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Foce a Giovo (1674 m) Rifugio Casentini

Auffahrten

Von christoph – Auf dem Papier hatte es perfekt ausgesehen. Da wir die Südaufstiege über San Pellegrino in Alpe und den Passo delle Radici bereits von früheren Besuchen mit dem MTB kannten, schien es logisch, dieses Mal den Einstieg in den Hochapennin über die Foce a Giovo auszuprobieren. Die alten Karten listeten diesen Pass „gestrichelt“, die nagelneue Marco-Polo-Karte hingegen wies den Pass als durchgängig befahrbare Autostraße aus.
Wunderbar, scheinbar hatte sich da straßenbautechnisch was getan.
Um es kurz zu machen, diese Annahme war ein Fehler. Die Fahrt zum Rifugio Casentini ist empfehlenswert und zu 99% autofrei; bevor nochmals jemand auf den Gedanken kommt weiterzu„machen“, von Fahren kann nur bedingt die Rede sein, sollte das Folgende als Warnung verstanden sein. Als Einstieg wählten wir die Straße, die unmittelbar am Übergang von Ghivizzano nach Calavorno das Serchiotal in nördliche Richtung verlässt. Diese Straße ist eine von vier möglichen Varianten, die sich in Tereglio treffen, um von dort weiter zur Foce a Giovo aufzusteigen. Obwohl wir uns am Startpunkt an der SS445 fast auf Meereshöhe befinden, nimmt die Auffahrt sofort „alpine“ Züge an. Schon nach wenigen Metern wird es steil, meist mit 8 bis 12 % windet man sich nach oben. Die Hitze ist erträglich, weil man teilweise wie im Tunnel durch dichten Laubwald fährt, allerdings klebt der Saft der Blätter auf der Straße, so dass man erheblichen zusätzlichen Rollwiderstand erfährt.
Über Lucignana erreicht man nach einer längeren Zwischenabfahrt in eine Schlucht hinein nach 9 km Tereglio und hat nun knapp 600 Hm erarbeitet. Man streift den Ort und rollt kurz hinunter zur Hauptroute zur Foce a Giovo. Da diese auch hier mit einem regulären Straßenschild ausgezeichnet ist, rollt man bester Dinge und völlig ahnungslos weiter.
Nach einem kurzen Anstieg folgt wieder eine Zwischenabfahrt in ein Flusstal, bevor es dann wieder gemächlich mit 6–8 % bergan geht. Die Straße ist für zwei Autos ausreichend breit und in perfektem Ausbauzustand mit seidenglattem Belag. Dieser Zustand ändert sich abrupt 6 km hinter Tereglio. Schlagartig verschlechtert sich der bauliche Zustand der Straße. Sie wird extrem rauh, weist Schlaglöcher auf und man fühlt sich sofort an auf quaeldich.de beschriebenen „Rattenstraßen“ erinnert. Bei weiter verhaltenen Steigungsprozenten um 6–8 % bessert sich der Straßenzustand im Laufe der nächsten Kilometer wieder etwas.
Die Sicht wird freier, und seit Tereglio haben wir kein Fahrzeug mehr gesehen. Laubwald, Zikaden, eine traumhafte Berglandschaft lassen den etwas rauhen Belag unwesentlich erscheinen. Ungefähr 23 km nach dem Abzweig aus dem Serchiotal erreichen wir das Rifugio Casentini auf einer Höhe von 1220 m. Noch ahnen wir nicht, dass nur kurz dahinter die Straße in Schotter übergeht, können nun aber die erstaunten Gesichter der Menschen dort interpretieren, als wir vorbeifahren.
Es folgen noch 7 km auf Erd-, Schotter-, und Wackersteinpiste im Wechsel. Niemals besonders steil, sehr selten im zweistelligen Prozentbereich, aber dennoch äußerst schwer zu fahren. Teilweise ist der Schotter lose, so dass man wie in eine Notbremsrampe einrollt, teilweise sind die Wackersteine gebrochen und weisen scharfe Ränder auf. Unsere ganze Hoffnung konzentriert sich um den Gedanken, die Abfahrt möge besser sein als dieser Aufstieg. Dieser Trail hat definitiv überhaupt nichts mehr mit Rennradfahren zu tun, und nur zwei alte Säcke, die keine Lust haben, den gleichen Weg runterzufahren, den sie hochgekommen sind, kommen auf die abstruse Idee, hier weiterzumachen.
Auf der Passhöhe findet sich weder ein Schild, noch ein Hinweis, dass man oben ist. Einziger Hinweis auf menschliches Leben ist ein Straßenschild, welches die Weiterfahrt ab hier verbietet. Na Bravo, auch wenn wir nie ein Auto gesehen haben, ist die Straße hier hoch völlig offiziell und in keiner Weise beschränkt. Wenn ab nun gesperrt ist, können wir uns auf eine lustige Abfahrt einstellen. In der Tat ist die Abfahrt, je nach MTB-Erfahrung, von mehr oder weniger langen Schiebestrecken unterbrochen. Wieder mal waren wir froh um die 25er Reifen, wieder mal schwören wir uns, nie mehr so einen Quatsch zu machen. Irgendwann erreichen wir die Asphaltstraße zum Lago Santo und dann weiter über die SS12 den Ort Pievepelago. Leider haben wir für diese Aktion zu viel Zeit benötigt, um noch über den Passo delle Forbici zu fahren. Stattdessen treten wir über den Passo delle Radici den Rückzug ins Serchiotal an. Am Abend lecken wir Wunden, trinken Hefe und alles ist wieder gut.

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