"Deuter-Test-Team" auf dem Weg zum Lago di Lugano / Drei Pässe sind einer zu viel

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Erlebnisbericht: "Deuter-Test-Team" auf dem Weg zum Lago di Lugano

Erlebnisbericht von Vollhorst (weitere...)

Tag 5: Santa Caterina Valfurva - Clusone: Drei Pässe sind einer zu viel
139,6 km / 3421 Hm

Santa Caterina Valfurva (12,5 km) - Passo di Gavia (25,4 km) - Ponte di Legno (42,7 km) - Temù (46,1 km) - Stadolina (49,0 km) - Vezza d'Oglio (52,1 km) - Davena (53,6 km) - Incudine (55,8 km) - Edolo (61,3 km) - Malonno (70,4 km) - Forno Allione (73,3 km) - Paisco Loveno (79,6 km) - Passo del Vivione (93,1 km) - I Fondi (101,9 km) - Schilpario (105,3 km) - Dezzolo (111,5 km) - Castello (117,2 km) - Valle Sponda (118,3 km) - Passo della Presolana (121,9 km) - Clusone (136,2 km)

Beschreibung

das Grupetto erreicht den Vivione.12.08.2009 Das Frühstück im Hotel Capitani kann man getrost den Hasen geben. Da ist ohne Frühstück losfahren, und im nächsten Nest den Metzger überfallen die besser Wahl. Wir hauen uns also ein paar staubige Brötchen hinter die Rippen und fahren hungrig Richtung Gavia.
Im Minimercato in Uzza treffen wir die eigentlich zum Frühstück schon erwartete Salame Milanese und die Stimmung steigt. Wie immer macht berghoch jeder sein Ding. Nachdem ich ne halbe Ewigkeit brauche um an nem Rollskifahrer, der die Blüte seines Lebens auch schon deutlich hinter sich hat, vorbei zu kommen, mache ich lustige Bilder vom Binärfahrer und wir fahren gemeinsam weiter. Kurzer Stop in Santa Caterina, da fliegt Daniel an uns vorbei. Ich versuche aufzufahren, aber er hat die Teamfarben gewechselt und ist mit dem Dr. Santuccione-Farm-Team unterwegs. Ich explodiere. Fränki ist so frei und escortiert mich diese bescheidene Auffahrt hinauf. Obs wohl am Bier lag? Danke an Frank nochmal, vielleicht ist es auch ne Genugtuung für ihn. ?;-)?
Endlich oben angekommen freuen wir uns auf die Abfahrt. Die Freude verfliegt aber ziemlich schnell. Schlechter Belag und überall Steine auf der Straße. Sch..., und dafür hat man sich gequält. Nach ungefähr drei Kilometern wird der Asphalt aber ruckartig besser, und dann ist die Abfahrt einfach nur ein Traum. So mog mi dett. Manchmal wirds ganz schön eng. In Ponte di Legno gibts was zwischen die Zähne, und dann weiter Buckel runter bis nach Forno Allione. Der Osram kachelt uns aufs Hirn. Es ist richtig heiß, so viel kann man gar nicht trinken. Im Einstieg zum Vivione bekommen Daniel und ich gleich Probleme. Nachdem Bertram auf uns gewartet hat, der hat auch immer so seinen Schaff mit der Hitze, beschließen wir ein Erholungstour auf den Vivione zu machen. Frank ist lange enteilt, und sein Ausreißersieg sei ihm gegönnt. Gemütlich geht es an vielen Baumschnitzereien vorbei. Da scheint irgend ein Wettbewerb im Gange zu sein.

Am Passo di Vivione muss Frank über 20 Minuten auf uns warten - er macht quasi den Oscar Pereiro, den hat ja damals auch keiner Ernst genommen - so wird man Toursieger.
Wir genehmigen uns erstmal einen großen Radler. Es geht ja nur noch bergab. Wir wollen vor dem Passo della Pressolana übernachten.
Glücklicherweise wird es schon etwas frischer, und die Abfahrt vom Vivione ist noch besser als die vom Gavia. Viel weniger los, praktisch gar nix. So hab ich mir das erhofft. Dummerweise ist das Bergauffahren heute eine Qual gewesen.

Nachdem wir die rasende Abfahrt hinter uns gebracht haben stehen wir völlig unvermittelt vor der Auffahrt zum Presolana. Kein Hotel in Sicht. Nichts mehr zu trinken dabei, seit 2 Stunden nix mehr gegessen und schon 3000 HM in den Beinen. Ich motiviere den Haufen, und vor allem meinen, in einem desaströsen Zustand befindlichen, Körper mit den Worten "550 HM auf 7,2 km werden schon nicht so schlimm sein!" Also blasen wir zur Attacke. "Ist ja alles gar nicht so schlimm", denke ich nach 4 km vor mich hin, und spiele mit dem Höhenmesser. Kurze Berechnungen im Kopf...4 km 200HM....fehlen noch 3,2km und 350HM....ach du Scheiße. Ich versuche den Gedanken direkt zu verdrängen und schaue wieder nach vorn. Da steht ein Schild mit einer 14 drauf. Ich kann das Ende dieser Rampe nicht sehen...Kindergang. Alle fluchen. Oh Mann, vorher hat man Angst vor den großen Namen, und am Presolana gehen, auf Grund von Sauerstoffmangel, Kindheitersinnerungen verloren. Auf die erste Rampe folgen noch drei weitere mit jeweils einem Schild mit einer 14 drauf. Ich hab einen ganz schwarzen Tag. In einer der Kehren muss ich anhalten, und das nicht weil ich fotografieren will. Leere im Kopf, in den Beinen..keinen Bock mehr. Irgendwann oben. Junge, Junge was ein Drecksding. Das war wirklich schlimm, vor so etwas hatte ich Angst.
Frank will direkt auf dem Pass schlafen. Ich überrede die Jungs noch nach Clusone zu fahren, weil ich ursprünglich (wäre wir in St. Caterina gestartet) sowieso dort übernachten wollte. Geht ja nur noch bergab - den Satz kennen die ja inzwischen von mir. Dummerweise suchen wir in Clusone und Umgebung eine Stunde nach einem Hotel. Die Stimmung droht zu kippen. Wir bekommen das Vecchio Mulino empfohlen, an dem wir, nachdem wir uns auch noch verloren haben, kurz nach acht abends ankommen. Nach so einem Tag ist diese alte Mühle das beste was uns passieren konnte. Nette Leute. Ein Radsport begeisterter Koch, der uns für unseren Tagestripp bewundert, und vor allem bei der Erzählung vom Presolana vielsagend die Hand steil gen Himmel reckt. Die Übernachtung kostete nur 35 Euro pro Nase. Das Essen ist ne Macht. Was ein Glück, ich wäre bestimmt gelyncht worden wenn das so ein Laden wir in Bormio gewesen wäre. Bormio, wann war das eigentlich nochmal? Heute morgen? Es kommt mir vor wie Wochen. Ich glaube ich bin heute um Jahre gealtert. Egal, morgen kommt nicht mehr so viel, und wie bemerkt mein Bruder der alte Chefgeografiker beim Abendessen: "Alles unter 2000 ist kein Berg!" Rüschdüsch, denk ich mir und hab das Masaker am Presolana schon fast wieder vergessen ;-).