Mallorca - erste Sonne 2004 / Die höchsten Pässe Mallorcas
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Erlebnisbericht: Mallorca - erste Sonne 2004
Erlebnisbericht von marik (weitere...)
Tag 3: Son Serra de Marina - Son Serra de Marina: Die höchsten Pässe Mallorcas
158 km / 30.03.2004
Son Serra de Marina (0,0 km) - Coll de Sa Bataia - Puig Major - Coll de Sóller - Son Serra de Marina (158,0 km)
Beschreibung
Die Verheißung der gestrigen Nacht wurde zwar nicht ganz erfüllt, aber immerhin gab es heute morgen statt einer grauen Wolkendecke immerhin Wolken mit blauen Himmel.Zu fünft ging es los, Eva wollte lieber laufen gehen. Nach dem Frühstück hatte sich der Himmel zwar zugezogen, aber es sah immer noch wesentlich besser aus als gestern.
Bei km 2,6, gleich nach dem Abzweig nach Sta Margalida, fielen ein paar Tröpfchen vom Himmel, aber das waren zum Glück die letzten des Tages. Zwar blieb es bedeckt, aber wir kamen fast komplett trocken über den Tag.
Und so war die Stimmung schon deutlich besser als gestern, als wir heute in Muro einfuhren. Auch wollten wir die öde Gerade nach Sa Pobla umgehen, also fuhren wir in Muro nach links auf einen schmalen Weg, den wir gestern auf Uwes 40:000er Karte entdeckt hatten.
Der führte uns asphaltiert, aber mit mehreren Schlaglöchern versehen, zwischen Sa Pobla und Buger wieder auf die Straße durch Buger nach Campenet.
Die gesamte heutige Strecke war schon sehr nach meinem Geschmack. Nur schmale Straßen, dazu die malerische Ortseinfahrt nach Muro, und nun weiterhin auf abwechslungsreichem Weg zwischen den typischen mallorquinischen Steinmauern, zwischen Olivenhainen und Orangenbäumen, zwar immer noch unter bedecktem Himmel, aber mit Ziel auf die Berge. Was wll man mehr?
Wir blieben den schmalen Straßen treu und fuhren in Moscari rechts zum kleinen Weiler Binibona, der aus nur zwei Häusern besteht. Gleich beim Ortseingang muss man links abbiegen, aber die Einfahrt sieht so privat aus, dass wir erst mal vorbeifuhren. Zwei km später kamen wir durch die Straßen von Caimari auf die Südrampe des Coll de sa Bataia, unseren ersten mallorquinischen Pass.
Der erste Pass
Nun war mir auch das immer noch triste Wetter ziemlich egal, endlich ging es wieder bergauf: 9,5 km auf zweispuriger, und damit für mallorquinische Verhältnisse recht breite Straße ging es bergan, und diese hatte alles zu bieten, was einen echten Pass ausmacht: enge Kehren und schöne Aussichten, auch wenn man den Kiefernwald nie verlässst, in den man bald nach Caimari eintritt.Nur an einer weiteren Stelle habe ich auf ganz Mallorca Wald mit richtigen, so eng stehenden Bäumen gefunden - mitten auf der Insel, auf dem Weg von der PMV 3101 über Ruberts nach Lloret (de Vista Allegre), den man als Ersatz für die 7 km lange, schnurgerade und breit ausgebaute PMV 3101 auf jeden Fall fahren sollte.
Jochen fuhr schnell voraus, und Martin ließ sich gerne anstacheln, ich wäre gerne mit angetreten, traute aber meiner Form nicht und kontrollierte mit Torsten das Feld von hinten. So hatten wir genug Zeit, anderen Radfahrern (von denen es hier erstmals richtig viele gab) die Genugtuung zu geben, uns zu überholen und ansonsten den Straßenverlauf auf uns wirken zu lassen - wir genossen den ersten Aufstieg seit langem (für mich seit den Pyrenäen im Juli 2003, was für eine überlange Zeit).
Kurz vor der Einmündung der Ostrampe von Pollenca befindet sich der Hochpunkt der Strecke, der Coll de Sa Bataia auf 579 m, manchmal auch die Tankstelle genannt, denn die steht hier neben eines Restaurants, an dem trotz des eher schlechten Wetters einige Fahrräder lehnen. Wir kaufen Cola an der Tanke und fahren weiter, die ersten neun welligen Kilometer auf der Küstenstraße C710, dem Westküstenklassiker. Die meisten Radfahrer bogen nach Pollenca ab, am Kloster Lluc vorbei - ein weiterer gängiger Name dieses Übergangs.
