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Alpe l'Erié (1880 m) Randonne (1430 m)

01 kurz vor Randonne auf 1430m mit Blick auf Martigny, 22.6.10.

Auffahrten

Von TicinoBergler46 – Wir starten kurz vor Fully mit einer kurzen Steilrampe (Bild 02, ganz in Tradition der Walliser Weinberge), dem Hinweisschild nach Buitonnaz folgend. Die breite, komfortable Straße schlängelt sich schön durch die Weinberge (Bild 03, 04). Mit nur zwei Kehren erreicht man Buitonnaz (905 m). Danach wird die Straße schmal und einsam und verlangt an der oben beschriebenen Steilrampe vollen Einsatz (Bild 07, 08). In einem scharfen Geländeeinschnitt können wir noch die Reste einer mächtigen Lawine bestaunen (Bild 09, 10). In schönen Kehren geht es weiter hinauf nach Chiboz d’en Haute (1328 m, Bild 16), wo uns großartige Aussichten erwarten, hinunter ins Rhonetal nach Martigny (Bild 14, 15) und auf die gegenüber liegenden Berge. Die folgende Naturstraße ist gut befahrbar. An einem besonderen Aussichtspunkt und vor einer Zwischenabfahrt entschließt sich der Autor jedoch auf 1430 m Höhe zur Umkehr (Bild 18), ein anderer jedoch fuhr noch weiter bis Erie.

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01:11:32 | 02.10.2010
Manfred
Dolce Vita
Von Manfred – Für Freunde der Naturstraßen kann der Weg ab Randonne bis zur Alpe l'Erié verlängert werden. Der Weg dorthin ist auch mit einem normalen Renner problemlos zu befahren, zwar nicht asphaltiert, aber kein zu grober Schotter. De facto ist es eine öffentliche Straße, welche an einem Wanderparkplatz endet.
Am Wochenende ist mit starkem Ausflugsverkehr zu rechnen, da das Gebiet von Wanderern gerne genutzt wird und die Straße nicht gesperrt ist. Leider bietet der Endpunkt keine besonders schöne Aussicht, da es sich nicht um einen Pass oder Hochplateau handelt.

Ein paar hundert Meter hinter Randonne befindet sich die ausgeschilderte Abzweigung auf 1387 m Höhe. Es geht nach links, und man wechselt nach 2 km auf 1599 m Höhe bei der Alpe Louisine die Talseite. Dann fährt man bis zum Ende des Hochtals und in einer Kehre wieder zurück Richtung Rhonetal. Ab hier hat man eine schöne Aussicht ins Rhonetal. Über vier Kehren und an der Alpe l'Erié vorbei erreicht man nach 5 km den höchsten Punkt auf 1880 m Höhe.
Bei ca. 500 Hm macht dies dann eine fordernde Durchschnittssteigung von 10 %.

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00:30:20 | 07.10.2010
Manfred
Dolce Vita
Von artie_1970Generelle Beschreibung von poli:

Mit der Vergabe von Superlativen sollte man ja zurückhaltend sein. Bei der Beschreibung der beiden Auffahrten über die Anhöhe über Buitonnaz fällt es mir aber schwer, ganz nüchtern zu bleiben. Die Stelle, an der ich die Passmarke gesetzt habe, liegt am Ende der Steilrampe auf der von TicinoBergler46 beschriebenen Route nach Randonne. Im Anschluss folgt ein Flachstück in den Taleinschnitt des Torrent de l’Echerche. Die erwähnte Auffahrt nach Randonne benutzt vor dem Steilstück die gemäßigte Straße über die beiden Dörfer Euloz und Buitonnaz. Man kann aber auch in dem unter den Weinbergen gelegenen Weiler Saxé starten. Auf zwei verschiedenen Varianten resultieren Auffahrten mit je 600 Höhenmetern, die man als absolut krass bezeichnen muss.
Da das Kulturland an den exzellenten Weinlagen dieser Gegend sehr wertvoll ist, wollte man für die Erschließung mit Wirtschaftswegen offensichtlich möglichst wenig Boden hergeben. Das Resultat sind bocksteile Sträßchen, die auf den kürzest möglichen Weg den steilen Hang hochführen. Da es im Sommer in den Weinbergen von Fully öfter mal über 40 °C heiß werden soll, muss für einen erfolgsversprechenden Versuch fast gezwungenermaßen die kühlere Jahreshälfte gewählt werden.
Bei meiner Befahrung im April war die Weiterfahrt wegen Lawinengefahr noch gesperrt. Deshalb ist es sinnvoll, hier das Ende der Auffahrten zu definieren. Bei einem frühen Start oder an einem kühlen Herbsttag wäre es aber bestimmt möglich, nach Randonne und darüber hinaus bis ganz nach oben zum Wandererparkplatz von l’Erié zu fahren. Auf salite.ch wird diese Route gleich hart wie die Rionda bewertet. Somit resultiert mit rund 225 QDH-Punkten eine der härtesten mit dem Rennrad möglichen Auffahrten der Alpen.

