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Regionsbeschreibung Ville

Von kletterkünstler

1. Lage

Die Ville ist ein Höhenzug oberhalb des Rheintales, genauer gesagt der Kölner Bucht und erstreckt sich zwischen der Eifel im Süden, der Erft und dem Swisttal im Westen, den Städten Grevenbroich und Pulheim im Norden sowie den Städten Köln, Brühl und Bonn im Osten. Sie ist Teil des Naturparks Rheinland, auch Naturpark Kottenforst-Ville genannt, da er sich in den Kottenforst im Süden und die Ville im Norden aufteilt. Der höchste Punkt der Ville ist die künstlich aus Abraum der umliegenden Braunkohletagebauen geschaffene Glessener Höhe (204 m) zwischen Frechen, Bergheim und Pulheim.

2. Geographie

Der Höhenzug der Ville ist beim Einsinken der Kölner Bucht zurückgeblieben und trennt diese von der westlich gelegenen Erft-Scholle. Die Absenkung geschah vor rund 35 Millionen Jahren im Zeitalter des Tertiär. Geologisch ist der Höhenzug ein Halbhorst, also ein nur teilweise gehobener Horst. Ein Horst ist eine von zwei Tiefschollen umgebene Hochscholle, während die Tiefschollen als Gräben bezeichnet werden. Diese sogenannten Bruchschollen entstehen meist durch eine Verwerfungsschar. In der Folge kam es mehrfach zur Meerestransgression, d.h. die tektonische Senkungszone wurde mehrfach von der tertiären Nordsee überflutet. Durch die damals herrschenden subtropischen Klimaverhältnisse und der damit verbundenen üppigen Vegetation entstanden ausgedehnte Torfmoore, aus denen sich im Laufe der Erdgeschichte eine der größten Braunkohlelagerstätten der Welt entwickelte, weshalb Deutschland auch heute noch der weltweit größte Förderer von Braunkohle ist.
Der Hang der Ville zur Rheinebene hin wird von Frechen oder besser von Hürth-Kendenich aus, wo übrigens alljährlich das Profiradkriterium Rund in Kendenich ausgetragen wird, bis Bonn-Duisdorf das Vorgebirge genannt. Diese Landschaft ist zum einen durch ihre Leelage, d.h. der Wind abgewandten Seite, windgeschützt und zum anderen durch eine mächtige fruchtbare Lößbedeckung begünstigt, wie das auch in den Börden westlich der Ville der Fall ist. So wird dort, im Vorgebirge, auch intensiver Obst- und Gemüseanbau betrieben und bereits die Römer betrieben dort auch Weinanbau.
Löß ist ein Sediment und entstand in Mitteleuropa während der Kaltzeiten, in denen aufgrund der ganzjährig niedrigen Temperaturen kaum Vegetation existierte. Hinzu kamen die vorherrschenden Westwinde sowie die kalten und trockenen Fallwinde, die aus Richtung der vergletscherten Gebiete abwehten und dabei im Vorland feinkörniges Material aufnahmen, das später wieder abgelagert wurde. Dabei wurde der Löß im Gegensatz zum Sand deutlich weiter transportiert und großflächiger in Lößdecken abgelagert.

3. Industrielandschaft

Die Ville ist ab Brühl durch den ehemaligen Braunkohleabbau, die vielen, von Westen her weit sichtbaren Kraftwerke und die energieintensive Chemie im Rheinischen Braunkohlerevier industriell geprägt. Der Industriepark Hürth-Knapsack beispielsweise ist von weither sichtbar, da er mitten auf der Ville liegt.
Die Wälder der südlichen Ville und des Kottenforsts und die rekultivierte Landschaft der mittleren Ville mit ihren vielen kleinen Seen, wie dem Köttinger See, dem Liblarer See oder dem Heider Bergsee bei Brühl dienen den Menschen im Großraum Köln/Bonn als Naherholungsgebiet.
Teile der nördlichen Braunkohlenville ab Hürth werden seit dem Ende des Kohleabbaus wieder landwirtschaftlich genutzt, wie beispielsweise die Berrenrather Börde oder die Wiedenfelder Höhe. Das Rheinische Braunkohlerevier befindet sich nunmehr ausschließlich weiter westlich im Bereich der Jülicher Börde.

4. Radfahren in der Ville

Wer aus der Kölner Bucht zwischen Köln und Bonn kommend gen Westen radeln möchte, muss zwangsläufig über die Ville und so ein paar Höhenmeter überwinden. Dabei stellen sich einem insbesondere in den Ortschaften zwischen Brühl und Bonn im sogenannten Vorgebirge einige steile Straßen in den Weg, wie die Flamm- und Buschgasse in Walberberg, der Holzweg und die Vinzenzstraße hinauf zum Schneeberg bei Trippelsdorf zwischen Walberberg und Merten, die Kreuz- und Klosterstraße, sowie die Broichgasse in Merten, die Burg Hemmerich, Rösberg oder der Görreshof in Alfter.
Aber auch von der anderen Seite der Ville erklimmen mehr oder weniger steile Straßen diese, wie z.B. die Bergstraße in Metternich oder die Kölner Straße von Weilerswist hinauf zum Swisterberg.
Diese kurzen Rampen eignen sich aufgrund der Ähnlichkeit der Anstiege auch hervorragend zur Vorbereitung auf Frühjahrsklassiker wie das Amstel Gold Race, wenn man nicht die Möglichkeit hat regelmäßig im Original-Revier zu trainieren.
Über den Höhenrücken der Ville führen einige Straßen und Wege in Südwest-Nordost-Richtung. Sie queren sie also quasi im rechten Winkel, denn die Ville verläuft in Nordwest-Südost-Richtung.
Den Kottenforst kann man hingegen weitestgehend nur mit dem Crossrad durchqueren, wenn man nicht gerade staub- und drecktolerant ist und auch seinem Rennrad etwas mehr als nur Asphalt zumuten möchte. Alle 15 Pässe der Region ansehen