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Regionsbeschreibung Island

Von flatsucks

Episch. So lässt sich Islands Natur mit seinen atemberaubenden Vulkanen, Gletschern und Geysiren in einem Wort zusammenfassen. Unübertroffen sind aber auch die ständigen Wetterwechsel inklusive Sturm, Starkregen und Sommerschnee, auf die man als Radfahrer vorbereitet sein muss. Die grandiose Landschaft entschädigt aber für alles.

Bei Mehrtagestouren mit dem Rad gilt es für jeden, der ohne eigenes Zelt unterwegs ist, seine Unterkünfte und folglich sein Tagespensum gut zu planen. Vor allem im Norden, in den Westfjorden sowie im Hochland sind diese rar gesät.

Zur Vorbereitung einer Radtour in Island sowie auf Tour sollte man folgende Internetseiten kennen:

(1)    cyclingisland.is

Fortlaufend aktualisierte Fahrradkarte des gesamten Straßennetz Islands, auf der neben der Beschaffenheit, sowohl Steigungen als auch die durchschnittliche Verkehrsdichte kartographiert sind. Hier wird schnell offensichtlich, welche Regionen mit dem Rennrad bereist werden können, wo ein Gravel-Bike ausreicht und auf welchen F-Roads (abgeleitet vom isländischen Fjalla/Berg) ohne MTB eine Tour schnell zur Tortur wird. Doch mehr dazu in der Beschreibung der Regionen.

(2)    umferdin.is

Tagesaktuelle Informationen zum Straßennetz bereitgestellt von der Icelandic Road and Coastal Administration. Insbesondere Radfahrer im Hochland wissen diese Seite zu schätzen, denn sie übermittelt Sperrungen und Einschränkungen verursacht durch Schneefall und -schmelze sowie nach größeren Unwettern. Aber auch auf der Ringstraße kann es kilometerlange Baustellen (mit Einschränkungen fürs Rennrad) sowie Sperrungen rund um Wetterkapriolen und vulkanischen Aktivitäten geben.

(3)    vedur.is

Das Wetter.

Island umfasst neben der Hauptstadt Reykjavik sechs Regionen. Die Kurzbeschreibung fokussiert ausschließlich auf das Straßennetz und ersetzt keinen Reiseführer.

(1)    Reykjanes

Die gesamte Halbinsel ist mit Ausnahme der Hauptstraße (41) vom internationalen Flughafen Keflavik nach Reykjavik wenig frequentiert. Die Kluft zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatten ganz im Südwesten, die Blauen Lagune sowie mehrere Lavafelder im Süden können mit dem Rennrad hervorragend erkundet werden. Lediglich für die nicht asphaltierten Verbindungswege (z.B. 417, 428) benötigt es zumindest ein Gravel-Bike.

(2)    Der Süden

Auf der Ringstraße (1) staut sich in den Sommermonaten oft Stoßstange an Stoßstange, wobei es vielerorts keine Alternativrouten gibt. Immerhin ist sie wie auch die meisten Abstecher zur Küste bestens asphaltiert. Auch der Goldene Zirkel über Þingvellir, den Geysiren zum Wasserfall Gulfoss sind mit dem Rennrad perfekt fahrbar, auch wenn die letzten Meter zum Gulfoss auf feinem Schotter verlaufen. Die Richtung Norden abzweigenden Kjöllur (35) und Kaldidalur (550) gehören zu den beeindruckendsten Hochlandrouten, die mit dem Gravel fahrbar sind und nahe an die Gletscherkappen Langjökull und Hofsjökull heranführen. Die weiter östlich startende Sprengisandur (F26) erfordert ein wesentlich breiteres MTB-Profil. Nach Landmannalauger sind die Anfahrten vom Westen (26, F225, F208) mit dem Gravel machbar, alle weiterführenden Hochlandstrecken zwischen Mýrdalsjökull und Vatnajökull sind wesentlich anspruchsvoller und auch mit dem MTB abschnittsweise eine wahre Herausforderung.  

