Mallorca - erste Sonne 2004 / Port de Valldemossa und zurück

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Erlebnisbericht: Mallorca - erste Sonne 2004

Erlebnisbericht von marik (weitere...)

Tag 1: Son Serra de Marina - Son Serra de Marina: Port de Valldemossa und zurück
185 km / 2500 Hm / 31.03.2004

Son Serra de Marina (0,0 km) - Coll d'Honor - Port de Valldemossa - Son Serra de Marina (185,0 km)

Beschreibung

Auf dem Weg nach Lloseta, in Richtung Coll de Hono.Alles Hoffen war vergebens: der wolkenlose Morgenhimmel zog sich noch vor dem frühen Frühstück zu - wir fuhren wieder unter einer geschlossenen Wolkendecke los - diesmal um 10 nach 9.
Aud direktem Weg ging es nach Inca, denn heute hatten wir einiges vor: über Orient und Coll de Hono (550 m) nach Bunyola (233 m), über Palmanyola hoch nach Valldemossa (425 m), eine Strecke, vor der wir wegen des vermutet starken Autoverkehrs Respekt hatten. Dann runter ans Meer nach Port de Valldemossa, einem Tipp von Jochen, und zurück, nach Soller (50 m), wo wir gestern schon waren, um heute aber den Puig Major von Süden zu fahren (über 800 Hm), und dann über den Coll de Sa Bataia (579 m) und irgendwie zurück, je nach Lust.

Abfahrt

Also gings über die rauhe Hauspiste nach Santa Margalida (92 m), und direkt weiter nach Llubi (73 m). Bis hier ist die Strecke noch recht angenehm, aber ab Llubi wächst der Verkehr, und die Baumaßnahmen zur Verbreiterung der Straße nach Inca (121 m) trugen ein übriges dazu bei, dass wir in Inca froh waren, die leidige 31 km lange Anfahrt durch die Ebene hinter uns zu lassen.
Nun wurden dwir aber entschädigt, denn die Straße über Lloseta (152 m) in Richtung Alaro erwies sich als schmal und unbefahren, mit Obstwiesen in saftigem Grün rechts und links der Straße.
Die Gegend war schön hügelig hier, und nur die äußerst tief liefenden Wolken schlossen die Sicht auf die Berghänge im Westen aus.
So ging es 11 km weiter, bis wir kurz vor Alaro rechts nach Nordwesten abbogen, den Bergen entgegen.

