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Regionsbeschreibung Rheingaugebirge

Von bruchpilot – Der Höhenzug des Rheingaugebirges bildet den Südwestflügel des Taunus und den nördlichen Abschluss des Rheingaus. Er erstreckt sich von der Kerbe des Daisbachtales bei Niedernhausen im Osten (A 3 / ICE Köln–Frankfurt) bis zum Durchbruch des Rheins im Westen und wird lediglich einmal durch den tiefen Einschnitt des Walluftals unterbrochen. Im Süden bilden Rhein und Main die natürliche Grenze, im Norden lassen wir das Gebiet mal willkürlich bis an die Wisper-Aar-Linie reichen. Alles was danach kommt, liegt nicht nur im übertragenen Sinne hinterm Wald.

Geologisch betrachtet besteht der Kamm aus hartem Taunusquarzit, einem 350 Millionen Jahre alten, umgewandelten Sandstein. Die Formation erstreckt sich von der hessischen Wetterau gut 200 Kilometer weit bis an die Saar und wurde in einem Prozess aus Anhebung und Abtragung z.T. mehrere hundert Meter aus ihrer weicheren Umgebung heraus präpariert. Diese Dominanz und sein streng gradliniger Verlauf von Ost-Nordost nach West-Südwest lassen den Bergrücken sehr markant erscheinen – ein echtes „Gebirge“ halt. Im Osten findet es seine Verlängerung im Hochtaunus, nach Westen zu im Binger Wald, welcher ein Teil des Soonwaldes ist.
Die mittlere Höhe liegt zwischen 450 und 550 m und knackt mit der Hohen Wurzel (618 m) und der Kalten Herberge (619 m) zweimal knapp die 600er Marke. „Gemütliche Hügelchen“ ist man als ’Annerswoherischer’ im Vergleich zum Großen Feldberg geneigt zu denken. Wenn man jedoch weiß, dass in der Regel bereits von den Ufern des Rheines auf 80 m Meereshöhe(!) gestartet werden darf, relativiert sich wieder einiges.
Wie ein lang gestreckter, elegant-lässiger Südbalkon ist dem Waldkämmen der Rheingau vorgelagert – nicht ganz zu Unrecht Deutschlands berühmtestes (und exklusivstes) Weinanbaugebiet. Weinlagen wie Steinmächer, Hasensprung, Lenchen, Meerhölzchen oder Erntebringer sind weltbekannt, Welterbestätten wie Kloster Eberbach rangeln mit nicht minder bekannten Plätzen wie dem Schloss Johannisberg, dem gotischen Kiedrich, dem Niederwalddenkmal, der Wiesbadener Wilhelmstraße und natürlich der Rüdesheimer Drosselgass’.
Während das unmittelbare Umfeld Wiesbadens, insbesondere der Raum Taunusstein und das ehemals so genannte Blaue Ländchen zwischen Main und Kellerskopf zunehmend im Zersiedlungs-Räderwerk des Rhein-Main-Gebiets zermahlen werden, präsentieren sich die Regionen des Hinterlandswald und des Wispertals als wunderbare Oasen der Stille und der Natur.

Den Besucher der Region erwartet somit eine klare Dreiteilung bei den Landschaftseindrücken:
  • die Lowlands im Süden … Siedlungsbrei, Verkehrsmolloch, sommerliche Hitze, aber auch viel Kultur,
  • eine praktisch siedlungsfreie, waldbedecke Kammregion mit angenehmer Menschenarmut und luftiger Kühle und
  • die Highlands des Nordens … ein hübsches Patchwork aus Berg und Tal, Wald und Flur

Aus diesem Grund nochmal eine Allgemeine Warnung:
Rennradfahren ist im Umkreis von Mainz und Wiesbaden zwar weit verbreitet, fällt jedoch eindeutig nicht mehr unter die Rubrik „Gemütliches Landstraßenradeln“. Was den Autoverkehr angeht, muss man sich in diesen Breiten warm anziehen! Die Einheimischen zucken da wahrscheinlich abgestumpft mit den Schultern, doch wenn der exilierte Autor in unregelmäßigen Abständen in die alte Heimat zurückkehrt, um dort ein Ründchen im Taunus zu drehen, überfällt ihn regelmäßig das kalte Grauen. Er erträgt sein Schicksal im nordpfälzischen Outback dann für einige Zeit wieder gelassener.
Besonders abgebrüht sein sollte man für die Bezwingung der Taunuspässe, welche direkt von Wiesbaden aus starten. Egal ob Platte, Eiserne Hand, Hohe Wurzel oder Wambacher Stich – immer hat man es mit breit ausgebauten, oft mehrspurigen Ausfallstraßen zu tun und die sind zu Hauptverkehrszeiten einfach nicht idyllisch.
Weiter westlich und mit zunehmender Entfernung zur Großstadt werden die Verhältnisse besser, als Zubringer ist man allerdings fast immer auf die (alte) B42 angewiesen mit ihren z.T. gewöhnungsbedürftigen Belägen und Einbahnregelungen. Aus dem Rheingau in die dünn besiedelten Waldregionen hinaus existieren leider nur wenige Verbindungsstraßen. Die beiden interessantesten sind die Auffahrt von Eltville nach Hausen und das Stichsträßchen von Hattenheim hinauf zur Hallgarter Zange. Die Strecken von Geisenheim, Rüdesheim oder Assmannshausen hinauf zum Forsthaus Weißenthurm sind zwar teilweise knackig steil, aber schon deutlich weniger hoch. Zur Ehrenrettung des Gebiets sei jedoch nochmals betont, dass all diese Pässe den Einstieg bilden für den Hintertaunus – radsportlich nach wie vor ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alle 6 Pässe der Region ansehen