Mallorca - erste Sonne 2004 / Ermita de Betlem am Ruhetag
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DLRF: 2
Erlebnisbericht: Mallorca - erste Sonne 2004
Erlebnisbericht von marik (weitere...)
Tag 2: Son Serra de Marina - Son Serra de Marina: Ermita de Betlem am Ruhetag
105 km / 01.04.2004
Son Serra de Marina (0,0 km) - Ermita de Betlém - Son Serra de Marina (105,0 km)
Beschreibung
Heute war fast alles, wie wir uns das vorgestellt haben: Der Himmel blau ohne Wolkentrübung, die Muße vorhanden, in Ruhe zu frühstücken, denn wir wollten uns erst um halb eins mit Joachim in Petra treffen. Umso bitterer für Torsten, dass ihn das am Dienstag geschundene Knie so plagte, dass er zu Hause bleiben musste.Wir anderen rollten aber zusammen los: Eva war erstmals mit dabei, und überraschte uns alle, indem sie das Tempo in der Gruppe angab. Zumindest Martin, Jochen und ich waren am lockeren fahren interessiert, und so fuhren wir zunächst brav hinterher. Die Strecke über Muro nach Sineu war schön wie am ersten Tag, leider hatten wir ein wenig beim Frühstück getrödelt, was den direkten Weg nach Petra bedeutete, und den Umweg über Sant Joan für einen weiteren Urlaub übrig ließ. In Petra gab es wieder Kaffee und Kuchen, wieder zu einem anderen Preis, aber immer noch billig.
Ab gings auf die Heimfahrstrecke PM333, aber von der ab auf die Serpentinenstraße über Sa Vall in Richtung Manacor, die wir ja schon kannten: vom Sonntag unter vollkommen anderen Wetterverhältnissen in der Gegenrichtung. Wir kamen aus Norden nach Manacor und fuhren auf der Hauptstraße die 200 m nach links auf dem Bürgersteig, denn wir nahmen gleich die östliche Parallelroute wieder nach Norden. Diese Straße ist etwas breiter als die Schwester im Westen, wurde aber schon nach 3,5 km wieder nach rechts verlassen, Richtung Sant Llorenc. Jetzt ging es 5 km durch Ackerland, bevor wir nach links in Richtung Arta abbogen (nicht ausgeschildert).
Ab hier ging es leicht bergan, vorrangig durch Weideland mit blökenden Schafen. Hier ist es richtig einsam - kein Wunder, bei dem Straßenbelag. Der ist nicht auf unbedachtes Fahren ausgelegt, und wirklich Geschmackssache. Richtig kriminell ist er aber nirgends. Von der Abzweigung sind es noch einmal 15 km bis Arta, und wenn man glaubt, man ist oben, geht es noch eine ganze Weile auf und ab, bevor die verbreiterte Straße die Rückkehr in die Zivilisation ankündigt. 1,5 km vor Arta geht es an einem Halbkreisel auf die Küstenstraße, von der hinein nach Arta.
Ermita de Betlem
In Arta selbst ist es etwas trickreich, den Weg zur Eremitage zu finden, und ich weiß immer noch nicht, wodurch wir dann richtig geleitet wurden, irgendwie hat Martin das in perfektem Spanisch herausbekommen.Sobald wir nach Norden aus Arta heraustraten, zeigten sich unsere Erwartungen bestätigt. Zwar ist die Straße, auf der es zunächst einige Hundert Meter leicht bergab geht, noch gut zweispurig, aber die Aussicht auf das Kommende verspricht einiges: Wir fuhren auf die Berge, eigentlich mehr auf die Hügel der Serra d'Arta zu, auf dessen Nordseite die Ermita de Betlem liegt. Rechts und links der Straße liegt zunächst Ackerland, das wir zumeist eben durchfahren. Vor der eigentlichen Auffahrt, gelegentlich durch kleine Waldstellen führend, fährt man über zwei Wellen, und wird in einem größeren Waldstück nah an die Schlucht des Torrent d'es Cocons geführt, der zu dieser Jahreszeit völlig ausgetrocknet da liegt, und die links auftauchende Staumauer oder Befestigungsanlagen etwas deplatziert aussehen lässt.
