Schneeweiderhof (490 m)

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Schneeweiderhof (490 m)

Nordpfälzer Bergland, Rheinland-Pfalz.
Schneeweiderhof nach Norden.
Schneeweiderwiebitteschön??? Wo soll denn das liegen?
Oha – in der Nordpfalz – das klingt gefährlich. Nach Tundra, LEADER II-Region. Ob die sich da schon auf zwei Beinen fortbewegen können?
Es soll Vorderpfälzer geben, die, abgesehen von ihren regelmäßigen Canossa-Gängen auf den Betzenberg, noch nie einen Fuß in die beschriebene Region gesetzt haben. Die Überheblichkeit des Wein- und BASF-Adels gegenüber dem unterentwickelten Hinterwäldler ist ein historisches, im Übrigen aber auch kein ausschließlich pfälzisches Phänomen. Trotzdem ist das Land an Alsenz, Lauter und Glan in der Regel nicht das, was der gemeine Tourist mit Pfalz gleichsetzt. Gemeint ist immer die Weinstraßen-Wurstmarkt-und-Hambacher-Schloss-Pfalz. Umgekehrt ist das Verhältnis der Hinnerpälzer zu den reichen Verwandten stets auch ein wenig von Demut und Understatement geprägt.
Auch als Radsportler ist man geneigt, sich dieser Meinung anzuschließen. Beim Gedanken an Kalmit, Totenkopf oder Heldenstein, vier-, fünfhundert Meter am Stück, da kann man hier hinten einfach nicht mithalten. Auf den zweiten Blick wird jedoch bald klar, dass „die da vorne” zwar die längeren, „wir hier hinten” aber die steileren Berge haben. Nüsse wie der Donnersberg, der Potzberg oder gar der Falkenstein mit 25 % wollen erst einmal geknackt werden. Auch ist das Straßennetz dichter als in den Bergen am Haardtrand, was es ermöglicht, viele kleinere Rampen auf kurzer Strecke miteinander zu einer durchaus beeindruckenden Gesamtleistung zu verbinden. Alles in einem landschaftlich durchaus reizvollen Rahmen und bei nur geringer Beeinträchtigung durch den Autoverkehr.
Die höchsten Berge hier bestehen nicht mehr aus Buntsandstein wie im Pfälzerwald, sondern aus Tiefengestein. Es sind gewaltige Stöcke aus Porphyr oder Kuselit, welche in die Sand- und Tonsteinlagen der Saar-Nahe-Senke hineingepresst wurden und heute – von der Verwitterung herauspräpariert – als große, runde, aber nie ausgebrochene Vulkankegel das Nordpfälzer Bergland schmücken. Die Pfälzer Kuppeln werden sie sehr treffend im Geographendeutsch genannt. Jahrhunderte lang wurden die Massive auf der Suche nach Bodenschätzen durchlöchert. Zu holen gab es Kupfer, Silber, Eisen, Quecksilber, Schwerspat und sogar eine Prise Uran. Geblieben sind heute nur noch einige gewaltige Hartsteinwerke.
Das hier beschriebene Radfahrziel führt auf einen kompliziert aufgebauten Bergstock, welcher sich vom Reichenbachtal im Westen bis zum Talbachtal im Osten hinzieht und in mehreren Erhebungen über 500 m Höhe gipfelt. Höchster Punkt ist der Kiefernkopf, der markanteste der Bornberg, aus dem weiten Umkreis leicht erkennbar an seinem langen Fernsehturm. Den Kammbereich „zieren“ u.a. das Abfallentsorgungszentrum des Landkreises Kusel, mehrere momentan stillgelegte Steinbrüche sowie ein denkmalgeschütztes, aus dem düsteren Stein der Umgebung errichtetes ehemaliges Arbeiterwohnheim aus den 20er Jahren. Wegen der ungünstigen Verkehrslage wurde der hier oben gewonnene Schotter über eine fast 5 km lange Seilbahn bis nach Altenglan zur Bahnstrecke transportiert. Es wird berichtet, dass so mancher Steinbrucharbeiter diese Seilbahn illegal benutzt habe um der Einsamkeit für einige Stunden zu entfliehen. Daneben ist die eigentliche Siedlung Schneeweiderhof fast nicht erwähnenswert: eine Handvoll ehemaliger landwirtschaftlicher Gebäude, teils zu Wohnhäusern umfunktioniert, teils verfallen. Das Leben hier oben war sicher noch nie einfach, es handelt sich um eine der höchsten und abgelegensten Siedlungen der Pfalz. Ende des kleinen Exkurses!
Für die Beschreibung danken wir bruchpilot Mail an Absender

