Mallorca - erste Sonne 2004 / Entlang der Westküste
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DLRF: 2
Erlebnisbericht: Mallorca - erste Sonne 2004
Erlebnisbericht von marik (weitere...)
Tag 6: Son Serra de Marina - Palma: Entlang der Westküste
170 km / 02.04.2004
Son Serra de Marina (0,0 km) - Coll de Sóller - Palma (170,0 km)
Beschreibung
Heute soll's also wieder nach Palma gehen, um in Can Pastilla ein Auto für die morgige Fahrt zum Flughafen abzuholen.Auf dem gleichen Weg wie zurück von Soller am Dienstag wollten wir heute dorthin fahren und weiter auf der Küstenstraße C710 nach Andratx, von dort die C719 nach Palma und weiter nach Can Pastilla am Platja de Palma fahren. Entgegen unserer ersten Rechnung sollten es 170 km werden, 20 km weniger als veranschlagt - wir dachten, wir müssten bis El Arenal.
Um 20 vor neun war es noch empfindlich frisch, als wir unsere Räder bestiegen. Die klare morgendliche Witterung ließ die Serra de Tramuntana nah und klar erscheinen, und selbst das Cap Formentor konnten wir jenseits der Bucht von Alcudia auf unserem Weg nach Santa Margalida klar erkennen.
Hinter Sineu - und das war die erste von zwei Neuerungen auf dem Weg nach Soller gegenüber dem Rückweg vom Dienstag - fuhren wir die schmale Streceke in Richtung Sant Llorenc anstelle der schnurgeraden Ausfallstrecke nach Westen.
In Sant Llorenc fanden wir schnell den Weg nach Ruberts, in dem wir - mangels einer Beschilderung - einfach auf die breitesten Straßen zunächst nach rechts, und dann nach links abbogen.
Hier erlebten wir eine Überraschung. Nicht die Breite der Straße war es, die wir ja so schmal erwartet hatten. Die Landschaft war für das Landesinnere eigentümlich. Wo sich sonst Ackerbau, Schafherden und Oliven- und Orangenhaine abwechseln, durchfuhren wir nun einen regelrechten Pinienwald der fast bis Ruberts anhielt, von wo wir links rechts weiter nach Sencelles (118 m) fuhren.
Den zweiten kleinen Unterschied auf dem Weg zum Startpunkt des Coll de Soller war der Weg über Bunyola (233 m), ánstatt vier km früher auf die Passstraße C711 zu treffen. Damit handelten wir uns einen kleinen Hügel ein, den wir aber gerne für den geringen Verkehr in Kauf nahmen.
Außerdem konnten wir so in Bunyola noch einmal die Bar am Dorfplatz zum Befüllen der Trinkflaschen nutzen, wie wir es schon am Mittwoch vom Coll de Hono kommend gemacht hatten. Die Strecke nach Orient ließen wir aber rechts liegen und fuhren wie damals den Kilometer auf die C711 hinab, auf die wir diesmal nach rechts in Richtung Soller bogen.
Heute hatten wir uns einen Scherz daraus gemacht, wann wir wohl den ersten Radfahrer sehen, und tatsächlich dauerte es 40 km. Nun aber zeigte sich, wie viel stärker anziehend die Berge auf Radfahrer wirken, denn hier am Coll de Soller häuften sie sich.
Eigentlich wollte ich ja mit Jochen mitfahren, aber als ich sah, wie der wieder seine Nähmaschine anwarf, wollte ich mich doch nicht von ihm an den Teer nähen lassen und fuhr, mit leicht erhöhtem Tempo, mit Martin hoch. Dies führte dazu, dass wir einige Radfahrer überholten, aber auch von einem überholt wurden. Das ärgerte mich zwar, aber was solls. Der hatte noch zwei Kumpel im Schlepptau, von denen sich der eine dann auch bald anschickte, uns zu überholen. Martin und ich wollten auf den letzten der drei warten, um ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Der aber hielt unsere Verzögerung wohl für einen Schwächeanfallm witterte seine zweite Luft und überholte uns. Das konnten sich Martin und ich dann aber nicht bieten lassen, und traten die letzten 1,5 km bergauf an. Schnell hatten wir den dritten, und sogleich auch den zweiten aufgefahren, nur der erste rettete seinen Vorsprung knapp auf die Passhöhe. Wie schade.
Über diesem kleinlichen Wettkampf soll aber die Passfahrt nicht vergessen werden. Im ruhigeren unteren Teil hatten Martin und ich nämlich genug Muße, die Landschaft auf uns wirken zu lassen, und zusammen mit der Vielzahl an Serpentinen macht die die Auffahrt zum Genuss. Stets mit Blick auf einen Berg in Form eines Doppelkegels schraubt man sich nach oben, bei gleichmäßiger Steigung um die 7 Prozent. Die Kehrenzählung musste leider auf den letzten Metern dem Endspurt zum Opfer fallen, aber der spezifische Begriff "Unzahl" ist hier wohl anzuwenden. Mein Tipp also: Der Coll de Soller von Süden gehört auf jeden Fall zum Mallorcaprogramm.
Auf der Passhöhe erstaunten wir uns über die relative Windstille im Vergleich zu vor drei Tagen, als Torsten hier noch einen Videobeweis von den sich im Wind biegenden Sträuchern nahm. Von damals bekannt war uns allerdings noch die für Raserei nicht geeignete Beschaffenheit des Straßenbelags auf der Nordrampe hinab nach Soller - die mit Längsrillen aufegrauhte Straßendecke bremste uns mehr als notwendig ab, und wir nutzten die langsame Abfahrt für einige Zwischenstopps, um von der Hangseite Blicke auf das unter uns liegende Soller zu werfen, das man von der Straße aus zumeist nicht sieht.
