Jahorina (1560 m)
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DLRF: 2
Jahorina (1560 m)
Dinarisches Gebirge.
Diese Beschreibung ist kürzlich bei uns eingegangen und befindet sich momentan noch in Redaktion. Sie endet voraussichtlich am 30.04.2012.Zuständiger Redakteur: stb72
- mehr zur Redaktion erfahren.Die hier beschriebene Route vom Drina-Tal (Goražde) nach Sarajewo bildet ein sehr nützliches Glied für Tourenfahrer, die aus Serbien oder dem Norden von Montenegro weiter nach Sarajewo und Kroatien/Adria fahren oder umgekehrt. Denn im Gegensatz zu den Hauptstrassen Bosnien-Herzegowinas ("Magistrali") weist sie nur recht wenig Verkehr auf. Sie führt auch durch herrliche Landschaften: das dramatische, schluchtartige Drina-Tal, die sehr ursprüngliche Bauernlandschaft hinter Hranjen wo die Zeit stillgestanden zu sein scheint, die hochalpine Welt vor und hinter dem Jahorina, und schliesslich die pulsierende Weltstadt Sarajewo mit ihrer Mischung aus osmanischer, österreichisch-ungarischer und jugoslawischer Architektur.
Das Gebiet weist unterschiedliche Spuren vom Bosnien-Krieg auf. Besonders oberhalb von Goražde und Sarajewo gibt es noch heute zahlreiche ausgebrannten Häuser, in den ersten Kilometern der Auffahrt oberhalb von Goražde ist es zudem nicht gestattet die Strasse zu verlassen (akute Minengefahr). Im reizvollen Gebiet weiter oben hinter Hranjen sind die Bauernhäuser wiederaufgebaut worden. Im oberen Prača-Tal, das den Schlussaufstieg aus Osten zum Jahorina bildet, hat man eine herrliche, gepflegte, intakte hochalpine Bauernlandschaft, die jeglichem Kriegsschaden entkommen ist.
Varianten für Tourenfahrer (in Ost-West-Richtung)
1. Ab Ustiprača im Drina-Tal nur wenig nördlich von Goražde gibt es eine einfachere und interessante, jedoch vielleicht weniger aussichtsreiche Alternativstrecke nach Prača: die stillgelegte, ehemalige Bosnische Ostbahn wurde in eine einspurige Staubpiste umgewandelt (Ampelverkehr in den Tunnels).
2. Ab Prača können müde oder unter Zeitdruck stehende Radler direkt nach Sarajewo über das einstige Olympiadorf Pale fahren.
3. Ab Jahorina kann man direkt nach Pale fahren, die unten beschriebene Variante beinhaltet zusätzliche Höhenmeter und eine steilere Schlussabfahrt!
Für die Beschreibung danken wir Renko 

Liste der Auffahrten
| Ostauffahrt aus Gorazde (Drina-Tal) | 55 km | 1515 Hm | ![]() | ![]() |
Ostauffahrt aus Gorazde (Drina-Tal) 55 km / 1515 Hm

Diese Beschreibung ist kürzlich bei uns eingegangen und befindet sich momentan noch in Redaktion. Sie endet voraussichtlich am 31.05.2012.Zuständiger Redakteur: stb72
- mehr zur Redaktion erfahren.Hier stehen einige neue Häuser und auch jede Menge Ruinen - die Frontlinie zwischen den Verteidigern von Goražde und den Streitkräften der Bosnischen Serben verlief genau hier. Danach folgt ein längerer Abschnitt mit Warnzeichen links und rechts vor Minen - dies gehört zu den wenigen, noch nicht entminten Gebieten in Bosnien.
Der Höhengewinn dauert weiter an, rechts gibt es eine alte islamische Gedenkstätte, sie steht unter dem Schutz der "Republika Srpska", denn die Strasse bildet hier die seit 1995 geltende, sogenannte Entitätslinie.
Die Strasse ist asphaltiert, aber sie ist stark in die Jahre gekommen und fordert eine gute Menge zusätzlicher Energie.
Auf ungefähr 1000m über Meer kommt es zu einer Gabelung. Rechts biegt eine Schotterpiste ab, sie führt hinab nach Mesici im Tal des Flusses Prača (hier kann man zurück zur Drina fahren oder auf dem Trassee der ehemaligen Bosnischen Ostbahn bis zum Dorf Prača fahren, das auch auf der Route der hier beschriebenen Strasse liegt). Unsere Strasse führt links, gleichzeitig geht die alte Asphaltierung in Staub und Schotter über.
Mit mässigem Höhengewinn führt die Strasse weiter. Das Drina-Tal beginnt aus der Sicht zu verschwinden, die Landschaft wird zunehmend alpiner.
