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Punta Veleno (1143 m) Selletta di Punta del Telégrafo, Prada Alta

Hört dies je auf?

Auffahrten

Von Renko – Die Auffahrt beginnt wahlweise in Cassone bzw. Assenza di Brenzone, oder etwas weiter südlich knapp außerhalb Brenzone (diese habe ich gewählt, der Abzweig ist mit „Castello” ausgeschildert).
Zuerst gewinnt die schmale Straße zügig an Höhe, dann lässt die Steigung wieder nach. 600 m nach Beginn erreicht man Boccino, 600 m später ohne Höhengewinn hat man Castello hinter sich und steht an einem Abzweig rechts nach Prada.
Es ist Ostermontag 2008, die Alpensüdseite leidet unter einem Kaltlufteinbruch, der Himmel ist bedeckt, ein starker, für die Jahreszeit viel zu kalter Wind bläst, die Nullgradgrenze liegt bei 800 Metern. Die Form ist nach einem sportfreien Winter nicht gerade gut, der Radler trägt der Witterung wegen zu viel Bekleidung für eine solche Auffahrt. Die Bedingungen sind denkbar schlecht.
Am Abzweig steht ein Mann, wahrscheinlich ein Einheimischer. Sein fragender Blick ist mir nichts Neues, aber heute habe ich eher Furcht als Freude daran.
Von den folgenden Kilometern bleiben die Erinnerungen wegen der Anstrengungen nicht wirklich vollständig. Aber was in Erinnerung bleibt: Am Beginn warnt ein Straßenschild vor 10 % Steigung. Die inzwischen zu einem schmalen Gässchen gewordene Teerpiste geht bezüglich Steigung sofort in die Offensive. Dann flacht die Straße überraschend ab. Nach einer scharfen Rechtskehre erreicht die Steigung gut 20 %. Im Wiegetritt verliere ich meine Brille, halte an, und rolle vorsichtig zurück. Den Fuss kriege ich nicht ins Pedal, also kehre ich zurück zur Kehre und fange wieder an.
Dann folgt die zweite Kehre, scharf links, bald danach die dritte Kehre. Ab hier versteckt die Straße nichts mehr, eine pausenlose, seltsam steile, mehrere Kilometer langer Abschnitt beginnt. Ich atme in der kühlen Luft eher wie eine Dampflokomotive, die Steigung ist ausgesprochen heftig. Zum großen Glück folgen in kurzen Abständen Kehren.
Noch in diesem Bereich folgt eine Kehre nach rechts, bis zur nächsten Kehre erreicht die Steigung vermutlich die höchste Prozentzahl. Angaben eines mit GPS ausgerüsteten QDlers zufolge bis 23 %.
Noch schlimmer: nach der neunten Kehre ist die Steigung weiterhin in dem Bereich 15–20 %. Aber es folgen keine Kehren mehr. Der psychische Druck nimmt dementsprechend zu. Der kalte Wind heult, es wird mit dem raschen Höhengewinn ständig kälter.
Ungemein lang dauert die Hangtraversierung, dann endlich die Erlösung – die nächste Kehre. Wieder folgt eine Serie von Kehren, die Steigung lässt etwa in der zweiten Hälfte dieser Passage ein kleines bisschen nach.
Dann biegt die Strasse um 90 Grad um und führt den Hang einfach kehrenfrei hoch. Hier gibt es wieder Steigungswerte von gegen 20 %. Dann weitere Kehren, bei einer scharfen Rechtskehre biegt ein Weg links ab zum Rifugio Telégrafo. Die ersten zwei Meter sind betoniert, danach ist der Zustand von Schnee und Eis verschleiert. Gemäß Karte führt er wie die Straße bis dahin mit Kehren bis auf die Bergspitze auf 2100 m Höhe. Ausgebaut zu einer Straße, gestehe ich ernüchternd zu, hätte man eine Auffahrt von 2000 supersteilen Höhenmetern am Stück und die wohl anspruchsvollste Bergstraße der Alpen!
Nun ist der Aufstieg so gut wie geschafft. Der Wind ist nicht mehr zu spüren, allerdings ist die Straße teilweise schneebedeckt. Nach einem Aussichtspunkt erreicht man eine Kluft im Berg. Die Straße klebt sich an die Felswand und führt hufeisenförmig weiter bis auf die andere Seite der Kluft. Die Trassierung ist abenteuerlich. Dann folgt ein kurzer Aufstieg bis zum Höhepunkt.

