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Corona-Pandemie und die quäldich-Reisen: Es geht wieder los!

Prato Maslino (1600 m) Rifugio Marinella

Das sind die Häuser, die leider nicht Prato Maslino sind.

Auffahrten

Von AP – In der Nähe des Bahnhofs von Berbenno biege ich von der Strada Statale 38 ab in Richtung Ortsmitte und bin direkt im Anstieg, der mich mit einer 10 %-Rampe empfängt. Gut, vielleicht ist bei dieser Art von Auffahrt „Rampe” nicht der passende Ausdruck für ein Wegstück mit 10 % Steigung. Nenne ich es also einfach Warmmacher.
Nach etwa einem Kilometer Warmmacher durchfahre ich das Zentrum von Berbenno, in dem die Straße gepflastert ist und die Steigung etwas zurückgeht. Das nächste Dorf, Regoledo, schließt sich direkt an. Von hier aus sehe ich das Valtellina unter mir, aber wirklich viel zu sehen gibt es eigentlich nicht. Die ersten Meter durch Regoledo sind die flachsten der ganzen Auffahrt. In diesem Ort passiere ich auch ein paar Serpentinen (ich meine, vor Berbenno sei auch eine gewesen), von denen später noch eine ganze Menge folgt. Insgesamt dürften es über 40 Stück bis oben hin sein.
Nach etwa zwei Kilometern zieht die Steigung wieder an, und so langsam lasse ich Regoledo in Richtung Monastero hinter mir. Vor Kilometer 3 gelange ich dann an eine Kreuzung, an der nach rechts Prato Maslino ausgeschildert ist, und es in den Wald hinein geht. Kurz dahinter gibt es auch links eine Quelle am Wegrand. Bald wird es zum ersten Mal richtig steil mit etwa 15 % Steigung, das aber nur für kurze Zeit.
Der harte Teil der Auffahrt beginnt vor Kilometer 4. Die Straße zieht brutal an. Ich klettere im Schneckentempo über zahlreiche Serpentinen immer höher. Ich kann es nicht anders als klettern nennen, denn die Steigung beträgt bisweilen an die 20 %. Erleichterung bringen die Serpentinen, weil sie etwas flacher sind. Bei Kilometer 6,5 öffnet sich der Wald auch etwas, hier liegt ein Hof namens Pra Balzar. Um Kilometer 7 herum geht die Steigung etwas zurück, und nach rechts biegt ein Sträßchen in den Wald hoch. Ich fahre aber weiter geradeaus nach Westen an einem Trupp von Waldarbeitern vorbei, die mich anfeuern. Sehr nett von den Leuten, das ist mir eigentlich noch nie passiert.
Fünfhundert Meter später öffnet sich der Wald wieder, und ein Weiler namens Maggenghi di Foppa taucht auf. Klein, aber mit einer Kapelle ausgestattet. Leider auch mit einem Stück Natursteinstraße. Ich halte an. Man kann mich ja jetzt ein Weichei nennen, aber über dieses Stück schiebe ich mein Fahrrad. Zu meiner Ehrenrettung möchte ich sagen, daß der Weg dort so holprig ist, daß ich auch später bei der Abfahrt absteige. Lieber zu Fuß gehen als sich ein neues Fahrrad kaufen zu müssen!
Am Ende dieses Stücks lauert ein alter Mann, der sich freut wie ein Schneekönig, als er mich da langschieben sieht. Er erzählt mir, daß das Rifugio noch etwa 5 Kilometer entfernt sei, la strada tutta asfaltata. Leider werde ich später feststellen, daß er damit geflunkert hat.
Dann wird es wieder steil. Ich brauche zunächst ein bißchen, um eine Art Rhythmus zu finden. Der Straßenbelag ist von nun an über weite Strecken ziemlich kaputt. Bei Kilometer 8,5 gibt dann ein kleines Gefälle, was ich gar nicht lustig finde, denn ich habe im Hinterkopf, daß ich laut der Höhenprofile im Internet jetzt bei einem Steigungsschnitt von 13 % pro Kilometer sein müßte. Und das mit Flachstück!
Die nächsten 1,5 Kilometer sind dann heftig. Über mehrere Abschnitte mit 20 % Steigung wackele ich durch einen düsteren Nadelwald nach oben. Die Serpentinen sind nun auch nicht mehr flach. Und zu allem Überfluss fängt es an zu nieseln. Mit Fahrradfahren hat das nicht mehr richtig viel zu tun, es ist mehr eine einzige Rutscherei, immer knapp am Umfallen vorbei.
Vor Kilometer 11 wird es etwas flacher. Das Schlimmste sollte damit überstanden sein, denn der letzte Kilometer müsste nur noch einen Steigungsschnitt von etwa 11 % haben. Der Wald öffnet sich und eine Gruppe von Häusern taucht auf. Hinter den Häusern geht es über eine Serpentine wieder in den Wald und dann – verwandelt sich die Straße in einen Waldweg. Ich schiebe ein Stück, weil ich denke, daß der Teer möglicherweise irgendwo wieder anfängt. Zwei Autos fahren an mir vorbei. Irgendetwas scheint also da drüber noch zu sein. Ich drehe um und stehe ein wenig ratlos vor den Häusern.
Möglicherweise ist das hier nun Prato Maslino. Leider gibt es keinen, den ich fragen könnte, und ein Schild ist auch nicht aufgestellt. So holpere ich letzten Endes wieder zurück nach Berbenno, in der Hoffnung, in Prato Maslino gewesen zu sein.

Anmerkung: Nach über einem Jahr intensiver Recherche habe ich festgestellt, daß die Gruppe von Häusern, hinter welcher der Asphalt auf etwa 1500 m Höhe endet, nicht Prato Maslino ist, sondern Faedo heißt. Prato Maslino liegt tatsächlich dem Waldweg folgend noch etwa einen Kilometer und 100 Höhenmeter darüber.....somit ist mein Leben um eine unerfüllte Hoffnung mehr bereichert.

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