderschönen) gut eineinhalb Stunden erreiche ich den Wolkenverhangenen Pass. Zum Zelten ist es hier oben viel zu windig und außerdem sollte die letzte halbe Stund Tageslicht ausreichen, um sicher den schon bekannten Campingplatz in Val d'Isère zu erreichen.
Das Tageslicht reicht tatsächlich, jedoch wartet, im Gegensatz zu gestern, der Regen heute nicht, bis ich den Campingplatz erreicht habe. Nass und kalt komme ich am Campingplatz an. Die Duschen sind eiskalt und die Rezeption, an der ich Warmwasserwertmarken kaufen könnte, geschlossen. Dennoch kann ich mit der heutigen Etappe, ca. 160km, +3500/-3000HM, zufrieden sein. Wenn mir meine Beine den letzten Anstieg nicht nachtragen, sollte Martigny , ca. 170km, +3000/-4400HM, morgen erreichbar sein.