20 Befahrungen Befahrung eintragen
Schnellste Zeit
01:00:00 | 07.06.2012
el Pedalero
Mittlere Zeit
01:24:00 | 30.04.2012
gigi
Dolce Vita
01:35:40 | 06.07.2013
christian1982
Von AP – Diese Auffahrt ist bis auf die ersten Kilometer identisch mit der von Renko beschriebenen Nordwestanfahrt von Magugnano. Da zwei Mitglieder der quaeldich.de-community kurz nacheinander (März 2008 bzw. Juni 2008) den Punta Veleno bezwangen und wir nicht über einen 08/15-Paß von nebenan reden, bieten wir dem interessierten Leser zwei Beschreibungen der gleichen Auffahrt. Hier also der zweite Erlebnisbericht über Punta Veleno:

Eins vorweg, mit dem Wetter habe ich mehr Glück als Renko drei Monate zuvor. Es ist warm, aber nicht heiß, und die Straßen sind trotz der heftigen Gewitter am Vortag halbwegs trocken. Als Ausgangspunkt nehme ich den Ort Assenza (eines der vielen Brenzone-Unterdörfer) südlich von Malcesine, weil ich im Internet ein Steigungsprofil gesehen habe, das dort beginnt. Die Abzweigung ist schwer zu finden, am nördlichen Ortsausgang; ausgeschildert ist Sommavilla, aber das Schild ist halb verdeckt von einer Hecke. Die Straße zieht gleich heftig an und führt mit 13 bis 15 % Steigung durch ein Wohngebiet mit Apartmenthäusern. Eigentlich ist der steile Auftakt ganz praktisch, denn wer dort schon merkt, dass er Probleme hat, der kann sich gleich den wesentlich schwereren Abschnitt ab Castello di Brenzone sparen und auf einen anderen Tag mit besserer Form verschieben.
Die Rampe ist einen knappen halben Kilometer lang und endet in Sommavilla, wobei zwischen beiden Dörfern keine Abgrenzung erkennbar ist. Oben biege ich rechts ab und fahre in Richtung Castello di Brenzone durch eine locker bebaute Gegend mit vielen Olivenbäumen oberhalb des Sees entlang nach Süden (im ersten Teil heißt die Straße auch Via Madonna degli Ulivi). Nach etwa 2 km erreiche ich den Ortseingang von Castello und sehe den Abzweig nach links in Richtung Prada. Von hier an ist die Strecke dieselbe wie die von Renko weiter oben beschriebene.
Erstmal ist es ziemlich steil, nicht so steil aber, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Realität holt meine Vorstellung hinter der ersten Serpentine ein. Das Inferno beginnt. Die Straße ragt wie eine Leiter aus Asphalt aus dem Dorf in den Buschwald hinein, der dort die unteren Flanken des Monte Baldo bedeckt.
Meine Taktik ist ganz einfach, ich fahre auf den Flachstücken (also dort, wo es zwischen 10 und 15 % Steigung hat) im Sitzen so langsam wie es geht und über die Rampen (also die Abschnitte mit um die 20 % Steigung) im Stehen mit Vollgas. Vollgas sieht dabei aber auch nicht anders aus als die Schleicherei davor. Das Ganze summiert sich zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 bis 6 Stundenkilometer.
Tatsächlich erleichtern zwei Umstände die Auffahrt, mit denen ich nicht gerechnet habe: in den Serpentinen ist die Straße jeweils für ein paar Meter flacher, und insgesamt ist der Straßenbelag wesentlich besser als zum Beispiel bei Prato Maslino, einem anderen dieser italienischen Hardcore-Anstiege.
So krieche ich also Serpentine um Serpentine nach oben. An manchen Stellen sehe ich den See immer tiefer unter mir, aber die meiste Zeit schaue ich einfach konzentriert nach vorne, um abzuschätzen, was auf mich zukommt. Manchmal schaue ich auch nur nach unten und denke an gar nichts. Zwischen Serpentine 7 und Serpentine 9 fahre ich fast ausschließlich im Stehen, die Steigung auf diesem Stück ist enorm und lässt einfach nicht nach. Dort wird wohl irgendwo der von Renko erwähnte Maximalprozentsatz stecken. Allerdings muß ich zugeben, dass keine Rampe am Punta Veleno so steil ist wie die Mörderserpentine der Auffahrt zum Rifugio Alpo, an der ich am Vortag beinahe zerschellt wäre.
Das lange Geradeausstück hinter Serpentine 9 habe ich mir auf Google Earth vorher angeschaut - es geht doch nichts über eine solide Vorbereitung. Deswegen habe ich das Gefühl, dass alles nicht so dramatisch ist. Das Gefühl veleitet mich zu dem Gedanken, die Auffahrt unter Kontrolle zu haben. Die Gerade wird lang und länger und länger. Und endlich erreiche ich Serpentine 10.
In der nächsten Rampe trifft es mich wie mit einem Wasserwerfer. Mir wird schlagartig kälter, und meine Muskeln fangen leicht an zu zittern. Unglaublich, wie schnell dieser Pass die Kraft aus dem Körper saugt. So viel zum Thema, alles unter Kontrolle zu haben.
Serpentine 11 durchquere ich ganz langsam und setze sogar für zwei Meter mit dem Treten aus. Ich glaube, von dort aus gibt es auch einen beeindruckenden Seeblick. Neben Serpentine 12 gähnt eine tiefe Schlucht, es sieht aus, als hätte ein Riese den Berg mit einer Axt gespalten. Ab Serpentine 13 geht es mir wieder ein wenig besser.
Mehr Serpentinen... und dann wird es für ein paar Meter flacher hinter Serpentine 16. Sollte es das gewesen sein?? Vor Freude fahre ich ein paar Schlenker, anscheinend habe ich es geschafft.
Leider nein, der Weg zieht sofort wieder an. Nun gibt es erstmal keine Serpentinen, es geht einfach nur steil den Hang hinauf. Die Landschaft öffnet sich. Und Serpentine 17 ist erreicht. Zeit zum Durchschnaufen? – Fehlanzeige, jetzt sind die Serpentinen leider nicht mehr flacher. Höher, steiler, Serpentinen. Ich überlege mir, wie lange ich das noch durchhalten kann. Vor Serpentine 20 sehe ich wieder den See unter mir und die Berge dahinter. Toller Blick! Schnell durch die Serpentine und dann wieder zum See schauen. Das macht auf einmal richtig Spaß! Und wieso tritt es sich so leicht?? Ich schaue nach vorne. Die Straße führt nur leicht ansteigend in den Bergwald hinein – das war es. Das Steilstück ist endlich vorbei. Tatsächlich liegt Assenza nur etwas mehr als 8 Kilometer hinter mir, aber es kommt mir vor, als wäre ich dort vor Monaten aufgebrochen.
Der Rest ist Genußradeln pur. Zuerst ein Stück im Wald (dort ist auch ein Wanderweg zum Rifugio Telégrafo ausgeschildert), dann Verschnaufpause auf einem Picknickplatz mit Ausblick, dann die dramatische Straßenführung an der Schlucht entlang, dann die letzten Meter hoch zum Pass, auf dem nur ein mickriges Straßenschild steht.

