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Regionsbeschreibung

Von huwegener

Morvan – ein verstecktes Radsportparadies mitten im Burgund

Ich denke, dass kaum jemand das Morvan kennen wird. Es ist eine Region, die man in Frankreich als „la France profonde”, als „tiefstes Frankreich” oder auch „tiefste französische Provinz” bezeichnet. In diesem Hügelland ist das ländliche Frankreich noch lebendig – aber man muss es schon mögen.
Ich selbst bin 1987 in diese Gegend gekommen, eher durch Zufall, als durch eine bewusste Entscheidung. Mein Leben als Geschäftsführer einer Consultingfirma brauchte ein Gegengewicht. Und dieses Gegengewicht hieß: Nichts, Ruhe, Grün, eine fast schon provokativ kontemplative Landschaft mit dem rustikalen Charme tiefster Provinz und dem Verzicht auf jedes Anzeichen touristischer Modernität. Kein Golfplatz, keine reichen Leute, keine dicken Autos – einfach Nichts. Tagsüber mit Treckern und nachts mit einer Stille gesegnet, die von unseren gelegentlich anreisenden Freunden schon fast als lärmend empfunden wird.
1990 haben wir dann das Haus gekauft, einen ziemlich großen Haufen alter Steine rund um einen ziemlich großen Kamin, das ich seit nunmehr 19 Jahre um- und ausbaue. Ich bilde mir ein, dass ich es dieses Jahr (2009) geschafft haben werde, also fertig geworden sein werde, aber es kann sein, dass das Haus dazu eine ganz andere Meinung hat. Wir werden sehen.
Jedenfalls habe ich hier das Radfahren wieder angefangen. Zunächst war es ein Alptraum, denn im Morvan gibt es kaum einen Meter Straße, der wirklich flach und gut geteert ist. Aber was für den Ungeübten ein Alptraum ist, kann für den leidlich bis gut Trainierten schnell zum Traum werden: als Herrscher über unendlich viele Hügel bewegt man sich in einer Landschaft mit unendlich vielen Perspektiven, prägnanten landschaftlichen Eindrücken und weiten Ausblicken.
In den fast 20 Jahren seit meiner ersten Ankunft bin ich inzwischen viele Tausend Kilometer mit dem Rennrad auf den groben morvannischen Straßen unterwegs gewesen – immer auf Rundtouren, denn ich musste ja jeden Abend wieder zu meinem Steinhaufen zurück. Es ist nie langweilig geworden. Das dichte Netz kleiner, verkehrsarmer Straßen hat ebenso sehr dazu beigetragen, wie der prägnante Wechsel der Jahreszeiten, die vielfältige Topographie und die ländliche, bisweilen recht „individuelle” Architektur, die vor allem in der Farbwahl keine der potentiell denkbaren Varianten provinzieller Ausdrucksfähigkeit auslässt.
Wer jetzt noch Interesse hat, kann gerne weiter lesen. Oder auch nicht. Dann bleibe ich bei meinen Ausritten im Morvan ungestört und muss nicht befürchten, an einem der vielen Anstiege überholt zu werden.

Weit abseits der großen Achsen dominieren im Morvan Wald, Bauernhöfe, Wiesen, kleine, gewundene Straßen mit grobem Belag und vor allem Rinder die Region – überaus wohlschmeckende Rinder der Rasse Charolais, einer cremefarbenen Kuhrasse, die seit ca. 1860 im Burgund gezüchtet wird. Und – wie bereits angedeutet – das Morvan ist ein Mittelgebirge, eine alte Granitauffaltung, die als nordöstlicher Ausläufer geologisch zum Massif Central (Zentralmassiv) gehört und bedeutend älter ist als die Alpen. Eine Region, die ihren Charme aus den hunderten von sanften Hügeln bezieht, geschliffen im Laufe der Jahrmillionen und rund geworden durch den Zahn der Zeit.
Es wird allgemein als Montagne Noire bezeichnet, also als „schwarzes Gebirge”, was vor allem von den dichten Mischwäldern und den ausgedehnten Heideflächen herrührt, die die Region bedeckten – und dies abgesehen von einem zunehmenden Anteil an Fichten auch heute noch tun.

Wie gesagt, man muss es mögen – und vor allem: man muss es erst finden. Heute zählt das Morvan zur Region Burgund im Osten Frankreichs, bestehend aus den Departements Yonne, Côte d’Or, Saône-et-Loire und schließlich der Nièvre, die den Hauptteil des Morvan für sich reklamieren kann.

