Ein Trip nach Bratislava / Der Grosse Oscheniksee
QD-Reisen & Events:
DLRF: 0
Erlebnisbericht: Ein Trip nach Bratislava
Erlebnisbericht von tortenbäcker (weitere...)
Tag 4: Padola - Winklern: Der Grosse Oscheniksee
164,4 km / 3497 Hm
Padola (0,0 km) - Passo Monte Croce di Comelico (11,5 km) - San Giuseppe (17,4 km) - Sexten (19,3 km) - Innichen (27,1 km) - Versciaco di Sopra (30,9 km) - Prato alla Drava (33,7 km) - Arnbach (36,6 km) - Sillian (38,4 km) - Heinfels (39,9 km) - Tassenbach (42,2 km) - Strassen (44,0 km) - Geselhaus (46,1 km) - Margarethenbrücke (49,5 km) - Mittewald an der Drau (53,2 km) - Thal-Aue (58,6 km) - Thal Römerweg (59,3 km) - Leisach (65,9 km) - Debant (72,8 km) - Iselsberg (78,7 km) - Iselsbergpass (80,9 km) - Winklern (84,7 km) - Stall (98,7 km) - Außerfragant (107,4 km) - Innerfragant (114,2 km) - Großer Oscheniksee (124,6 km) - Innerfragant (135,0 km) - Außerfragant (141,7 km) - Stall (150,5 km) - Winklern (164,4 km)
Beschreibung
Das Wetter ist wieder traumhaft, Grande bleu, was habe ich nur für ein Glück. Bereits um 7:30 steige ich mit etwas rostigen Beinen auf das Rad. Ich brauche wohl noch Delphine, die werden sich bald einstellen. Der überaus flache Kreuzbergpass soll mich nach Norden bringen. Ein paar Nebelbänke verschleiern noch die Berge im Westen, erstere werden wohl bald verduften. Kurz vor der Passhöhe tauche ich in den Nebel ein. Bei der Abfahrt erblicke ich einen Feinkostladen, als Gourmet Freak interessiert mich das natürlich. So mache ich halt und sehe mir das durchaus reichhaltige, qualitativ hochwertige Angebot an. Schliesslich kaufe ich mir eine Packung schmackhafter Kekse aus Schottland, nicht so trockene Dinger wie die bisherigen. Fido wäre leicht enttäuscht. Nun folgt 60km Abfahrt Richtung Lienz, wobei zwischenzeitlich noch die Staatsgrenze nach Österreich überquert wird. Der nachfolgende Iselsbergpass ist nichts Besonderes, er steht halt im Weg zum Grossglockner Gebiet. In Winklern glaube ich bereits ein Hotel zu kennen, den Hasslacher Hof. Dieser fungiert als Zwischenstation beim alljährlichen Glocknerman. Da ich ein Video zur 2007er Ausgabe besitze, möchte ich da übernachten. Das Hotel muss gleich beim Tauernwurm sein, doch ich kann es einfach nicht entdecken. Hhmmm. Gibt es das Teil gar nicht mehr? Nach einigem Hin und Her gebe ich auf und versuche es in einem anderen Hotel. Da erscheint aber minutenlang niemand an der Rezeption, also gehe ich wieder. Schliesslich erblicke ich dann doch noch das Hasslacher Café. Ich erkundige mich da nach dem entsprechenden Hotel, und ich werde zum Hotel Tauern Stern verwiesen. Ich zögere leicht, da es sich hierbei um ein Viersternhotel handelt und ich eigentlich nicht allzu viel Geld in die Übernachtung investieren möchte. Schliesslich gehe ich dennoch hinein und erkenne sofort den Besitzer, da er in meinem Glocknerman Video vorkommt. Ich frage ihn, ob das Hotel früher Hasslacherhof geheissen habe und er bejaht. Sie hätten eben umgebaut, und ich muss sagen, sie haben das sehr geschmackvoll gemacht. Ich plaudere mit ihm eine Weile und er macht mir ein Sonderangebot: 54 Euro für die Nacht, ein Schnäppchenpreis für einen Viersterneladen. In der Schweiz kann man das in einem touristischen Gebiet bei Hochsaison gleich vergessen.
Ich deponiere also mein ganzes Gepäck und mache mich um 13:30 auf zum schwersten Anstieg der gesamten Tour, dem berüchtigten Grossen Oscheniksee. Dazu muss ich zuerst mal noch 20km leicht abwärts Richtung Ausserfragant abspulen. Ich schone mich dabei. Es ist wieder richtig heiss, zu Beginn des Anstiegs fülle ich noch meinen Bidon nach. Nach den ersten paar hundert Höhenmetern kommt man an Innerfragant vorbei. Ein Schild weist hier auf ein Hotel in etwas mehr als einem Kilometer hin. Da tanke ich nochmals Flüssigkeit nach, so der Plan. Als ich dann aber da ankomme, hat der Laden tatsächlich Ruhetag. Damit bleibt mir weniger als 0.5 Liter Getränk für 1200m schweisstreibenden Anstieg übrig. Tja, wird schon passen.