Auffahrtsbeschreibung von artie_1970:

Der Weinberg-Wahnsinn beginnt in Saxé, einem Ortsteil von Fully, welches für krasse Anstiege zu Fuß wie mit dem Rad berüchtigt ist. Um zum Startpunkt zu kommen, folgen wir von Fully der Hauptstraße (Route de Martigny / Route de Saillon) entlang des Kanals nach Osten und biegen an einer Bushaltestelle nach links über die Brücke in die Route des Châtainier ab. Diese wird später zur Route de Saxé, auf der wir bis zum modernen, dreieckigen Gebäude der Grundschule von Saxé (linker Hand sind zwei Sportplätze) bleiben.
Und im Angesicht des Grauens, das sich vor uns in den Weinbergen auftürmt, ist spätestens jetzt klar, dass auch wir gleich ein wenig Sport treiben werden. Wem hier die Knie schon weich werden, dreht besser gleich um, denn der direkt einsehbare Teil ist nämlich sogar noch halbwegs manierlich. Und weiche Knie können wir bei dem, was nun folgt, gar nicht gebrauchen.
Ein paar technische Daten: Uns erwartet ab hier auf dem Steilstück eine Durchschnittssteigung von 20 %. Jeder ernsthafte Steilwandfahrer kennt nun solche Stiche, sei es aus den Niederlanden (Keutenberg), dem Berchtesgadener Land (Hirschbichlpass) oder dem Allgäu (Grünten). Meist handelt es sich nur um wenige hundert Meter. Hier im Wallis ist die kleine Rampe allerdings schlappe drei Kilometer lang und legt somit 600 Höhenmeter zurück. Die Kollegen von salite.ch führen daher Buitonnaz als fünftsteilsten Anstieg überhaupt mit einer Schwierigkeitsziffer von 1224. Das Höhenprofil gibt es hier,
Zum Vergleich: L’Alpe d’Huez, ein recht bekannter Brot-und-Butter-Anstieg in den Alpen, um den viel Getöse gemacht wird, bietet lächerliche 913 trotz fast fünffacher Länge. Die quäldich-Härte QDH ergibt sich durch Teilen des salite-Wertes durch 10, also 122,4. Von dieser Sorte Anstiege werden hier im Lexikon gerade mal drei Seiten mit Treffern angezeigt. Alles, was noch steiler ist, ist wesentlich kürzer. Damit ist der Weg durch die Weinberge der steilste Anstieg für seine Länge bzw. der längste Anstieg für seine Steilheit. Diese seltene Eigenschaft haben unter den knapp 13.000 Anstiegen auf salite.ch gerade mal 24. Es handelt sich bei Buitonnaz also um ein absolutes Ausnahmesträßchen. Für Statistikfreunde Grund genug, das Abenteuer anzugehen.
Genug der Zahlen, durch die der Anstieg weder schwieriger noch einfacher wird. Wir wollen uns ja schließlich nicht vor dem Hochfahren drücken. Auch der gute Asphalt bietet uns keine Ausrede.

