Im Hinterland von Tarragona: 155 km und 2390 hm durch die Muntanyes de Prades

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Tourentipp: Im Hinterland von Tarragona: 155 km und 2390 hm durch die Muntanyes de Prades

Tourentipp von Flugrad (weitere...)

el Rourell - el Rourell: 5,1 km / 5 Hm

el Rourell (5,1 km)

Beschreibung

Escala DeiBeim Stichwort Spanien denkt eine teutonische velobestückte Bergziege meist an Mallorca. Allenfalls die Pyrenäen werden noch erklettert. Dementsprechend sieht auch das TP-Netz der Quäldichgemeinde aus: durch das südliche Katalonien führt ein einziger dünner Strich. Leider bin ich ohne Garmin unterwegs, deshalb gelang mir keine Vervollständigung des Netzes, und Wegstrecke samt Höhenprofil der hier beschriebenen Tour sagen rein gar nichts über die Strecke aus.
Diese Runde war sozusagen der bonustrack der 2008er Pyrenäendurchquerung zusammen mit Bergziegenmutant Jürgen. Sie führte uns von unserem Standort Tarragona durch die bis zu 1200 m hohen Gebirgszüge des Priorat,, Montsant und der Muntanyes de Prades: einsamste kurvige Sträßchen, dank EU-Hilfe inzwischen perfekt asphaltiert, verschlafene kleine Dörfer und reichlich Klosterkultur in der Cartoixa d'Escala Dei (Ruine des größten Kartäuserklosters Spaniens) und in Poblet (Zisterzienserkloster, eines der "Königsklöster" Kataloniens).
Tarragona, die alte Hafenstadt der Römer ("Tarraco"), eignet sich als Standort nicht nur aufgrund ihrer reichhaltigen Vergangenheit (u.a. eine sehenswerte Altstadt und unzählige Römerreste samt Aquädukt), sondern hat im Norden auch herrlich weite Strände zu bieten, an denen man auch in der Saison noch ein Plätzchen findet. Für die Holde ist also gesorgt.
Trotz der Nähe zu den Badestränden der Costa Dorada kann es in den von uns durchfahrenen Gebirgszügen im Frühjahr noch sehr kühl werden (samt Schnee). Mai/Juni und September/Oktober sind die angenehmsten Zeiten, sich aufs Velo zu setzen.

