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Relevanzkriterien für Aufnahme und Jagbarkeit von Anstiegen im quäldich-Pässelexikon


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    03.04.2024, Jan:

    Für die Aufnahme ins Pässelexikon bzw. für die Jagbarkeit eines Anstieges müssen verschiedene Relevanzbedingungen erfüllt sein. Erst danach kommen die bereits weit diskutierten Qualitätsanforderungen ins Spiel:

    1. Die inhaltliche Relevanz entscheidet über die Aufnahme ins Pässelexikon
    2. Die touristische Relevanz entscheidet über die Jagbarkeit des Anstiegs
    3. Die sportliche Relevanz entscheiden über die Jagbarkeit des Anstiegs

     

    Die Jagbarkeit bedeutet die Wertung der Befahrung in der quäldich-Passjagd, wo jede Neubefahrung eines Passes einen Punkt gibt.

    Inhaltliche Relevanz


    Folgende inhaltliche Relevanz-Voraussetzungen müssen für die Aufnahme eines Hochpunkts ins Pässelexikon erfüllt sein:

    • Informative Relevanz: Es gibt etwas über den Pass/Hochpunkt zu sagen, das nicht aus einem Höhenprofil, einer Karte oder einem Strava-Segment zu entnehmen wäre, so dass der Leser aus der Passbeschreibung einen inhaltlichen Mehrwert für seine Befahrung erhält.
    • Zielpunkt-Relevanz: Zusätzliches Relevanzkriterium für Sackgassen und Höhenstraßen ist der lohnenswerter Endpunkt: Einkehrmöglichkeit (Ruhsitz) / Baudenkmal (Château de Peyrepertuse) / Naturdenkmal (Zedlacher Paradies) / nicht-beliebige Aussicht (Mont Saint-Baudille) / markanter Berggipfel (Sveti Jure)
    • Rennrad-Relevanz: mit dem Rennrad gut fahrbar, oder Gravel-Pässe (!) mit mehr als 500 Höhenmetern (Col de Parpaillon).
    • Eigenständige Relevanz: die enthaltene Information kann nicht genausogut als Nebenbemerkung in einer nahen Beschreibung aufgeführt werden. Keine eigenständige Relevanz liegt bspw. bei Sackgassen über einer Höhenstraße vor, die keinen relevanten Zielpunkt aufweisen (Bestands-Verdachtsfall eines verdienten quäldich-Autors: Alpe Piota).
    • Ablehnungsgrund Beliebigkeit: die Aufnahme des Hochpunkts / der Auffahrt würde die Aufnahme einer Vielzahl ähnlich irrelevanter Hochpunkte / Auffahrten der Region rechtfertigen (Beispiel: dichtes Wirtschaftswegenetz im Weinberg)

     

    Informative Relevanz

    Über das Pässelexikon informieren sich Pässefahrer:innen über lohnenswerte Ziele. Das Pässelexikon versteht sich daher in erster Linie als Informationsmedium.

    Die wichtigste Bedingung für die Aufnahme eines Anstiegs ist somit die informative Relevanz: Es gibt etwas Spezifisches über den Hochpunkt zu sagen, das nicht aus einem Höhenprofil, einer Karte oder einem Strava-Segment zu entnehmen wäre, so dass der Leser aus der Passbeschreibung einen Informations-Mehrwert für seine Befahrung des Hochpunkts und/oder der Region mitnehmen kann.

    Dies bedeutet

    • Die Information muss im Zusammenhang mit der Auffahrt/dem Hochpunkt stehen
    • Die Information muss thematisch relevant sein, also radsportlich, kulturell oder historisch bereichernd.
    • Die informative Relevanz kann auch in einer Warnung vor einer Befahrung liegen.

     

    @AP hat es einmal so formuliert: wenn man nichts über den Hochpunkt sagen kann, muss man sich fragen, warum man ihn im Pässelexikon sehen möchte.

    Dein Passjagdpunkt ist kein Argument.

    Touristische Relevanz

    Mit touristischer Relevanz ist gemeint: Der Anstieg ist so lohnenswert, dass man ihn selber immer mal wieder fahren würde, wenn man viel in der Gegend wäre, oder wenn man ihn Freund:innen zeigen würde, die man in die Region einführt. Etwa, weil er so schön ist, oder weil er Einblicke und Überblicke ermöglicht, die anderswo nicht möglich sind, oder, weil er eine Verbindung ermöglicht, die anderweitig fehlt.

    Diese Fragestellung kann man ggfs. erst mit einigem Abstand beantworten. Der Rausch der Entdeckung macht zunächst blind.

