Traumtouren im Goldenen Herbst 2009 / Ötztaler Gletscherstraße und zwei 2000er

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Erlebnisbericht: Traumtouren im Goldenen Herbst 2009

Erlebnisbericht von tobsi (weitere...)

Tag 6: Sölden - Sölden: Ötztaler Gletscherstraße und zwei 2000er
76,7 km / 2831 Hm

Sölden (0,0 km) - Ötztaler Gletscherstraße (15,2 km) - Tiefenbachferner (15,9 km) - Ötztaler Gletscherstraße (16,6 km) - Rettenbachferner (20,4 km) - Hochsölden (34,3 km) - Bodenegg (45,4 km) - Heiligkreuz (48,1 km) - Vent (55,5 km) - Venter Tal (57,8 km) - Vent (60,0 km) - Heiligkreuz (67,4 km) - Bodenegg (70,2 km) - Sölden (76,7 km)

Beschreibung

Trostloser TiefenbachfernerNach dem halben Debakel am Kühtai tags zuvor, entspannte ich mich am Abend erst einmal im Schwimmbad und der Sauna. Welche Wirkung dies haben sollte, konnte ich im Aufstieg zur Ötztaler Gletscherstraße erfahren. Tags zuvor hakte ich die Ötztaler Gletscherstraße eigentlich noch ab. Ich wollte nur Hochsölden und Venter Tal fahren.

Diese standen fix auf dem Programm, da es meine ersten 2000er-Beschreibungen sein sollten und ich damit Roli, unser Österreicher im Redaktionsteam, etwas damit ärgern konnte. Doch in der Auffahrt zur Ötztaler Gletscherstraße ging es dann verhältnismäßig gut in den giftigen Rampen, dass ich mich entschloss doch das Dach der Alpen zu erklimmen. Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich einen Rückzieher gemacht hätte. Dennoch quälte ich mich durch die eintönige Landschaft in Richtung Gletscher. Die Landschaft ist sicher kein Genuss, aber als Radler muss man dort einfach mal hinaufgefahren sein, zudem man auf 2800 m Höhe noch einen elendig langen Tunnel durchfahren darf, der einfach nicht enden will. Auch der Endpunkt, die Skistation ist im Herbst nicht prickelnd, weshalb ich frierend mit eiskalten Füßen durch den Tunnel zum zweiten Hochpunkt fahre, der mir anscheinend die allerletzten Körner aus dem Leib reißen wollte, so zäh ließen sich die mikrigen 150 Hm zum Parkplatz fahren.