Liste der Auffahrten

Ostanfahrt von Eßweiler 3 km220 HmSchön: 3 SterneHart: 2 Sterne
Nordrampe von Hinzweiler4 km280 HmSchön: 3 SterneHart: 2 Sterne

Ostanfahrt von Eßweiler   3 km / 220 Hm Schön: 3 Sterne Hart: 2 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Ostanfahrt von Eßweiler
Im Vergleich mit bekannteren Pfälzer „Bergriesen” wie der Kalmit oder dem Donnersberg wirken die Dimensionen geradezu verspielt. Keine 3 km Fahrstrecke, bei gerade mal 220 m Höhendifferenz – macht knapp 7,5 % Durchschnittssteigung. Die Betonung liegt jedoch auf Durchschnitt, und der Großteil der Aspiranten kommt ja wie gesagt auch nicht wegen diesem Anstieg allein. Er ist vielmehr ein Baustein bei der beliebten Potzberg-Runde, welche von Kaiserslautern gefahren mit rund 90 km und mindestens 1000 Hm zu Buche schlägt. Das Warmmachen besorgen rund 20 km Bundesstraße durch das flache Lautertal und die gut 2 km lange, schnurgerade, aber mit etwa 6 % noch gemütlich zu nennende Rampe hinauf nach Rothselberg. Bei der leicht holprigen Abfahrt von dort nach Eßweiler wird nach einem Waldstück für einen Augenblick der Blick frei auf den Bornberg und das Sträßchen, das sich zu ihm hinaufzieht. Und genau da gehts jetzt hoch!
Durchgerüttelt in Eßweiler angekommen biegt man links in Richtung Jettenbach/Landstuhl ab, doch keine 200 m später weist bereits ein an die Stützmauer der Straße geschraubtes Schild wieder nach rechts zu unserem Ziel hin. Zwei kurze Spitzkehren aus dem Dorf heraus und dann ohne übertriebene Schnörkel auf exzellentem Asphalt weiter durch baum- und strauchlose Bergfelder zum Waldrand empor. Obwohl die Steigung die 10 %-Marke nur wenig überschreiten dürfte, handelt es sich um 1200 Meter harte Pfälzer Radsportrealität. Anhand der nackten Zahlen ist das nicht leicht zu erklären… Möglicherweise liegt es an der Optik dieser Rampe, an der hier oft herrschenden Hitze, wahlweise auch an der Windausgesetztheit – richtig locker herunterspulen konnte der Autor diesen Abschnitt bei seinen Befahrungen jedenfalls noch nie. Da ist es ganz gut, dass kurz nach der scharfen Linkskurve und mit dem Eintritt in den Wald das Schlimmste schon überstanden ist und die Steigung auf gemütliche 4 % nachlässt.
Es folgt etwas Geschlängel am Berghang aufwärts (eine Pipeline-Trasse eröffnet unterwegs einen schönen Ausblick auf das Landstuhler Bruch und die Sickinger Höhe), dann erreicht man die Wiesen und die Häuser des Schneeweiderhofs. Einige kurze Schlenker im 8 %-Bereich führen zum Scheitelpunkt der Straße auf 490 m Höhe. Nach dem vorangegangenen Erholungsstück sicher kein Problem mehr.
Trotz der Giftigkeit des Anstiegs wird wohl dennoch jeder begeistert von ihm zurückkehren, denn die nun folgende Abfahrt gehört bestimmt zum schönsten was die Pfalz an Landschaftsbildern zu bieten hat. Nachdem man das Hochplateau zwischen dem Born- und dem Hermannsberg überquert hat, leitet eine kurvige Passage durch den Wald hinaus auf einen freien Bergrücken. Insgesamt rollt man fast 4 km mit ungehindertem 180-Grad-Blick aus den „Bergen” hinunter in die sanfteren Gefilde des Glantals. Besonders empfehlenswert zur Zeit der Rapsblüte oder an einem sonnigen Spätherbsttag. Die Sicht reicht weit über das buckelige Land und wird erst von den lang gestreckten Waldkämmen des Hunsrücks begrenzt. Rechterhand erblickt man die imposanten Steilhänge des Königsberges, einem schönen MTB-Revier.
Ein bisschen Konzentration auf die Straße schadet allerdings nicht, denn urplötzlich wird man von einem Vorfahrt-Achten-Schild ausgebremst. Hier muss man sich entscheiden: Entweder nach rechts, in weiteren 80 Hm kurviger Abfahrt durch die Streuobstwiesen nach Hinzweiler und Rückkehr nach Eßweiler durch das wunderschöne Talbachtal mit der kleinen Sprengelburg. Oder nach links, ebenfalls in unterhaltsamer Abfahrt nach Horschbach, von wo man über Welchweiler und einen Zwischenanstieg von rund 150 Hm Altenglan und Mühlbach erreichen könnte. Denn dort wartet der Nordaufstieg zum Potzberg, dem „König des Westrichs” – noch mal 360 Hm der schärferen Sorte.
Für die Beschreibung danken wir bruchpilot Mail an Absender

