Lagos de Covadonga (1135 m)

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Lagos de Covadonga (1135 m)

Cordillera Cantábrica, Picos de Europa, Asturien.
Fahren....
Covadonga, das ist ein Name wie ein Donnerschlag, bei dem jeder in Spanien hellhörig wird, verbindet man ihn doch mit den Anfängen der reconquista, sprich der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel von den Mauren. In der Nähe von Covadonga, einer Höhle in einem Seitental der Picos de Europa bei Cangas de Onís, muss nämlich in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, vermutlich im Jahr 722, eine Schlacht stattgefunden haben, in der zum ersten Mal seit dem Einfall der Mauren in Andalusien im Jahr 711 ein christliches Aufgebot die Muselmanen bezwingen konnte.
Über den genauen Ort und das Ausmaß der Schlacht herrscht Uneinigkeit. Es scheint wohl so gewesen zu sein, dass sich ein westgotischer Adliger namens Pelayo mit seinem Lehnsherrn, dem moslemischen Gouverneur Asturiens namens Munuza, überwarf, möglicherweise wegen der Heirat Munuzas mit der Schwester Pelayos, und sich von seinen Genossen zum Fürst ernennen ließ, um Munuza eins auszuwischen. Den ließ die Geschichte erst mal kalt, schließlich kam er aber doch in Wallung und schickte ein paar Jahre später seinen Feldherrn Alqama aus, um Pelayo eins aufs Haupt zu geben. Auf irgendeine Art und Weise gerieten die maurischen Truppen in das Tal von Covadonga, wo sie von den anscheinend zahlenmäßig unterlegenen Westgoten vernichtend geschlagen wurden.
Wie viele Krieger an der Schlacht teilnahmen, kann mangels genauer Quellen nicht mehr bestimmt werden. Jedenfalls dürften es nicht allzu viele gewesen sein, denn zwei große Heere hätten in dem engen Tal doch eher mit Platzproblemen als gegeneinander gekämpft. Wahrscheinlich war die Schlacht weniger eine militärische Schlappe für die Mauren als vielmehr ein überwältigender psychologischer Auftrieb für die Westgoten. Es gelang Pelayo nämlich, seine Macht zu verfestigen und von Cangas de Onís aus das erste christliche Reich auf der Iberischen Halbinsel nach dem Maureneinfall zu gründen. Dieses asturische Reich wurde bald schon so stark, dass sich die Mauren für immer aus Nordspanien zurückzogen. Vielleicht hätten sie das auch ohne die Schlacht von Covadonga getan, da die Form und die Erzeugnisse ihrer Landwirtschaft, die sie aus Nordafrika mitbrachten und in weiten Teilen der Iberischen Halbinsel erfolgreich etablierten, nämlich zum Beispiel die Kultivierung von Reis, Orangen und Baumwolle, für das atlantisch geprägte Klima des Kantabrischen Gebirges nicht geeignet waren bzw. sind. Also fehlte es ihnen in Nordspanien sowieso an einer vertrauten Lebensgrundlage.

Im Laufe der Zeit wurde aus der Höhle Covadonga, in der sich schon vor dem 8. Jahrhundert ein Marienheiligtum befand, der bedeutendste Wallfahrtsort in Spanien neben der Kathedrale von Santiago de Compostela (zu der sogar ausgebrannte Fernsehmoderatoren hinpilgern und als potentielle Bestsellerautoren zurückkehren). In der Höhle steht eine Kapelle eng an den Fels gemauert, die gar nicht mal so alt ist, nämlich aus dem 20. Jahrhundert. In der Nähe ist die Basilika von Covadonga nicht zu übersehen; dieser Kirchenbau wurde 1901 abgeschlossen.