Auf der Küstenstraße
Die weiteren Kilometer bis zum Abzweig nach Sa Calobra gingen durch niedrigen Kiefernbewuchs rechts und links der Straße; Das Meer ist hier nicht sichtbar, die höchsten Berge Mallorcas versperren hier den Weg. Der zweithöchste, der Macanella (1348 m) befand sich zwar linker Hand, doch der Puig Roog (1002 m) und seine etwas niedrigeren Vasallen waren hoch genug, um in den Wolken zu verschwinden, und als Blickfang auf dem Weg zum Wasser reichte das allemal. 9,5 km nach der Kreuzung am Kloster Lluc zweigt die Straße nach Sa Calobra nach rechts und Norden ab, nach einer kurzen Abfahrt muss man hier noch einmal bergan, bevor man auf der Die Schlange genannten Straße bergab nach Sa Calobra fährt. Mich juckte es gehörig in den Füßen, hier und jetzt rechts ab zu biegen, aber der heutige Tag hat noch genug zu bieten, die 10 weiteren Kilometer zum Puig Major, die Abfahrt nach Soller (50 m) und die 80 km lange Heimfahrt über den Coll de Soller (496 m), und so lassen wir die Straße rechts liegen, wohl wissend, dass es dieses Jahr keine weitere Möglichkeit geben wird, hinunter nach Sa Calobra zu fahren.Aber auf der Küstenstraße ging es bergauf, das war doch auch was, und sogleich durch den Tunnel, dem Beginn des Anstiegs zum Puig Major, den wir nach dem Tunnel zur Rechten sehen könnten. Statt dessen sehen wir links den ersten der beiden Stauseen, der hier grün-grau unter einer dichten Wolkendecke lag. Die Umgebung wird hier auf einen Schlag rauher - die Kieferndichte nimmt ab, immer mehr Steine betonen das Bild. Und das bei gleichbleibend recht niedriger Steigung, die erst kurz vor dem zweiten Stausee in einigen Serpentinen etwas ansteigt, bevor die Stra&szlg;e in einem weiten Bogen rechts um den Stausee herumgeführt wird.
Nach der Abzweigung der Gipfelstraße zum Puig Major (1448 m), die durch ein kräftiges Gittertor versperrt ist, hat man es schon fast geschafft, von hier aus sind es noch 1,5 recht flache Kilometer bis zum Gipfeltunnel, an dessen diesseitigen Eingang der Hochpunkt (880 m) erreicht ist. Es empfiehlt sich, den ca 250 Meter langen, unbeleuchteten Tunnel zu durchfahren, da der Blick auf der Westseite deutlich attraktiver ist, mit schönem Blick auf Soller samt Mittelmeer im Westen.
Auf dem Puig Major
Der Tunnel ist unangenehm, aber auch ohne Licht ist ein durchfahren möglich. In unserer Fahrtrichtung von Nord nach Süd fährt man im Tunnel leicht bergab, so dass man ihn recht schnell hinter sich hat. Aus Süden kommend ist er sicherlich unangenehmer.Die nun folgende Abfahrt war die prickelndste der ganzen Woche: Auf 16,5 km verliert man 850 der 880 m, und das auf einer breiten Straße mit gutem Belag, so dass Jochen und ich an zwei Reisebussen vorbei knattern konnten, die freundlicherweise kurz vor unserer Abfahrt durch den Tunnel geschossen kamen.
Zum Kuchen in Soller
Nach ca 8 km hielten wir in einer großen Linksserpentine an, denn hier wusste Martin von einer schönen Aussichtsplattform, die wir später auf der Karte als Mirador ses Barques und mit einem Sehenswürdigkeitsstern versehen wiederfanden. Nach dem lohnenden Ausweg stürzten wir uns in die immer noch lohnende Abfahrt weiter nach Soller, wo wir bei aufgerissener Wolkendecke den Dorfplatz an der Kathedrale ansteuerten.Nach einer Odyssee durch Soller gönnten wir uns den ersten Espresso in einem mallorquinischen Cafe. Das hatten wir uns eigentlich täglich vorgestellt - jetzt ließ Wetter und Entspannung das endlich zu.