Auf dieser Passage überdeckt die Straße ein Baldachin aus Laub, das ein grün-leuchtendes Licht erzeugt. Dann geht die Auffahrt richtig los. Zunächst noch in üppigem, mannshohen Gras- und Strauchbewuchs recht und links windet sich die seit der letzten Einmündung richtig schmale Straße in engen Kehren den Hang hinauf, an dem es zunehmend karger wird. Damit wird der Blick frei auf den weiten Kessel, den die Straße halb umläuft. Unter uns steht ein Wasserbassin inmitten knorriger Baumstümpfe und lose gestreuten Bäumen, darüber öffnet sich der Blick nach Süden über die Ausläufer der Serra d'Arta.
Wie steil der Weg hier tatsächlich ist, kann ich vom Gefühl nicht beantworten: der Ruhetag ließ es mir nicht so steil vorkommen, denn Martin und ich fuhren richtig langsam hoch, während Joachim und Jochen zügig gen Gipfel stürmten.
Immer wieder mit schönem Blick auf die unter uns liegende Trasse schraubten wir uns weiter nach oben, wo der Bewuchs sich ausdünnt und langes Gras die Überhand gewinnt. Da ist es dann nur noch eine Kurve auf die Zielgerade zur Kuppe (360 m), von wo aus sich ein wirklich traumhafter Blick auf die Bucht von Alcudia mit dem Cap Formentor vor uns, der kleinen Siedlung Betlem am Strand weit unter uns und das nahe Cap de Ferrutx (die Nordostspitze Mallorcas) rechts von uns.
Das Ende der Auffahrt ist allerdings noch nicht das Ende der Sackgasse zur Ermita de Betlem, denn von hier geht es noch ca 1,5 km bergab zur Eremitage, auf noch engeren Kehren als in der Auffahrt, und ständig wechselndem Blick hinunter zum Meer. Hier machte die Abfahrt richtig Spaß - antreten, anbremsen, im Scheitel wieder Vollgas. Ein kurzer Traum.
Die Tore zur Eremitage waren verschlossen, und fuhren bald wieder die Straße zurück hinauf, die wir gekommen waren. Ein unasphaltierten, aber den ersten Metern nach recht fester Weg führt hier hinab nach Betlem - ein Unterfangen für ein Mountainbike, nicht aber für unsere Bereifung.
Wieder oben angekommen genossen wir noch einmal den Rundumblick, bevor wir uns in rasender Fahrt in die Abfahrt stürzten. Erneut machte ich, wie schon den ganzen Tag über, den Versuch, die Abfahrt zu filmen, aber diesmal war der Weitwinkel nicht eingestellt. Ich hätte kotzen können, als ich das zu Hause bemerkte, denn die Kamera hatte meinen Kopf auf den letzten 70 km doch arg gebeutelt. Im Nachhinein tat das dem Ausflug zur Ermita de Betlem jedoch keinen Abbruch - nach der Fahrt nach Port de Valldemossa war dies die schönste Ecke, die wir auf Mallorca aufgetrieben haben.
Zwar fehlte uns die Abfahrt nach Sa Calobra ebenso wie die Fahrt zum Cap Formentor und nach Galilea, die sicherlich auch sehr schön sind, eber die Ermita de Betlem hat auf jeden Fall einen Ehrenplatz under den Auffahrten Mallorcas verdient.
Klar, dass der Rest der Fahrt reine Pflichtübung war, die Fahrt auf der Uferstraße wurde mehr absolviert als genossen, aber die hinter uns liegende Auffahrt war Ansporn genug.
Am Ende waren es 105 km und eine traumhafte Erfahrung und ein fetter Sonnenbrand bei Jochen und mir mehr: wie kann man sich auf Mallorca bei strahlender Sonne nicht eincremen?




