Port de Cabús (2305 m)

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Port de Cabús (2305 m)
Coll de la Botella

Pyrenäen, Katalonien.
Die Traverse vom Paß her gesehen.
Der Port de Cabús ist der mitteleuropäischen Pässeradlergemeinde nicht allzu geläufig, obwohl er doch einer der höchsten Pyrenäenpässe ist, ein ganzes Stück höher sogar als der Tourmalet. Am Südrand der Pyrenäen ist er viel bekannter, oder vielmehr berüchtigt, weil er bis vor nicht allzu langer Zeit gerne von Schmugglern benutzt wurde, die zum Beispiel billige Zigaretten von Andorra nach Spanien brachten.
Den Schmugglern kamen dabei ein paar Umstände entgegen. Zum einen natürlich, dass über den Pass die Grenze beider Länder verläuft, und zum anderen, dass er weit ab vom Schuß liegt – er verbindet sozusagen den hintersten Winkel Andorras mit dem Pallars Sobirá, einer für katalanische Verhältnisse sehr bevölkerungsarmen Comarca. Ein dritter Aspekt ist ein ganz düsterer, und der hängt zusammen mit der beinahe gesetzlos anmutenden Geschichte des Dorfes Tor, der letzten katalanischen Ortschaft auf der Westanfahrt zum Pass.
In diesem Dorf wurden über die Jahre hinweg drei Menschen umgebracht. Die Morde, oder vielleicht waren es auch Totschläge, sind nie aufgeklärt worden und stehen im Zusammenhang mit einem einstmals auf Gemeindegebiet geplantem Skigebiet und den Schmuggelaktivitäten über die Piste vom Port de Cabús herab. Näheres ist nachzulesen in einem Buch von Carles Porta i Gaset mit dem Titel „Tretze cases i tres morts“, auf Deutsch erschienen als „Tor. Das verfluchte Dorf“. Die Geschichte wurde auch als Reportage im katalanischen Fernsehen gezeigt.
Die Geister der Vergangenheit sind immer noch aktiv in Tor. Die geplante Asphaltierung der Westauffahrt zum Pass musste 2008 eingestellt werden, weil sich einer der Protagonisten der mysteriösen Vorgänge in Tor, ein alter Knochen namens Palanca, gegen das Projekt stellte. In einer Regionalzeitung war zu lesen, dass die Straßenbauarbeiter sogar eines Morgens ein totes Pferd als Blockade vor ihren Maschinen fanden, das Palanca in der Nacht dort hingeschafft hatte. Wer weiß, wann der Berg dort zur Ruhe kommt.

Noch ein kurzer Exkurs für Sprachforscher: Der Name „Tor“ erinnert – nein, nicht an „Tor“ wie „Aus dem Hintergrund müßte Rahn schießen… Rahn schießt… Toooor, Tooor, Tooor, Tooooooor“ – sondern an die englische Bezeichnung Tor, die man für verwitterte Felsformationen, welche exponiert auf Hügeln zu finden sind, benutzt. Jenes „Tor“ ist ein ins Altenglische übertragener keltischer Begriff, und so ist zu vermuten, dass auch der Name des Dorfes ein Überbleibsel aus einer alten Sprache ist, die eventuell von den Kelten oder vielleicht von den Westgoten über die Pyrenäen gebracht wurde.

Zurück zum Port de Cabús: seltsam mutet es schon an, wenn man auf ziemlich breit ausgebauter Straße mit sehr ordentlichem Belag (wie eigentlich überall in Andorra) über Pal zur Passhöhe fährt und dann auf einmal vor der Knüppelpiste nach Katalonien herunter steht. Es kommt einem vor wie eine Straße ans Ende der Welt. Jedenfalls wäre der Cabús bei entsprechendem Komplettausbau ein echter Leckerbissen für alle Rennradler, welche die Südpyrenäen durchqueren. So aber fristet er ein Schattendasein und ist eher etwas für Mountainbiker. Wer aber durch Andorra kommt, sollte den Abstecher einplanen, denn der obere Streckenteil bietet grandios-weite Ausblicke, und die Schlußtraverse wird in den Pyrenäen nur von der Traverse durch den Cirque du Litor zwischen dem Col d’Aubisque und dem Col du Soulor übertroffen.
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

Liste der Auffahrten

Ostanfahrt von Andorra la Vella24 km1300 HmSchön: 5 SterneHart: 4 Sterne
Westanfahrt von Alins19,5 km1280 HmSchön: 0 SterneHart: 0 Sterne