Zwar hatten wir noch geschätzte 80 km, also das nochmalige Pensum des Tages vor uns, aber der Wind aus Richtung Süden versprach ordentliche Schiebedüse auf dem Weg zu unserem Haus, wenn wir den Coll de Soller erst mal überwunden hätten.
Quer durch ganz Soller und quer über den Dorfplatz führen die Schienen der eigentümlichen, Museumsreifen Bimmelbahn, die von Palma nach Soller führt, in einem eigenen Tunnel unter dem Coll de Soller hindurch. Der Schienenstrang wäre in seiner krummlinigen, von Parallelität weit entfernten Bauweise sicher nicht vom TÜV abgenommen worden - so aber konnten wir das ohrenbetäubende Konzert genießen, unter dem das Bähnchen über den Platz kroch.
Frisch gestärkt ging es dann wieder das Straßengewirr hinaus aus Soller auf die C711, die Passstraße des Coll de Soller.
Zum Coll de Soller
Diese Straße ist bis zum Straßentunnel ziemlich breit und stark befahren; eine Baustelle sorgte glücklicherweise dafür, dass die Autos nur in Schüben und nicht permanent an uns vorbeifuhren.Die 2 km vom Ortsausgang Soller bis zum Tunnel geht es mäßig um die 3 % bergan, bis der Verkehr geradeaus im Tunnel verschwindet, und man selbst links zum Col de Soller abbiegt, und die Steigung auf 5,5 - 6 % ansteigt.
Bei dieser gleichmäßigen Steigung verbleibt der gesamte Westaufstieg, der sich in 29 Kehren vom Tunnel zur Passhöhe windet. Der besonders in den Kehren rauh aufgefräste Belag macht die Auffahrt ein wenig ungemütlich (Achtung in der Abfahrt). Ansonsten eröffnen sich in der Auffahrt nur wenige Blicke ins Tal nach Soller; um diese genießen zu können lohnt sich aber, abseits der Straße einmal nach hinten zu Blicken. Dann sieht man bei schönem Wetter Soller vor dem Mittelmeer liegen - nicht allerdings, wenn es wieder so diesig ist wie jetzt.
Oben angekommen merkten wir, wie der Wind auf der anderen Seite der Berge geht - die Bäume an der Passhöhe biegen sich beträchtlich, wie Torsten in seinem Passvideo festzuhalten wusste. Die Aussicht weniger auf das Landesinnere, als auf die vor uns stehende Abfahrt, ließ unser Herz höher schlagen, und voller Erwartung stürzten wir uns in das Serpentinengewirr, das man von oben ausmachen konnte.
Aber sowohl Jochen als auch ich gerieten in den ersten Kehren ins rutschen, so dass wir dem Belag in der Folgezeit nicht mehr recht trauten. Das hatte sicher nichts mit der Abfahrt im Allgemeinen, sondern mit der heutigen Witterung zu tun. So ließen wir die Abfahrt ruhig angehen, was nicht nur zur Erholung, sondern auch zum höheren Landschaftsgenuss gereichte.
Am südseitigen Tunnelausgang nahm der Verkehr erwartungsgemäß deutlich zu, und wir waren froh um den breiten Seitenstreifen, auf dem wir das leichte Gefälle zum zügigen Vorankommen nutzen konnten.
Wir nahmen nicht den kürzeren Weg über Bunyola, Ausgangspunkt zur Westseite des Coll de Hono, besser bekannt als Orient und für morgen auf dem Programm, sondern die flachere Variante, die der C711 noch 4km lang treu bleibt.
Kurz nach dem Abzweig Richtung Santa Maria auf die PM 203 wurden wir hier noch einmal Zeuge der Bimmelbahn Palma-Soller, die vor uns über die Straße zuckelte.
Bei km 107 und 8 km nach dem Bahnübergang erreichten wir Santa Maria. Schon auf dem Weg dahin stellte Jochen den Tacho auf 40, und ihn vor mir und den Wind im Nacken fuhr es sich auch durch Biniali (111 m) angenehm weiter auf der PM 202 nach Sencelles (118 m), Kreuzungspunkt vieler interessanter Straßen in alle Himmelsrichtungen.