Schliesslich wird ein Höhepunkt erreicht, eine leichte Abfahrt beginnt. Links biegt eine vermutlich aus Goražde beginnende Schotterpiste ein, nun beginnt die Strasse wieder anzusteigen. Bald verengt sich die Landschaft, man führt in ein sehr ursprüngliches Gebiet mit alten und auch neuen Bauernhäusern. Man könnte im 18. Jahrhundert sein, es sei denn, es gäbe keine Autos oder die zahlreichen neueren Grabsteine. Die Strasse schlängelt, noch an Höhe gewinnend, und führt dann in eine Klemme. Dahinter beginnt eine steilere, serpentinenreiche Abfahrt teils auf Asphalt, teils auf Staub.
Danach breitet sich das neue Tal aus. Unsere Strasse erreicht dann die erwähnte ehemalige Eisenbahntrasse aus Ustiprača.
Links geht es auf der nun breiteren, durchwegs asphaltierten Strasse nach Prača. Danach wird die Entitätslinie erneut überquert. Hier führt die Hauptstrasse direkt nach dem Olympiadorf Pale und Sarajewo.
Links biegt an einer Tankstelle die Strasse nach dem Jahorina ab. SIe führt in ein enges Tal und weist während mehreren Kilometern nur geringes Höhengewinn auf. Der Talboden und die Bauernhäuser sind wunderbar und mit sichtlich viel Aufwand gepflegt, man könnte sich wirklich in den Schweizer Alpen befinden. Das Gebiet war stets nur von Serben bewohnt - da kam es weder zu Kampfhandlungen noch zur Vertreibung der einen oder anderen Religionsgruppe. Das Gebiet wirkt wie ein Stück Paradies: ein Bach fliesst sanft, Kühe fressen frei in den Feldern, kaum Verkehr - nur Stille.
Langsam nähert man das hintere Ende des Tals und die Strasse beginnt etwas ernsthafter an Höhe zu gewinnen. Serpentinen folgen auf der gut ausgebauten Strasse. Am nächsten Morgen ist die Luft hier glasklar und die Auffahrt bietet immer prächtigere Ausblicke über das Tal auf die umliegende Bergwelt.
In rund 1600m Höhe flacht die Strasse ab und beginnt vor einer Hotelsiedlung leicht an Höhe zu verlieren.Hier handelt es sich um das Ski-Dorf Jahorina. Es gibt mehrere Hotels die sich im Umbau befinden, wie ja auch in den Sommermonaten in den Skiorten der Alpen. Der Ort macht jedoch einen freundlicheren asthätischen Eindruck als die typischen französischen Retortenstationen, zum Beispiel.
Danach geht die Strasse in eine Serpentinenabfahrt über. An einem Partisanendenkmal führt die Hauptstrasse weiter hinab nach Pale und Sarajewo. Links biegt eine Strasse ab: Sie verliert zuerst sanft an Höhe, beginnt dann erneut zu steigen. Dieses Wechselspiel geht weiter und scheint endlos anzudauern - der Autor hatte seit Gorazde am Vortag nichts nennenswertes mehr gegessen. Die Landschaft ist wieder wunderschön alpin: Bauernhöfe und Wälder. Die Ähnlichkeiten mit den Alpen überrascht immer wieder.
Nun spielt die neue politische Ordnung eine Rolle: hier oben auf dem Territorium der Serbenrepublik gibt es Wegweisschilder zu Dörfern, aber nichts zur 600'000 Seelen-Stadt Sarajewo, die unten im Haupttal liegt. An einem ausgebrannten Haus biege ich in ein unsignalisiertes, uraltes Strässchen ein, das rasch an Höhe zu verlieren beginnt. Nun geht die Post ab: Plötzlich wechselt der Belag von uralt zu neu (wahrscheinlich die Entitätslinie), die Abfahrt setzt sich mit 15% Gefälle fort. Sicht plötzlich frei auf Sarajewo, und nun eine Express-Abfahrt hinab, durch restaurierte Häuser, ausgedehnte Grabenfelder, auf einem in uraltes Kopfsteinpflaster übergegangenen Strässchen, das schliesslich so steil, rutschig und einfach schlecht ist, dass ich mich auf dem MTB einige Meter lang nicht mehr getraue im Sattel zu bleiben!
Dann quert man eine Hauptstrasse, die Abfahrt setzt sich nochmals kurz fort, und geht am Fluss Miljaca zu Ende. Ganz in der Nähe ist die Latinski Brücke, dahinter die restaurierte und verkehrsfreie türkische Altstadt Baščaršija.
Für Radler hat diese lange Traverse vom Drina-Tal nach Sarajewo enorm viel positives. Das Drina-Tal ist landschaftlich und geschichtlich hoch interessant. Die Landschaften in den Bergen erinnern an die Alpen, sind aber oft ursprünglicher, wie die Alpen vielleicht vor 50 Jahren ausgesehen haben dürften. Aber allen voran ist der Abschluss fast einmalig: aus den Bergen führen Strässchen (besser gesagt: Rattenwege) sausteil den Berg hinab und spucken den Radler direkt in das Zentrum einer Weltstadt ab - dramatischer könnte die Ankunft kaum sein wie hier in Sarajewo!
Für die Beschreibung danken wir Renko 