Orient und Coll de Hono

Uwe hatte uns ja gestern das Allgäu versprochen, was wir zunächst sahen waren aber die Dolomiten: vor uns erhoben sich zwei Kalkberge aus dem Hügelland, mit steilen, zerklüfteten Wänden, und oben abgebrochen wie ein Zahnstumpf - 1999 am Karerpass waren so auch die ersten Eindrücke der Dolomiten auf mich.
Hier beginnt auch der Aufstieg nach Orient, oder eigentlich zum Coll de Hono (550 m), wie der Übergang heißt. In karger werdender Landschaft steigt die seit dem Abzweig breitere Straße gemächlich bergan, um das Castell d'Alaro (880 m) linker Hand herum, einem scharfen Linksknick folgend. Hier befindet sich linker Hand eine Art Amphitheater aus grasbewachsenen Stufen, in dem allerhand Schnickschnack herum steht - unter anderem ein Doppeldeckerflugzeug auf einer der Stufen. Während wir uns das fragten, erreichten wir (ca bei km 8,5 km nach der Abzweigung vor Alaro) in einer kurzen Abfahrt den kleinen Ort Orient, Haupstadt des mallorquinischen Allgäus.
Denn Uwe hatte nicht zu viel versprochen. Durch liebliche Almenlandschaft führt der Weg nun in leichten Kurven durch die Hochebene hinter Orient. Hier kommen uns auch die ersten Radfahrermassen entgegen - Orient ist eine der Traditionsstrecken auf Mallorca. Immerhin ist der Coll de Hono mit 550 m der dritthöchste anfahrbare Punkt auf Mallorca (nach dem Coll de Sa Bataia (579 m) und dem Puig Major (880 m), über die es gestern ging).
Am Ende der Hochebene fuhren wir in Laubwald ein, der uns auf den Kehren zur Passhöhe treu blieb. Aussicht ist auf dieser Anfahrt Fehlanzeige, aber in Kurven bergauf... was will man mehr?
Die vollkommen bewaldete Passhöhe war bevölkert von Radfahrern im Fred-Rompelberg-Dress, von denen uns auch immer mehr in der Abfahrt begegneten. Die lässt sich gut rollen, und nach insgesamt 62 km kamen wir in Bunyola (233 m) an. Auf dem Dorfplatz betrachteten wir skeptisch den Himmel, aus dem uns auf der Abfahrt einige Tropfen entgegenkamen.
Hier verabschiedeten wir uns von Uwe und Torsten, die eine kürzere Strecke nach Son Serra de Marina zurück wählen wollten. Die beiden fuhren links, in Richtung Santa Maria; Martin, Jochen und ich fuhren rechts bergab zur C711, auf der wir gestern noch vom Coll de Soller gekommen waren. Ein Blick zum Pass verhieß nichts Gutes für unseren Plan, heute noch den Puig Major von Westen zu nehmen: dunkelste Wolken schon hier.
Glücklicherweise konnten wir hier noch der C711 ins Tal folgen, wie gestern weg vom Coll de Soller. Anstatt dann aber wie gestern in Richtung Santa Maria abzubiegen, ging es nach rechts, durch Palmanyola hindurch auf die PM 111, auf die wir in Richtung Valldemossa einbogen.

Hoch nach Valldemossa

Hier zeigte sich das Wetter schlagartig von einer ganz anderen Seite: die Wolken rissen auf, blauer Himmel und Sonne zeigten sich und sollten sich heute nicht mehr verstecken - der Sommer war da, und mit ihm beste Stimmung auf unserer Seite.
Unsere Befürchtungen vom Morgen erwiesen sich überdies als unbegründet: der Verkehr hielt sich in Grenzen. Die sieben Kilometer lange Auffahrt nach Valldemossa beginnt in einem eng eingeschnittenen Tal, das es recht monoton entlang geht, bevor sich das Tal zu dem Kessel öffnet, in dem Valldemossa liegt, ein typisches mallorquinisches Städtchen mit eng stehenden Häusern, schön am Hang gestaffelt. Hier sahen Martin und ich den entflohenen Jochen schon auf dem anderen Schenkel der großen Linkskehre, die die letzten Meter nach Valldemossa (425 m) einleitet. Eben ging es den Kilometer zur Küstenstraße C711 weiter und ließen den Abzweig in Richtung Soller (16 km) rechts liegen und folgten der Strecke nach Andratx für 100 - 200 m. Hier zweigt der Weg nach Port de Valldemossa rechts ab. Zwar befinden wir uns noch auf 400 m, und die Strecke nach Port de Valldemossa ist mit 6 km ausgewiesen, aber dennoch geht es an dieser Kreuzung zunächst nicht bergab, sondern ca 1,5 km eben bis zu einer Ansiedlung, bei der die eigentliche Abfahrt beginnt. Jochen hatte in den höchsten Tönen davon geredet, und so waren wir in der freudigsten Erwartung.