(3)    Der Osten

Östlich des Vatnajökull ist die Landschaft durch steile Fjorde sowie kleinere Wälder geprägt. Mit dem Rennrad sind nur die Ringstraße, die Abstecher nach Norðfjörður (92, durch den Tunnel), Seyðisfjörður (93) und Vopnafjörður (85) sowie am Snæfell vorbei bis zum Stausee Hálslón (910) möglich. Von dort geht es zur Askja (910) und hoch zum Gletscherrand des Vatnajökull (902) auf extrem anspruchsvollen Pisten nur mit dem MTB weiter. Die Routen vom Snæfell nordwärts über die F923, 907 und 901 sind Gravel-Bike tauglich; ebenso die in den Ostfjorden gelegenen Pässe Öxi (939) und Oddsskarð (ohne Nr.) nach Norðfjörður sowie der Übergang F936.

(4)    Der Norden

Neben der Ringstrasse können sämtliche Küstenstrassen über Þórshöfn, Husavik und Siglufjörður mit dem Rennrad gemacht werden. Die Querung von Tröllaskagi auf der 805 macht nur mit dem MTB Spaß, ebenso wie die 864 östlich des Wasserfalls Dettifoss. Nahe Grímsstaðir startet die F88 südwärts durch die Mondlandschaft Ódáðahraun, am Herðubreið vorbei und mündet in der Gæsavatnaleið F910, die wiederum südlich an der Caldera Askja vorbei Richtung Sprengisandur führt. Diese Nord-Süd Querung ist die vielleicht grösste Herausforderung mit dem MTB auf Island. Die Pisten auf den Halbinseln Fjörður, Skagi und Vatnsnes und ebenso zwischen der Ringstraße und dem Langjökull kennt der Autor nicht, sie sind aber in jedem Fall leichter. 


(5)    Der Westen

Die Umrundung der Halbinsel Snæfellsnes ist entlang der Küstenstraße mit dem Rennrad gut möglich, auch wenn östlich von Stykkishólmur die Straße noch nicht asphaltiert ist. Die F575 und 570 hoch zum Snæfellsjökull empfiehlt der Autor mit dem MTB, lediglich nach langer Trockenheit mag die 570 auch mit dem Gravel-Bike und dann weniger Auswaschungen der Piste machbar sein.

(6)    Die Westfjorde

Das Highlight zum Schluss. Große Abschnitte des Westfjord Ways über Hólmavik, Patreksfjörður und Ísafjörður sind gut asphaltiert (60, 61, 68). Die fehlenden Passagen können aber nur mit dem Gravel-Bike in Angriff genommen werden, ebenso die etwas anspruchsvolleren Abstecher zu den Klippen von Látrabjarg (512) und dem Sandstrand Rauðisandur (614). Unbedingt einplanen sollte jeder, der in den Westfjorden auf Tour ist, die Route Svalvogaleið mit der F622 und einem kurzen, in die Klippen geschürften und den Gezeiten ausgesetzten Streckenabschnitt. Auch wenn hier wohl jeder sein Gravel-Bike für mehrere Hundert Meter schieben muss, sollte man diese Passage nicht verpassen. Der Tunnel Vestfjarðagöng südlich von Ísafjörður mit seinem Abzweig nach Suðureiri ist 7 km lang; Fahrradfahren ist zwar erlaubt, der Autor hat aber nach weniger als 5 Minuten eine MFG gefunden. Der alternative Passübergang Breiðadalsheiði ist nur mit dem MTB komplett fahrbar.

Anmerkung: der Autor war in Island ca. 4.000km mit dem MTB unterwegs und fast ebenso viele Kilometer mit dem 4WD. Die Ringstraße hat er weitestgehend vermieden, kennt dafür vermutlich mehr als die Hälfte aller F-Roads und Nebenstraßen.

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