Nach kurzer Verschnaufpause ging es dann wieder abwärts bis zu Kehre drei, die als Abschussrampe hinauf nach Hochsölden dienen sollte. Eher moderat im Vergleich zur Gletscherstraße präsentiert sich dieser Anstieg. Auch nicht so eintönig dank vieler Kehren, Wald und dem Blick hinunter nach Sölden, der einem teilweise gewährt wurde. So ließen sich die 400 Hm bis Hochsölden in einem guten Rhythmus fahren. Auch dieser Hochpunkt ist nicht wirklich prickelnd, da man nur vor leeren Hotels steht. Einzig und allein die Auffahrt sollte einen motivieren nach Hochsölden zu fahren, obwohl man dort oben eine schöne Aussicht hat. Nach der Abfahrt geht es über die Anfangskilometer des Timmelsjoch nach Zwieselstein, dem Ausgangspunkt des schönsten Teils dieser Etappe. Das Venter Tal empfängt den Radler mit Einsamkeit und landschaftlicher Schönheit. Ständiger Begleiter ist die Venter Ache, die sich durch das Tal zieht. Zunächst noch entlang der Venter Ache für ein paar Kilometer sieht man dann auf Höhe von Bodenegg in der Ferne, die 3 km entfernte Kirche von Heiligkreuz. Diese diente für die nächsten Kilometer als Fixpunkt, da sie als erstes Zwischenziel nach einer längeren Rampe ideal geeignet ist. Diese Rampe ist mit 8-12 % nicht sonderlich schwer, sorgte aber doch für etwas Schmerzen, sobald 10 % und mehr erreicht wurden. Mit dem Erreichen der Kirch freute ich mich, dass der Anstieg zumindest für einige Zeit ein Einsehen hatte und zunächst flach dann sogar eine kurze Abfahrt über eine Brücke vorgesehen hatte. Doch gleich tauchte wieder eine Welle auf, die zudem nicht preisgab, was danach folgen sollte. Bis Vent sollte keine Herausforderung mehr folgen, weshalb ich mich auf das schöne Tal konzentrieren konnte. Der Ausblick wurde nur durch ein ein paar Galerien gestört, die kurz vor Vent auftauchten. Nachdem ich dann einen Art Felsdurchbruch, durch den die Straße gelegt wurde hinter mir gebracht hatte, tauchte auch schon Vent auf, dass nach nur wenigen Höhenmetern von dem Felsdurchbruch erreicht wurde. Markant war, wie in Heiligkreuz, die Kirche eingangs des Ortes. Flach ging es weiter bis der Abzweig zu den Rofenhöfen folgte. Nach nur wenigen Metern nach dem Abbiegen steigt die Straße wieder mit mehr als 10 % an. Doch dank meines Garmins war mir klar, dass nur noch wenige Höhenmeter zurückzulegen waren, um die Höhe von 2014 m zu erklimmen, auf der das Ziel, die Rofenhöfe, liegt. Allerdings wusste ich nichts davon, dass ich sogar auf eine Höhe von 2034 m klettern musste. 20 Hm sind zwar nicht die Welt, aber für einen müden Radler, der sich auf 2014 m festgelegt hat, ein schwerer Schock. Dafür konnte ich die kurze Abfahrt vollends genießen und war endlich am Ziel des letzten Anstiegs dieses Tages. Nach dem Inspizieren der Höfe, begab ich mich zu der berühmten Brücke über den Rofenbach. Eindrucksvoll spannt sie sich über die schmale, dafür tiefe Schlucht. Betreten konnte ich die Brücke nicht, da die Höhenangst zu groß war. So begnügte ich mich mit dem Abknipsen der Hängebrücke, um anschließend auf der Sonnenterrasse mich mit einem leckeren Apfelstrudel zu stärken. Diesen kann man nur weiterempfehlen, wenn der selbstgebackene Kuchen nicht zusagt.

So gestärkt ging ich die Rückfahrt voller Elan an. Die Rückfahrt bis Zwieselstein war schnell vorbei. Danach flog ich fast schon über die letzte Welle nach Zwieselstein, um mich vom höchsten Punkt dieser kurzen Welle nach Sölden zu stürzen, wo ich doch den inneren Schweinehund besiegt hatte und gegen alle Planungen, doch den Tiefenbachferner erradelt hatte. So fiel mein Fazit positiv aus, obwohl die beiden ersten Anstiege landschaftlich nicht viel zu bieten haben, dafür aber das Venter Tal für diesen Mangel vollends entschädigte.

Nachdem ich mein Rad im Auto verstaut hatte, ging es noch über das Timmelsjoch über Meran durch den Vinschgau zum Ausgangspunkt der morgigen Etappe, Prad am Stilfser Joch.






Doch auch hier wird zur Bezwingung etwas Schweiß als Tribut gefordert, denn die Rampe vor Heiligkreuz die Schlussrampe vor den Rofenhöfen sind ordentlich steil. Dafür entschädigt die weitere Auffahrt mit einer schönen Landschaft und einem wunderbaren Endpunkt. Am Gasthof im Rofental lässt es sich auf der Sonnenterrasse bei Sonnenschein aushalten. Für Wagemutige und Schwindelfreie ermöglicht eine Hängebrücke die Überquerung der tiefen Rofenschlucht.

Nach dem Sonnenbad am Rofenhof geht es rasant durch das Venter Tal zurück nach Sölden, das im Sommer und Herbt wie ausgestorben ist und kein schöner Anblick ist.