Früher, d.h. noch fast bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, war das Morvan ein finsteres, isoliertes und von ausgedehnten Buchenwäldern geprägtes Mittelgebirge, in dem man sich bei Dunkelheit leicht verirren konnte. Im Dreieck, dem triangle noir der Provinzstädte Saulieu, Château-Chinon und Autun erstreckt sich ein ausgedehntes, etwa 200.000 ha großes, landwirtschaftlich genutztes Waldgebiet mit dünner Besiedlung, kleinen und zumeist kurvenreichen Straßen und rundgeschliffenen Hügeln, die zwischen 300 und 900 Metern Höhe erreichen.

Über viele Jahrhunderte prägten Kleinbauern und Flößer das Gesicht der Region. Die Höfe waren winzig, die Armut groß. Das Holz der ausgedehnten Buchenwälder wurde über die Yonne (die in die Seine mündet) nach Paris verbracht, um die Kamine der Besserverdiener der Hauptstadt zu heizen, und die etwas grob geratenen Frauen der Region waren als Ammen in der Pariser Bourgeoisie äußerst beliebt. Die Milch morvannischer Landfrauen machte so manchen Sprössling der Pariser Oberschicht ebenso wie viele Waisenkinder in öffentlicher Obhut zu einem gesunden Kind.

Wo aber liegt diese Region? Grob gesagt etwa auf der Hälfte einer Linie zwischen Dijon und Nevers oder anders gesagt, etwa 60 bis 100 km westlich von Beaune (siehe Übersichtskarte).

In keltischer bzw. gallischer Zeit waren Teile dieser Region ein munteres Zentrum ausgedehnter Handelstätigkeiten. Die Häduer, ein keltischer Stamm, hatten ihr Zentrum westlich des späteren Augustodunum (heute: Autun), einer Stadt, die auch heute noch als die „ewige Rivalin Roms” bezeichnet wird, war sie doch eine Gründung von Kaiser Augustus.
Zunächst aber musste Cäsar im Gallischen Krieg 51 v.Chr. diesen Flecken erobern; er tat dies gegen den erbitterten Widerstand der Gallier, die jedoch klug genug waren (schließlich verdiente ein Großteil seinen Lebensunterhalt als Händler), es sich nicht mit ihm zu verderben. Man hatte sich am Mont Beuvray, der mit mehr als 800 Metern zweithöchsten Erhebung des Morvan, verschanzt, größere Verteidigungsanlagen angelegt und vielfältige Gebäude errichtet, die seit knapp hundert Jahren am Mont Beuvray nun sukzessive wieder ausgegraben und zur Erschließung der keltischen Geschichte rekonstruiert werden.
Cäsar setzte seinen Siegeszug auch am Mont Beuvray fort, kampierte dort mit seinen Legionen während eines kalten Winters und zog anschließend weiter, um ganz Gallien zu erobern (bekanntermaßen bis auf ein kleines Dorf im äußersten Norden).
Als historische Stätte keltischer Kultur und römischer Eroberung ist der Mont Beuvray heute eines der großen Zentren historischer und archäologischer Forschung in Frankreich. Zugegeben: als Rivalin Roms kommt Autun heute wohl kaum noch in Betracht, aber mit ihren vielfältigen römischen Bauwerken ist Autun auch heute noch eine sehenswerte Provinzstadt mit einer zweitausendjährigen Geschichte.

Autun war und ist im Übrigen gelegentlich Etappenziel der Tour de France, so auch im Jahr 2007 bei der 5. Etappe am 12. Juli von Chablis nach Autun. Diese Etappe führte das Peloton über 184 km von Chablis aus mitten durch das Morvan über den Haut-Folin, einen Anstieg der 2. Kategorie – mit 901 m die höchste Erhebung in der Region Burgund.
Autun bildet die östliche Grenze des Morvan. Das ländliche Morvan beginnt westlich von Autun, Richtung Saint Léger-sous-Beuvray (südliche Grenze), Château-Chinon (westliche Grenze) und Saulieu (nördliche Grenze).