Der Anstieg ist dank Schild nicht zu übersehen. Zum Glück fährt man zu Beginn durch den Wald, den Schatten kann ich gut gebrauchen. Nach den ersten hundert Höhenmetern treffe ich unverhofft auf ein paar Arbeiter der Kelag, die die Bäume neben der Strasse stutzen. Leider liegt dadurch auf dem kommenden Kilometer ziemlich viel Geäst auf der Strasse. An manchen Stellen ist absteigen die einzige Lösung. Ich plaudere noch mit zwei Arbeitern, die mich auf die Steilheit und die Länge des Anstiegs hinweisen. Als ich ihnen von meiner bisherigen Tour erzähle, glauben sie mir, dass ich der Sache gewachsen bin.
Ich klettere viel leichtfüssiger als erwartet, natürlich ist der Tritt sehr langsam, aber ich bin in meinem Element. Unmenschliche Rampen bleiben aus, es geht einfach dauernd im Bereich 14% bergan. Gegen oben lichtet sich der Wald und man fährt in zahlreichen Kehren dem Stausee entgegen. Diesen erblickt man aber erst, als man fast schon oben ist. Ein Paraglider schwebt weit über mir, der hat es leichter. Ein wunderbarer Anstieg, unbedingt zu empfehlen, wenn man einsame Auffahrten liebt. Auf dem Weg kommt mir noch ein Lieferwagen der Kelag entgegen. Das hat nun Vorteile, denn wenn der Lieferwagen nach unten will, müssen die grössten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Leider ist die Fahrt auf knapp 2400m zu Ende, ich hätte noch gerne weitere 1000 Höhenmeter angehängt. Die Aussicht ist toll, ich verweile einen Moment hier oben und geniesse die Alpenwelt.
Bei der Abfahrt fällt mir erst so richtig auf, wie steil es hier eigentlich zur Sache geht. Ich stehe dauernd auf den Bremsen, denn mit den zahlreichen Kehren und der engen Strasse liegen nur tiefe Tempi drin. Bei einem der Fotostopps fasse ich an die vordere Felge und verbrenne mir dabei beinahe die Finger. Mann, ist die heiss geworden! Hoffentlich macht das nichts. Im unteren Teil ist die Strasse tatsächlich von den grössten Bäumen befreit, ich kann ohne abzusteigen durchfahren.
Also jetzt nur noch zurück nach Winklern. In Innerfragant überstehe ich noch eine Schrecksekunde. Es geht bergab und ich bin schnell unterwegs, da fährt ein Auto rückwärts aus einer Einfahrt heraus. Zum Glück sieht der Fahrer mich noch rechtzeitig und hält in der Hälfte an. Hätte er mit seinem Gefährt die Strasse ganz blockiert, ich hätte unmöglich anhalten können. Uuuuhhh. Eine derart heikle Situation habe ich schon lange nicht mehr erlebt.
Mit diesem zusätzlichen Adrenalinschub fahre ich nach Ausserfragant, kippe einiges an Flüssigkeit nach und rolle mit hoher Geschwindigkeit zurück zu meinem Nachtlager. Euphorisch von der genialen Auffahrt und mit leichtem Rückenwind bin ich häufig mit über 40km/h unterwegs, obwohl es leicht bergauf geht.
Der krönende Abschluss des Tages bildet ein edles Essen im Tauern Stern, auf der Terrasse bei schwindendem Tageslicht. Wein auf nüchternen Magen kommt immer gut, dazu sehr faire Preise, schönes Porzellan (RAK Mazza, für diejenigen, die das interessiert) und hochwertige Kost. Beim nächsten Besuch in der Gegend ist mir jetzt schon klar, wo ich hausen werde. Meine Bräunung hat mittlerweile die Radfahrer-typische binäre Gestalt angenommen. Entweder stark gebräunt oder fast weiss. Die Mailänder Modeheinis könnten dies doch eigentlich mal zum Trend machen.
Zu meinem Glück steht im Keller tatsächlich noch eine gute Pumpe, ich nutze die Gelegenheit und schon sind die Pneus wieder mit neun Bar versehen. Morgen ist für den Nachmittag der Durchzug einer heftigen Gewitterfront gemeldet. Damit ist klar, dass ich sehr früh bereits loslegen werde. Morgen fahre ich den Grossglockner, darauf habe ich schon lange gefreut.










