Tour der harten Pässe der Schweiz! / Schon mal eine Mauer hochgefahren?
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DLRF: 2
Erlebnisbericht: Tour der harten Pässe der Schweiz!
Erlebnisbericht von Greenhorn (weitere...)
Tag 2: Beckenried - Sargans: Schon mal eine Mauer hochgefahren?
111,5 km / 2059 Hm
Beckenried (0,0 km) - Emmetten (5,8 km) - Seelisberg (12,4 km) - Muotathal (35,8 km) - Pragelpass (48,9 km) - Riedern (68,4 km) - Netstal (70,0 km) - Näfels (74,3 km) - Beglingen (77,5 km) - Kerenzerberg (81,2 km) - Filzbach (82,5 km) - Obstalden (84,6 km) - Unterterzen (93,2 km) - Mols (95,2 km) - Sargans (111,5 km)
Beschreibung
Morgenessen gabs zum Glück bereits um halb sieben. Ich musste um 8:25 in Treib das Schiff nach Brunnen erwischen und dabei zuerst den Seelisberg befahren - also war frühes Abfahren (leider...) Pflicht.Das Frühstücksbuffet war ausgezeichnet: Käse, Milch und Eier vom eingenen Hof. Dazu Müesli, Brot, Gipfeli und Brioches, Früchte, Fleisch und Kaffee und Tee in allen Varianten. Es fehlte also an nichts.
Mit vollem Magen hechelte ich kurz danach den Seelisberg hinauf (zum Glück noch unter leicht bedecktem Himmel) und konnte - da mit genug Zeitreserve - von diesem "Felsvorsprung" die Sicht auf den Urnersee geniessen, bevor ich nach Treib herunterfuhr und die Fähre nach Brunnen bestieg.
Dort gings dann in Richtung Schwyz, wo ich (blöderweise...) den Radweg-Wegweisern nach Muotathal folgte. Diese führten mich prompt auf die Strasse, welche von Morschach direkt zum Muotathal führt - und welche ungeteert ist. Lustig, wenn man dabei ein ungefedertes Rennrad hat. Und erst noch kein Bike-Quer-Erfahrung hat. Nunja - zum Glück mündete die Schotterstrasse schlussendlich wieder in die Kantonsstrasse, welche sich leicht bergauf in Richtung Muotathal windete. Dort wurden (die Wolkendecke hatte übriges inzwischen erste Löcher aufzuweisen) die Bidons aufgefüllt und die Pragelstrasse in Angriff genommen. Und das ist auch so zu verstehen: ein echter Kampf fängt an. Gleich zum Anfang gibts eine Portion 18-Steigungsprozente serviert. Danach gehts nur sehr selten unter 16% weiter durch den Wald hoch, bevor kurz vor der Halbzeit ein kurzes Stück mit 20% aufwartet. Danach gehts weiter mit durchschnittlichen 14% bis auf 1320m. Die lezten Meter sind eher flach zu bewerkstelligen - und ausserdem entschädigt der Blick auf die umliegenden Gebirge die Leiden um einiges.
Oben gabs das obligate Siegerfoto und ein Marmeladenbrot, bevors in Richtung Klöntalersee (übrigens: eine Perle der Schönheit!) runterging. Dann fuhr ich weiter nach Näfels über Netstal, als sich ein felliges Etwas auf meinen linken Vorderarm verirrte. Eine Biene. Nunja, anscheinend bezahlte ich für mein jahrelanges Honigessen, denn kurze Momente später - als ich dummerweise Reflexartig das Insekt mit der rechten Hand entfernen wollte - brüllte ich wie ein Affe, lutschte meinen Zeigefinger und verwünschte alle Insekten dieser Welt aufs hässlichste. Dabei hatten mich Restaurantmitarbeiter bei Ihrer Zigarettenpause undverständlich von weitem beobachtet. Und dabei laut gelacht.
Wieder mal hatte ich mich zum Esel gemacht.
Als ich dann vor Ihnen durchfahren musste, zeigte ich nur meinen Zeigefinger und Kommentierte schlicht: "Sch**ssbiene". Doch nichts. Kein Ooh. Kein Aah. Nur ein leidiges Schulterzunger. Fieslinge.
Natürlich schwoll mein Finger trotz Giftaussaugen recht bald an, so dass ich in Fislisbach in einem Kongresshotel auf der Terasse Platz nahm (notabene vor versammelter Geschäftsleitung der zürcher Kantonalbank, die Dort bei einem Essen tagte) und mir eine Cola und ein Glas, gefüllt mit Eis bestellte. Die Kellnerin erbarmte sich meiner, lächelte keck und brachte mir gleich ne ganze Schüssel Eiswürfel. Na, das ist doch wohl ein Service, nicht?