Die ersten 250 Meter gehen noch schräg am Hang entlang, so dass wir uns etwas einstimmen können. Danach schwenkt die Straße auf Falllinie. Von rechts mündet ein Weg ein, der bergab führt, also falsch ist. Zweite Hangschräge, nach einem Rechtsbogen geht es knapp 300 Meter lang wieder entlang der Falllinie 91 Höhenmeter nach oben, also mit über 30 %.
Das Ende dieses Horrorabschnitts kündigt sich mit ein paar kleinen Kurven an, bevor wir auf 650 m Höhe der Straße scharf nach links folgen und die nächste Hangquerung angehen. Nach einer Rechtskehre folgt die nächste Hangquerung, dann nach einer Linkskehre erneut Falllinie (schließlich sind wir jetzt ja wieder gut erholt). Ein weiterer falscher (weil flacher) Abzweig nach links, wir fahren geradeaus weiter, bevor eine Linkskurve den Schlussteil mit zwei weiteren Rampen und Kehren einläutet.
Wir erreichen nach bisher 2,3 Kilometern an einer T-Kreuzung auf 900 m Höhe die Weichei-Trasse von Fully nach Buitonnaz, die für die gleichen Höhenmeter mehr als doppelt so viel Strecke braucht. Deren Bügelasphalt heben wir uns für die schnelle Abfahrt auf, denn die Weinberge, die wir jetzt hinter uns haben, empfehlen sich dafür definitiv nicht.
An der T-Kreuzung folgen wir also der Straße nach rechts weiter hinauf. Ab jetzt sind wir eigentlich schon auf der Normalroute mit deutlich anderer Landschaft, aber das Steilstück geht noch weiter und verdient eine eigene Beschreibung. Es folgen schnell ein paar Kurven, dann eine Kreuzung, an der wir uns scharf rechts halten und eine immer waldiger werdende, lange Hangquerung, die in Richtung Torrent de l’Echerche wieder auf Falllinie einschwenkt und schluchtartig am Bach entlang bergan führt. Noch vor der Brücke lässt sich Steigung deutlich nach und wir haben je nach Geschmack den flachen Teil der Auffahrt nach L’Erié oder das Ende einer Mörderrampe erreicht.
Bei meiner Befahrung bin ich noch etwas weitergefahren (sagenhaft, wie flach 10 % sich anfühlen können), aber etwa bei Randonne wegen einsetzenden Regens umgedreht, weil ich auf dem eigentlich gut fahrbaren Natursträßchen keine Lust auf eine Schlammschlacht hatte.
Da die Auffahrt vergleichsweise zügig an Höhe gewinnt, gibt es ziemlich früh nette Blicke ins Rhonetal Richtung Martigny mit dem Col de la Forclaz dahinter sowie auf den Kamm zwischen Rhonetal und Val de Bagnes mit dem Col des Planches, Col du Tronc, Col du Lein und Pierre Avoi.
Eine Auffahrtsbeschreibung soll laut hiesiger Richtlinien auch Rastmöglichkeiten erwähnen. Man könnte nun naiv denken, dass man dort anhält, wo der Puls durch die Decke geht. Aber so einfach ist es leider nicht. Daher ein paar Anmerkungen zur Fahrweise:
Selbst für erfahrene Steilwandfahrer mit (sehr) kleinen Gängen ist Buitonnaz eine Herausforderung. Die Gratwanderung zwischen Vorderrad hebt ab und Hinterrad dreht durch ist heikel, erst recht bei verschmutzten Stellen oder leichtem Niesel, wie ich ihn hatte. Dann ist Wiegetritt kaum möglich. Bei trockenem Wetter empfiehlt sich verringerter Reifendruck, um die Traktion zu erhöhen.
Dennoch hilft bei manchen Steilrampen, ähnlich wie bei der Alpe Fuori, nur Durchtanken auf der Sattelspitze mit weit vorgebeugtem Oberkörper bis zur nächsten Kehre. Diese sind meist flacher („nur“ zwischen 15 und 20 %) und bieten sich für Puls-Pausen an. Wer in einem Steilstücken vom Rad muss, hat meiner Meinung nach (zumindest bei verschmutztem oder nassem Asphalt) keine Chance, wieder anzufahren und darf bis zur nächsten Kehre schieben.
Die Wege durch die Weinberge sind so schmal, dass es kaum möglich ist, sich selbst zusätzliche Serpentinen zu legen; allenfalls nach einer Pause ist das möglich. Angefahren wird immer im Sitzen, um sofortiges Durchdrehen zu vermeiden, und zwar leicht schräg zur Straße, so dass ein paar Sekundenbruchteile mehr Zeit bleibt, um den zweiten Fuß auf das Pedal zu bekommen und weiter zu treten (bei solchen Prozenten steht man nach nur einer halben Kurbelumdrehung praktisch sofort). Rennradschuhe sind vermutlich ziemlich untauglich, MTB-Schuhwerk zwar besser, aber der Klickmechanismus stört eher beim Anfahren, als dass er beim Weiterfahren hilft. Das war zumindest meine Erfahrung bei vergangenen Buitonnaz-Besuchen. Diesmal war ich ohne Klickpedale unterwegs.

Fazit: Sehr zu empfehlen für Freunde sehr steiler Rampen. Ein Trainingslager im Allgäu zur Einstimmung ist sicherlich hilfreich. Buitonnaz ist eine echte Horizonterweiterung im Sinne des abgewandelten Tourismus-Slogans des Berchtesgadener Landes: „Alles andere IST flach.“
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