Heute zogen wir hier dnoch die für diese Umgebung verhältnismäßig breite (aber immer noch angenehm schmale Straße) vor, die nach 5 km PM 314 auf die Einflugschneise PMV 3101 nach Sineu mündet: 7 km schnurgerade und ziemlich stark befahren. Eine ca 2 km längere, weitaus schönere Alternative führt hier ca 100 m nach der Einmündung von Sencelles (PM 314) nach rechts weg Richtung Ruberts. Heute sehen wir davon nicht viel, nur die verheißungsvollen ersten 100 m der schmalen Straße (zu schmal für einen Mittelstreifen, und das will etwas heißen auf Mallorca). Erst am Freitag werden wir diese Straße auf unserer Westküstentour nach Palma kennen lernen.
In Sineu (144 km) angekommen, suchten wir erst mal ein Cafe, um uns mit einem Colaschock auf die letzten 21,5 km vorzubereiten. Diese begannen auf der PM 351 am Kreisel mit der Windmühle am Ortsausgang in Richtung Maria de la Salut.
Hier führt die Straße über Wellen durch Ackerland, mit schönem Blick auf die Bergkette links von uns im Westen - wenn die Luft klar ist.
Wir hatten dieses Glück nicht, der Himmel über uns war mittlerweile wieder bedeckt, aber wir waren nach den letzten Regentagen froh, ohne Regenguss nach Hause zu kommen, und fuhren weiter bis zur Kreuzung mit der PM 334, die in einer Nordwestkurve um Sta Margalida herumführt, um dann auf unsere Zielgerade PM 340 nach Osten, nach Hause zu bringen.
Diese Westschleife weicht stark von der Luftlinie ab. Martin erkannte messerscharf, dass die Straße, die an dieser Kreuzung geradeaus führt, eher nach Hause führt, uns so befuhren wir diesen schmalen Weg, der uns tatsächlich auf direktem Weg am Friedhof vorbei auf unsere Heimstrecke brachte. Von hier aus waren es nur noch 11 km, aber hinter jeder Linkskurve vermuteten wir schon die Senke, in der unsere Straße auf dei Uferstraße stößt und damit die letzten Kilometer einleitet.
Aber auch dieses Stück ging zu Ende, und um halb sieben fuhren wir erschöpft und zufrieden zu Hause ein: wir sind trocken geblieben, haben mit Coll de Sa Bataia Puig Major und Coll de Soller drei handfeste Pässe erlebt, und zusätzlich noch einiges vom Landesinneren gesehen. Am Ende standen 158 km und Hm auf der Uhr - eine sehenswerte Bilanz.
Am Abend
Was sonst? Nudeln gabs heut abend. Für die Tomatensauce zeichnete Jochen verantwortlich und kassierte den silbernen Kochlöffel für das schmackhafteste Mahl der Tour.Von der Wetterentwicklung angespornt fand die Planung für den morgigen Tag in bester Stimmung statt.
Ziemlich schnell stand fest, dass wir morgen in das Allgäu Mallorcas vorstoßen wollten, wie Uwe sagte, nach Orient nämlich, und über den Coll de Hono (550 m). In Bunyola (233 m), dem westlichen Endpunkt der Orientstrecke gäbe es dann die Möglichkeit, sich zu trennen.
uwe kündigte sich an, bis dorthin mitzufahren, und Torsten wollte es von seinem Knie abhängig machen, dass durch den heutigen Tag in Mitleidenschaft gezogen war.
Martin wollte so gerne noch die PMV 1032 über Galilea fahren, eine Strecke, die er von früheren Urlauben aus dem Auto kannte, und als wunderschön beschrieb.
Wunderschön - das fand Anklang. Wir schätzten die Strecke kurzum auf 190 km und beschlossen die Tour.
Ein später Anfall von Skepsis ließ mich die km auf der Karte summieren - es würden 220 werden. Wir sprachen das Vorhaben noch einmal durch und knickten auf eine 185 km Runde ein, die von Bunyola über Palmanyola hinauf nach Valldemossa (425 m) führen sollte, an der Westküstenstraße C710. Jochen schwärmte von einer äußerst schmalen Straße nach Port de Valldemossa ans Meer, und die wollten wir stattdessen fahren. Die weitere Planung führte nach Soller (50 m), von wo wir den entgegengesetzten Hinweg von heute für den Heimweg nutzen wollten: über Puig Major und Coll de Sa Bataia.
Euphorisch gings ins Bett, in Erwartung besten Wetters. Das kam auch, aber anders als erwartet. Und damit eine andere Tour als erwartet.