Tatsächlich ging die Schwellung zurück, und bald war ich wieder in Richtung Sargans unterwegs. Als ich aber vom Kerenzerberg nach Walenstadt herunterfuhr, wurde ich fast Opfer eines Hitzeschlags. 36°C waren genug. Wenn dazu aber noch ein Rückenwind blies, der jegliche Abkühlung verunmöglichte war Hilfe gefragt. Und die holte ich mir im lokalen Supermarkt in Form eines Speiseeises. Lecker. Und in Sargans gabs gleich noch ein Eis. Dort entschloss ich mich dann auch, die langweilig-mühsame Fahrt drchs Rheintal nach Chur zu verkürzen und verlud mein Rad in den Zug.
Dort - mittlerweile war es 16:30 Uhr - war es schon fast heisser als in Sargans. Aber irgendwie gefiel mir diese Stadt nicht so recht. Überall diese jungen, aggressiven, arroganten, macho-ähnliche Rüpel welche kaum älter als 16 Jahre alt waren, dazu eine Einkaufsstrasse wie man es sich an der Bahnhofstrasse in Zürich gewohnt ist, Baulärm überall und diese schwere Hitze. Nein. Hier wollte ich nicht schlafen - obwohl das so geplant war.
Da am nächsten Tag die Lenzerheide auf dem Programm stand, musste ich irgendwie in Richtung Churwalden fahren. Das Problem war, dass es steil aufwärts ging. Sehr steil. Und ich war bereits jetzt nudelfertig. Nunja - Alternativen gabs nicht. Also fuhr ich los und verwünschte meinen Entschluss bereits nach der ersten Haarnadelkurve. Ein übler Bergwind blies mir ins Gesicht, als ich die S-Kurven befuhr - und dies reichte, mich vorübergehend ausser Gefecht zu setzen. Nichts ging mehr. Ende. Aus. Hungerast. Ich kaute also hastig einige Talbetten Dextro-Energen, ass zwei Müesliriegel und versuchte es ein letztes mal, ins nächste Dorf zu gelangen.
Tatsächlich war bald einmal Kreuz erreicht, wo ein schönes Hotel mit "Grill-Spezialitäten" und Sicht aufs Churertal auf mich wartete. So stands zumindest in meinen Gedanken. Ich sah mich schon vor einem saftigen Steak mit Nudeln und Salat - als ich auf den harten Boden der Realität zurückgerufen wurde. Ha - ha - ha. Dienstag Ruhetag. Na dann. Weiterfahren. Und ja nicht fluchen.
In Malix sahs nicht besser aus. Ausser einem eher unfreundlich aussehenden Hotel-Pub mit einem Zimmer und Frühstück für 30.- gabs nix. Sollte ich weiterfahren? Oder in dieser Unterkunft schlafen? Ich entschied, den Joker einzusetzen und fragte eine Einheimische nach Rat. Diese empfiehl mir wärmstens, nicht hier, sonder im nächsten Dorf (Churwalden) zu übernachten. Die Strasse sei jetzt nur noch flach. Ja. Vielleicht mit dem Auto. Aber nicht mit dem Rad und einem verfluchten Gegenwind!
Doch wie schon so oft motivierte mich wieder mal ein Naturschauspiel, stärker in die Pedale zu treten: Vor mir , kurz nach Churwalden, hängte eine grosse, schwarze Gewitterwolke von den Berghängen, von denen schöne Filamente (sprich: Regen) runtergingen. Nichts wie los - "Hau rein, Junge" redete ich mir zu. Und kam vor den Regen an. Mit 45 Sekunden Vorsprung. Und zwar nudelfertig.
Das Zimmer im Hotel Hemmi war hübsch eingerichtet, mit Flachbildschirmfernseher und Dusche eingerichtet und bot (wahrscheinlich) eine schöne Sicht auf die Berge.
Ich machte mich frisch und genoss kurz später einen feinen Salat, danach ein Lammentrecôte mit Spaghetti (al dente und à discrétion). Als Dessert gabs Rote Grütze mit Vanilleeis - zu Ehren des Hotelbesitzers aus Deutschland.
Ich hatte es geschafft.
Nur mit Mühe konnte ich meine Augen noch während des Wetterberichts um 22:10 auf SF1 offen halten - danach sank ich in einen tiefen Schlaf. Es war nämlich so richtig angenehm kühl hier oben.