Um uns die Durchquerung der hässlichen Industrielandschaft zwischen Tarragona und Reus zu sparen, nehmen wir ab Tarragona den mehrmals täglich verkehrenden Regionalexpress ("Catalunya-Expres") Richtung Mora La Nova/Flix/Zaragoza. Alle Regionalzüge hierzulande bieten kostenlose Velobeförderung, und die Bahnfahrkarten im Regionalverkehr Spaniens sind spottbillig. Wir lösen unsere Karte zum Startort der Tour, Capcanes. Hinter der industriegeprägten Nachbarstadt Reus beginnt die Bergwelt der Serra de Pradell, deren Kamm die Bahn in einem längeren Tunnel unterquert. Auf der Rückseite des Kammes fällt die Landschaft wellig bis schroff gegen den Ebro ab. Nach dem etwas größeren Bahnhof Marca-Falset folgt der Haltepunkt von Capcanes unterhalb des Dorfes. Wir steigen aus, fahren zum Dorf hoch und biegen unmittelbar vor der Straßenüberführung über die Bahn links ab. Am Beginn des Stausees von Els Guiamets unterqueren wir einen mehrstöckigen Steinviadukt der Bahnlinie und fahren hoch zur Nationalstraße (N-420). Wir biegen nach rechts auf die N-420 (Richtung Falset/Reus), um sie schon nach wenigen Metern nach links Richtung El Masroig zu verlassen.
Jetzt können wir die Straßeneinsamkeit genießen: El Masroig - El Molar - El Lloar - Gratallops heißen unsere nächsten verschlafenen Dörfchen. Dazwischen unzählige Kurven, hinunter in ein Trockental, wieder hinauf usw. Karge Landwirtschaft, Olivenbäume und Weinstöcke begleiten uns. Am Ortseingang von Gratallops biegen wir nach links Richtung Torroja del Priorat. Nur 1 km weiter verlassen wir diese Straße schon wieder nach links Richung La Vilella Baixa. Baixa heißt "unten" und bedeutet für uns eine rasante kurvenreiche Abfahrt ins Tal des Riu de Montsant. In Vilella Baixa fahren wir rechts ab talaufwärts Richtung Escala Dei, nun die mächtige Bergkette des Montsant vor uns.
In Escala Dei muss man einfach pausieren: das winzige Dorf an der Straßenkreuzung hat eine nette Bar zu bieten (der Wein hierzulande ist hervorragend, die Kellerei liegt gleich nebenan). Und auch der Abstecher knapp 2 km auf einem schmalen Asphaltweg zu den Ruinen der Cartoixa d'Escala Dei ist ein Muss: diese Kartause am Ende der Welt war einst das größte Kartäuserkloster Spaniens, und die Dimensionen sind heute noch gut zu erahnen. Seit einigen Jahren finden Restaurationsarbeiten zur Erhaltung statt, dafür ist der Eintritt nicht mehr gratis.
Zurück im Dorf nehmen wir das kleine Sträßchen scharf links nach La Morera de Montsant, das sich durch lockeren Hangwald am Rand des Tales steil nach oben windet und Rampen im 15 %-18%-Bereich zu bieten hat. Was vor wenigen Jahren noch eine üble Schotterpiste war, ist nun mit Asphalt- und Betonbelag versehen. Vorsicht ist allerdings in der Gegerichtung geboten: in manchen Kehren liegt meist reichlich Rusel und Erde vom letzten Regenguss auf der Straße.
In La Morera haben wir die 700er-Höhenmarke schon weit überschritten, wir sind dem unmittelbar vor uns sich erhebenden Montsant-Massiv sehr nahe gekommen. Entlang des Massivs fahren wir auf nun etwas breiterer Straße hinab bis Cornudella de Montsant. Im Dorf biegen wir nach links auf die etwas stärker befahrene C 242 Richtung Ulldemolins. Nun geht es durch landwirtschaftlich genutztes Land mit 3-6% hinauf zum sogar mit Passschild versehenen Coll d'Albarca. Auf der Passhöhe, noch vor dem Passchild zweigt rechts ein kleines Sträßchen nach Prades ab. Nun haben wir wieder fast völlige Einsamkeit. Dazu kratzen wir an der 1000er-Höhenmarke. In Prades, dem Hauptort dieser einsamen Bergwelt, lohnt sich eine Pause auf dem Marktplatz.
Ab Prades halten wir uns nördlich Richtung Vilanova de Prades. Nach etlichen Kurven und 4 km, in denen wir wieder über 1000 m hoch sind, biegen wir an einer Abzweigung nach rechts Richtung Poblet/Espluga de Francoli. Dieses Sträßchen bleibt noch 2 wellige km auf der Höhe, dann geht es durch dichteren Wald in einer herrlichen Kehrenabfahrt entlang der Serra Alta dem Francoli-Tal entgegen.
Die mächtige Zisterzienser-Klosteranlage Poblet mit den Gräbern der Könige Aragons fordert eine Pause ein, ehe wir in L'Espluga das Francoli-Tal erreichen. Richtung Montblanc nehmen wir die alte Straße, um nicht gleich auf die Nationalstraße zu geraten. Dazu dürfen wir den Riu Francoli und die Bahnlinie nicht überqueren, sondern bleiben an seinem Südufer. Nach 3 km ist es aber aus mit der Herrlichkeit: wir müssen für die nächsten 4 km auf der Nationalstraße bis Montblanc fahren (man baut gerade an einer Umgehungsstraße).
Montblanc hat eine sehenswerte mauernbewehrte Altstadt.
Wer den automobilen Wahnsinn nicht scheut, folgt weiter der Hauptstraße, um 2 km hinter Montblanc rechts abzubiegen auf die C-14 Richtung La Riba-Reus. Doch auch diese Straße ist stark befahren.
Aber es gibt eine Umfahrungsmöglichkeit: In Montblanc fahren wir Richtung Rojals. Wer dieses kleine Sträßchen gefunden hat, biegt kurz vor dem Ortsende Montblancs schräg links ab auf die alte Landstraße nach Riba. Diese ist vor einigen Jahren z.T. abgerutscht, aber zumindest für Radler (und leider auch Enduros!) befahrbar. Hat man die beiden Rutschstellen überwunden, trifft man kurz vor Vilaverd wieder auf oben erwähnte C -14. Wir folgen der C-14 einige Meter und biegen links ab in den Ort Vilaverd hinein. Jetzt haben wir wieder die ehemalige Landstraße (C-240a), nun aber offiziell befahr, fast alleine für uns bis zum im hier fast schluchtartig engen Tal eingezwängten La Riba.
Nun gibt es keine Ausweichmöglichkeit mehr: 2 km stark schwerverkehrverseuchte Landstraße liegen vor uns, ehe wir links abbiegen können nach Picamoixons (T-743). Etwa 1 km hinter dem Dorf biegen wir in spitzem Winkel rechts ab auf die TV-7421 Richtung Vilallonga del Camp.
Die Berge liegen nun hinter uns, es folgt eine verkehrsarme "Kette rechts"-Strecke immer geradeaus durch Felder und Schilf. Wir überqueren die C-37 Alcover-Valls, fahren weiter immer geradeaus, bis an den Ortsrand von La Masó. Dort biegen wir links ab auf die T-751 bis an den Ortsrand von Vallmoll. Nun geht es rechts ab Richtung N-240. Dieser Straße folgen wir 1 km Richtung Tarragona, ehe wir sie nach links verlassen dürfen auf der T-223 bis La Secuita. Wir bleiben am westlichen Ortsrand dieses auf einer Anhöhe gelegenen Dorfes, um dann nach rechts auf die TV-2231 nach Perafort abzubiegen. Kurz vor Perafort liegt wie ein Fremdkörper der hochmoderne AVE-Hochgeschwindigkeitsbahnhof " Tarragona Camp".
Wir überqueren die AVE-Strecke Barcelona-Madrid und fahren in den schönen Dorfkern von Perafort. Dort geht es links ab auf der TV-2236 nach Els Pallaresos. Nun dürfen wir zum Schluss noch ein wenig Paßstraßengefühle entwickeln: Das Sträßchen windet sich in Serpetinen eine Geländestufe hinauf.
Am Kreisverkehr am Ortsrand von Pallaresos nehmen wir den Weg schräg links in den ebenfalls sehenswerten Dorfkern, dann immer bergauf durch arg zersiedelte ehemalige Waldlandschaft bis zur nächsten Hauptstraße, der TP-2031. Nun sind es noch 8 kurvige km überwiegend bergab bis Tarragona.