Runter und rauf: Port de Valldemossa

Doch zunächst befestigte ich am Abzweig die Kamera am Helm, um die Abfahrt zu filmen. Und die hatte es wirklich in sich: eine ganz schmale Straße (dennoch mit Mittelstreifen, klar!) führt hier in engen Kehren zum Meer hinunter, das hier eine kleine Bucht ausbildet - groß genug, um Port de Valldemossa zu beherbergen. Die verlorenen Meter machten sich in der Temperatur bemerkbar, es wurde immer wärmer, immer sonniger, immer mehr Mittelmeer. Auch, wenn sich die Abfahrt nicht wirklich zum Schnellfahren eignet, gaben wir das Mögliche bergab und waren in Port de Valldemossa ziemlich euphorisiert. Nur zur kurzfristigen Stimmungssenkung führte die Erkenntnis, dass ich die Kamera vor der Abfahrt nicht angestellt hatte (allerdings zur Belustigung von Jochen und Martin, deren Sprüche ich mir noch tagelang anhören musste). Das Wetter war einfach der Hammer, und so stellten wir die Räder an dem Zaun ab, der das Ende der Uferbefestigung markierte, und setzten uns gegenüber in die Bar, von der sich ein wunderbarer Blick über unsere Räder, die blaue See und den ebenso blauen Himmel ergab.
Hier unten ließen wir es uns richtig gut gehen. Obwohl der Hafen wenig von Touristen besucht scheint, war die Gastronomie hervorragend, und die Bedienung verstand auch deutsch - wir hatten zwar versucht, auf spanisch unsere Cola zu bestellen,... so viel zu unseren Sprachkenntnissen. Die Kellner verstanden ihr Handwerk, und überzeugten uns, eine Käse-Schinkenbrotplatte zu bestellen. Die ließen wir uns mit Oliven und Cola schmecken und genossen das Leben in der Sonne.
Es half aber nichts... wir hatten erst 90 km auf der Uhr, da kamen noch einige, und den Zenith dieser Tour glaubten wir überschritten. Die Tour bergauf (diesmal mit laufender Kamera auf dem Kopf und super Bildern) war noch einmal so schön wie bergab, mit engen Serpentinen auf schmaler Straße, den Blicken zurück auf die kleine Siedlung Port de Valldemossa vor dem Mittelmeer... einfach ein Traum.


Weiter, Richtung Heimat

Am Ende der 400 Hm, 4,5 km ging es weiter auf der Westküstenstraße nach Süden zum Coll de Claret (495 m). Die ursprüngliche Planung, über den Puig Major zu fahren, verwarfen wir und fuhren lieber in Richtung des schöneren Wetters, nach Süden eben. Es ging stets durch leichten Bewuchs ohne Aussicht auf das Meer, die Straße war, wie die gesamte Westküste entlang, recht breit, und irgendwie war das Schönste auch vorbei. Die 4 km und 95 Hm zum Pass gingen ohne spektakuläre Straßenführung eher vorbei als dass ich sie in ganzen Zügen genoss. Die Abfahrt war dann schon interessanter, wenn auch nicht wirklich schnell, einige Kurven waren in der 5 km langen Abfahrt doch schön zügig durchfahrbar. Nach der Abzweigung auf die PM 112 ging es weiter bergab nach Esporles, wo endlich die Kamera abmontiert wurde, die unterdessen doch schwer auf meinem Kopf lastete. Weiter gings zur PM 111, die wir heute morgen nach Valldemossa gefahren waren, und nun nach Palmanyola überquerten, entgegen der morgendlichen Richtung.
Wie gestern ging es nach Santa Maria und weiter nach Sencelles, wo wir dieses Mal aber nicht in Richtung Sineu weiter fuhren, sondern gleich an der kleinen Kreuzung am Ortseingang den schmalen Weg nach rechts in Richtung Algaida nahmen, der uns schon gestern so angelacht hatte.

