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Pässe Emilia-Romagna

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Regionsbeschreibung

Von christoph – Die Emilia Romagna ist eine Region Norditaliens, die extrem unterschiedliche geographische Formationen aufweist. Im gebirgigen Westen wird sie nur von einem schmalen ligurischen Streifen von der Riviera getrennt, im Osten erreicht sie mit bekannten Urlaubsorten wie Ravenna, Rimini und Cesenatico die Adria. Hier ist, anders als in Ligurien, der Hügel- und Gebirgslandschaft in Küstennähe ein ca. 30 km breiter Flachlandsaum vorgelagert. Im Norden liegt die topfebene Poebene, während die Südhälfte wiederum geprägt ist von der für Radfahrer äußerst reizvollen Berg- und Hügelregion des romagnolischen Apennin.
Tausende Kilometer von sehr wenig befahrenen, aber oft gut ausgebauten Bergstraßen über unzählige oft namenlose Pässe durchziehen diese fruchtbare Berglandschaft. Bekannt wurde die Region in Deutschland als Massenurlaubsregion. Zigtausende von Liegestühlen in ungezählten Bagnos säumen im Hochsommer die Küste von Ravenna bis Gabbice Mare. Trotz des Massentourismus darf aber nicht vergessen werden, dass die Region einen extrem reichen Kulturschatz besitzt. Wer also nicht nur Kilometer und Höhenmeter schrubben will, kann hier auch kulturell auf seine Kosten kommen.

Die Küstenregion und das Hinterland zwischen Cesenatico und Riccione dient alljährlich Tausenden von Radfahrern als Trainingsgebiet für den Saisonauftakt. Die Topographie eignet sich sowohl für Rennradler als auch für Mountainbiker. Die Anstiege sind meist kurz, aber oft recht giftig.

Als Unterkunftsorte eignen sich besonders gut Städtchen wie Bertinoro, Fratta Terme oder Meldola. Sie liegen unmittelbar südlich von Forli und Cesena. Wer hier wohnt, spart sich die manchmal nervige Anfahrt von der Küste ins Hügelland. Zwar ist die Hotelinfrastruktur hier nicht so ausgeprägt wie an den Küstenorten, man findet aber ausreichend Hotels und Agriturismi aller Qualitätsstufen. Auch mit dem Wohnmobil gibt es im Frühsommer keine Stellplatzprobleme.
Wer, z.B. aus familiären Gründen, die Nähe zum Meer sucht und dennoch den kurzen Weg auf die Straßen des Hinterlandes sucht, dem sei der südliche Abschnitt des Ortes Gabicce Mare empfohlen. Hier beginnt ein Naturschutzgebiet, so dass die Schnellstraße ins Landesinnere abbiegt. Die letzten Hügelausläufer reichen bis zum Meer und es gibt eine kleine wenig befahrene Straße, die direkt ins Hinterland führt. Die Preise sind hier etwas höher als in Riccione oder Cesenatico, dafür spart man sich die Anfahrt durch die Küstenebene.

Diverse Radsportveranstaltungen für alle Leistungsklassen finden über das Jahr verteilt statt. Als Klassiker gilt der Gran Fondo Fausto Coppi, auch bekannt unter dem Namen Nove Colli, den Marco Pantanis Heimatstadt Cesenatico jedes Jahr im Frühsommer ausrichtet. Anders, als bei den in Deutschland bekannten Radtouristikfahrten, sind bei dieser Veranstaltung die Straßen für Autos größtenteils gesperrt. Sogar bei der Rückfahrt durch Cesena und bis ins Ziel in Cesenatico erhalten die Radfahrer massive Unterstützung durch Polizei und Ordnungskräfte.
Ich habe dieses Jahr mit einem Garmin 705 eine Streckenlänge von 205 Kilometern und 4950 Höhenmetern ermittelt. Es existiert eine gekürzte Strecke von 130 Kilometern. Wie der Name schon sagt, enthält die Runde, die gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, neun Auffahrten mit einer Länge von vier bis neun Kilometern und Anstiegen von je 300 bis 500 Höhenmetern. Die meisten dieser Stiche haben kurze, aber knackige Steigungsspitzen. Besonders bekannt sind der Barbotto mit 18 % an der Kuppe und der Gorolo, der als Abschluss ca. 30 Kilometer vor dem Ziel an der Kuppe immerhin 17 % bietet.
Wer erstmalig teilnimmt und mit einer hohen Touristenstartnummer ins Rennen geht, sollte keine allzu hohen Erwartungen an Zeit und Schnitt haben. Regelmäßig kommt das hintere Feld am ersten ernsthaften Anstieg vor Polenta zum Stehen, weil die kleine Straße die Massen von fast 14000 Startern nicht bewältigen kann. Alle wissen das, und so macht man sich geduldig zu Fuß auf den Weg nach oben.
Wer in den Folgejahren einen Zeitnachweis erbringen kann, rutscht in der Starterliste nach vorne, hat gute Chancen fahrend durchzukommen und damit mindestens 30 Minuten oder mehr Zeit gut zu machen und vor allem am Start nicht erst eine Stunde warten zu müssen, bis der Touristenblock losrollen darf. Die Veranstaltung zeichnet sich vor allem durch die ansonsten perfekte Organisation und die hervorragende Stimmung im Fahrerfeld aus.
Obwohl es sich offiziell um ein Rennen handelt, wird zumindest in der Touristenklasse rücksichtsvoller gefahren, als man das von deutschen RTFs gewöhnt ist. Auffällig in 2012 war, dass sehr viel neu asphaltiert war, so dass die früher oft heftigen Rüttelabschnitte vollständig wegfallen.
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