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Hörnerbahn (1530 m) Berghaus Schwaben, Bolsterlanger Horn

auch mal nur 15 %

Auffahrten

Von stb72 – Der Anstieg beginnt in Bolsterlang am Abzweig zu den Hörnerbahnen auf ca. 893 m Höhe. Die ersten 500 m legen wir auf breiter Straße schon recht steil bei bis zu 14 % zurück. Um den Ausgangspunkt des Alpweges zu finden, darf man nicht hoch zur Talstation fahren, dieser beginnt etwas rechts von eben jener, wo die zweite Zufahrtsstraße von Kierwang her kommt. Einfach dem Weg bei den Verbotsschildern folgen, wer hier also schneller als 30 km/h fährt, kann mit einem Knöllchen rechnen.
Es geht sofort mit 19 % los, dann wird es flach, es kommt gleich ein Weiderost und man sieht, wie die Straße die Skipisten quert. Diese Querung ist etwa 400 m lang, maximal kurz um die 23 % steil. Schon hier reicht es mir eigentlich, und nur gerade so erreiche ich den Wald, wo es kurz flach wird und man an einem Gatter vom Rad muss (natürlich nur gezwungenermaßen). In der Hoffnung, das schlimmste hinter mir zu haben, geht es dann weiter in den Wald hinein, wo dann aber eine fürchterliche Steilrampe wartet. Die erste Kehre bald im Blick, nimmt die Steigung exponential zu, wahrscheinlich bis an die 30 %, und kurz vor der rettenden Kehre muss ich vom Rad und schiebe bis dorthin. Hier wird es dann kurz „flacher”, und nach ausreichender Verschnaufpause kann man dann wieder aufsteigen, was bei diesen Prozenten auch nicht ganz so einfach ist.
Das folgende Stück noch im Wald ist dann nur unwesentlich flacher, der Puls rast, der Lenker ist schweißnass, und schlangenlinienfahrend erreiche ich grade so den Waldrand für die nächste Pause. Das aufsteigen geht (nach ein paar Meter schieben zum nächsten 18 %-Flachstück) dann gerade so gut, und der Weg steigt weiter wie bisher meist über 20 %, bis (man glaubt es kaum) kurz 20 flachere Meter folgen. Jetzt im offenen Gelände der Skipisten, sind die gelben Kabinen der Hörnerbahn immer im Blick. Was für einen Anblick ich den nach oben gondelnden Touristen biete, mag ich mir gar nicht ausmalen, ist auch egal. Schlimmer ist, dass der schwierigste Teil immer noch nicht ganz vorbei ist, zwar keine 28 % mehr, sind die nächsten zwei Kehren immer noch entsetzlich steil, vor einer besonders üblen Rampe kann man aber am Weiderost sogar kurz „Schwung holen”.
Nach dieser Rampe ist dann das allerschlimmste vorbei, noch eine steile lange Kurve um ein kleines Waldstück herum, und die bewirtschaftete Hütte vor der Mittelstation ist sichtbar. Hier sinkt für 300 m die Steigung dramatisch auch mal unter 15 % – herrlich. Noch eine giftige kurze dreckige Kehre beim Kuhstall und endlich ist die Mittelstation erreicht (Flachstück).
Völlig erschöpft trinke ich nun die (gefühlt) beste Apfelschorle meines Lebens und frage mal beim Betreiber der kulinarischen Stätte vorsichtig nach, wie der Weg denn so weitergeht (man sieht ja die nächste Rampe schon): „das kurze Stück ist noch steil, dann wird's normal zum Berghaus Schwaben” lautete der O-Ton des freundlichen beleibten Herrn, und „manche fahren ja sogar aufs Fellhorn” ergänzt die Dame des Hauses – dass ich dort wesentlich weniger Probleme hatte, fällt mir leider in meinem momentanen Zustand nicht als Antwort ein – vielleicht hat er ja auch das Nebelhorn oder MTB-Kollegen gemeint.
Etwas ausgeruht und mit dieser Aussage im Hintergrund wage ich mich dann doch noch weiter und gebe an der 20 %-Rampe bis zum Abzweig „Hörnerhaus” noch mal alles – gleich wird's ja eben. Leider wieder dumm gelaufen, das „kurze Stück” entpuppt sich dann als über 1 km und ist bei durchschnittlich immer noch über 15 % aber tatsächlich etwas einfacher. Drei giftige Rampen jenseits der 20 % verbunden mit dem schlechten Splittbelag ab der Mittelstation kosten aber erneut mächtig Körner, und die letzten Meter muss ich dann bei durchdrehendem Hinterrad doch noch mal vom Rad und erreiche den höchsten Punkt per pedes.
Oben dann ein wirklich tolles Panorama und die Möglichkeit, noch zum hinten im Talkessel liegenden Berghaus Schwaben weiterzufahren (zunächst als Abfahrt und dann als harte Rampe). Nach kleiner Pause verzichte ich auf den Abstecher und fahre wieder ab, die zwei steilsten Splittpassagen oben jedoch lieber zu Fuß. Die Abfahrt ist natürlich ein Bild des Jammers, und die Bremse bleibt permanent gedrückt, aber die Erfahrung war es vielleicht doch wert – einige meiner schwersten Meter auf dem Rad, deswegen auch der etwas pathetische Bericht.

