Ein Trip nach Bratislava / Zum Dach der Alpen

Verstecke den Buchungsstand der quaeldich-Reisen & Events
netzathleten

Erlebnisbericht: Ein Trip nach Bratislava

Erlebnisbericht von tortenbäcker (weitere...)

Tag 1: Oetz - St. Leonhard: Zum Dach der Alpen
119,2 km / 3746 Hm

Oetz (5,5 km) - Tumpen (9,4 km) - Umhausen (13,6 km) - Au (19,7 km) - Längenfeld (23,2 km) - Sölden (36,7 km) - Rettenbachferner (50,6 km) - Ötztaler Gletscherstraße (54,7 km) - Timmelsjoch (90,2 km) - Moos (112,3 km) - St. Leonhard (119,2 km)

Beschreibung

Start in Ötztal, mein ganzes Gepäck ist in insgesamt 6 Litern Volumen untergebrachtSonntag morgen, 26. Juli 2009, es geht los! Beide Deltamuskeln sind komplett Schrott vom Klettern am Vortag, macht aber nichts. Die Wetterfee meldet sonniges Wetter, ganz im Gegensatz zu demjenigen der letzten Wochen, das eher durch Hagel und Überschwemmungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Um 6:30 steige ich in den Zug ein. Bei dem Zwischenstopp in Feldkirch steht eine einstündige Pause an, da beim eigentlichen Anschlusszug keine Fahrräder zugelassen sind. Ein paar weiteren Radfahrern ist dies scheinbar nicht bekannt und sie stehen recht planlos auf dem Bahnsteig herum, als ihnen das Bahnpersonal diese Einschränkung mitteilt.
Schliesslich bin ich um 12:00 am Bahnhof in Ötztal. Die Tour beginnt bei strahlend blauem Himmel. Bis Sölden ist Einroll-Gelände angesagt bei schweisstreibender Hitze. Vor Jahren war ich mal im nahen Niederthai klettern, bis Umhausen kenne ich daher die Strecke. Alte Erinnerungen erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf und frischen die Fahrt angenehm auf. Schon erstaunlich, welche eingerosteten Schubladen aufgerissen werden, sobald entsprechend nachgeholfen wird. Beim Anblick der Anti-Raser Kampagne muss ich lachen, echt originell, wie man die Leute davon abhalten will, ihre Organe auf der Fahrbahn auszubreiten.
In Sölden kaufe ich mir bei einem Tankstellenshop eine Packung Bahlsen Kekse, ziemlich flüssigkeitsbefreit die Dinger, erinnert an Trockenfutter für des Menschen treuester Freund. In den USA müsste auf der Packung vermerkt sein: Achtung Erstickungsgefahr! Sonst käme noch eine Stella daher und würde wegen akuter Dehydrierung einklagen.
Mit der Hälfte der Kekse intus geht’s jetzt ab auf die Gletscherstrasse. Im Eifer vergesse ich prompt, mein Gepäck unten im Gebüsch zu versenken. Meine Ersatzkleider bräuchten ja eigentlich keine Höhenkur. Ziemlich steil die Rampe, habe ich mir leichter vorgestellt. Vielleicht auch ein rein mentales Phänomen, da ich mit der Einstellung am Start bin, am ersten Pass der Tour müsse es doch noch locker leicht gehen. Ab der Mautstation sieht man dann den Rettenbachferner noch weit oben. Zwischendurch komme ich an dieser Gemeinschaft vorbei, eine gute Ausrede, um abzusteigen und ein paar Fotos zu schiessen. An den Kurven sind jeweils die verbleibenden Kilometer und die aktuelle Höhe angegeben. Damit rechne ich den verbleibenden Steigungsschnitt aus. Es scheint immer steiler zu werden! Spätestens bei dieser Kurve ist mir klar, dass etwas nicht stimmen kann. Die Kilometerangaben gehen nur bis zum Rettenbachferner, ich habe aber mit dem 2km weiter gelegenen Tiefenbachferner gerechnet. Glück gehabt.
Am Rettenbachferner vorbei darf man zum Abschluss noch durch einen nicht enden wollenden, geraden Tunnel kurbeln. Der höchste Punkt ist oben beim erhellten Ausgang, aber er kommt einfach nicht näher. So scheint es zumindest minutenlang. Irgendwann ist es dann aber doch soweit und ich stehe am asphaltmässigen Dach der Alpen. Leider ist die Kulisse dieses Titels unwürdig, denn sonderlich schön ist es hier nicht. Im Gegenteil, die Skianlagen sind regelrecht hässlich, insbesondere im Sommer, wenn der Schnee fehlt. Etwas enttäuscht breche ich zum Rückzug auf. Eine Auffahrt, die man der Höhe wegen mal gemacht haben muss, mehr aber dann wohl nicht.
Auf meinem Weg zum Etappenziel St. Leonhard fehlt nun noch das Timmelsjoch. Im oberen Teil, nach der kurzen Zwischenabfahrt, bläst mir ein steifer Gegenwind ins Gesicht. Das müsste jetzt wirklich nicht sein. Das Hochtal erinnert mich an die Nufenen Westrampe, von der Kargheit der Natur wie auch von den Windverhältnissen her. Immerhin ist der Verkehr recht spärlich. Kurz vor 19:00 stehe ich schliesslich am Passo del Rombo, wie das Timmelsjoch auch genannt wird. Die Schatten haben bereits eine beträchtliche Länge erreicht, ich ziehe mich gut an für die lange Abfahrt nach St. Leonhard. Beim Ötzi müssen die Jungs und Mädels diese 1800 Höhenmeter als krönenden Abschluss hochquetschen, eigentlich eine wunderschöne Strecke, aber mit brennenden Beinen dann wohl doch arg lang.
Unten in St. Leonhard muss ich jetzt bloss noch eine Unterkunft finden. Bei der ersten Pension wird mir mitgeteilt, dass sie ausgebucht sei, und überhaupt, es sei Hochsaison. Uuuhhh, ich ahne Ungutes. Bei der zweiten Pension hätten sie morgen wieder Platz, hilft mir auch nicht. Danach, bei Anfrage in einem Hotel, bekomme ich die Auskunft, dass nur noch Doppelzimmer zu haben sind. Immerhin. Im Notfall würde ich ein solches nehmen. Die
dritte Pension meldet freie Zimmer, ich bin erleichtert. Doch nicht für lange, denn man kann klingeln solange man will, es macht einfach niemand die Tür auf. Bei der vierten Pension bekomme ich die Auskunft, dass das letzte freie Zimmer gerade vor fünf Minuten vergeben worden ist. Erst bei der fünften werde ich endlich fündig.
Nach kurzer Dusche begebe ich mich in ein lokales Vierstern Hotel zum Essen. Ich bestelle zwei Hauptgänge, einmal Pasta und einmal Filet, schliesslich brauche ich Energie. Leider entspricht das Gebotene nicht den gehobenen Erwartungen. Ich tappe zu allem übel noch in die Kümmelfalle: In Österreich wird häufig dem Brot Kümmel beigemengt, ein Kollege hat dieses Vorgehen mal als kulinarisches Verbrechen bezeichnet. Ich finde er tut dem Kümmel unrecht, es müsste wenn schon kulinarischer Terrorismus heissen. Jedenfalls gebe ich nicht Acht und schon schnappt die Kümmelfalle zu, grauenvoll.
Schliesslich kehre ich zurück in meine Pension und sehe erwartungsfroh dem morgigen Tag entgegen.