Sencelles Algaida - Inselmitte zum Träumen

Dieser Weg ist Mallorcas Innenland in Reinform - eine schmale, vielleicht 3,50 m lange Straße, rechts und links von hüfthohen Schichtsteinmauern umgeben, die Obstbaumwiesen oder Schafherden einschlossen. Diese Straße blieb auf den gesamten 11,5 km nach Algaida wellig, kurvig und sonnig. Ein wirklicher Höhepunkt, wenn auch nicht so spektakulär wie die Fahrt nach Port de Valldemossa. Die Freude am Fahren wurde für mich leider getrübt, denn schon in Sencelles merkte ich meinen Flüssigkeitsbedarf, und unter der warmen Sonne merkte ich bald meine Leistungsfähigkeit deutlich schwinden. Dumm war, nicht die paar Minuten in Sencelles für die Wasseraufnahme aufzubringen, so schleppte ich mich letztlich wirklich auf dem Zahnfleisch, schon leicht hinter den anderen herhängend, nach Algaida (195 m), wo glücklicherweise gleich auf der Hauptstraße eine Tankstelle war, wo ich gierig Cola in mich hineinkippte. Das verbesserte meine Lage schlagartig, ich hatte wieder richtig Druck. Wenigstens so richtig, wie ich es hier auf Mallorca erwarten konnte.


Auf nicht mehr ganz so begeisternd schmaler Straße, aber immer noch ruhig ging es die 15 km nach Sant Joan (143 m) und weitere 5,5 km nach Petra (205 m), wo wir zur Feier des Tages noch einmal auf dem Dorfplatz einkehrten.
Von Petra aus kannten wir die Strecke nun schon sehr gut. Was für ein Unterschied war es aber, die zwar recht breite, aber perfekt asphaltierte PM 333 bei diesem wunderschönen Wetter zu fahren, das immer noch anhielt, und scharfe, lange Schatten auf der Straße hervorrief.
Den letzte Berg vor der Abfahrt zur Tankstelle wurde noch einmal richtig hochgetreten, dann nahmen wir den Gang raus und fuhren die letzten Kilometer auf der Küstenstraße locker nach Hause. Es war gegen sieben Uhr, als wir ziemlich begeistert von dieser abwechslungsreichen Tour zu Hause ankamen. Was hatten wir nicht alles gesehen: Die Dolomiten im Allgäu bei Orient zum Coll de Hono, die Abfahrt zur mediterranen Lebensfreude nach Port de Valldemossa, Mallorcas Innenleben pur auf dem Weg von Sencelles nach Algaida, Sonne, Schweiß und Endorphine.

Am Abend

Heute abend gab es dann noch Heimkino mit den Aufnahmen der Auffahrt von Port de Valldemossa, und, nach dem obligatorischen Nudelgericht (oder gab es diesmal Milchreis? Einmal gab es doch Milchreis) die noch obligatorischere Planung für morgen, den wir zum Ruhetag auserkoren hatten. Wir planten eine Anfahrt über Muro, Sineu und Sant Joan nach Petra, wo wir Martins und meinen Triathlonkumpel Joachim treffen wollten, einen ganz zähen Burschen, den ich eigentlich in meiner wenig vorzeigbaren Form nicht so gern treffen wollte - egal, wird der Ruf auch leiden. Weiter wollen wir über die Serpentinenabfahrt von der PM 333 über sa Vall nach Manacor fahren, die wir schon vom Sonntag kannten und der einzige Lichtblick auf dieser Regenfahrt von Palma zurück nach Hause war. Dies wird eine übertriebene Nordschleife bedeuten, um dann von Manacor aus über den bekanntermaßen schlecht erhaltenen Straße über den Berg nach Arta zu fahren. Touristischer und sportlicher Höhepunkt soll von hier die Auffahrt zum Eremit de Betlem werden, die von uns noch keiner kannte. Aber sowohl Erzählungen als auch das Aussehen auf der Karte verheißen einiges... eine tolle Auffahrt mit anschließenden Blick auf die Bucht von Alcudia, eine Abfahrt zur etwas unter dem Hochpunkt (360 m) gelegenen Eremitage, und den gleichen, hoffentlich bezaubernden Weg zurück nach Arta. Dann heißt es, in den sauren Apfel zu beißen, und auf der Küstenstraße C712 die letzten 15 km nach Hause zu fahren. Angepeilt waren ca 110 km, was für eine Wohltat für die geschundenen Beine.