Hoch hinaus in Tirol - für Faule / Für ein Vorspiel definitiv zu hoch

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Erlebnisbericht: Hoch hinaus in Tirol - für Faule

Erlebnisbericht von xandi37einhalb (weitere...)

Tag 1: Prutz - Prutz: Für ein Vorspiel definitiv zu hoch
76,5 km / 2090 Hm

Prutz (0,0 km) - Platz (8,5 km) - Vergötschen (10,0 km) - Feichten (11,2 km) - Kaunertaler Gletscherstraße (38,2 km) - Feichten (65,3 km) - Vergötschen (66,5 km) - Platz (68,0 km) - Prutz (76,5 km)

Beschreibung

Am Ziel des Tages am Kaunertaler Gletscher auf 2.750Metern.Mit dem Auto gehts um 6 Uhr morgens nach Prutz, ich bin ein klassischer Frühfahrer, und am 15.08.09 ist das Gold wert, denn es ist ein sehr heißer Tag. In Prutz angekommen, lade ich meinen Renner aus, treff noch letzte Vorbereitungen und los gehts. Nach wenigen Metern, ein Rückschlag: Der Tacho will nicht mehr, die Batterie ist leer. Sehr gut, dass der 15.08. bei uns in Österreich ein gesetzlicher Feiertag ist, somit auch unmöglich, Ersatz aufzutreiben. Und meine Reservebatterie, die ich ja natürlich auf Vorrat habe, teilt sich zu diesem Zeitpunkt den Platz mit dem Pulsmessgurt, ist also auch in Salzburg. Naja, fahre ich also völlig „unplugged“, gefällt mir zwar gar nicht, da ich es gern weiß, wie weit es noch ist,…. aber gut, hilft nichts. Weiter geht’s.
Es ist dann die ersten paar Kilometer ein gemütliches Radeln, wobei ich den ersten Tunnel umfahre (warum, das erfahre ich dann beim Runterfahren). Dann bin ich mal kurz erstaunt, da sich mir eine Wand in den Weg stellt, vorbei an einer Baustelle gehts mit bis zu 14% (lt. Tourenplaner) bergauf. Das ist dann mal so viel, dass ich nach diesem Abschnitt froh bin, dass es flacher wird. Vorbei gehts an einigen schönen Ortschaften bis zur Mautstelle. Hier ist mal eine kleine Pause angesagt. Aufs Essen habe ich bisher fast vergessen, also ist hier sozusagen ein „Powerbar-Frühstück“ angesagt, sehr bekömmlich. Nach einem kurzen Plausch mit der Kassiererin gehts dann weiter. Die Straße steigt in diesem Bereich nur sehr leicht an, somit gar kein Problem. Die Schilder rechts der Straße mit dem Steinbock irritieren mich erst ein wenig, nach mehreren Kilometern komme ich drauf, dass es sich um die Kilometerangaben handeln könnte (der Vergleichsmöglichkeit mit dem Tacho fehlte ja).
 
Bald ist der Stausee erreicht, die Staumauer sieht von unten doch sehr beeindruckend aus, diese Natursteinmauer, das hat was. Die Straße steigt hier zur Dammkrone hinauf merklich an, die Kehren beginnen. Aber das bringt man dann doch relativ schön hinter sich, alles bewältigbar. Oben an der Dammkrone kurze Rast, wieder mal etwas essen und Fotos schießen.
 
Die Strecke taleinwärts fahre ich dann links des Stausees, da rechts anscheinend Baustelle ist. Das sind gute fünf Kilometer zum ausruhen, und Kraft tanken. Dann geht’s wieder ein wenig hoch. Nach der kurzen Abfahrt zur Brücke über den Bach muss ich kurzfristig vom Rad, der Blick auf den Gletscher war zu herrlich. Daran kann man sich kaum satt sehen. Und der Bach hat hier noch eine unglaubliche Wucht. Weiter gehts. Hier ist dann sozusagen der tollste Abschnitt der Strecke. Eine Kehre folgt auf die andere, absolut wunderbar hochzuklettern, der Ausblick ist jedes Mal ein neuer. Der Asphalt muss ein toller Untergrund zum ausruhen sein, zumindest für ein Rudel Ziegen, an dem ich hier vorbei fahre. Kurz oberhalb der Baumgrenze ist wieder einmal ein Powerbar angesagt, kurze Rast. Die Talstation eines Sesselliftes muss herhalten.
 
Ich merke nur, die 3,5 Liter Isogetränk, die ich mit habe, reichen irgendwie nicht aus. Ich denke mir, bis zur nächsten Quelle schaffst du es sicher noch, einen Liter habe ich ja noch. Weiter gehts, hier merke ich dann doch, dass es jetzt konstant steil wurde. Aber ich fühle mich immer besser. Die Beine sind nicht mehr so schwer wie bei der ersten Welle von Prutz hoch. Weiter gehts Tritt für Tritt relativ gleichmäßig. Der Flüssigkeitsvorrat gehts nun wirklich zur Neige, somit ist Hilfe gefragt. Kurz später ist dann eine Quelle in Sicht, wunderbar. Eine Flasche wird befüllt, dieser Liter muss doch für die letzten 3 Kilometer reichen. Das Gesicht noch ein wenig erfrischen, los geht’s wieder. Hier darf ich dann auch ein erstes Mal den KTM X-Bow an mir vorbei ziehen lassen, dies passiert mir noch zwei Mal. Der Fahrer legt ein Höllentempo vor.
 
Es ist nun ein Punkt sichtbar, wo ich den Kulminationspunkt sofort dahinter vermute, somit bin ich top motiviert, diesen Punkt auch zu erreichen. Die Steigung ist jetzt wirklich konstant und sicherlich um die 10% bzw. ganz leicht darüber. Aber die Motivation ist da und ich kurble gut nach oben. Der Punkt ist erreicht, aber nein, es sind noch eine weitere Kehre und ca. 600 Meter zu bewältigen. Ein moralischer Hänger von 1 Sekunde ist aber sofort wieder vorüber. Diese Strecke sollte auch noch zu bewältigen sein. Kurze Zeit später ist es geschafft, der Kaunertaler Gletscher ist bezwungen. Ich bin sehr stolz auf mich. Zu diesem Zeitpunkt ist das für mich neuer Höhenrekord. Das will ich dann auch genießen. Das Weizenbier im Gletscherrestaurant ist also wohlverdient.
 
Runter gehts natürlich dann sehr zügig, die paar Gegensteigungen sind flott bewältigt und die Strecke am Stausee entlang macht auch keine Probleme. In der Abfahrt gibt bekommen habe. Es geht um den unteren Tunnel. Der obere ist ja beleuchtet, und wenn man eine Rückleuchte hat alles kein Problem. Der untere ist aber völlig unbeleuchtet, sogar mit Kurve. Somit ist es da drin stockfinster. Ich fahre trotz Verbot rein, denke mir, mit der Rückleuchte muss es schon gehen. Aber nix da, es ist stockdunkel. Das Ärgste ist jedoch, dass ich im Tunnel trotz doppelter Sperrlinie von einem Auto überholt werde, und auch das hat das Licht nicht eingeschaltet. Sehr gefährlich. Das nächste Mal nehme ich aber wieder die Umfahrung.
 
In Prutz angekommen, bin ich froh und glücklich, heil ins Tal gekommen zu sein. Ab ins Auto, Nach Imst gefahren und die Dusche genießen. Danach bin ich wahnsinnig hungrig, ein also Stadtbummel mit Essen ist angesagt.
 
Resümee: Langer, ewig langer Anstieg, der einen viel Kraft kostet. Aber wunderschön, das entschädigt.