Durch Initiative des früheren Bürgermeisters von Château-Chinon, Francois Mitterand, der eben nicht nur 14 Jahre Präsident von Frankreich, sondern vorher auch fast 30 Jahre Bürgermeister von Château-Chinon war, wurde 1970 ein Naturpark ins Leben gerufen: der Parc Régional du Morvan. Er umfasst knapp 200.000–ha Wälder und Wiesen und hat dazu geführt, dass eine wunderbare, typisch französische Hügellandschaft mit seltener Fauna und Flora in einer ursprünglichen, zugleich rohen und lieblichen Gestalt ein Stück weit konserviert werden konnte.
Die Besiedlung ist weit über die Landschaft verstreut, kleine Weiler mit wenigen Anwesen prägen das Bild, kurvenreiche, schmale Straßen mit grobem Granitsplit durchziehen endlose Hügel; Wälder und Wiesen durchzogen mit Buchenhecken dominieren die Topographie.
Es ist ein zutiefst grünes Land, selbst in warmen Sommern bemerkt man, dass es in diesem Landstrich ein wenig frischer ist, als in den südlicheren Teilen vom Burgund. Fast überall stürzen sich Bäche in die Tiefe, Quellen und Bachläufe prägen die Landschaft.
Daher kann von Weinbau, der eigentlich für das Burgund typisch ist, im Morvan keine Rede sein. Es ist im Mittel schlicht zu kühl und der Granitfels sorgt im Gegensatz zum ansonsten im Burgund dominierenden Kalkstein für vergleichsweise frische Temperaturen.
Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts versank das Morvan daher im Winter regelmäßig für mindestens drei Monate im Schnee; als erste östliche Erhebung nach dem Atlantik zog es gerade im Winter Niederschläge an, die sich zwischen Dezember und März meist in ausgedehnten Schneefällen manifestierten.
Heute hat sich vieles geändert; Schnee ist fast zu einer Rarität geworden; aber die Jahreszeiten sind noch immer sehr ausgeprägt: der Winter ist kalt und nass, der Frühling überwältigend grün, der Sommer trocken und warm, aber mit kühlen Nächten, und der Herbst klar und in unbeschreiblicher Art bunt und vielfältig.

Ein kontinentales Klima in einer reizvollen, zutiefst ländlichen Region, die seit etwa 15 Jahren immer mehr Touristen anzieht. Freilich ist dies nicht ein lärmiger Tourismus mit Hotelzimmern, Wohnwagen, Campingplätzen und Diskotheken, sondern eher ein stiller Tourismus, der darin besteht, dass vor allem Pariser und Ausländer durch Landflucht verlassene Bauernhöfe aufkaufen und als Ferienhäuser restaurieren.

Gerade die Landflucht hatte der Region in den letzten 150 Jahren schwer zugesetzt. Oft verließen mehr als 60 % der Bevölkerung die Dörfer der Region; um in Paris oder Lyon Arbeit und Brot zu finden und Familien zu gründen, deren Lebensunterhalt sie im Morvan nicht hätten sichern können. Die Höfe waren zu klein, die Granitböden zu karg, um die Bevölkerung zu ernähren, so dass Gemeinden, die 1850 noch 1500 Einwohner hatten, bis 1970 auf weniger als 500 schrumpften. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg wanderten die Jungen mangels Perspektiven in die Pariser Region aus, viele Schulen wurden geschlossen, und nur die Alten blieben. Und die ehemals Jungen kehrten erst dann zurück, wenn sie alt geworden waren. Und so ist das eigentlich auch heute noch.

Das, was blieb, war die Viehzucht – die Aufzucht von Kälbern, die nach etwa 18 bis 24 Monaten zur weiteren Aufzucht in die fruchtbaren Ebenen der südlich gelegenen Region Charolais verkauft werden. Oder nach Italien, wo diese schmackhaften Tiere eher als Ossobuco (Ossobuco alla Milanese = geschmorte Kalbshaxe nach Mailänder Art) auf den Tellern der norditalienischen Restaurants landen.
So sind gerade im Frühjahr, im Sommer und im Herbst vor allem die weißen Charolais-Herden auf den durch Buchen- und Haselnusshecken getrennten Wiesen ein prägendes Merkmal der morvannischen Landschaft, das für uns geschäftige Nord- und Westeuropäer in ihrer kontemplativen Ästhetik wie ein Sedativ wirken kann.

Auf jeden Fall kann man sagen: das Morvan ist aufgrund seiner historischen und heutigen Struktur in einer ausgeprägten Weise privat, diskret, nicht-öffentlich, wenngleich keineswegs abweisend, reich oder wirklich wohlhabend, aber ein wenig verschlossen, jedenfalls alles andere als vergleichbar mit typischen Ferienregionen, in denen Tourismus zu einem blühenden und lauten Geschäft geworden ist.
Die Einheimischen haben dem Tourismus stets wenig abgewinnen können; sie waren und sind eher auf ihr Geschäft, die Land- und Forstwirtschaft bzw. auf das Handwerk konzentriert. Die zahlreichen Rentner sind eher ihren Gemüsegärten zugetan. Und die Touristen (französische und ausländische) haben verlassene Höfe vergleichsweise preiswert gekauft, haben sie liebevoll, manchmal recht individuell, gelegentlich auch etwas bizarr als Ferienhäuser restauriert und legen nun wenig Wert darauf, in ihrer Idylle friedlichen Landlebens gestört zu werden.