Als Fazit bleibt der feste Vorsatz, den Anstieg frisch ausgeruht irgendwann noch einmal zu versuchen und dann besser (und mit etwas weniger Verschnaufpausen) nach oben zu kommen – und die positive Erfahrung, mich recht schnell wieder erholt zu haben, so dass dies nicht der letzte Anstieg des Tages bleiben sollte. Ich freue mich schon auf den ersten Forumseintrag etwas souveränerer Bezwinger dieses Wegs, dass das alles ja nur halb so wild ist – mir hat's mehr als gereicht, der sechste Stern wird dann aber gerne wieder zurückgenommen.

Gemäß dem Rechenprogramm von salite.ch beträt die Schwierigkeit übrigens 185, also mehr als beispielsweise das Stilfser Joch, na wenn das nicht mal ein Anreiz ist.
9 Befahrungen Befahrung eintragen
Schnellste Zeit
00:29:05 | 10.06.2010
Berg_Bastard
Mittlere Zeit
Dolce Vita
00:45:00 | 30.07.2017
Stueffler
Von stb72 – Wer es tatsächlich bis oben geschafft hat, der kann als Nachtisch noch die Weiterfahrt zum Berghaus Schwaben in Angriff nehmen.
Zunächst rollt man äußerst aussichtsreich locker 800 m bergab. Dann wird es kurz deutlich steiler bis zur ein wenig abseits liegenden Hintereckalpe, und man sieht das Berghaus Schwaben schon oben thronen. Leider sieht man auch die böse Rampe, die bis oben führt. Die 74 Hm sind zwar im Vergleich zum voran gegangenen Anstieg lächerlich, tun aber auf 400 m Länge bei selbstverständlich oft jenseits der 20 %-Marke richtig weh. Allerdings darf man sich dann oben auf eine ausreichende Verköstigung mit Allgäupanorama freuen.

Wer danach das ganze Elend nicht wieder zurück ins Tal möchte, der hat noch eine Option offen. Vom Berghaus Schwaben führt ein geschotterter fast ebener Kilometer noch das restliche Stück hinüber ins Bolgental, wo man wieder auf Asphalt trifft. Hier muss man mit dem Renner das ein- oder andere Mal aus Wurzelgründen kurz absteigen, der Weg ist aber unproblematisch. Und unproblematischer, und zwar deutlich, ist auch die Abfahrt durch dieses Tal, welche zwar auch knackig steil ist, aber zumindest im Mittelteil kein permanentes Bremsen erfordert ... und (beinahe) überhängend ist sie auch nicht.

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