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Col de la Cayolle (2326 m)

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Abfahrt Nordrame gefährlich

  • haiwire, 10.09.2012, 10:34 Uhr 12.09.2012, 20:00 Uhr
    Leider wird bei vielen Passbeschreibungen zu wenig auf die möglichen Gefahren eingegangen, auch wird zu oft die Schwierigkeit der Auffahrt heruntergespielt, was bei "Passneulingen" zu Fehlplanung der Tagestour führen kann, das kann wiederum Gefahren nach sich ziehen, eine Passabfahrt im Dämmerlicht/Dunkelheit ist nun mal extrem gefährlich. Meiner Meinung nach sollte eine Passauffahrt so beschrieben sein, dass es für einen Radler, der sich als seinen ersten Pass eben diesen rausgesucht hat, die Schwierigkeit der Steigung offensichtlich ist (ein 2000m hoher Pass kann niemals flach, leicht rollend oder wenig anspruchsvoll sein, gleichzeitig werden aber 100hm Hügel in der Eifel als "extrem harte Rampe" beschrieben). Das nur mal so am Rande.
    Zum Col de la Cayolle: die Abfahrt nach Norden in Richtung Barcelonnette ist zumindest bei Nässe extrem gefährlich. Ich musste bei einem (im August sehr häufigen) Nachmittagsgewitter die Abfahrt in Angriff nehmen, folgende Gefahren bestehen:
    1. der ohnehin sehr schlechte Asphalt ist bei Regennässe extrem rutschig, auf die Straße gespülter Dreck tut sein übriges
    2. der obere Teil der Abfahrt ist ziemlich steil und unübersichtlich, durch den längeren Bremsweg ist vorausschauendes Fahren angebracht, Abfahrtsposition auf dem Renner ist also nicht ratsam
    3. im unteren Teil der Abfahrt in der Felsschlucht gibt es Warnhinweise bezüglich Steinschlag, das ist eine reale Gefahr, kleinere, mittlere aber auch mehrere Kilo schwere Felsbrocken können ohne Ankündigung plötzlich auf die Strasse stürzen, ein Ausweichen ist möglicherweise nicht mehr möglich. Einem PKW direkt vor mir ist ein fußballgroßer Brocken direkt vor das Auto gefallen und hat ein Vorderrad komplett abgerissen, nicht auszudenken was so ein Stein mit einem 7kg Rennrad samt Fahrer macht. Mich hatte ein kleineres Stück an der Schulter getroffen, zum Glück blieb nur ein großer Bluterguss.
    4. Die teilweise unter 3m breite Straße bringt oft den Verkehr zum Erliegen, auch hier muss die Geschwindigkeit so gewählt werden, dass auch auf der Geraden bis in den Stand abgebremst werden kann.

    Sollte sich also schlechtes Wetter ankündigen ist es angebracht, sich in der Hütte kurz hinter der Passhöhe unterzustellen, die Betreiber sind sehr nett und haben eventuell auch noch freie Schlafplätze, leider ist die Hütte nur im Hochsommer bewirtschaftet.
    Ansonsten: Sport frei
  • floriansantana, 10.09.2012, 16:05 Uhr 12.09.2012, 20:00 Uhr
    Hallo,

    Ich bin die Abfahrt im Rahmen der Seealpen-Tour vorigen Freitag hinuntergefahren und muss sagen, dass ich als geübter Abfahrer keine allzu großen Schwierigkeiten erkennen konnte. Klar, der Belag ist stellenweise schlecht, und die Brücken sind schmal, aber dafür ist kaum Autoverkehr anzutreffen und auch so ist die Abfahrt nicht viel anders, als andere Pässe in der näheren Umgebung.

    Was du beschreibst, ist eine Sondersituation, wo so ziemlich jede Abfahrt natürlich gefährlich werden kann. Dass es bei Nässe rutschig werden kann, sollte keine Neuigkeit sein. Dass es bei Regen Steine auf die Straße spülen kann, ist auch nicht Neues. Dass man sich fürchtet, von einem Steinschlag erwischt zu werden, ist auch so eine Sache. Man kann auch beim Hinausgehen aus einem Haus von einem Blumentopf erschlagen werden. In den Bergen kann immer etwas passieren. Wenn man das so sieht, dann müsste man für jede Eventualität eine andere Beschreibung zum Pass bzw. zur Abfahrt hinzufügen. Man muss halt je nachdem, wie die Verhältnisse sind, den Fahrstil an die Abfahrt anpassen. Wenn es regnet, muss man halt vorsichtiger fahren. Ich würde auf regennasser Straße, oder bei einem Gewitter nie auch nur dran denken, wie du gemeint hast, in die Abfahrtsposition zu gehen.

    Just my 2 cents...

    Ride hard, Flo
  • haiwire, 10.09.2012, 16:57 Uhr 12.09.2012, 20:00 Uhr auf floriansantana
    Hi Flo,

    klar, passieren kann immer was, mir ist halt beim Runterfahren im Regen aufgefallen, dass es im Vergleich zu anderen Pässen, die ich auch schon im strömenden Regen runterfahren musste (Klausen, Albula, Gr.Sankt Bernhard, Kandel ua) die Abfahrt am Cayolle einen ganzen Zacken gefährlicher war und Steinschlag habe ich in der Form so noch nicht erlebt, wer da geübt drin ist wird sicher kein Problem sehen. Trotzdem finde ich, dass man generell bei Abfahrten hier mehr auf die Gefahren hinweisen sollte, auf der Rückseite vom Cayolle wurde das ja schon gemacht. Denn das schlimmste ist, wenn unerfahrene Pässefahrer sowas auf die leichte Schulter nehmen weil von "traumhaften Hochgeschwindigkeitsabfahrten" die Rede ist auf denen dreistellige Geschwindigkeiten erreicht werden können. Klar, beim Cayolle schreibt das niemand, aber bei anderen Pässen lässt sowas schnell mal leichtsinnig werden bzw spornt sogar noch an möglichst Topspeed zu erreichen. Gerade wenn wenig Autoverkehr herrscht ist die Gefahr umso größer, wenn doch mal eins auftaucht, denn nach Murphys Gesetz kommt das immer wenn man es am wenigsten braucht.