Oberhalb des Tals liegen auf etwa 1100 m Höhe zwei Bergseen in den Picos de Europa, der Lago Enol und der etwas höhere Lago de la Ercina. Damit nähern wir uns nach langer Vorrede langsam aber sicher dem Thema von quaeldich.de: Eine asphaltierte Bergstraße führt dort hoch, die bis vor gar nicht so langer Zeit wenigstens in den Sommermonaten ein Verkehrsaufkommen wegstecken musste, das dem des Frankfurter Kreuzes in nichts nachstand. Ja, manche Leute würden eben mit dem Auto bis zur Toilette kutschieren, wenn das Gefährt in die Wohnung passte. Zum Glück ist die Straße heutzutage nur mit einer Sondergenehmigung zu befahren; wer mit überschaubarem physischen Einsatz zu den Seen gelangen will, muss sein Auto auf einen der Parkplätze im Tal stellen und in den Bus umsteigen. Diese Busse fahren mit schöner Regelmäßigkeit, und oft kommen zwei hintereinander.
Der Anstieg zu den Lagos de Covadonga hätte sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts beinahe für die Vuelta a España zu dem entwickelt, was Alpe d’Huez für die Tour de France ist, und was der Spanienrundfahrt gut zu Gesicht stünde: Nämlich ein allseits bekannter Schlussanstieg, der sozusagen das Aushängeschild der Veranstaltung ist. Es hat aber nicht sein sollen, die Lagos de Covadonga sind in der letzten Dekade außerhalb Spaniens wieder ein wenig in Vergessenheit geraten, weil sie immer unregelmäßiger ins Programm der Vuelta a España aufgenommen werden. Es gibt eben keine Skistation dort oben, die als Sponsor auftreten könnte.
Der Schönheit der Lagos und ihrer Umgebung dort oben tut das natürlich keinen Abbruch. Die Landschaft ist eine fabelhafte Mischung aus weißen Kalksteinfelsen, grünen Almen und mittendrin kleinen, blauen Seen. Merkwürdigerweise liegt die Baumgrenze auf der Nordseite der Picos de Europa sehr niedrig, was nicht ganz zu dem eigentlich auch im Winter milden Klima der nahegelegenen Atlantikküste passt. Wahrscheinlich ist es aber so, dass die atlantischen Fronten, begleitet von starken Winden, eben für eine schnelle Abkühlung auf dem Weg von unten nach oben sorgen. Das sehr wechselhafte Wetter kann einem einen Besuch der Lagos de Covadonga gewaltig verhageln. Auch im Sommer sind die Picos de Europa sehr oft in Wolken gehüllt, aus denen tagelang ein feiner Regen fällt, der in Asturien orvallo genannt wird.
Natürlich liegen die Lagos de Covadonga nicht weit von anderen befahrenswerten Anstiegen der Gegend um Cangas de Onís. Von der Küste aus sind die Lagos de Covadonga über den Mirador del Fito, von dem aus man sowohl die Küste als auch die Picos de Europa sieht, oder über den Alto de la Tornería vom Hinterland von Llanes aus durch die Sierra de Cuera zu erreichen. Nach Osten hin bietet sich der Besuch des spektakulären Jitu del Escarandi an, und im Süden von Cangas de Onís ist unter anderem das steile Kehrenspektakel zu dem Bergdorf Casielles hoch zu empfehlen.
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