Nachdem uns die Hauptstraße nach dem Tunnel wiederhatten, fuhren wir an Soller (50 m) vorbei, und bogen gegen Ende des Ortes nach links auf die Küstenstraße C710 ab, die uns auf den nächsten 59 km bis nach Andratx in den Süden führen sollte. Die ersten 16 km davon nach Valldemossa (425 m) waren uns unbekannt. Zunächst ging es von Soller eine Rampe hinauf, von der aus man einen schönen Blick zurück auf Soller und den dahinter liegenden Puig Major werfen kann, den man aus dem Landesinneren meistens nicht sieht.
Es folgten einige Serpentinen, bis wir nah ans Meer kamen - die steil ins Wasser abfallendes Felswände, dann wieder die in Terrassen abfallenden Nutzwiesen begleiteten uns von hier ab, auf immer wieder an- und absteigender Straße.
Für mich war schon dieses erste Teilstück schnell recht eintönig, was sicher auch mit meiner zunehmenden Anstrengung zu tun hatte, die sich in den letzten Tagen aufgebaut hatte.
Mein Unwillen vergrößerte sich noch, nachdem wir durch Valldemossa (425 m) kamen und wir nach der Abzweigung zum Port de Valldemossa auf bekannten Straßen fuhren. Darüber hinaus hatte sich ein schwerer Nebel breit gemacht - die besten Tage schienen vorbei. Meinem gestern erhaltenen Sonnenbrand tat das sicher gut - meiner Stimmung allerdings gar nicht. Auch der Abzweig nach Port de Valldemossa erschien wenig verheißungsvoll - bei gutem Wetter wäre es mir sicherlich schwer gefallen, daran vorbeizufahren.
Die nächsten 8 km über den Coll de Claret (495 m) kannten wir also schon, und im zweiten Anlauf konnte er nichts hinzugewinnen. Die Abfahrt machte dann aber wieder etwas Spaß, brachte sie doch mit ihrem Ende auch ein wieder unbekanntes Stück Straße unter unsere Räder.
Der jetzt beginnende 35 km lange Abschnitt bis Andratx stellt sicherlich den attraktivsten Abschnitt der Westküstenstraße dar. Nach wie vor wellt sich die Straße gehörig, nun sogar so stark, dass die Erbauer es für angebracht hielten, drei der Hügel sogar als Pässe zu bezeichnen, nämlich Coll de Sa Bastida (290 m) nach 6 km, den ich nicht einmal als Pass wargenommen habe, dann den Coll d'es Pi (325 m) nach 20,5 km, und den Coll de Cremola (343 m) 5,5km vor Andratx.
Von diesen Pässen ist nur letzterer wirklich als mehr als ein Hügel wahrzunehmen, zumal man kurz vorher noch einmal bis fast auf Meerhöhe abfällt. Der Anstieg selber entfernt sich dann vom Meer, bis dieses hinter den Hügeln kaum mehr erkennbar wird. Die letzten Meter des Anstiegs schneiden sich tief in den roten Stein ein, der die Passhöhe aus macht.
Neben den Pässen sorgen aber auch die beiden pittoresken Dörfer Banyalbufar kurz nach dem ersten Pass und Estellencs knapp auf der Hälfte dieses letzten Küstenabschnitts für Abwechslung. Gerade Banyalbufar liegt wirklich malerisch auf den Terrassen, die sich hier langsam zum Meer senken, und deren Grün ergibt einen satten Kontrast zum Meer und zum Himmel darüber, der sich hier sogar auch für uns wieder freundlicher zeigte. Kurz nach Banyalbufar ein Aussichtsturm rechter Hand. Schon von der Straße aus war der Blick aufs Meer malerisch
In Estellencs gönnten wir uns sauteuren Kuchen zu Cola - die Sonne hatte sich gerade mal wieder gezeigt, so dass man es sich draußen richtig gut gehen lassen konnte.
Einen letzten Pass galt es vor Andratx noch zu überwinden: den Coll de Sa Cremola (343 m), der sich doch noch einmal recht lang hinzieht, da man ihn fast von Meerhöhe startet.
In Andratx angekommen ging es für mich nur noch um die Absolvierung der letzten 30 - 35 km nach Can Pastilla - und die zählten auf der C719 nicht zu den schönsten Erlebnissen dieser Woche. Immerhin sahen wir so noch einmal den riesigen Hafen sowie die Hotelburgen Palmas, bevor wir bei Hasso Cars unseren Sharan abholten, um damit nach Son Serra de Marina zurück zu fahren.
Da unsere Strecke mit 170 km 20 km kürzer ausgefallen war als veranschlagt, kamen wir auch schon um 17 Uhr in Can Pastilla an, und unser Auto war noch nicht da, und ja auch ab sechs erst bestellt.
Nachbetrachtung
Der heutige Tag gehört für mich nicht zu den schönsten der Tour - vielleicht lag es am Wetter, vielleicht auch an meiner beginnenden Angeschlagenheit - bei mir wollte heute außer am Coll de Soller keine rechte Fahrtstimmung aufkommen.Umso froher war ich, als wir endlich zu Hause waren. Wir planten für morgen früh eine abschließende Runde durch das Inselinnere, auf den Puig de Randa (542 m) mir dem Kloster Cura. Martin wusste, dass sich bei schönem Wetter hier eine grandiose Sicht über die gesamte Insel eröffnet.




