Bodo - Kirkenes 2008

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Erlebnisbericht: Bodo - Kirkenes 2008

Erlebnisbericht von dbeckel (weitere...)

19 Tage / 1195,1 km / 12879 Hm

Route.17 Tage, 1706 km, 12500 hm 24.07.08 – 11.08.08

Nordkap. Das war unsere Idee als Timo vor gut zwei Jahren den Vorschlag zu einer gemeinsamen Radtour machte. Daraus wurde eine Tour jenseits des Polarkreises, die uns zu vielen interessanten Punkten brachte – nur nicht zum Nordkap. Doch vor den Details hier noch ein paar generelle Anmerkungen für alle, die mit dem Gedanken spielen in Nordnorwegen eine Radtour zu machen.

Wetter
Die hier beschriebene Tour verläuft komplett nördlich des Polarkreises, also kein Wunder, dass mit Kälte zu rechnen ist. Bei Sonnenschein kann es im Sommer in Ausnahmefällen schon auch mal 30°C warm werden. Wir hatten allerdings den kältesten Sommer seit 13 Jahren erwischt, so dass wir uns auch für mehrere Tage mal mit 4 – 8°C begnügen mussten. Man sollte den Einfluss der andauernden Kälte nicht unterschätzen wenn man rund um die Uhr draussen ist und auf dem Fahrrad doch einige Energie verliert. Meine Überschuhe und langen Handschuhe habe ich brauchen können.
Mit Regen hatten wir weitgehend Glück allerdings ist v. a. die Westküste sehr regenreich. Regen- und winddichte Kleidung ist ein absolutes Muss.
Da die Hauptwindrichtung Süd-West ist, macht es Sinn eine Tour in die gleiche Richtung wie hier beschrieben zu fahren. Oft ist wegen der dauernden Richtungsänderung der Küstenstrassen kaum ein Vorteil zu merken, aber spätestens in den Weiten der Finnmark hat sich die Richtungswahl bezahlt gemacht.

Routenwahl
Der westliche Teil (Lofoten, Vesterålen, Andøy) ist zweifellos der abwechslungsreichere Teil, so dass man durchaus daran denken kann nur bis Alta (oder wenn es denn sein muss) bis zum Nordkap zu fahren. Wer nicht die Einsamkeit sondern die totale Einsamkeit schätzt, ist im östlichen Teil aber besser aufgehoben.
Und was ist jetzt mit dem Nordkap? Nun, dass ist ein Parkplatz am Ende einer langen Sackgasse, der recht weit im Norden liegt aber weder der nördlichste Punkt Europas noch der nördlichste Punkt des europäischen Festlands ist, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkap. D.h. das Nordkap ist nicht optimal in eine Tour einzubinden und eher etwas für Liebhaber nördlich gelegener Parkplätze.
Bei der Routenplanung sollten auf alle Fälle die Fahrzeiten und Fahrpläne der zahlreichen Fähren berücksichtigt werden. Alle Kilometerangaben hier sind natürlich nur auf die mit dem Rad zurückgelegten Strecken bezogen.