Oben dann eine hübsche Anekdote: zwei Autofahrer (ein Ehepaar vermutlich) fragen mich, ob man aus der Richtung, aus der ich käme, zum See abfahren könne. Könne man, antworte ich, aber es fiele steil ab. Natürlich, sagt mir die Frau, auf dem Schild stehe ja auch 10 %.
Wenn es nur das wäre, denke ich mir......

21 Befahrungen Befahrung eintragen
Schnellste Zeit
00:53:13 | 01.09.2013
Mikerider
Mittlere Zeit
01:10:22 | 24.05.2016
bikesan
Dolce Vita
01:40:00 | 07.10.2012
Helga
Von Renko – Die viel gemütlichere Seite des Telégrafo beginnt wahlweise in Garda (verschiedene Varianten) oder im nördlich liegenden Kurort Torri del Benaco.
Zuerst gewinnt die Straße mittels Serpentinen moderat an Höhe. Nach vier Kilometern mündet von rechts her eine der Strassen aus Garda. Dann führt unsere Straße geradeaus in Richtung Norden durch Albisano, ehe ein neuer Serpentinenabschnitt beginnt.
Nach sieben Kilometern fährt man links in die SP9 aus Garda, 4 km später biegt man hinter San Zeno scharf rechts in die Via Monte Baldo. 2,8 km später mündet von rechts her die SP29 aus Caprino ein.
Nun führt die Straße erstmals bei einer Steigung von über 10 % weiter. Nach 15 km zweigt nach rechts die mit Wintersperre verhängte, nur teilweise geteerte Piste zum 1815 m hohen Rifugio Fiori del Baldo (das früher mal Rifugio Cornetto hieß). Fünf Kilometer später hat man den Ferienort Prada erreicht. Von hier aus gibt es tolle Blicke auf den Monte Baldo sowie hinab zum Gardasee und den Bergen hinter dessen Westufer.
Hinter Prada führt die breit ausgebaute Straße zuerst weiter Richtung Norden mit leichtem Höhenverlust. Nach einem Kilometer ist der Tiefpunkt erreicht, der Ausbau ist zu Ende, man wechselt auf eine schmale, alt asphaltierte Armierungsstraße, die bald danach bei einer Steigung von rund 14 % einen Kilometer bis zum Hochpunkt Telégrafo weiterführt.
Diese sehr bequem zu fahrende Auffahrt eignet sich hervorragend im Frühling, um erste Höhenmeter zu sammeln. Als Alternative zur übersteilen Abfahrt nach Brenzone/Assenza kann man den gleichen Weg zurückfahren bis San Zeno, dann die Strasse über Villanova wählen. Sie ist recht lang flach, ehe sie bei zunehmendem Gefälle hinabführt. Kurz vor Castelletto gibt es eine Abzweigung nach rechts mit einer Beschränkung in der Breite von nur 1,5 m. Die archaisch gepflasterte Gasse (siehe Foto 23) mit Gefälle von über 20 % ist allerdings so gut wie unbefahrbar!

27 Befahrungen Befahrung eintragen
Schnellste Zeit
01:20:00 | 01.10.2013
OeTTZI
Mittlere Zeit
01:30:00 | 21.07.2015
Mister7
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01:48:20 | 01.09.2017
Giorgio_51

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