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Regionsbeschreibung Karnische Alpen

Von Jan

Lage

Die Karnischen Alpen sind eine Teilregion der Alpen, die sich östlich des Passo Monte Croce di Comelico und dem Piavetal an die Dolomiten anschließen. Nach Osten sind sie durch das Kanaltal von den Julischen Alpen und den Karawanken getrennt. Nördlich bilden der Kartitscher Sattel sowie die Gail die Grenze zu den Gailtaler Alpen, im Süden bildet der Passo San Osvaldo die Grenze zu den Venezianischen Voralpen. Die liegen hauptsächlich in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien, ferner in Kärnten sowie in Venetien.

Abgrenzung im Vergleich zur SOIUSA: Wie in der Regionsbeschreibung der Alpen erläutert, orientieren wir uns bei quäldich bzgl. der Alpeneinteilung an der SOIUSA (Suddivisione Orografica Internazionale Unificata del Sistema Alpino). Nur in Deutschland und Österreich bedienen wir uns an der feineren AVE (Alpenvereinseinteilung der Ostalpen). So kommt es, dass wir auf quäldich die Gailtaler Alpen separat aufführen, die laut SOIUSA zu den Karnischen Alpen gehören.

Landschaftscharakteristik

Die Pässe der Karnischen Alpen führen längst nicht so hoch wie in den benachbarten Dolomiten. Dennoch können beachtliche Höhenmeter zusammen kommen, wie etwa an der Sella di Razzo, die, über das Sauris angefahren, wohl auch landschaftlich den herausragenden Anstieg darstellt. An wenigen anderen Stellen führen die Straßen so hoch durch die ansonsten bewaldeten Täler, und nur an wenigen weiteren Stellen erreicht man so weite und offene Almen wie die Malga di Razzo an der Passhöhe oder die Almen des Sauris, wo sich über eine jahrhundertelange Isolation noch bis heute eine zimbrische Sprachinsel erhalten hat. Der Hochgebirgscharakter zeigt sich vornehmlich in den Kalksteinmassiven, die über den bewaldeten Hängen thronen. Der höchste Gipfel ist die Hohe Warte/ italienisch Coglians (2780 m) im Karnischen Hauptkamm, der die Grenze Italien/Österreich bildet. Ihm kommt man an der Panoramica delle Vette / Monte Crostis nah, die allerdings nicht wirklich rennradtauglich ist.

Namensherkunft

Der Name rührt vom Volksstamm der Karnier, der in der Region lebte und um die Zeitenwende von den Römern besiegt und assimiliert wurden. In Österreich hat der Begriff noch heute eine administrative Bedeutung: das Bundesland Kärnten hat die gleichen begrifflichen Wurzeln. In Italien hingegen war Karnien zuletzt während des zweiten Weltkriegs administrativ präsent: in der ebenso stolzen wie tragisch-kurzen Partisanenrepublik Karnien, mit der sich karnische Partisanen gegen den Faschismus stellten. Hauptstadt der Republik war Ampezzo, Talort der ins Sauris führenden Lumieischlucht.

Im Sprachgebrauch aber ist Karnien als Carnia in Italien ein wichtiger Teil der Identität und spiegelt sich in Brauchtum und Kulinarik wieder ("karnische Spezialitäten").

Karnien, wie es heute in Italien verwendet wird

Als Carnia werden heute in Italien die Einzugsbereiche der Flüsse links des Tagliamento stromaufwärts von Tolmezzo bezeichnet, die Einzugsbereiche also von Lumiei, Degano und Bût mit all ihren beidseitigen Zuflüssen. Die wichtigsten sind die Pesarina, die Flüsse des Valcalda und der Chiarson. Dieser Einzugsbereich kann man als Karnische Kernregion verstehen, in der sich auch heute noch die dort lebenden Menschen zueinander zugehörig fühlen (es ist eine Identitätsregion wie das Allgäu oder der Bregenzerwald). Zu all diesen Flüssen gehören die folgenden tälerverbindenden Pässe:

  • Die Sella di Razzo verbindet das Val Pesarina mit dem Val Lumiei, wo sich in Sauris eine mittelhochdeutsche Mundart, die Zahrer Sprache erhalten hat.
  • Die Sella Valcalda: interessanterweise erstreckt sich das Valcalda östlich und westlich der Passhöhe, die beidseits herabfließenden Flüsse aber tragen unterschiedliche Namen. Der Sella Valcalda verbindet so das Val Degano (auch Canale di Gorto genannt) mit dem Val Bût. Das Valcalda, der Degano und der Bût umfließen gemeinsam den radfahrerisch berühmten Monte Zoncolan. Ravascletto, knapp westlich unterhalb des Sella Valcalda, ist der Hauptskiort der Skiregion Zoncolan mit der hinaufführenden Seilbahn.
  • Die Forcella di Lius verbindet das Val Bût mit dem Val Chiarsò (auch Canale d'incaroio genannt). Von dessen Westseite öffnet sich ein ikonischer Blick nach Westen auf den Monte Zoncolan und die nördlich davon liegende Sella Valcalda.

Aus dieser Kernregion Karniens führen weiters die folgenden Pässe hinaus:

  • die Sella Ciampigotto führt als westliche Verlängerung des Val Pesarina ins Cadore
  • die Cima Sappada führt als westliche Verlängerung des Val Degano nach Sappada und ebenfalls ins Cadore
  • der Plöckenpass bildet den Talschluss des Val Bût und quert den Karnischen Hauptkamm in Richtung Österreich.
  • der Passo del Cason di Lanza führt unterhalb des Karnischen Hauptkamms nach Osten aus Carnia hinaus nach Pontebba im Kanaltal.

Die südliche Begrenzung dieser Kernregion Karniens bildet der Tagliamento, der unterhalb vom Passo della Mauria entspringt.

Die quäldich-Region Karnische Alpen leitet sich nach Westen, Norden und Osten aus dieser kulturell geprägten Kernregion ab, indem man sie anhand der daran anschließenden Gebirgsmassive über die Wasserscheiden hinweg fortsetzt (zur Piave im Osten, Gail im Norden, Kanaltal im Osten). Südlich des Tagliamento folgen wir der SOIUSA und schlagen das gesamte Bergmassiv südlich des Tagliamento noch mit dazu, auch wenn es östlich des Naturparks Friulanische Dolomiten sicher keinen Hochgebirgscharakter mehr aufweist (Colline Carniche, in etwa: Karnisches Hügelland).

Karnischer Hauptkamm

Der Karnische Hauptkamm führt vom Passo Monte Croce di Comelico im Westen der österreichisch-italienischen Grenze entlang bis zum Kanaltal, wo jenseits der Gailitz der Karawanken-Kamm beginnt. Die einzigen Übergänge über den Karnischen Hauptkamm sind der Plöckenpass und der Nassfeldpass.

Verkehr

Die Karnischen Alpen gehören zu den entlegensten Alpenregionen. Wesentlicher Verkehr ist nur in den Haupttälern Val Degano (Hauptverkehrsachse über die Cima Sappada), im Val Bût (Grenzverkehr zu Österreich über den Plöckenpass) und entlang der Mauria-Passstraße zu erwarten. Alle anderen Straßen sind äußerst verkehrsarm. Hervorzuheben sind die beiden monumentalen, sehr abgelegenen Übergänge Sella Ciampigotto und Sella di Razzo. Auch am einzigen Vertreter von Weltruhm, dem Monte Zoncolan, seines Zeichens Scharfrichter des Giro d'Italia, ist aufgrund der hohen Steigungswerte und schmaler Straßen kaum Verkehr zu erwarten.

Alle 37 Pässe der Region ansehen

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Zum Beispiel Monumente der Ostalpen vom 17.-24.08.2024