Liste der Auffahrten

Nordwestanfahrt von Soto de Cangas19 km1040 HmSchön: 6 SterneHart: 4 Sterne

Nordwestanfahrt von Soto de Cangas  19 km / 1040 Hm Schön: 6 Sterne Hart: 4 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Nordwestanfahrt von Soto de Cangas
Die Sackgasse zu den Lagos de Covadonga beginnt in dem Dorf Soto de Cangas, von Cangas de Onís aus leicht zu erreichen über die AS-114, die von besagtem Cangas de Onís aus nach Osten hin am Nordrand der Picos de Europa verläuft. Die ersten 5 km des Anstiegs sind sowohl landschaftlich als auch von der Steigung her unspektakulär. Man fährt auf einer breiten, kaum spürbar ansteigenden Straße in einem noch ziemlich breiten Tal immer nach Südosten, vorbei an winzigen Dörfern und großen Parkplätzen, neben denen in der Feriensaison schon früh am Morgen Ausflügler auf die Busse zu den Lagos hoch warten. Links der Straße fließt der Riu Covadonga.
Nach 5 km passiert man die Grenze des Nationalparks der Picos de Europa, wo sich das Tal verengt und der Baumbestand des Tales zu einem luftigen, grünen Mischwald zusammenrückt. Von nun an nimmt die Steigung auf den nächsten Kilometern stetig zu, um sich dann ab Kilometer sieben bei einem Kilometerschnitt von 8 bis 10 % einzupendeln. Vorher aber kommt man noch an einem Kreisel vorbei, in dem der Weg zur Basilika abbiegt; die heilige Höhle ist auch zu sehen, wenn man einen kurzen Blick nach rechts wirft. Ab diesem Kreisel ist die Straße für den Autoverkehr gesperrt, es sind nur noch die Busse und einzelne Fahrer mit Sondergenehmigung unterwegs.
Ab dem Covadongaabzweig führt die Straße mit – wie schon erwähnt – deutlicher Steigung durch bewaldetes Gelände. Hin und wieder öffnet sich der Wald, so zum Beispiel ein paar Meter unterhalb des versteckt liegenden Mirador de los Canónigos auf knapp 400 m Höhe; von dort aus hat man einen schönen Überblick über das untere Tal, mit der Basilika ganz prominent in der Mitte.
Auf den nächsten Kilometern stehen immer mal wieder geduckte Steinhäuser am Wegrand, auch ein paar Kühe grasen die schmalen Wiesen ab. Der Wald wird immer niedriger und offener; die Vorfreude auf den fantastischen oberen Teil der Auffart steigt.
Unversehens erreicht man auf dem elften Kilometer eine lange, mit bis zu 15 % Steigung bestückte Gerade. Diese ist in der Region als „La Huesera“ bekannt. Warum die Gerade so heißt und was der Name bedeutet, weiß der Autor der Beschreibung nicht, aber La Huesera ist in nordspanischen Radlerkreisen eine der allerbekanntesten Strecken. Bekannter in Asturien ist mittlerweile nur die infame La Cueña les Cabres, das Supersteilstück am Angliru.
Nun, mit ein bisschen Geduld meistert man auch La Huesera, in der schon von weitem zu sehenden Kurve am Ende der Gerade lässt die Steigung wieder nach. Nach kurzem Durchschnaufen stellt man, vielleicht ein wenig erstaunt, fest, dass man nun auf nur etwa 800 m Höhe schon den Wald hinter sich gelassen hat und quasi im Hochgebirge angekommen ist.
Von nun an wird es spektakulär. Auf dem nächsten Stück der Auffahrt (dort biegt die Straße in einer langen Kurve um einen Berghang) hat man einen ersten tollen Blick auf La Huesera und die den Picos de Europa vorgelagerten Küstengebirge im Norden.
Die Straße kurvt also um den Berg herum und flacht für ein paar Meter ab. Das ist der Bereich des Miradors de la Reina auf ungefähr 930 m Höhe, der etwas oberhalb der Straße liegt. Hinter dem Mirador kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, so grandios ist die von Karstfelsen geprägte Berglandschaft, durch die sich die Straße windet. Zwischen den Felsen wachsen niedrige Bäume und Büsche oder erstrecken sich kleine Almen, was bei klarem Himmel zu einer grün-weiß-blauen Farborgie wird. Im Oktober muss es noch schöner sein, wenn die gelben und rotbraunen Herbsttönungen die Farbpalette ergänzen. Das Ambiente wird abgerundet von prächtigen Ausblicken über den Norden der Picos de Europa. Manchmal meint man sogar, ganz fern am Horizont hinter den Küstengebirgen den blauen Atlantik leuchten zu sehen.
Die Steigung ist in diesem letzten Teil der Auffahrt sehr unregelmäßig, aber da man so verzaubert ist von der Umgebung, wird man kaum darauf achten, ob der Weg gerade einmal abfällt oder eine kurze Rampe zu bewältigen ist. Die Krönung der Wegstrecke folgt auf dem 18. Kilometer, auf dem man um eine Kurve biegt und den tiefblauen Lago Enol unter sich sieht. Die Straße fällt an ihm vorbei ab, steigt um den nächsten Bergrücken herum wieder an und führt geradewegs auf den zweiten See, den Lago de la Ercina, zu. Dort ist dann leider Schluss.
Einen Wehrmutstropfen gibt es aber doch. Ab dem Lago Enol und natürlich besonders am Lago de la Ercina ist soviel „Betrieb uff der Gass“, sprich es sind so viele Ausflügler unterwegs, dass man gar nicht in aller Ruhe die Szenerie in sich aufnehmen und genießen kann. Aber so ist das nun einmal in unserer heutigen Spaß- und Freizeitgesellschaft. Und letztendlich sind wir auch ein kleiner Teil des Trubels, ob auf der Sellarunde, am Stilfser Joch oder bei den Lagos de Covadonga.


Persönliche Anmerkungen des Autors der Beschreibung: Ich bin zu den Lagos de Covadonga im August 2009 hinaufgefahren, in einem Jahr, in dem ich auf dem Rad durch sehr viele unterschiedliche Landschaften und Länder gekommen bin. Der Weg zu den Lagos de Covadonga ist aber mit Abstand die Strecke, die mich am stärksten in jenem Jahr beeindruckt hat.
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

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Platz   Fahrer     Zeit                    Datum            Aktion
Reinhard Mail an Absenderohne Zeit03.08.2010