Château-Chinon, eine Provinzstadt mit noch nicht einmal 3000 Einwohnern am westlichen Rand der Region, kann wohl behaupten, die Hauptstadt des Morvan zu sein. Der wahrscheinlich attraktivste Kern des Morvan liegt rings um die Stauseen des Lac de Pannesière und des Lac de Settons auf Höhen zwischen 300 und 600 Metern. Dies mag sich bescheiden ausnehmen, aber ein Kennzeichen des Morvan ist eben, dass es kaum ein wirklich flaches Stück Straße gibt. Das dichte Netz von kleinen und verkehrsarmen Straßen ist ausgedehnt, die Steigungen sind abgesehen von einigen wirklich unangenehmen Rampen nicht spektakulär, aber es geht zu wie auf der Achterbahn: rauf und runter – meist mit Steigungen und Gefällen zwischen 3 und 8 %.

Ein typisches Mittelgebirge also mit zumeist grob geteerten Strassen, das für all diejenigen, die das Klettern nicht mögen, zu einem Alptraum werden kann. Eine Tour mit nur 50 km kann schnell zu einem Ausritt über mehr als 1000 Hm werden. Die Anstiege sind zwar nicht wie in den Alpen 20 und mehr Kilometer lang, aber Anstiege von 4 bis 7 km mit Höhendifferenzen von durchaus mehr als 300 bis 400 Hm gibt es in reicher Auswahl.
Deswegen kann für diejenigen, die das moderate Klettern mögen und ein wenig trainiert sind, diese Region für ausgedehnte Radtouren zu einem Erlebnis werden. Die von jeder industriellen Verunreinigung freie Luft, eine bodenständige, preiswerte französische Gastronomie, verkehrsarme Straßen und eine im besten Sinne des Wortes unberührte Landschaft mit grandiosen Ausblicken machen diese Region zu einem (bislang wenig entdeckten) Paradies für Rennrad- und ambitionierte Tourenfahrer.

Selbstverständlich darf nicht verschwiegen werden, dass rund um diese Region berühmte bzw. interessante Weinbauregionen auch mit dem Rad erreichbar sind. Beaune, Hauptstadt der südlichen Côte d’Or mit seinen bekannten roten und weißen Burgunderweinen liegt weniger als 90 km von Château-Chinon entfernt, gleiches gilt für die an der Loire gelegenen Regionen Sancerre und Pouilly sur Loire. Vor allem aber Vezelay, ein historischer Ort mit mehr ais tausendjähriger Geschichte, der größten romanischen Basilika (in der Bernard de Clairvaux 1146 zum zweiten Kreuzzug aufrief, beim dritten trafen sich hier 1190 der französische König und Richard Löwenherz), und auch heute noch ein frequentierter Pilgerort auf dem Weg nach Santiago de Compostela, auf dessen Hügeln exzellenter Wein angebaut wird, liegt gerade einmal 60 km von Château-Chinon entfernt.

Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, lohnt sich ein Ausflug zu Winzern in den umliegenden Weinregionen. Bei den meisten kann man in Ruhe Weine mehrerer Jahrgänge probieren (und kaufen). Eine wirklich gute Adresse ist die Cave de St. Christophe, ein kleiner Weinhandel in Château-Chinon, der neben einer umfassenden Auswahl an Winzerweinen auch losen Wein ausgezeichneter Qualität zu kleinen Preisen anbietet. Sofern Wein einer der Schwerpunkte des privaten Interesses sein sollte, empfiehlt sich in jedem Fall der Kauf des Weinführers Guide Hachette (erscheint jeweils im Herbst eines jeden Jahres und ist im Zeitschriftenhandel zu kaufen).

Von Château-Chinon (hier gibt es Hotels) bzw. von Corancy (hier gibt es einen Campingplatz am See und Ferienwohnungen) aus lassen sich eine Reihe von Rundtouren unternehmen, die vorzugsweise – je nach Laune – zwischen 60 und 120 km lang oder auch länger sein können. Je nach Länge und Streckenführung muss mit Steigungen im Umfang zwischen 1000 und 2000 Hm, bei wirklich langen Strecken auch deutlich über 2000 Hm gerechnet werden.

