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Pässe Serra de l'Albera

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Regionsbeschreibung

Von AP

1. Allgemeine Informationen:

Die Serra d’Albera vom Rest der Pyrenäen abzugrenzen, fällt nicht schwer: Zwischen Figueres und Perpignan führt die Autobahn über einen niedrigen Übergang, den Col du Perthus. Alles, was zwischen diesem Pass und dem Mittelmeer liegt, ist die Serra d’Albera. Sprich sie ist nichts anderes als der östliche, etwa 25 Kilometer lange Teil der Pyrenäen.
An jener Stelle sind die Pyrenäen nicht mehr allzu breit. Und so ist die Serra, wie der Name schon andeutet, nicht anderes als eine kurze Bergkette mit ein paar vorgelagerten Hügeln. Nur nach Nordosten zum Golfe du Lion hin ufert sie ein wenig aus. Ihr höchster Berg ist der Puig Neulós mit 1256 m Höhe. Über den Kamm der Serra verläuft die Grenze zwischen Frankreich und Spanien, wobei erwähnt werden muss, dass die Serra im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg katalanisches Gebiet war (welches damals bis nördlich von Perpignan reichte), und man erst mit dem Pyrenäenfrieden von 1659 eine Aufteilung vornahm.
Die bekanntesten Gegenden dieser Serra sind nicht die Berge selbst, sondern die ans Mittelmeer anstoßenden, von engen Buchten und schroffen Felsen geprägten Küstenregionen. Im Norden ist das die Côte Vermeille, an der das bonbonfarbene Dorf Collioure eine wahre Augenweide ist. Was auch Malern wie Henri Matisse, André Derain und Georges Braque auffiel, die dort am Anfang des 20. Jahrhunderts einen Malstil entwickelten, der später in Paris als Fauvismus geschmäht wurde. Auf der spanischen Seite ist die Küste nichts anderes als der nördliche Teil der Costa Brava. Wobei anzumerken ist, dass der schönste Teil der Costa Brava nicht dieser nördliche Abschnitt ist, sondern weiter südlich zwischen Sant Feliu de Guixols und Begur zu finden ist.
Gerade der Südteil der Serra ist ein menschenleeres, im Sommer sehr heißes Gebiet, dessen größter Teil seit 1986 als Paratge Natural d’Interès Nacional ausgewiesen ist. Dieser Status ist nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch, es besteht also eine gewisse Art von Naturschutz, der aber nicht mit dem eines Nationalparks vergleichbar ist. Jedenfalls ist dieses „nationale Interesse” an der Serra darin begründet, dass es zum Beispiel dort eine teils wildlebende Rinderrasse gibt, die Vaca de l’Albera, nicht allzu große, dunkle Rindviecher, die nirgendwo sonst mehr vorkommen und angeblich so nah mit den ausgestorbenen Auerochsen verwandt sind wie keine andere Rinderrasse auf der Welt. Ebenfalls leben in der Serra noch ein paar Griechische Landschildkröten, also recht weit weg von dem Land, das als Namensgeber Pate stand. Zudem haben die Menschen in grauer Vorzeit die Serra mit einem wahren Netz aus Dolmen und Menhiren überzogen; nirgendwo sonst im Languedoc oder in Katalonien finden sie sich in ähnlicher Anzahl auf einem so engen Gebiet. Auch aus dem Mittelalter sind sehenswerte historische Anlagen erhalten wie das Castell de Requesens oder die Ruine des Benediktinerklosters Sant Quirze de Colera.
Die französische Seite der Serra d’Albera ist ein wenig dichter besiedelt; an ihrem Fuß reihen sich einige Dörfer wie an einer Kette entlang und im Hinterland von Perthus verstecken sich verschlafene Weiler im Wald. Für Dionysosjünger ist Banyuls-sur-Mer eine spannende Sache; dort wird aus Rotweintrauben (hauptsächlich Grenache, daneben der übliche Languedoctraubenmix) ein Likörwein hergestellt, der fast schon archaisch wirkt im Hinblick auf die klaren Turbohefeweißweine und dunklen Konzentratrotweine, welche der trendige Weinsüffler heutzutage bevorzugt. Die Herstellung dieses Süßweins verläuft ähnlich wie beim Portwein, sprich man unterbricht die Gärung durch die Beimischung von reinem Alkohol oder Branntwein. Der spätere Ausbau weicht dann allerdings von dem des Portweins ab, er erfolgt oxidativ.
Dolmen, altertümliche Rotweine, wilde Kühe –da kann sich der Verdacht aufdrängen, in diesem Flecken im Südwesten Europas sei die Zeit ein wenig stehengeblieben. Ist es aber wirklich verkehrt, wenn es so wäre?

2. Radfahren in der Serra d’Albera:

Zu diesem unserem Hauptthema gibt es gar nicht so viel zu sagen. Die Serra ist eben ein kleines Gebiet. Man kann sie ohne große Mühen an einem Tag umrunden. Die vier auf quaeldich.de beschrieben Anstiege dürften daher schon den Großteil dessen darstellen, was man als Rennradler dort unter die Räder nehmen kann. Bekanntester Anstieg ist natürlich der Weg zum Tour de Madeloc wegen der Aussicht von dort über die Mittelmeerküste. Der nahegelegene Tour de la Massane, Teil desselben mittelalterlichen Verteidigungssystems, steht zwar noch höher als der Madeloc, es führt aber keine asphaltierte Straße dort hinauf. Sehr zu empfehlen ist der Weg zum Puig Neulós, eine ruhige Strecke, an deren Ende ein sagenhaftes Panorama wartet. Alle 4 Pässe der Region ansehen