Highscores

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Fahrer     Zeit                    Datum            Aktion
Schnellste Zeit: wemsa Mail an Absender0 h 09 m 13 s02.08.2009
Mittlere Zeit: Sprengmeister Mail an Absender0 h 10 m 26 s12.06.2011
Langsamste Zeit: 0 h 13 m 00 s27.06.2009

Nordrampe von Hinzweiler  4 km / 280 Hm Schön: 3 Sterne Hart: 2 Sterne

Profile und Tracks

Profil der Auffahrt Nordrampe von Hinzweiler
Denen, die eben nicht so fit sind (soll vorkommen) oder gerade keinen Bock auf die harten Sachen haben, kann die deutlich sanftere Nordrampe empfohlen werden. Startpunkte hierfür sind entweder das Dörfchen Hinzweiler im Talbachtal oder das noch kleinere Horschbach im benachbarten gleichnamigen Tal. Die Anfahrt ist noch komplizierter als für die Südrampe… von Kaiserslautern am schnellsten über das Lautertal, Wolfstein, Reckweilerhof und Aschbach. Von Norden auf der Glantal-Route (B420) nach Offenbach-Hundheim oder Glanbrücken und von hier jeweils nach Süden zu einem der genannten Ausgangspunkte.
Wir befinden uns zwar nicht am A… der Welt, aber man kann ihn von hier aus bereits sehen. Hinzweiler und Horschbach (beide auf ca. 210 m) sind nicht gerade Perlen unter den nordwestpfälzischen Bauerndörfern. In Hinzweiler ein hübsches romanisches Kirchlein umgeben von alten Bäumen… der Rest ein trauriger Wirrwarr von verwahrlosten, HORNBACH-geschändeten oder leer stehenden Häusern und ehemaligen Gehöften. Die Ortsdurchfahrt rangiert in der Kategorie „Schlechtester Fahrbahnbelag der Pfalz“ unter den Top Ten (2009).

Von der Ortsmitte rattern wir leicht ansteigend in Richtung Oberweiler/Rothselberg, bis nach wenigen hundert Metern der Abzweig nach Horschbach, Altenglan und zur Müllddeponie erreicht ist (exakt auf 218 m). Zu letzterer geht es jetzt empor, doch nicht abschrecken lassen… sie liegt so gut hinter den alten Steinbrüchen versteckt, dass weder Auge noch Nase beleidigt werden!
Ein windungsreiches Sträßchen mit gutem Belag führt mit 6 % Steigung genau 1 km hinauf zur Abzweigung zum Schneeweiderhof. Alte Apfel- und Birnbäume säumen den Weg – zur Blütezeit im Frühjahr eine Augenweide. Wir halten uns links und kurbeln bei weiterhin angenehmen Steigungswerten zwischen 4 und 6 % durch Felder und Weiden auf die markante, waldbedeckte Kuppe des Hermannsberges zu. Der Blick nach links über das Talbachtal zu den Steilhängen des Königsberges ist schön und eindrucksvoll zugleich. Schnell ist so der Waldrand erreicht, wo das lockere Leben dann doch nochmal von einem 600 m langen Abschnitt mit knapp 10 % unterbrochen wird. Mit dem Austritt aus dem Wald ist aber auch schon das Gipfelplateau zwischen Hermanns- und Bornberg erreicht. Fast eben geht es vorbei an der neuen Photovoltaikanlage der Pfalzwerke hinüber zur alten Steinbrecher-Mietskaserne und in einem letzten Durchdrückerhügel zur unscheinbaren Passhöhe. Die Abfahrt hinunter nach Eßweiler ist kurvig, rasant und im unteren Teil ebenfalls sehr aussichtsreich.
Insgesamt hat auch die Nord-Süd-Kombination ihre drei Schönheitssterne verdient. Bei der Härtewertung wären streng genommen nur 1,5 Sterne angebracht. Da aber immerhin fast 300 Höhenmeter zusammenkommen und die magischen 10 % zumindest tangiert werden, runden wir gnädig auf zwei Sterne auf.
Für die Beschreibung danken wir bruchpilot Mail an Absender

Highscores

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Platz   Fahrer     Zeit                    Datum            Aktion
1.wemsa Mail an Absender0 h 16 m 40 s02.08.2009
JoMei Mail an Absenderohne Zeit04.06.2010
fuxel Mail an Absenderohne Zeit17.04.2011
hornbebbi Mail an Absenderohne Zeit15.07.2011
paelzman Mail an Absenderohne Zeit28.04.2012