quäldich- Dreiländertour 2005 / Bernina / Albula
QD-Reisen & Events:
DLRF: 2
Erlebnisbericht: quäldich- Dreiländertour 2005
Erlebnisbericht von Nachwuchsfahrer (weitere...)
Tag 4: Livigno - Scuol: Bernina / Albula
125 km / 1700 Hm / 30.06.2005
Beschreibung
Schon bricht der letzte Tag unseres Kurztripps heran. Glücklicherweise haben sich die Unwetterwolken verzogen, und das Hochtal von Livigno breitet sich friedlich und heiter unter uns aus. Ein letztes Mal genießen wir ein sehr gutes Frühstück und machen uns wie meistens um 9:30 h auf den Weg hinauf zum Forcola di Livigno.
Der ist von dieser Seite alles andere als hart, die 14 km fliegen förmlich an uns vorbei. In einer weiten Linkskurve klebt die Straße rechts am Hang, und früh hat man Blickkontakt zur Passhöhe. Unter uns fahren einige Mountainbiker auf einem schmalen Trail der Passhöhe entgegen, und bis zu einem gewissen Punkt gibt es rechts von uns noch einen Radweg.
Die Beine sind so schnell locker gefahren, und wir erfreuen uns an der so viel besseren Sicht und so viel trockeneren Straße als gestern abend, als wir zum Teil schon mal hier waren.
Bald stehen wir am Passschild für das obligatorische Foto und rollen hinab in die Schweiz zum Restanstieg zum Berninapass. Zu dem sind es noch vier Kilometer, und das sind mit Abstand die schönsten ab Tirano. Gut, dass wir die weniger ansprechende Strecke gestern schon hinter uns gebracht haben.
Klaus wirft hier schon Traubenzucker ein, er hat nämlich leichte Kopfschmerzen. Gut für mich bei unserem bevorstehenden Duell am Albulapass, denke ich mitfühlend. Am Berninapass mit dem dahinterliegenden Diavolezza-Gletscher machen wir ein Bild mit selbstauslöser, was Martin ziemlich belustigt, weil ich mich so bescheurt auf dem Boden rumwälze, um die Kamera auf einem Stein zu justieren.
Von der Abfahrt ins Engadin hatten wir uns mehr versprochen, gemeint sind höhere Geschwindigkeiten, denn der Gegensturm war ziemlich bremsend. Kurz haben Martin, Klaus, Michael und ich versucht, uns dagegen zu werfen, aber das war irgendwie doch zu anstrengend, und so bummeln wir doch lieber den Pass herab. In Anbetracht der wahnsinnigen Blicke auf den Morteratsch-Gletscher auch wirklich die bessere Entscheidung. Hinter einem sich hinter uns schließenden Bahnübergang nutzen wir die verkehrsfreie Straße zur Bewunderung dieses wahrhaft majestätischen Anblicks.
Es dauert einige Zeit, bis Gunnar, Maria und Rolf uns nachkommen, und so verbringen wir einige Zeit mit Betrachtung und Fotografieren der Schneewelt über uns. Rolf lotst uns weiter unten wieder durch den Kernort Pontresina, sicherlich wiederum eine lohnende Alternative zur Ortsumgehung. Und danach brettert Klaus vor uns das Engadin runter, das wir kaum noch mitkommen. Der Vorteil ist, das wir die Strecke bis la Punt viel schneller zurücklegen als gedacht, und so früh in den Biergarten des Hotels Albula am Abzweig des Albulapasses einfallen können.
Hier ergibt eine kurze Umfrage, dass Maria und Michael den Verlockungen der Pizza verfallen werden, und Gunnar, Rolf, Klaus und ich auf jeden Fall zum Albulapass hoch fahren wollen. Martin hätte auch Lust, hat aber den Fehler begangen, sich hinzusetzen. Plötzlich klebte er fest und bestellte sich erst mal ein Weizenbier. Alles klar, dann fahren wir mal hoch. Rolf und Gunnar waren schon eine Weile unterwegs, als Klaus und ich ihnen hinterherstiefelten. Leider hatten wir beide ja gestern den Mund ziemlich voll genommen, dass wir erst mal in rasender Fahrt den Albulapass angingen. Die Wirtin sagte noch etwas von 9% Durchschnittssteigung auf 6 km, aber das wollten wir gar nicht mehr hören und waren schon um die Ecke gebogen.
Die erste Serpentinengruppe oberhalb des Ortes fuhren wir also richtig zackig, und es tat ziemlich weh. Glücklicherweise ging es Klaus auch so, sa dass wir uns nach einigen Kilometern für eine zurückhaltendere Fahrweise entschließen, was den Vorteil hatte, dass wir uns auch mal unterhalten konnten. Und so verbrachten wir den Schlussteil dieser durchaus ansprechenden Auffahrt plaudernd mit deutlich mehr Spaß als am Anfang. Kurz vor dem Flachstück, das auf die Passhöhe führt, machte das schweizerische Militär Schießübungen auf die unschuldige Felswand zur Rechten.
