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Wir freuen uns auf eine normalisierte Rennradreise-Saison 2022! Sie ist möglich dank euch!

Regionsbeschreibung Provence

Von majortom

Die Provence ist eine Landschaft in Südfrankreich, zu der vermutlich jeder seine eigenen Assoziationen hat. Viele davon dürften jedoch dieselben sein: lila blühende Lavendelfelder, duftende ausgedörrte Garrigue unter südlicher Sonne, der alles überragende Mont Ventoux, ein Glas rosé auf der Terrasse eines provenzalischen Landhauses, windschiefe Zypressen, Olivenhaine, Cafés auf dem Dorfplatz unter Platanen, felsige Landschaften und Schluchten, mondäne und pseudomondäne Badeorte an der Côte d'Azur. Vieles davon ist Klischee. Fakt ist jedoch: Die Provence zählt wohl du den beliebtesten Urlaubsregionen Frankreichs, und ist - egal ob in den provenzalischen Hochalpen, im Rhonetal, in den Gebirgen entlang der Küste oder den Schluchten der Voralpen - ein tolles Rennradrevier. Mit einsamen Landstraßen, einer hohen Passdichte und schönen Landschaften.

Provence - wo ist das?

Das Problem dabei, eine Region Provence im Pässelexikon von quäldich zu definieren, ist, dass die Region nur schwammige Grenzen hat, und es letzten Endes Definitions- oder Auslegungssache ist, wo man die Grenzen zieht. Nähert man sich aus historischer Perspektive, landet man erstmal im Mittelalter im 12. Jahrhundert bei der Grafschaft bzw. Markgrafschaft Provence, die allerdings größere Ausdehnungen nach Norden hatte, als man es heute der Provence zurechnen würde. Im 14. Jahrhundert war die Grafschaft Provence dann auf große Teile der heutigen Verwaltungsregion Provence-Alpes-Côte-d'Azur geschrumpft, was dem heutigen Verständnis der Provence schon näher kommt. Damit würden die Départements Bouches-du-Rhone, Var und Alpes-de-Haute-Provence komplett zur Provence gehören, dazu käme noch der Ostteil des Départements Vaucluse sowie der Bereich westlich des Var im Département Alpes-Maritimes. Das Département Hautes-Alpes wird hingegen zur Dauphiné gezählt, obwohl es auch Bestandteil von Provence-Alpes-Côte d'Azur ist. Wir machen es uns ein wenig einfacher und zählen auch das ehemalige Comtat Venaissin (das vom Papst in Avignon regierte Gebiet) sowie die Grafschaft Orange zur Provence, also das komplette Département Vaucluse. Die ehemalige Grafschaft Nizza hingegen (also den östlichen und nördlichen Teil der Alpes-Maritimes), lange unter Savoyardischer und anschließend italienischer Herrschaft, sehen wir als separates Territorium, das sich größtenteils mit den Seealpen überschneidet. Somit kommen wir auf eine Region Provence, die im Süden vom Mittelmeer, im Westen von der Rhone, im Osten vom Var und im Norden grob von der Durance begrenzt wird.

Die sogenannte Drome Provencale, also der südliche Teil des Départements Drome, unmittelbar nördlich des Mont Ventoux gelegen, zählen wir trotz der Bezeichnung nicht zur Region Provence, obwohl Landschaftsbild und Kultur natürlich nicht von der „echten“ Provence zu unterscheiden sind, und auch die provenzalische Sprache verbreitet ist. Die Drome gehört historisch gesehen jedoch zur Dauphiné. Sie gehört aber unserer Definition nach zu den Westlichen Provenzalischen Alpen, womit hoffentlich der Gerechtigkeit genüge getan ist.

Provenzalische Alpen

Stichwort Provenzalische Alpen: Wir unterteilen diese Alpen-Unterregion nach der SOIUSA in Westliche Provenzalische Alpen, Hochprovence-Alpen und Südliche Provenzalische Alpen. Es gehören jedoch auch Teile der Cottischen Alpen dazu, nämlich das Ubaye-Tal vom Lac de Serre-Ponçon über Barcelonnette bis zum Col de Vars bzw. dem Col de Larche. Von den hohen Alpenpässen liegen somit die Nordrampen von Col de la Bonette und Col de la Cayolle sowie der komplette Col d'Allos in der Provence. Gefühlt "provenzalischer" sind aber natürlich die Voralpen: das Plateau de Vaucluse mit dem Mont Ventoux, die einsamen Pässe rund um Sisteron, die Gegend rund um die Verdon-Schlucht (mit Route des Cretes) oder die unbekannten Schluchten in den südlichen Provenzalischen Alpen.