    Zur Einschätzung kann die Schönheitswertung herangezogen werden: Eine Auffahrt mit 2,0 oder weniger Schönheitssternen ist nicht touristisch relevant. Es ist die Aufgabe des Autors, diese Schönheitsfrage mit etwas Abstand kritisch zu bewerten. Es ist die Aufgabe des inhaltlichen Redakteurs, die Schönheits-Bewertung kritisch zu hinterfragen.

    Pässe und andere Hochpunkte, die eine Verbindung ermöglichen, können trotz geringer Schönheitsbewertung touristisch relevant sein, wenn es keine schönere Alternative für diese Verbindung in unmittelbarer Nähe gibt.

    Touristisch nicht relevante Anfahrten zählen perspektivisch nicht für die Passjagd / werden (auf Anfahrtenebene) entjagbart.

    Sportliche Relevanz

    Mindestanforderungen nach Kackwellenverordnung, also 100 Hm und QDH 75 bei Pässen, 150 Hm und QDH 100 bei Sackgassen.

    Es ist auch die Letzte-Kreuzung-Regel zu beachten, d.h. die Höhenmeter zählen ab der letzten übergeordneten Kreuzung. Ausnahmen sind möglich, wenn es sich um eine durchgehende Auffahrt aus dem Talgrund handelt, insbesondere bei Pässen/Hochpunkten mit hoher Rennrad-Dominanz (der höchste mit dem Rennrad fahrbare Punkt in weitem Umkreis, z.B. HornisgrindeMont RigiMont Aigoual).

    Sportlich nicht relevante Anfahrten zählen perspektivisch nicht für die Passjagd / werden (auf Anfahrtenebene) entjagbart.

    In Ausnahmefällen kann ein Anstieg trotz fehlender sportlicher Relevanz jagbar sein, wenn die touristische Relevanz dies rechtfertigt. Diese Entscheidung kann nur der Regionspate oder ein Redakteur fällen (siehe Redaktionsrollen). Beispiele sind Cauberg, Oude Kwaremont, Waseberg aufgrund ihrer profisportlichen Relevanz, die Cime de la Bonette aufgrund ihrer außerordentlichen touristischen Relevanz (Ruhm, Gipfel-Panorama) sowie der Willi / die Vollrather Höhe, weil weit und breit keine Anstiege bestehen.

    Grenzen der Definierbarkeit

    Die hier niedergeschriebenen Relevanzbedingungen sind schwammig. Die quäldich-Redaktion ist der Überzeugung, dass sich die Relevanz für das Pässelexikon nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Eine Ausnahme bildet allein die sportliche Relevanz.

    Die große Entjagbarung

    Schon länger haben wir die Entjagbarung nach oben genannten Kriterien angekündigt. Gut Ding will Weile haben. Erst nach Abschluss der wichtigsten Arbeiten am Redaktionstool können wir diese Fragestellung angehen.

    Sackgasse mit mehreren Auffahrtsvarianten

    Schon häufiger wurde die Frage aufgeworfen, wann eine Sackgasse eine Sackgasse ist, und ob mehrere Auffahrtsvarianten, die sich erst ab einer gewissen Höhe unterhalb des Hochpunkts treffen, ggfs. eine Entfernung des Sackgassen-Flags rechtfertigt.

    Als Beispiel sei der Col du Sanetsch angeführt: Auf einer Höhe von etwa 1050 m treffen sich hier drei Auffahrtsvarianten. In dem Fall ist es natürlich klar, dass der 15 Kilometer lange restliche Sackgassenanteil vom Treffpunkt bis zum Hochpunkt nur eine Wahl lässt: der Sanetsch ist eine Sackgasse,

    Allgemeiner gilt: Hat sowohl der Treffpunkt als auch der restliche Sackgassenanteil jeweils eine eigene Relevanz im Sinne dieses Artikels, so ist die Situation aufzulösen und beide Punkte als eigenständige Hochpunkte im Pässelexikon einzustellen, wie beispielsweise am Feldberg / Feldbergpass zu sehen. Zurück am Beispiel des Sanetsch ist jedem Befahrer sofort klar: der Treffpunkt hat keine eigene Relevanz und kann daher auch nicht ins Pässelexikon eingetragen werden, was die Abweichung von der Letzte-Kreuzungs-Regel im vorliegenden Fall begründet.

    Hat der Sackgassenanteil nur eine geringe sportliche Relevanz (wie beispielsweise am Torre) so ist nur ein Hochpunkt einzustellen, und zwar derjenige mit der höheren inhaltlichen Relevanz. Beim Torre ist dies zweifelsohne der Gipfel, der höchste mit dem Rad erreichbare Punkt des kontinentalen Portugals, und somit das Sackgassenende. Bei anderen Hochpunkten mag dies anders sein.

     

    Weiterlesen: Qualitätskriterien des Pässelexikons
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