Übernachtungsmöglichkeiten in Château-Chinon gibt es z.B. im 3-Sterne Hotel Le Vieux Morvan (mit Restaurant), in dem bereits Francois Mitterand während seiner Zeit als Bürgermeister abstieg. Im Restaurant hat man – sofern man sich den (ehemaligen) Tisch von Mitterand erkämpft hat – einen grandiosen Panoramablick über das Morvan.
Erwähnenswert ist das Musée du Septennat in Château-Chinon, das die Geschenke zeigt, die Francois Mitterand während seiner ersten siebenjährigen Amtszeit als französischer Präsident auf seinen Auslandsreisen erhalten hat.
Eine weitere Übernachtungsmöglichkeit bietet das 2-Sterne Hotel Relais des deux Lacs in Planchez, einem kleinen, etwas unscheinbaren Ort ca. 10 km östlich von Château-Chinon (auch mit Restaurant), das ebenfalls einen ausgezeichneten Ausgangspunkt für Morvan-Touren zusammen mit einer wirklich guten regionalen Küche offeriert.

Planchez bildete im 2. Weltkrieg die Grenze zwischen dem von der Wehrmacht besetzten und dem „freien” Vichy-Frankreich. So wurde dieses Dorf während der deutschen Besatzung im Rahmen einer Strafaktion gegen die französische Widerstandsbewegung Maquis Socrate von der SS dem Erdboden gleichgemacht. Vorurteile gegenüber deutschen Touristen gibt es jedoch bereit seit langen Jahren nicht mehr.

Sofern Hotels und Restaurants nicht in Frage kommen, gibt es Campingplätze (in Corancy und Chaumard in umittelbarer Nähe von Château-Chinon beispielsweise direkt am Stausee Lac de Pannesière); die Benutzug von Campingplätzen ist jedoch nur in der Zeit vom 15. Juni bis 15. September empfohlen. Wenn auch regelmäßig im Sommer der Teer der groben Granitsplit-Straßen schmilzt, das Wetter im Morvan ist dennoch nicht vergleichbar mit den Verhältnissen an der französischen Mittelmeerküste.

Ansonsten gibt es die sogenannten Gites, ländlich-rustikale Ferienwohnungen (z.B. Le Château in Chaumard), die sich immer mehr verbreiten – nicht sonderlich teuer, aber gut ausgestattet und mit der Möglichkeit, teuren Restaurants aus dem Wege zu gehen und sich selbst zu verpflegen.
Schließlich werden auch „Bed & breakfast“ Angebote immer häufiger angeboten, also preiswerte Unterkünfte, in denen Radtouristen gern gesehen sind.

Für all diejenigen, die Pässe sammeln, sei gesagt: für das Sammeln von Pässen ist das Morvan nicht wirklich geeignet; denn niemand hat sich je der Mühe unterzogen, die vielen „Cols”, die man fährt, zu vermessen und zu benennen. Sie sind anonym geblieben, und das ist auch gut so. Ich befahre wie gesagt diese Region seit nunmehr fast 20 Jahren, und es hat mich nie gestört, dass im gesamten Gebiet nur ein „Col” ausgewiesen ist, der Col des Pasquelins mit einer Höhe von etwas mehr als 600 Metern. Aber den fahre ich nie, denn er ist reichlich langweilig.

Interessant ist dagegen der Aufstieg zum 821 Meter hohen Mont Beuvray (siehe Tour 2), ein wirklicher Kracher mit nur 2,5 km Länge, aber mit Steigungsprozenten von mindestens 10, maximal 22 %. Den fahre ich jedes Jahr im Sommer, aber der hat nie einen Pass-Namen bekommen. Seis drum – die Rundum-Aussicht vom Gipfel, die an klaren Tagen über das gesamte Morvan reicht, ist formidabel.

Die höchste Erhebung, die zur Verfügung steht, ist der Haut-Folin, laut Einstufung durch die Tour de France-Organisatoren ein Anstieg der 2. Kategorie mit exakt 867 m Scheitelhöhe. Zugegeben – für Pässefahrer, die bereits alle berühmten Anstiege der Alpen erklettert haben, ein eher bescheidenes Ziel. Aber es kommt ja nicht nur auf die absolute Höhe an.

Unterwegs auf den Touren durch die Region gibt es gelegentlich zwar eine Reihe von französischen Bars und Cafés, in denen man eine Pause einlegen und relativ preiswert etwas trinken oder bei Bedarf auch essen kann. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen und grundsätzlich ausreichend Getränke und Verpflegung an Bord haben.

Auf Grund des ländlichen Zustands der zumeist sehr kleinen Straßen kann es durchaus zu Defekten kommen. Es kann also nicht schaden, wenn man ausreichend Ersatzschläuche, einen Ersatzreifen und etwas Werkzeug mitführt.

Weitere Auskünfte und Tourenvorschläge gebe ich für Interessierte gerne per Email. Alle 1 Pässe der Region ansehen