Infrastruktur
Die hier beschriebene Tour verläuft bis auf einige Abstecher und Verfahrer auf geteertem Untergrund, der meistens in gutem Zustand war. Lediglich gegen Osten waren einige der abgelegenen Landstrassen von schlechterer Teerqualität. Entlang der grossen „E“ Strassen fahren meistens ein- bis zweimal täglich Busse, die auch Räder mitnehmen, so dass man (genügend Zeit vorausgesetzt) im Pannenfall nicht den einsamen Kältetod sterben muss. Generell gibt es wenige Überlandstrassen, so dass Verfahren schwierig ist, aber wir haben es trotzdem geschafft.
Radfahrer müssen meistens auf Landstrassen fahren, was von der Verkehrsdichte aber grösstenteils gut möglich ist. In der Nähe der Grossstädte gibt es mehr Verkehr, dafür aber auch mehr Fahrradwege; dort folgt der GPS Track meistens diesen Radwegen und manchmal auch Nebenstrassen wo vorhanden. Die Autos fahren oft schnell, halten aber meistens viel Abstand beim Überholen (Ausnahme: Touristen, die nicht merken dass ihr Wohnwagen breiter als ihr Auto ist). Wir haben auch kein aggressives Verhalten der Autofahrer festgestellt.
Es gibt sehr viele Tunnels, oft existiert aber noch eine Umfahrung, ein Gehweg, oder das Durchfahren ist zumindest erlaubt. Auf unserer Tour sind wir auf keinen für Radfahrer gesperrten Tunnel gestossen. Etwas mehr Informationen bezüglich Tunnels gibt es hier http://www.eftel.com.au/~wheelbuddies/norway/norway2007/n2007tunnels.htm Sehr gebräuchlich sind in Norwegen bei Radfahrern und z. T. auch bei Motorradfahren orangefarbene Reflektor Warnwesten, oder reflektierende Umhänge wie sie in der Schweiz Kindergartenkinder tragen. Selbst als böser Hells Angel kann man so was in Norwegen offenbar tragen ohne sich lächerlich zu machen.
Für alle Infrastruktur (Strassen, Unterkünfte, Restaurants, Lebensmittelläden, Handy Empfang) gilt in Nordnorwegen: nach Osten nimmt’s ab. Zwischen der Finnmark und der russischen Grenze kann es schon mal 60 – 80 km dauern bis wieder Lebensmittel oder ein Campingplatz auftauchen. Restaurants sind so dünn gesät, dass sie auf unserer 1:400000 Karte eingezeichnet waren (!). Manchmal existierten aber selbst die eingezeichneten Restaurants nicht mehr, was die Situation noch prekärer macht.
Hier noch ein Hinweis auf einige Restaurants, die in der späteren Beschreibung nicht erwähnt werden, die aber zumindest 2008 existierten:
- Hamn i Senja auf der Insel Senja (angeblich ein teueres aber sehr gutes Restaurant)
- in der Nähe von Lyngseidet gibt es ein Restaurant , das lokale Spezialitäten führt, leider konnte ich keinen Namen finden
- Pasvik Taiga in Skogfoss (nur mit Reservation Tel. 78 99 54 44)

Unterkunft
Da es nur sehr wenige Hotels gibt, bietet sich Campen an. Man kann auf fast jedem Campingplatz auch Hütten mieten. Ebenso ist fast jeder Campingplatz mit einer Küche ausgestattet, so dass man sich den Kocher (nicht aber die Töpfe!) meistens sparen kann.
Eine weitere gute Nachricht: jeder Campingplatz den wir besuchten hatte nicht nur warme, sondern wirklich heisse Duschen. Die schlechte Nachricht: das war auch nötig, siehe Wetter. Oft braucht man Münzen für die Dusche, insofern empfiehlt es sich immer eine Auswahl dabei zu haben, manchmal werden allerdings spezielle Jetons gebraucht. Wir haben auf der ganzen Tour nur einen Campingplatz gesehen, der einen Lebensmittelladen hatte. Wild campen ist in Norwegen grundsätzlich erlaubt (in ausreichendem Abstand von Behausungen gilt das "Jedermannsrecht"), was sehr angenehm ist, da es oftmals nicht genügend Campingplätze gibt.

Kosten
Norwegen ist teuer, da gibt es nichts schön zu reden. Selbst wenn man die Schweiz gewohnt ist, erschrickt man hin- und wieder. Allerdings sind die Campingplätze (zumindest fürs Zelten) preiswert. Essen gehen ist teuer, aber zum Glück gibt es ja so wenig Restaurants, dass man nicht oft in Versuchung kommt. Letztlich kamen wir mit ca. 250 Kronen (50 SFr.) pro Tag und Person zurecht für Essen, Eintritte, Fähren und Campingplatz-Gebühren.

Moskitos
Je mehr Wind und je kälter, desto weniger Moskitos, aber glaubt ja nicht die geben schon bei 6°C auf, da sind sie nur etwas langsamer. Von dem kompletten Inferno sind wir verschont geblieben, meinen Moskito Hut habe ich nur einmal benutzt. Laut Nationalpark-Informationszentrum im Pasviktal kann ein völlig ungeschützter Mensch bei maximaler Moskitodichte in 2 Stunden die Hälfte seines Blutes loswerden. Von solchen Horrorgeschichten waren wir aber weit weg. Aber merke: Radkleidung schützt nicht vor Moskitostichen, da muss dann schon wieder die schon oben gelobte wind- und wasserdichte Kleidung her.