Ostanfahrt von Andorra la Vella  24 km / 1300 Hm Schön: 5 Sterne Hart: 4 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Ostanfahrt von Andorra la Vella
Auch der Weg zum Port de Cabús beginnt eher ungemütlich in Andorra la Vella an der Caldea. Für die ersten Kilometer genügt der Verweis auf die Allgemeinbeschreibung Andorras, speziell der Teil mit der Überschrift „Der Horror“.
In La Massana passiert man den Abzweig nach Ordino (siehe die Beschreibung von Ordino-Arcalis. Hinter La Massana steigt die Straße in Richtung Erts gemächlich am Riu d’Arinsal entlang an. Um Kilometer 7 herum erreicht man einen Verkehrskreisel mit einer winzigen romanischen Kirche, die dort etwas verloren zwischen einigen Neubauten ihr Dasein fristet, und hält sich links in Richtung Pal. Geradeaus würde man über das Dorf Arinsal zur gleichnamigen Skistation gelangen.
Hinter dem Kreisel fährt man auf einer anfangs noch sehr breiten Straße nach Südwesten durch ein enges Tal, in dem der Riu de Pal herab rauscht. Auf halbem Weg nach Pal kommt man an einem sehr gemütlichen Dorf namens Xixerella vorbei, was den Eindruck macht, Garant für einen beschaulichen Urlaub zu sein. Die Steigung der Straße nimmt auf diesem Wegstück kontinuierlich zu, bis sie bei einem Kilometerschnitt von 8 % angekommen ist.
Vor Pal, was um Kilometer 10 herum in Sicht kommt, verbreitert sich das Tal zu einem nicht allzu umfangreichen Kessel. Nach Nordwesten hin kann man den Verlauf der Straße zum Port de Cabús weit oben am Berghang erahnen. Pal selbst hat einen urigen kleinen Dorfkern, aber die Bauindustrie, die vom Tourismus angeheizt wird, wetzt auch dort ihre Krallen, wie die Baukräne um die Dorfmitte herum beweisen.
Hinter Pal steigt die Straße über ein paar Kurven und Kehren auch mal mit Rampen von um die 10 % an. Von der Streckenführung her ist dieser Abschnitt bis zum Abzweig der Straße zur Skistation Pal nach etwas mehr als 13 km der abwechslungsreichste der ganzen Auffahrt. Weiter oben dominieren dann wieder die langen Geraden.
Hinter dem Abzweig zur Skistation biegt die Straße nach Nordwesten und führt über einige Kilometer an der bewaldeten Nordostflanke des Alt de Cubil (2364 m) entlang. Die Breite der Straße suggeriert dabei einen niedrigeren Steigungsdurchschnitt als die tatsächlich vorhandenen 8 %. Wie schon angedeutet, geht es über lange Geraden und hin und wieder langezogene Kurven nach oben. Allerdings kommt keine Langeweile auf, da der Wald nicht allzu dicht um die Straße herum steht und fantastisch weite Ausblicke über das Tal von Pal und die andorranische Bergwelt dahinter geboten werden. Auf die nahe Skistation deuten einige Lifte und Schneisen im Wald hin; diese Anlagen werden im Sommer von Downhill-Mountainbikern genutzt.
Auf dem achtzehnten Kilometer erreicht man den Col de la Botella auf etwa 2070 m Höhe. Als Pass nimmt man diese Stelle nicht wahr, weil die Straße zum Port de Cabús nicht abfällt. Allerdings ist man dort auf einem Bergkamm unterwegs, der vom Alt de Cubil bis zum Alt de la Capa (2572 m), den man an jener Stelle genau vor sich sieht, nach Norden reicht. Auf diesen Bergkamm führt von Westen her eine Piste aus dem Tal der Bordes de Setúria hoch, das zum Teil zu Andorra und zum Teil zu Spanien gehört. Diese Piste macht den Bergkamm zum Pass. Das Tal kann man aber auch auf einem wesentlich weniger beschwerlichen Weg aufsuchen, nämlich über die Straße von Aixovall – südlich von Andorra la Vella gelegen – nach Os de Civís. Der Name Bordes de Setúria selbst ist der Name des Weilers, der am oberen Ende des Tals steht.
Hinter dem Col de la Botella geht die Steigung zurück, und es öffnet sich ein grandios weiter Blick. Im Westen ist der Port de Cabús zu sehen. Bis zu ihm hin führt die Straße in einer langen Traverse an einem offenen Berghang entlang, der das Tal der Bordes de Setúria abschließt. Der Berghang selbst reicht hoch zu drei Gipfeln, nämlich dem schon erwähnten Alt de la Capa, dem Pic de Port Negre (2569 m Höhe) und dem Cap de l’Ovella (2542 m). An der Ostflanke des Pic de Port Negre führen übrigens einige von der Skistation Arinsal ausgehende Skilifte hinauf; so klein ist die Welt im allgemeinen und Andorra im besonderen.
Dieser Schlußteil ist Gänsehaut-Radfahren, wie es schöner kaum noch geht. Man ist umgeben von einer mächtigen, schier endlosen Weite. Die Steigung auf den Schlußkilometern nimmt man nicht wahr, da man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Die Szenerie weckt Assoziationen an ein riesiges antikes Theater. Epidauros hoch zehn, möchte man meinen. Der Berghang wäre dann die Zuschauertribüne und der Weiler ganz weit unten die Orchestra. Man durchmisst das ausgebreitete Rund der Tribüne und glaubt, abheben zu können und über den Talkessel zu fliegen.
Zurück zu profaneren Dingen: Der Port de Cabús liegt zwischen dem Cap de l’Ovella im Norden und dem Pic de la Bassera (2692 m) im Süden. Auf der Passhöhe sind im Sommer mehr Leute anzutreffen, als man auf einem so abgelegenen Fleckchen Erde erwartet. Bei den meisten Besuchern hat man aber den Eindruck, dass sie nicht so richtig wüssten, was sie dort oben eigentlich suchen. Sie genießen für ein paar Minuten den Blick auf die Berge und setzen sich wieder in ihre Autos. Und unsereins schwingt sich auf den Renner und fliegt zum Coll de la Botella zurück...
Für die Beschreibung danken wir AP Mail an Absender

Highscores

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Platz   Fahrer     Zeit                    Datum            Aktion
1.gyorgyigabor Mail an Absender2 h 19 m 38 s21.07.2007
IbanMayo Mail an Absenderohne Zeit08.09.2010

Westanfahrt von Alins  19,5 km / 1280 Hm Schön: 0 Sterne Hart: 0 Sterne

Diese Beschreibung ist ganz frisch bei uns eingegangen und befindet sich noch nicht in Redaktion. Der Beitrag wird noch redigiert.
Die katalanische Seite ist nur bis irgendwo vor Tor asphaltiert.

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