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Regionsbeschreibung

Von Droopy – Die Abruzzen sind eine Region in Zentralitalien. Sie grenzt im Norden an die Region Marken, im Westen an die Region Latium, im Süden an die Region Molise und im Osten an die Adria. Aus historischen Gründen gilt sie als die nördlichste Region Süditaliens und des Mezzogiorno, ist gleichwohl aber wirtschaftlich stärker als diese Landesteile. Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gehörte die Region zum Herrschaftsgebiet Siziliens und später Neapels und war wirtschaftlich und kulturell an die Regionen Unteritaliens angebunden.

Für Radfahrer besonders von Interesse: Die Abruzzen vereinigen die drei geographischen Aspekte Italiens: Küste, Hügelland und Berge auf kleiner Fläche. Wobei zwei Drittel durch den Apennin geprägt sind, der im Gebirgsmassiv Gran Sasso d’Italia bis auf fast 3000 Meter aufschwingt. Der Corno Grande stellt mit 2912 Metern hierbei die höchste Erhebung des kontinentalen Italiens südlich der Alpen dar.

Im Eigenmarketing bezeichnet sich die Region häufig als das grüne Herz Italien, was wirklich treffend ist, gibt es doch vier größere Natur- bzw. Nationalparke. Im Norden der Hauptstadt L’Aquila erstreckt sich der sehr große Gran-Sasso-Nationalpark, südlich davon lockt mit unberührter Natur der Regionalpark Sirente-Velino. Etwas weiter südwestlich im Landesinneren lockt dazu der Nationalpark Abruzzo, Lazio e Molise sowie das grandiose Gebirgsmassiv der Majella in Adrianähe bei Pescara. Die an diesen Stellen oftmals unberührte Natur ist bekannt für ihre Artenvielfalt. Besondere Aushängeschilder sind aber der Appeninwolf, der marsische Braunbär und die Gämse, die es hier auf eine größere zusammenhängende Population bringen. Wer im Sattel als Pässefahrer unterwegs ist, hat somit die Qual der Wahl.

Wo also anfangen? An dieser Stelle daher nur die Highlights, die unbedingt auf einer Besuchsliste stehen sollten. Da wäre ganz vorn sicherlich das Hochplateau Campo Imperatore. Ein einzigartiges Hochtal, das mehr an Landschaften der inneren Mongolei erinnert und deswegen „Klein-Tibet” genannt wird. Der Campo Imperatore ist knapp 30 km lang und etwa 8 Kilometer breit. Oder der Passo San Leonardo ausgehend von Pacentro, ein echter Leckerbissen für Serpentinenfans in einer gewaltigen Naturkulisse und dazu auf für Autoverkehr gesperrter Straße. Dritter Tipp: Der Passo Godi ausgehend von Anversa degli Abruzzi, ein sehr langer Anstieg mit vielen unterschiedlichen Landschaftseindrücken.

Das besondere Markenzeichen der meisten Anstiege sind ihre milden Steigungsprozente. Das Revier eignet sich daher auch für etwas kräftigere Bergfexe und wird Rouleuren besonders gut gefallen. Aus radsportlicher Sicht ist als „Must have” ebenfalls der Campo Imperatore zu nennen – ein historischer „Salita Marco Pantani”. Auf dessen „Rückseite”, die mit vielen Spitzen und spektakulären, steil aufsteigenden Kalksteinwände dem Gran Sasso-Massiv einen hochalpinen Aspekt verleihen, wartet mit dem Anstieg zum Skigebiet Prati di Tivo eine häufig gewählte schwere Bergankunft. Diese ist in den letzten Jahren häufig die Königsetappe der Fernfahrt Tirreno–Adriatico. Und last but not least ist da noch der mit rund 2000 Metern Höhendifferenz und knackigen Prozenten schwerste Brocken der Region sowie eine Legende des Giro: das Blockhaus.

Auf der anderen Seite sollten Besucher in den Abruzzen nicht ganz so viel touristische Infrastruktur erwarten. Das meiste spielt sich sicherlich an den Stränden der Adria ab. Abseits davon ist die Region dünn besiedelt und meistens sehr ruhig, für Pedalverkehr also ideal. Nur vor zu viel Einsamkeit sollte man sich nicht scheuen, in den Nationalparken oder abseits der Hauptrouten begegnet man häufig weder Mensch noch Maschine. Dafür ist die Straßenqualität meistens gut und stellt kein Problem dar. Eher Begegnungen mit dem ein oder anderen frei laufenden Hund, was für Nordeuropäer etwas ungewohnt sein kann. Auch die Küche kann deftiger als erwartet ausfallen, Arrosticini – gegrillte Fleischspieße vom Schaf – sollte man aber unbedingt probieren. Alle 32 Pässe der Region ansehen