    Letztendlich ist jeder selbst verantwortlich für sein Tun und es gibt auch genügend Leute die jeden noch so deutlichen Hinweis ignorieren (zB auf der Abfahrt vom Berninapass Richtung Pontresina katapultiert es beim Engadin Marathon am Bahnübergang jedesmal welche von der Piste trotz eindringlicher Warnung des Veranstalters), aber es passiert leider immer noch zuviel und von daher könnte man ja bei der Beschreibung der Abfahrten deutlicher vor expliziten Gefahren warnen.

    so long
    haiwire
  • Flugrad, 10.09.2012, 23:44 Uhr 12.09.2012, 20:00 Uhr auf haiwire
    Hallo,
    ich denke, was Du beschreibst. trifft auf viele Pässe zu. Ich empfand den Cayolle im Juni 2012 nicht so dramatisch - im Gegensatz zum Allos (Nordabafahrt), der damals ruselbespickt, steil und weitgehend ohne Kurvensicherung war. Die Passfahrerei ist bekanntlich nicht ganz risikolos, ein bißchen Verantwortung und Erfahrung braucht es auf alle Fälle. Dennoch ist mir auf stärker befahrenen Flachetappen meist unwohler. Übrigens: genauso wie ein Fels von oben kann mich ein nicht vorherzusehender Defekt am Rad erwischen. Das kann aber im großstädtischen Verkehr genauso unangenehm sein wie in den Alpen.

    Dass auf Quäldich manche Eifel-/Albrampen dramatischer beschrieben werden als alpine Spitzenauffahrten, ist neben der Phantasie des Autors vor allem der topographischen Umgebung geschuldet: was dort eine Mörderrampe ist, wird woanders als Kackwelle beschrieben. Der Vergleich hinkt zwar etwas, aber wer bei der Wanderwegbbeschreibung in einem Reiseführer die topografische Einbettung ausblendet, kann manchmal auch reinfallen. Die "Dramatik" eines alpinen Weges wird meist an den Wegen der Umgebung gemessen. Dies sollte man berücksichtigen, auch beim Studium der Passbeschreibungen.

    Gruß
    Ulrich
  • haiwire, 11.09.2012, 20:15 Uhr 12.09.2012, 20:00 Uhr auf Flugrad
    Hallo Ulrich,
    da sind wir einer Meinung, passieren kann immer etwas, aufgrund der höheren Geschwindigkeiten auf Abfahrten haben Fahrfehler oder ein falsch eingeschätzer Bremsweg sicher oftmals schwerwiegendere Folgen. Die üblichen Gefahren wie Defekte oder motorisierter Verkehr bestehen ja immer und sind schwer vermeidbar bzw beeinflussbar, die eigene Fahrweise schon. Ich habe keine statistische Erhebung gemacht, nehme aber stark an, das beim Bergabfahren häufiger gestürzt wird als bergauf, warum sollte man da nicht explizit vor nicht unbedingt offensichtlicher Gefahren warnen (dunkle Tunnel, Kuhgitter, uneinsehbare Kurven usw)? Wenn dadurch auch nur ein Sturz vermieden wird weil man eben auf diese Gefahrstelle hingewiesen wurde, ist das sicher eine gute Sache, selbst für erfahrene Pässesammler. Es soll ja nicht vor jeder Kehre eine Vollbremsung empfohlen werden. Ich werde mal die Betreiber der Seite antriggern, ob es möglich ist zu den jeweiligen Auffahrten neben Schönheit und Anspruch auch die Abfahrt nach Schwierigkeit zu bewerten, ist natürlich auch wieder rein subjektiv, aber Pässe sind so schön dass man sie eben irgendwann noch einmal fährt sollte man beim ersten Mal zu vorsichtig runtergefahren sein. Soweit ich das verstanden habe sollen ja eh die älteren Passbeschreibungen überarbeitet werden. Und bei Pässen wie dem Parpaillon sollte man direkt vom RR abraten, das ist einfach eine Riesendummheit da auf was anderem als einem MTB zu fahren, zumindest wenn man Familie hat.
  • Flugrad, 12.09.2012, 20:00 Uhr auf haiwire
    Hallo Haiwire,

    viele Passbeschreibungen enthalten für die Auffahrt schon Hinweise auf Gefahren (Kuhgitter, Tunnel, Fahrbahnbelag etc.), die gelten dann natürlich auch bei der Abfahrt. Das kann sich natürlich im Lauf der Jahre seit der Beschreibung verändern. Deshalb fände ich es z.B. gut, wenn zur jeweiligen Passbeschreibung auch das Datum - zumindest Jahr - der Beschreibung vermerkt wäre. Bei vielen Pässe lohnt es sich auch, in der Komentarleiste nachzuschauen. Dort findet man häufig Hinweise auf Aktuelles.
    Auch in der Parpaillon-Beschreibung wird übrigens von der Dummheit abgeraten. Dummheiten sind aber dazu da, gelegentlich begangen zu werden.... Übrigens ist der Parpaillon vor allem eine Gefahr für das Rad, weniger für den Radtreter.
    Gruß
    Ulrich
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