Rolf haben wir noch überholt, aber Gunnar hatte auf einem Supermannheftchen geschlafen und wartete lächelnd am Pass auf uns. Dort gab auch gerade eine Gruppe von ca 20 Zimmermännern auf der Walz ein Stelldichein, sie sangen etwas über eine schöne Maid, die nicht ganz so keusch war, wie es solchen Liedern eigentlich gut tut. Außerdem mochten sie mich nicht mehr so gerne, als ich sie gefragt hatte, ob sie echt seien oder von der Tourismusbehörde aufgestellt. Naja, da haben wir uns nach dem Passschildfoto doch lieber schnell nach unten verkrümelt.
Allerdings nicht, ohne vorher im Hotel Albula bei Martin telefonisch 3 Pizzen zu bestellen. Nach einer betont vorsichtigen Abfahrt (es sollte ja die letzte der Tour werden, hoffentlich wollte keiner mehr auf den Flüelapass), setzten wir uns just in dem Moment an den Tisch, als unsere Pizzen serviert wurden. Super!
Wir ließen uns richtig Zeit, denn schließlich war dies unser letztes gemeinsames Essen, denn Rolf wollte heute nacht noch nach Gießen zurück fahren, und Maria und Gunnar wollten am Bodensee übernachten. Nur Klaus, Martin, Norbert und ich wollten noch eine Nacht im Bellaval dranhängen und uns so die Strapazen der Nachtfahrt sparen.
Aber glücklicherweise konnten wir noch ein bisschen gemeinsam Fahrrad fahren, als wir uns schließlich aufrafften und La Punt Richtung Zernez verließen. Hier ist es auf der Hauptstraße teilweise für Rennräder gesperrt, so dass wir in den Genuss der alten Straße kommen, die durch den urigen Ortskern von führt. Schnell erreichten wir Zernez, und von hier aus kannten wir den Weg ja schon aus der Gegenrichtung vom ersten Tag, als wir hier in Richtung Ofenpass rollten.
Und tatsächlich beschwerte sich nur Gunnar von hinten, als ich in Susch den Abzweig zum Flüelapass einfach links liegen ließ. Glücklicherweise war auch diese Beschwerde nicht ernst gemeint, und so flogen wir unserem Bestimmungsort entgegen.
Aber Rolf hatte noch eine Überraschung für uns parat. In Ardez, dem wirklich letzten Ort vor unserem Zielort Scuol, zweigte Rolf plötzlich nach links ab und entschied, dass wir die 180 Hm und ca 3 km Umweg über Ftan noch einbauen sollten, die er von einem Skiurlaub als besonders schön in Erinnerung hatte.
Und das war sie auch wirklich: die ersten Meter aus dem schönen Ort Ardez heraus muteten spanisch an mit den verbrannten Wiesen rechts und links der Straße. Durch einen Felseinschnitt ging es links um die Kurve in ein Waldstück hinein, in dem die Straße für gut einen Kilometer ihren Belag verlor, aber weiterhin gut fahrbar blieb. Es blieb außerordentlich abwechslungsreich, denn bald wurde der Wald wieder verlassen - durch sanfte Almen erreichten wir Ftan, einem weiteren schönen Unterengadiner Ort. Hier hielten wir uns aber gar nicht auf, denn die schnelle Abfahrt nach Scuol hinunter war zu verlockend - mit bestem Belag stürzt sich die Straße hier in mehreren Kehren in die Tiefe. Wieviel schöner ist es doch, den Bestimmungsort in einer solchen Abfahrt zu erreichen, als im geringen Tempo bergauf. Danke, Rolf, für diesen Geheimtipp.
Im Bellaval angekommen war noch genug Zeit für ein Eis auf der Terrasse und ein weiteres Resumee unserer Tour: Glücklicherweise waren sich alle einig: Das Wetter war großartig, Strecke und Stimmung super. Ein wirklich gelungener Auftakt der offenen quaeldich-Touren.
Nach dem Abschlussfoto machte sich zunächst Rolf, später dann Gunnar, Maria und Michael auf den Weg zurück nach Deutschland. Martin und ich hatten schon im Vorfeld entschlossen, noch zwei Tage im Montafon anzuhängen, und auf unsere spontane Einladung ließ sich auch Klaus nicht lange bitten.
Insgesamt war es eine super Tour. Im September wird die nächste quäldich-Tour genau auf diesen Strecken stattfinden. Ich würde mich freuen, wenn auch du dabei wärst. Hier geht es zu Information und Buchung.