Côte d'Azur und Chaînes Provençales

Natürlich ist die Provence aber nicht gleichbedeutend mit den Provenzalischen Alpen. Entlang der Côte d'Azur ziehen sich die Chaînes Provençales genannten Mittelgebirge, die geologisch übrigens eher mit den Pyrenäen verwandt sind. Hier macht vor allem der Kontrast zwischen dem tiefblauen Meer und den teils dicht bewaldeten Gebirgszügen den Reiz aus. Das hügelige Gebiet zwischen Alpen und der Côte d'Azur bezeichnen wir als Pays de l'Argens. Im Südwesten liegt die sogenannte Basse-Provence, bestehend aus der Camargue und dem Rhonetal, rund um die Städte Arles, Aix-en-Provence, Avignon und Orange. Der Gebirgszug der Alpilles erhebt sich sozusagen als letzter Ausläufer des Gebirges aus der Ebene.

Rennrad-Ziele in der Provence

Die Provence ist also geographisch eine sehr heterogene Region, die von der auf Meereshöhe liegenden Camargue bis in die Hochalpen des Mercantour reicht, wo die südlichsten Dreitausender der Alpen liegen. Es ist daher sehr schwer, generelle Empfehlungen zum Rennradfahren in der Provence abzugeben. Während man beispielsweise im Comtat Venaissin östlich von Avignon oder an der Côte d'Azur praktisch ganzjährig Rennradfahren kann und vom milden Mikroklima profitiert, sind die hohen Alpenpässe oft noch mit Ende Mai gesperrt. Der Mont Ventoux, der „Gigant der Provence“ und das wohl bedeutendste provenzalische Rennrad-Monument, ist von Süden etwa ab Mitte April befahrbar, am Mitte Mai auch die Nordseite. Wir verweisen daher auf die jeweiligen Regionenbeschreibungen, die wir oben im Text verlinkt haben. Einige Argumente, warum man seinen Rennradurlaub in der Provence verbringen sollte, listen wir jedoch auch hier auf.

  • Der Mont Ventoux ist ein Must-have-Monument. Nicht nur aufgrund seiner Tour-de-France-Historie, sondern auch weil der exponierte Berg schon seit jeher eine große Faszination auf alle ausübt, die in seine Nähe kommen, weil die Geröllwüste um den Gipfel ihresgleichen sucht, weil das Panorama grandios ist. Was nur die wenigsten wissen: auch die direkte Umgebung des Ventoux ist ein sagenhaftes Rennradparadies mit einer Vielzahl niedrigerer Pässe und Pässchen und einem dichten, kaum befahrenen Straßennetz.
  • Fast überall kann man seinen Rennradurlaub auch mit Kultur und kulinarischen Entdeckungen verbinden. Städte wie Marseille, Arles, Avignon, Orange oder Aix-en-Provence, bieten ein schönes Kontrastprogramm für Ruhetage. Das nächste Weingut, die nächste Ölmühle, das nächste Lavendelfeld ist nie weit. Noch in den entlegendsten Gegenden findet man malerische villages perchées, wo man in einer urigen Pinte einen leckeren plat du jour bekommt.
  • Auch der Erholungsfaktor ist hoch. Von der Côte d'Azur als Urlaubs-Hotspot brauchen wir gar nicht sprechen, aber auch beispielsweise der Lac de Sainte-Croix am Ausgang der Verdon-Schlucht lädt dazu ein, auch mal die Beine hochzulegen. Schöne Ferienhäuser im typisch provenzalischen Stil, wo man von der Terrasse aus über zypressengesäumte Hügel blicken kann, findet man überall als Basislager für seine Rennrad-Ferien.
  • Die Provenzalischen Alpen gehören zu den einsamsten Regionen der Alpen, die sich im Gegensatz zu den nördlichen französischen Alpen in der Dauphiné und in Savoyen (oder zu den Touristenhotspots in der Zentralschweiz oder den Dolomiten) eine gewisse Ursprünglichkeit bewahrt haben. Vielleicht liegt das daran, dass die Infrastruktur für Skitourismus hier nur rudimentär ausgeprägt ist. Wer also eher Wert auf Ruhe und Einsamkeit legt, ist hier richtig.

Geführte quäldich-Reisen

Die Provence ist auch der Schauplatz einer ganzen Reihe von geführten quäldich-Reisen:

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