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Col de l'Espinouse (1124 m)

Südanfahrt: Straße über dem Zentralmassiv.

Auffahrten

Von AP – Die Südanfahrt zum Col de l’Espinouse ist ein ziemlich langer, aber nie schwieriger Weg. Außergewöhnlich ist die Zahl der Zwischenpässe, die man während der Auffahrt überquert, nämlich fünf insgesamt. Auf die Zwischenpässe folgen aber in aller Regel keine Abfahrten in Hochtäler, vielmehr schlängelt sich die Passstraße an kleinen Bergkämmen entlang, und wo sie die Seite wechselt, liegt dann ein Übergang. Sprich als Pässe nähme man diese Orte nur wahr, wenn man die asphaltierte Straße kreuzte.
Die Anfahrt beginnt in Le Poujol-sur-Orb, einem der vielen verschlafen-zerzauselten Ortschaften im Tal der Orb, wo die Monts de l’Espinouse schon ausgeschildert sind. Auf dem ersten Teilstück, dem einzigen Stück mit einer länger durchgehenden Steigung, fährt man über einige Serpentinen in den dichten Kastanienwäldern hinauf, welche die unteren Südhänge der Monts de l’Espinouse bedecken. Der Asphalt ist zunächst sehr rau, was sich aber mit zunehmender Höhe bessert.
Nach einigen Kilometern sieht man über sich das Dorf Combes mit einem großen hellen Gebäude noch ein paar Meter darüber. Das Gebäude ist das M.A.S. Saint Vital, ein Spezialkrankenhaus für Menschen mit schwerwiegenden Problemen, die sich mit drei Tagen im Bett nicht lösen lassen. Hinter Combes, in dem man meint, die Einwohner persönlich hätten Ruhe und Entspannung erfunden, trifft in einer Kehre die in der Allgemeinbeschreibung erwähnte Variante von Lamalou-les-Bains auf die Passstraße. Schon bald dahinter geht es links weg zum Krankenhaus hoch. Diese Stelle ist der erste Zwischenpass, der Col des Princes (Kilometer 7, Höhe 590 m).
Mit Erreichen dieses Zwischenpasses ist man schon im Inneren der Monts de l’Espinouse angekommen. Bis auf die letzten Kilometer der Auffahrt steigt die Straße nun in Wellen, unterbrochen von Flachstücken, an. Am Col des Princes beginnt der Forêt des écrivains combattants. Der Wald wurde in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts von der association des écrivains combattants, sprich von Schriftstellern, die am ersten Weltkrieg teilgenommen hatten, wiederaufgeforstet. Nach dem zweiten Weltkrieg gab die Vereinigung den Wald an den französischen Staat zurück. Im Wald, übrigens ein Mischwald, aber ohne Kastanien, sind über fünfhundert Tafeln mit den Namen von Schriftstellern angebracht, die in den beiden Weltkriegen fielen. Alain-Fournier und Antoine de Saint-Exupéry sind wohl die bekanntesten von ihnen. Da die Straße durch den Wald aber noch in Hanglage verläuft, hat man zur rechten Hand hin immer wieder weite Ausblicke nach Nordosten hin.
Nach 10 km öffnet sich der Wald, und nach Nordosten fällt eine Straße ab nach Sant-Gervais-sur-Mare. Diese Stelle ist der Col de Madale (Höhe 691 m), ausgestattet mit einem Passschild. Durch das nächste Waldstück hindurch erreicht man, auf wieder etwas steilerer Straße, Rosis, ein kleiner Weiler im Nirgendwo. Im Ort biegt die Straße nach Süden und führt zum Col des Avels (Kilometer 12,8, Höhe 805 m), diesmal ohne Passschild.

Kleiner Exkurs:
Vom Col des Avels an änderte sich bei meinem Besuch die Auffahrt gewaltig, was aber hauptsächlich an der Jahreszeit und den Wetterbedingungen lag. Ich war nämlich Mitte September 2013 unterwegs, einer Jahreszeit, in der in den Tieflagen des Languedoc noch der Spätsommer herrscht, während in den Bergen im Hinterland der Herbst einkehrt. Südlich des Col des Avels erhebt sich der Mont Caroux mit seinem platten Gipfel, und der Berg hatte sich, wie auch der Rest der Hochlagen des Caroux-Espinouse, dank der Heide auf seinen Flanken in flammende Rostfarben gehüllt, zu denen die noch grünen Ginster- und Holunderbüsche in markantem Kontrast standen. Zudem war es in den frühen Morgenstunden zu einem mächtigen Kaltlufteinbruch gekommen. Eine gewaltige Gewitterfront war über das Roussillon und Nordkatalonien gezogen, und hinter ihr trieb ein beißender Nordwind feiste Wolken über die Berge des Hérault. Vom Col des Avels bis zur Passhöhe wurde es immer kälter und rauer, bis ich mir vorkam, als wäre ich nicht in Südwesteuropa, sondern in England oder Norwegen unterwegs. Diese Kältewelle war übrigens nicht von langer Dauer. Tatsächlich schlug der Sommer schon bald zurück, und letztendlich blieb es 2013 im südwestlichen Mittelmeerraum warm bis in die erste Novemberwoche hinein.

Und weiter geht’s mit der Auffahrt: Nachdem man die Flanke des Caroux passiert hat, biegt die Straße wieder nach Norden. Man fährt nun am Rand eines sanft geschwungenen Hochtals entlang, in dem die Heide und knallrote Vogelbeeren wie ein Feuerwerk leuchten... zumindest im Herbst. Im Frühsommer blüht dort der Ginster, was farblich auch sehr ansprechend sein dürfte. Dieser Abschnitt endet mit einer exponierten Passage, von der aus man weit nach Norden und Osten schaut.
Durch ein kurzes Stück Wald führt die Straße zu einem Felsdurchbruch hin, dem Col de l’Ourtigas (Kilometer 18,8, Höhe 1000 m). Kurz hinter jenem Zwischenpass fällt die Straße ab. Aus dem Wald heraus ansteigend kommt das nächste spektakuläre Streckenstück. Man hat nun wiederum ein Hochtal zur Seite, dessen wilde Schönheit eine Augenweide ist: bunte Heide, bizarre Felsen und dunkelgrüne Fichtensprenkel. Dort liegt auch der letzte Zwischenpass der Auffahrt, der Pas de la Lauze (Kilometer 19,5, Höhe auch etwa 1000 m). Das Hochtal verengt sich übrigens weiter unten zu der Gorges d’Héric.
Eine Serpentine, durch welche die Straße mit ungefähr 10% ansteigt (untypisch für die Auffahrt), führt schließlich hinauf in die Gipfelregion der Monts de l’Espinouse. Es öffnet sich ein letzter weiter Blick nach Norden, und dann steht am Waldrand unter niedrigen Eichen das Passschild.

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01:24:35 | 08.05.2017
SteveBauer
Dolce Vita

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